Freitag, 10. April 2026

Pulverlöscher in Aktenlagern, Antiquariaten und Archiven

Normalerweise werden Pulverlöscher seit ungefähr 30 Jahren wegen der immensen Löschmittelschäden ganz konsequent aus nahezu allen Innenbereichen verbannt und üblicherweise durch Schaumlöscher ersetzt. Nur dort, wo sie unentbehrlich sind, werden sie weiter vorgehalten. Typische Anwendung finden sie unter anderem in frostgefährdeten Bereichen wie Außenanlagen, Tiefgaragen und Parkhäusern, in Anlagen, wo versteckte, schwer zugängliche Brandherde vorhanden sein können wie in Heizungsanlagen oder KFZ-Werkstätten, in Betrieben, in denen hohe Temperaturen zu erwarten sind, die zu gefährlichen Wechselwirkungen mit nassen Löschmitteln führen können wie Gießereien, Verbrennungsanlagen, Brennöfen und nicht zuletzt auch in Anlagen und Betrieben, wo schnell viel Power gebraucht wird wie etwa Tankstellen, Lackstraßen, Tanklager, Raffinerien und Chemiebetriebe - in Sonderheit solche - wo Chemikalien verarbeitet und gelagert werden, die keinesfalls mit Feuchtigkeit in Verbindung gebracht werden dürfen (u.a. Ammoniunitrat, Karbid, Chlorate und Peroxide).

Das Löschmittel Pulver scheint heutzutage also als reines Sonderlöschmittel für ganz spezielle Anwendungszwecke eingesetzt zu werden und von daher dürfte es in diesem Zusammenhang sehr interessant zu lesen sein, dass Pulverlöscher häufig auch in Aktenlagern, Archiven und Antiquariaten mit verpflichtend aufzubewahrenden Aktenbeständen, zum Teil sehr alten, einzigartigen und unwiederbringlichen Dokumenten und/oder Büchern zum Einsatz kommen. Nicht etwa, weil es die günstigste Lösung ist sondern ganz bewusst und man kann sich durchaus die berechtigte Frage stellen, warum das denn so ist.

Vor einiger Zeit hatte  ich ein sehr angenehmes, aufschlussreiches und informatives Gespräch mit Klaudia Ketz, der Inhaberin des Antiquariates Hans-Jürgen Ketz in Münster. Wir saßen in einem alten Haus an einem alten Tisch auf alten Stühlen und waren umgeben von Unmengen wirklich alter und wahrscheinlich auch wertvoller Bücher. Der Grund meines Besuchs war dieser alte Feuerlöscher von GLORIA, Typ Pn 6 S von 1965, den wir hier links sehen. Die Atmosphäre war toll, das muss ich wirklich sagen und der alte Feuerlöscher hat vom Ambiente sehr gut dort hineingepasst.

Wir unterhielten uns natürlich über den Feuerlöscher, welcher 1965 mit der neuen Ölheizung in das wesentlich ältere Gebäude (ich schätze 1930er Jahre) eingezogen ist und eigentlich im Keller hing und nicht im Antiquariat selbst. Damals sorgte er dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechend für den ausreichenden Schutz der Feuerungsanlage und Frau Ketz fragte, ob der Feuerlöscher denn noch funktionstüchtig wäre - doch das konnte ich nur vereinen. Sie hatte es sich natürlich schon gedacht, dass ein 60 Jahre alter Feuerlöscher keinen Schutz mehr bietet und deshalb hat sie ihn ja auch abgegeben. Ich fügte noch an, dass das enthaltene BC-Pulver schon in den späten 1970er Jahren nicht mehr den Anforderungen der Feuerungsverordnung entsprach und es sich für so etwas wie antiquarische Bücher auch in keinster Weise eignen würde. Im Grundsatz gehören Bücher - egal ob antiquarisch oder neu - ausschließlich der Brandklasse A an, und Brände von Stoffen der Brandklasse A sind mit dem Standard-BC-Löschpulver nicht löschbar.


Schaut man mal in den entsprechenden Abschnitt der Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A2.2, liest man sehr schnell, dass sich bei Bränden von Stoffen der Brandklasse A anstelle von (ABC)-Pulver ohnehin Wasser- oder Schaumlöscher wesentlich besser eignen würden, da beim Einsatz solcher Geräte die Löschmittelschäden nur auf das Brandobjekt beschränkt bleiben. Soweit so gut, doch genau in diesem Punkt liegt das Problem. Wasser und Schaum zählen zu den nassen Löschmitteln und wenn Bücher nass werden, wird das Papier wellig, es klebt zusammen, schimmelt und was weiß ich und das Buch bzw. die Bücher, welche bei einem Entstehungsbrand  abgelöscht würden, wären danach definitiv und unwiederbringlich ein Fall für die Tonne. Frau Ketz bemerkte hierzu, dass das eigentliche Buch zunächst durch den Einband sehr gut eine gewisse Zeit vor der Einwirkung von Feuer, Hitze und Rauch geschützt ist. Auch an den offenen Kanten liegen die einzelnen Seiten so dicht aufeinander, dass ein Entstehungsbrand auch hier erst einmal nicht mehr Schaden als angesengte Ränder anrichten würde. Hitze und Feuer tun dem eigentlichen Inhalt des Buches in der Entstehungsphase eines Brandes also erst einmal nichts und um das Buch in dieser Phase nicht sprichwörtlich kaputt zu löschen, finden eben die ABC-Pulverlöscher auf diesem Gebiet eine doch breitere Anwendung, als man meint.
Beruflich betreue ich einige Archive mit wirklich alten Beständen und dort hängen auch nur Pulverlöscher. Ich weiß noch, als ich das erste Mal dort hinkam dachte ich auch… Pulverlöscher?? Aber nach etwas analytischem und einfachem Nachdenken erschloss sich mir dann der Grund zur Vorhaltung dieser Geräte. Um es ehrlich zu sagen: Auf der einen Seite wird beim Einsatz eines Pulverlöschers im Brandfall die Verschmutzung großer Teile des Bestandes billigend in Kauf genommen, was auf der anderen Seite jedoch gar nicht verhindert werden kann, wenn einzelne, direkt am Brandgeschehen beteiligte Bücher oder sonstige Dokumente bestmöglich erhalten bleiben sollen. Ebenso wie der Entstehungsbrand kann auch das Löschpulver so einem Buch erst einmal nichts anhaben, solange alles trocken ist bzw. bleibt. Der Löschpulver-Staub kann nämlich einfach abgebürstet, abgeblasen oder abgesaugt werden. Interessant oder? Also, wenn ihr demnächst mal irgendwo Pulverlöscher seht, könnt ihr ja mal darüber nachdenken, ob sie einfach die billigste Lösung für den Betreiber waren oder ob sie nicht doch einen ganz speziellen Zweck erfüllen.

C. Menzel 2026


Donnerstag, 22. Januar 2026

Crans Montana - Ein Feuerlöscher hätte geholfen

GLORIA Pi 6 G Schweiz
Am Neujahrsmorgen bricht gegen 01:30 in einer voll besetzten Bar im Schweizer Skiort Crans Montana ein Brand aus, welcher 40 überwiegend sehr junge Menschen das Leben kostet und knapp 120 weitere Gäste teils schwer verletzt. Als Ursache für diese verheerende Bilanz wird von verschiedenen Seiten ein Pyrolysebrand mit anschließender Durchzündung der Rauchgase angegeben. Als Brandschutzbeauftragter besitze ich selbstverständlich umfangreiche Kenntnisse über das Brandverhalten von Baustoffen und der unter der Decke verbaute, salopp als „Pyramidenschaum“ bekannte Dämmstoff gehört unbehandelt definitiv zu den schlimmsten Stoffen, die in Brand geraten können. Bei Feuerwehren und auch in meiner Welt des vorbeugenden Brandschutzes ist er als „fester Treibstoff“ bekannt und gehört in die Baustoffklasse B3. Materialien dieser Kategorie haben zumindest in Deutschland nichts in derartigen Etablissements zu suchen  (siehe dazu unter anderem die Sonderbauverordnung NRW).

Wie konnte sich das Feuer so schnell ausbreiten?
Problematisch bei vielen Schaumstoffen wie diesem ist, dass sie aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung - teilweise auch noch verstärkt durch den Herstellungsprozess - einen hohen Brennwert bzw. Heizwert besitzen, welcher im oberen Bereich in etwa mit dem von Benzin, Diesel oder Heizöl EL vergleichbar ist. Hoher Brennwert bedeutet heißes Feuer und somit auch hohe Temperaturen beim Brand. Zudem entwickeln Schaumstoffe in kürzester Zeit Unmengen an giftigem Rauch, welcher noch voller brennbarer Bestandteile steckt. So kommt es, dass bei einem Brand von Schaumstoff der Rauch sehr schnell dicker und dicker wird und das heiß brennende Feuer viel Hitze sowohl in die Rauchschicht, als auch die Umgebung bringt. Durch die aufgeheizte Umgebung breitet sich das Feuer exponentiell aus und in Windes Eile brennen plötzlich mehrere Quadratmeter, was zu einem weiteren, enormen Temperaturanstieg im Brandraum führt. Andere brennbare Stoffe im Raum, wie z.B. Möbel, Holzverkleidungen und Kunststoffe fangen an zu dampfen und beginnen, brennbare Pyrolysegase freizusetzen, welche sich ebenfalls in der Rauchschicht anreichern. Irgendwann ist durch den permanenten Input von Hitze schließlich der Punkt erreicht, an dem das Rauch-Pyrolysegas-Gemisch so heiß wird und zündet. Dieser Prozess läuft sehr schnell ab, sodass es in der Regel nicht mehr als drei Minuten vom Entstehungsbrand bis zum Vollbrand braucht. Temperaturen von 800 bis 1.000 Grad Celsius sind dabei keine Seltenheit.

Hätte jemand einen Feuerlöscher benutzt
Ich möchte jetzt nicht auch noch anfangen zu erörtern, wer warum woran wie Schuld ist - das wissen wir denke ich und dieser Frage gehen schon alle anderen nach. Für mich ist es an dieser Stelle viel wichtiger zu fragen, ob es irgendetwas gegeben hätte, um einen Brand diesen Ausmaßes zu verhindern. Die Antwort lautet: Ja, ganz klar - ein Feuerlöscher! Feuerlöscher sind Kleinlöschgeräte, welche binnen weniger Sekunden einsatzbereit sind und einen im Entstehen begriffenen Brand sicher eindämmen und ablöschen können. Es gibt Videos im Netz, wo ein Gast versucht, das schnell immer größer werdende Feuer mit seinem Pullover oder seiner Jacke auszuschlagen. Funktioniert natürlich bei einem Feuer dieser Größe nicht mehr, aber mit einem Feuerlöscher hätte er den Brand in diesem Stadium noch wirksam bekämpfen können. Er hatte aber keinen und genau das war der letzte verhängnisvolle Baustein zur Katastrophe. Wäre innerhalb der ersten Minute ein Löschangriff mit einem oder mehreren Feuerlöschern erfolgt, wäre alles noch glimpflich ausgegangen und der Vorfall hätte - wenn überhaupt - höchstens in der örtlichen Zeitung gestanden. Entstehungsbrände, die mit einem Feuerlöscher bekämpft werden, tauchen in den Medien in der Regel gar nicht auf, weil es tatsächlich recht häufig vorkommt, dass ein Feuerlöscher benutzt wird. Da dabei dann natürlich überhaupt nichts spektakuläres passiert, zeigen die Medien auch kein Interesse an solchen Vorfällen.

Fakt ist, dass kein Feuerlöscher benutzt wurde - ob jetzt einer, drei, fünf oder zwanzig vor Ort gewesen sind oder gar keiner, ist in diesem Falle völlig egal, denn wir kommen immer zum gleichen Ergebnis: Es wurde kein Feuerlöscher benutzt. Dieser Brand zeigt auf tragische Weise, wie wichtig Feuerlöscher sind, wie wichtig es ist, dass sie vor Ort sind, wie wichtig es ist, dass sie auch funktionieren, wie wichtig es ist, dass sie sichtbar, schnell erreichbar und sofort einsatzbereit sind und ebenso wie wichtig es ist, dass vor Ort auch jemand sein muss, der den Feuerlöscher benutzt! Letzteres kann man von saufenden Gästen natürlich nicht unbedingt erwarten, aber das Personal sollte in jedem Falle darauf geschult werden. Ich habe in den letzten Jahren viele viele Brandschutzhelfer ausgebildet und Brandschutzunterweisungen durchgeführt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass mal jemand aus einem Club oder der Gastronomie dabei gewesen wäre… ein wichtiger Punkt, an dem gearbeitet werden sollte

C. Menzel 2026

Freitag, 16. Januar 2026

GLORIA Typ P 6 D Baujahr 1970

Dieser P 6 D von 1970 erscheint im klassischen Stil seiner Zeit. Zum typischen Erscheinungsbild gehören der umlaufende, dreifache Aufdruck, die zugehörigen drei Haltelaschen sowie die griffigen Gummibeschichtungen an Tragegriff und Druckhebel. Im Gegensatz zu den früheren Modellen fällt auf, dass der Ventilkörper nicht mehr einfach nur aus einem Messingblock mit eingelegtem Tragegriff besteht sondern deutlich schlanker daherkommt. Verchromt oder vernickelt mit aufgesetztem Tragegriff sehen Ventilkörper und Armatur nun aus wie eine Einheit. Schön!

Dieser Feuerlöscher ist ein ganz besonderes Modell für mich, denn es war der erste Feuerlöscher, den ich als kleiner Knirps wirklich ganz in Ruhe aus der Nähe betrachten und sogar anfassen konnte. Dauerdrucklöscher wie dieser fanden sich im Prinzip nur in privaten Haushalten vor der Ölheizung und nur ganz selten in der Öffentlichkeit. Dieser hier - und es ist wirklich das originale Gerät - hing bei Familie Wolff im Keller. Sie waren von 1978 - 1984 unsere Nachbarn und Edith hat ab ungefähr meiner 8. Lebenswoche auf mich aufgepasst und mich umsorgt, da meine Mutter schon früh wieder arbeiten gehen musste. Heute würde man Tagesmutter sagen, aber den Begriff gab es früher glaube ich noch gar nicht und das würde unser Verhältnis nicht auch nur im Ansatz richtig umschreiben. Edith und ihr Mann Heiner waren wie Eltern für mich sowie auch für meinen Bruder und nachdem wir 1984 von Lipperode ins benachbarte Esbeck gezogen sind, blieb dieses Verhältnis bestehen, woraus sich eine wirklich echte Freundschaft entwickelt hat. Heute sind beide weit über 80 und erst vor zwei Wochen haben wir mit meinem Bruder und den beiden zusammengesessen und über alte Geschichten erzählt. Schön! Das gibt es nicht oft.

Ja - wie damals üblich in Wohnsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre bollerte auch bei Edith und Heiner eine Ölheizung im Keller und die Feuerungsverordnung schrieb vor, dass ein Feuerlöscher griffbereit vorhanden sein musste. Das war dann genau dieses Gerät, welches unmittelbar neben der Tür zum Heizraum in einem kleinen Vorsprung hing. Er hing auf etwa gut 1,80 m Höhe wenn ich mich recht erinnere und was glaubt ihr, wie oft ich da runter wollte nachdem ich wusste, dass er da hängt. Immer, jedes Mal, wenn ich da war - und das war oft. Wenn mich Edith oder Heiner auf dem Arm in den Keller trugen, hatte er die perfekte Höhe zum gucken und anfassen für mich. Als ich dann etwas älter war, hat Heiner den Feuerlöscher wann immer ich das wollte nach oben in die Wohnung geholt und da wurde er erstmal geputzt und gewienert, bis er mit der Sonne um die Wette glänzte. Ganz toll fand ich immer diesen kippeligen Boden, das weiß ich noch.

Und dann - das haben sie bei unserem Treffen letztens noch erzählt - wurde 1989 die Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzt und hinfort waren alle Verordnungen und Vorschriften, die diesen Feuerlöscher dort sehen wollten und dann habe ich ihn bekommen - und das ist jetzt auch schon 37 Jahre her. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

C. Menzel 2026

Samstag, 29. November 2025

Auf Spurensuche im Klinikum Lippstadt (EVK)

In Lippstadt gibt es zwei Krankenhäuser, welche vor gar nicht allzu langer Zeit unter der Bezeichnung „Klinikum Lippstadt GmbH“ zusammengefasst wurden. Unter sehr vielen Lippstädtern sowie auch bei mir sind noch die alten Bezeichnungen „Katholisches Krankenhaus oder Dreifaltigkeits-Hospital“ (Standort Klosterstraße) und „Evangelisches Krankenhaus EVK“ (Standort Wiedenbrücker Straße) in Gebrauch und ich glaube, dass sich das in den Köpfen von denen, die es noch so kennen, auch nicht ändern wird - also bei mir glaube ich nicht, ich tue mich da immer sehr schwer mit sowas. Hier links sehen wir das EVK mit seiner markanten Rettungswagen-Abfahrt im November 2025. In beiden Krankenhäusern war ich schon sowohl als Patient, als auch (zum Glück wesentlich häufiger) als Besucher unterwegs und ich bin ja einer, der auch früher schon immer und überall auf die Feuerlöscher geachtet hat. Heutzutage kommt zum reinen Interesse auch noch eine Form von Berufskrankheit hinzu und deshalb schau ich natürlich doppelt und dreifach hin.


Ja - just diese Tage war ich sehr häufig im EVK unterwegs und da kamen mir eben diese alten Erinnerungen an frühere Besuche von vor 30 - 40 Jahren wieder in den Sinn und ich fand es natürlich mächtig interessant, wie sich alles verändert hat. Also meine frühesten Erinnerungen reichen bis in die 1980er Jahre zurück, denn das EVK hatte eine Kinderklinik, in welcher mein Bruder lag weil er als Frühchen auf die Welt kam. Genau wie heute auch musste er da so lange liegen und umsorgt werden, bis alles wohlbehalten ist und das kann ja nun mal mehrere Wochen dauern. Damals war es so, dass das Kind alleine - ohne Mutter - dort lag und somit standen tägliche Besuche meiner Eltern an der Tagesordnung. Hin und wieder „musste“ ich mit, weil sich niemand um mich kümmern konnte und das war auf der einen Seite immer ziemlich blöd, da ich als Kind keinen Zutritt hatte und gefühlt stundenlang allein in einem Wartebereich zubringen musste mit meinen Herrenbüchern von Roger Hargreaves oder Lurchis Abenteuern. Andererseits waren die Besuche dort sehr interessant, weil es in so einem Krankenhaus jede Menge Feuerlöscher gibt. Aus dieser frühen Zeit erinnere ich mich allerdings nicht an wirklich viel - lediglich an einen GLORIA KS 6 S der ersten Version, welcher am Treppenabgang zum Heizkeller hing, so wie wir hier links einen sehen. Erblicken konnte ich ihn nur deshalb, weil damals wohl gerade Teile der Heizungsanlage getauscht wurden. Es lagen zumindest haufenweise Rohre auf der Wiese vor der Heizzentrale, die Tür stand offen und genau in diesem Moment konnte ich einen Blick darauf erhaschen. Toll war das und ich weiß noch heute, wie gern ich diesen Feuerlöscher gehabt hätte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich da auch von geträumt habe. Heute könnte ich nicht mal genau sagen, wo das denn war, da sich alles so verändert hat.

Ich habe jetzt die Tage dann auch erstmal versucht herauszufinden, wie das denn mal alles war und am Besten in Erinnerung geblieben sind mir die Besuche in den 1990er Jahren. Diese lagen mit 1993 und 1996 auch recht nah beieinander - 1993 war ich dort eine gute Freundin der Familie besuchen und 1996 war ich selbst als Patient dort - überstellt von Dr. Budde zum Röntgen wegen einer akuten Stirnhöhlenentzündung. Der ganze Komplex geht im Kern auf die 1960er Jahre zurück, wie man hier links anhand dieses markanten Vorbaus im Außenbereich sehen kann und drinnen an den Aufzugtypenschildern (Baujahr 1965) oder dem grünlichen Natursteinboden im hinteren Treppenhaus. Ansonsten steht da irgendwie kein Stein mehr auf dem anderen, denn das EVK wurde seit den 1990ern mächtig saniert und es gibt zahlreichen Um- und Anbauten im Innen- und Außenbereich. Wenn man ungefähr vor 30 Jahren das letzte Mal da war, ist das in Gesamtheit alles nicht mehr nachvollziehbar, wie wo was gewesen ist.

Der große KS 6 SE
Ich erinnere mich aber sehr gut daran, dass damals links im Eingangsbereich so eine Art Pforte oder Zentrale mit allerhand elektrischen Einbauten gewesen ist und dort saßen bei einem der Besuche zwei in weiß gekleidete junge Männer - weißes Poloshirt, weiße Hose, Tennissocken und weiße Clogs; so ähnlich wie die Jungs in der Schwarzwaldklinik. Es war warm - es muss August 1993 gewesen sein - die Tür stand offen und gab den Blick frei auf einen riesigen GLORIA KS 6 SE in der letzten Version der neuen Generation unter der DIN 14406 mit schwarzem Tragegriff und dem davon sehr weit abstehenden roten Druckhebel. Wer sich mal gefragt hat, warum die Armatur so sperrig ist: Zwischen Tragegriff und Druckhebel befindet sich das Sicherheitsventil mit Berstscheibe und das macht diese Armatur besonders, denn so etwas hatte es vorher nie gegeben und später auch nie wieder. Ein wahres Monster, über 1 m hoch in der Stahl-Variante und ich glaube, dass ich diesen Typ dort das erste Mal gesehen habe. Mega, dieses Gerät und auch den wünschte ich natürlich gern zu besitzen damals. Wie bei dem KS 6 S aus der Heizzentrale ein paar Jahre zuvor.

Grundsätzliche Ausstattung Anfang der 1990er Jahre
Ansonsten ist mir noch sehr präsent, dass am Anfang der Flure auf der linken Wand immer zwei Feuerlöscher hingen - und zwar nebeneinander ein ABC-Pulverlöscher GLORIA Typ Pn 6 G und rechts daneben ein Kohlendioxidlöscher GLORIA Typ KS 2 SBS - in Etwa so, wie wir es hier links sehen. 
Dass diese beiden Geräte genau in der Reihenfolge hingen, ist völlig unstrittig, doch ob es jetzt wirklich am Anfang der Flure war… Ich meine schon. Zumindest in den Fluren, wo ich damals gewesen bin. Bei Pulverlöscher und Krankenhaus werden jetzt viele wahrscheinlich die Nase rümpfen - zurecht, das tue ich in der heutigen Zeit auch, aber man soll es nicht meinen: Es gibt in den 2020er Jahren tatsächlich noch Krankenhäuser, wo Pulverlöscher auf den Fluren hängen. Ein Wahnsinn, denn mit 1x drücken kann je nach Ausstattung ein Schaden von mehreren 10.000 € entstehen.

Pulver war Standard
Damals vor über 30 Jahren war das Löschmittel Pulver jedoch Standard - im Supermarkt, in der Schule und natürlich auch im Krankenhaus. Es gab zwar in den 1980er Jahren auch wieder Schaumlöscher, doch die waren teuer in der Anschaffung und teuer im Unterhalt, sodass sie kaum am Markt vertreten waren. Ich habe gerade mal überlegt, wo ich als Kind in den 1980er und frühen 1990er Jahren mal einen DIN-Schaumlöscher gesehen habe… nirgendwo. Wenn irgendwo eine Alternative zu einem Pulverlöscher her musste, dann wurde in der Regel auf Wasserlöscher zurückgegriffen. Obwohl die Leistung im Vergleich zu Pulver deutlich geringer war, kamen sie in Schulen oder Verwaltungen häufiger zum Einsatz - das habe ich zum Beispiel damals an meiner alten Schule, dem Ostendorf-Gymnasium selbst erlebt. Dort gab es einen Wasserlöscher im alten Osttrakt vor dem markanten Übergang zum Mitteltrakt. Aber Wasserlöscher in einem Krankenhaus… da war man skeptisch und ich habe dort auch noch nie einen gesehen. In Krankenhäusern kommen große Mengen brennbarer Flüssigkeiten der Brandklasse B zum Einsatz und es gibt Unmengen von Schaumstoffen und anderen Kunststoffen… da kommt ein reiner Wasserlöscher nicht gegen an.
Hinzu kommt, dass es bis zur Ablösung der deutschen DIN 14406 durch die Euronorm EN 3 im Jahre 1993 (de facto am Markt wahrscheinlich nicht vor 1994) die Schaum- und Wasserlöscher ausschließlich mit 10 l Inhalt gab und sie dementsprechend schwer und klobig waren. Hier links sehen wir einen zeitgenössischen Wasserlöscher nach DIN mit 10 l Inhalt - Wasser + Netzmittel ergibt 10,3 kg Netto-Löschmittelmasse plus Behälter und Anbauteile - so ein Ding ist wirklich groß und schwer und kratzt an der 18 kg-Marke. Da war ein Pulverlöscher mit nur 6 kg Inhalt und einem Gesamtgewicht um 10 kg deutlich einfacher zu handhaben und zudem auch deutlich effektiver. Die benutzte Pn-Variante, s. o., war durch den rückseitig am Behälter verlaufenden Schlauch auch einer der kompaktesten Feuerlöscher seiner Zeit und bot wahrscheinlich das beste Preis-Leistungsverhältnis. In vielen städtischen Gebäuden sowie in Parkhäusern war der Pn auch zu finden.

Ein Hauch von Erstausstattung
Um also alle in einem Krankenhaus vorherrschenden Brandgefahren sicher mit einem Handfeuerlöscher abdecken zu können, blieb den damals Verantwortlichen im Prinzip wahrscheinlich gar nichts anderes übrig, als der Einsatz von Pulverlöschern. Wenn man bedenkt, dass das Gebäude ursprünglich aus den 1960er Jahren stammt, kann eigentlich von Seiten des Brandschutzkonzeptes damals auch nichts anderes gefordert worden sein. In den 1960er Jahren gab es auch überhaupt keine Schaum- und Wasserlöscher, da diese so ziemlich herstellerübergreifend ab 1959 vollständig durch die leistungsstarken, verhältnismäßig günstigen, pflegeleichten und universell einsetzbaren Pulverlöscher verdrängt wurden. Zudem war der Begriff „Löschmittelschäden“ bei den Versicherern bis Anfang der 2000er Jahre noch nicht wirklich im Vokabular. Hier links sehen wir einen GLORIA Pn 6 G aus den späten 1960ern und genau ein solches Modell hätte zur Erstausstattung gehören können. Ich habe auf einer Station GLORIA-Standardhalterungen aus der Zeit von 1965-1972 entdeckt - zwar gekürzt und neu aufgehängt, weshalb man anzweifeln muss, dass das der originale Standort ist - aber trotzdem ein Hauch von Erstausstattung. Was da allerdings ursprünglich für Löscher dranhingen, weiß ich leider nicht. Kohlendioxidlöscher bzw. Kohlensäure-Schneelöscher, wie sie bis 1979 hießen, waren es nicht, denn die hatten andere Halterungen - auch die großen K6. Dieser alte Pn von 1969 dient nur als Beispiel. Es könnten auch Pi dort gewesen sein, aber ich weiß es wie gesagt leider nicht.
Vielleicht auch in weiß, denn bis etwa 1970 wurden in Krankenhäusern durchaus auch weiße Feuerlöscher installiert. Warum? Nun, man war der Ansicht, dass ein knallroter Feuerlöscher auf einer weißen Wand Körper und Geist soweit in Unruhe versetzen könnte, dass dadurch unter Umständen die Genesung beeinträchtigt wird… Verrückt… mir geht es so, wenn ich einen weißen Feuerlöscher mit knallrotem Aufdruck sehe… aber gut, so war das damals. Hier links sehen wir einen solchen Exoten vom Typ Pi 6 G aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Privatpersonen bzw. im Prinzip jeder, der solch ein Modell in weiß haben wollte, konnte diese Ausführung auch kaufen für Gewerbe oder privat. Ich meine irgendwo in einem alten Prospekt mal gelesen zu haben, dass ein Gerät in weiß 2 DM teurer war, als eines in rot. Muss ich nochmal gucken bei Gelegenheit, wo ich das gesehen habe. Wie gesagt: die weißen Modelle gab es bis etwa 1970 und somit kann es durchaus sein, dass die Erstausführung der Standard-Pulverlöscher in der Farbe weiß gewesen ist.

Kohlendioxid löscht rückstandsfrei 
Dass sich allerdings allem Standard zum Trotz über die Themen Löschmittelschäden und dadurch verursachte Ausfälle mitunter lebensrettender Geräte Gedanken gemacht wurden, zeigt die Tatsache, dass zumindest ab 1990 dem Pulverlöscher ein vollkommen rückstandsfrei löschender Kohlendioxidlöscher zur Seite gestellt wurde. Der benutzte Typ KS 2 SBS wurde erst 1990 zugelassen. Ob vorher auch schon eine Kombination aus Pulver und Kohlendioxid vorgehalten wurde, kann ich nicht sagen. Aus originalen Bauunterlagen anderer Krankenhäuser aus den 1970er Jahren weiß ich, dass das Löschmittel Kohlendioxid nur in OP- und EDV-Bereichen eingezeichnet war und möglicherweise ist es hier ähnlich konzipiert gewesen und die Kohlendioxidlöscher kamen später hinzu. Gut mitgedacht auf jeden Fall, denn wenn wirklich nur eine Kleinigkeit kokelt oder an irgendeinem Gerät - sei es irgendetwas aus der Medizintechnik oder der Fernseher im Patientenzimmer - ein Kabel schmort, kann das mit dem Löschmittel Kohlendioxid ohne jeglichen weiteren Schaden wortwörtlich ausgepustet werden. Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich beruflich in einem Klinikum und habe dort zusammen mit meinem Kollegen auf Geheiß der Versicherung sozusagen an bestimmten Einrichtungen wie Unterverteilungen, ELA, Aufzugsmaschinenräume und dergleichen insgesamt über 30 Kohlendioxidlöscher nachgerüstet. Ich bin mir fast sicher, dass ich damals diesen Typ KS 2 SBS auch zum ersten Mal im EVK gesehen habe.

Die ASR fordert Schaumlöscher
Die Arbeitsstätten-Richtlinien in ihrer letzten Fassung von 1976 wurden 2004 durch die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) abgelöst und diese fordern, dass bei der Auswahl der eingesetzten Feuerlöscher die Folgen von Löschmittelschäden zu berücksichtigen, d.h. so gering wie möglich zu halten sind. Seit gut 20 Jahren ist es daher so, dass standardmäßig Schaumlöscher eingesetzt werden, da diese die in den meisten Bereichen vorherrschenden Brandgefahren durch Stoffe der Brandklassen A und B sicher beherrschen und den dabei geringsten Schaden verursachen. Schaum ist ein punktuelles Löschmittel - es wird nur der Brandherd selbst verschmutzt. Die modernen Schäume sind auch deutlich leistungsfähiger als die aus den 1980er Jahren und die 1993 neu eingeführte EN 3 ermöglichte zudem den Einsatz von handlichen 6 l Schaumlöschern - anstatt der dicken Eimer mit 10 l Inhalt und fast 20 kg Einsatzgewicht. Das Bild hier links zeigt den aktuellen Standard mit zwei Schaumlöschern auf dem Flur, wie hier links im Originalbild von mir selbst fotografiert am 01.11.2025. Kohlendioxid gibt es hier nicht mehr.
Ich wiederhole noch einmal, dass das EVK in den frühen 2000er Jahren umfassend saniert, um-, an- und ausgebaut wurde und im Zuge dessen zogen vermutlich die ersten modernen Schaumlöscher des Typs SKK 6 LW ein, so wie wir hier links und auch im Bild oben einen sehen. Der Typ SKK läutete Anfang der 1990er Jahre als eines der ersten Geräte unter der neuen EN 3 die Ära eines völlig neuartigen Schaumlöschers mit Kartuschentechnik ein, welcher im Unterhalt bezahlbar war und großen Anklang fand. Ich kenne das selbst von der Arbeit - alle Gebäude, die vor 2012 mit Schaumlöschern ausgestattet wurden, hatten alle den SKK und ich möchte einmal die Behauptung aufstellen, dass der Typ SKK ebenso wie der Typ Pi das meist verkaufte Gerät seiner Zeit war.
Aber die Ära des SKK und auch die des Nachfolgers SK ist vorbei. An ihre Stellen treten in den nächsten der neue fluorfreie Typ SKA+. Auch die beiden SKK, die ich im EVK gesehen habe, sind als 2005er Geräte am Ende ihrer Lebenszeit und sollten bei der nächsten Instandhaltung ausgetauscht werden.
Eine sehr schöne Reise bzw. Zeitreise an einen Ort, wo ich schon öfter war aber ewig nicht gewesen bin und es ist wirklich sehr interessant zu sehen, wie sich Orte verändern und wie sich - mit dem nötigen Hintergrundwissen dann - das Puzzle langsam ein Ganzes wird. Die Objekte, die ich als Brandschutzbeauftragter und Brandschutztechniker betreue, kenne ich persönlich nicht von früher, da ich in Lippstadt und nicht im Ruhrgebiet aufgewachsen bin. Es gibt zwar auch dort Hinweise und Relikte, die erahnen lassen, wie es früher einmal gewesen sein muss, aber das ist natürlich etwas ganz anderes im Vergleich zu Objekten, die man wirklich aus früheren Zeiten kennt.

Wer sich vielleicht jetzt fragt, was ich privat in einem Krankenhaus gemacht habe: Mein kleiner Sohn ist Ende Oktober im Klinikum Lippstadt, im alten EVK, zur Welt gekommen und in Anbetracht dessen ist so ein Krankenhausbesuch natürlich etwas sehr erfreuliches :)

C. Menzel 2025

Sonntag, 16. November 2025

GLORIA Typ P 6 GD Baujahr 1979

Hier haben wir nochmal einen klassischen 6 kg Dauerdrucklöscher nach alter DIN 14406. Dieser Feuerlöscher ist Baujahr 1979 und dürfte einer der allerletzten seiner Art sein, da die DIN 14406 bereits 1978 grundlegend überarbeitet wurde - zudem waren 1979 auch die neuen PD-Modelle schon am Markt.

C. Menzel 2025

Freitag, 14. November 2025

PFAS in Schaum- und Fettbrandlöschern

Das Thema rund um PFAS taucht immer häufiger in den Medien auf und diese als PFAS abgekürzten per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen werden nun auch immer häufiger in einem Atemzug mit dem Wort Feuerlöscher verwendet. In meinem Beruf als Brandschutzbeauftragter und Brandschutztechniker habe ich täglich mit dem aktuellen PFAS-Diskurs zu tun und möchte nun auch hier einmal die Gelegenheit ergreifen, über dieses Thema zu sprechen. Die PFAS gehören zur Stoffgruppe der polyfluorierten Tenside (PFT) und stecken vor allem in Schaumlöschern und auch in allen anderen Nasslöschern, welche für die Brandklasse B geeignet und zugelassen sind. Die neuzeitlichen Schaumgemische, wie es sie seit Mitte der 1970er Jahre gibt, wurden in den letzen 50 Jahren schon einmal alle durch die Bank weg verboten und durch weniger schädliche Mittel ersetzt. Genau wie den PFOS und PFOA belasteten AFFF- (Lightwater / Glorilight) und Imprex-Schäumen (z.B. Imprex 05 / Imprex eco+, Imprex S etc.)* geht es nun also auch den weitaus weniger schädlichen, aber PFAS-haltigen Löschmitteln an den Kragen. Was ist denn daran so schlimm?

Das Problem an den PFAS bzw. an der ganzen Stoffgruppe der PFT ist, dass sie zu den sogenannten Ewigkeitschemikalien gehören. Diese künstlich geschaffenen chemischen Verbindungen sind persistent und bauen sich nicht ab. Dadurch, dass sie nicht abbaubar sind, gelangen sie über verschiedene Wege wie z.B. das Grundwasser in unsere Nahrungskette und reichern sich im Körper an. Selbst bei den Eisbären in der Antarktis seien schon PFAS im Blut nachgewiesen worden, wie ich erst vor einigen Monaten bei einer Fachtagung hörte. Alles, was sich im Körper anreichert und dort nicht hingehört, ist potentiell schädlich und kann zu gesundheitlichen Problemen führen. So wie das Rauchen… aber das ist ein anderes Thema. Die aktuelle PFAS-Regulierung sieht vor, den Einsatz solcher Löschmittel zunächst drastisch zu reduzieren und in absehbarer Zeit ganz zu verbieten. Notwendige Neufüllungen mit fluorhaltigen Löschmitteln sind ab diesem Jahr nicht mehr möglich und nach jetzigem Stand müssen bis zum 31.12.2029 alle betroffenen Geräte vom Markt sein.

Jetzt stellt sich natürlich die spannende Frage, welche Geräte betroffen sind und eine Antwort auf diese Frage kann herstellerübergreifend unter völligem Verzicht von Typenbezeichnungen oder Zulassungsnummern ganz einfach getroffen werden: Alle Schaum- und Fettbrandlöscher, welche im Siebdruck das Piktogramm der Brandklasse B tragen und vor 2022 produziert worden sind, werden ein PFAS-belastetes Löschmittel haben. Viele 2022er Geräte darüber hinaus auch noch - ganz einfach deshalb, da das Ganze so eine Art Nacht-und-Nebel-Aktion war. Ich erinnere mich an den Dezember 2021 - da gab es dann ganz hoheitlich von GLORIA selbst ein Online-Briefing - es war ja Corona - zum Thema und ab da nahm das Ganze dann seinen Lauf. Die Hersteller mussten dann natürlich head over heels entsprechende Löschmittel ohne PFAS entwickeln und das ging halt nicht von heute auf morgen… und deshalb wurden 2022 noch viele fluorhaltige Schaum- und Fettbrandlöscher verkauft. Wirklich sicher sein einen fluorfreien Schaum- oder Fettbrandlöscher zu besitzen kann man tatsächlich nur dann, wenn man im Fachhandel ein Gerät kauft bzw. gekauft hat, welches eindeutig als fluorfrei deklariert ist. Begriffe wie Öko, Eco, Eco+, Bio, Nature und dergleichen zählen nicht. Auch bildliche Darstellungen wie Bäume und allsonstiges sind irreführend, wenn da nicht fluorfrei drunter steht. Manche Hersteller haben auch im Siebdruck irgendwo noch dazugeschrieben, dass das Löschmittel nur 0,04% Fluor enthält… das ist ja alles gut und schön, doch es sind dann aber immer noch 0,04% Fluor zu viel.

Der Fachhandel empfiehlt, fluorhaltige Schaum- und Fettbrandlöscher alsbald im Rahmen der nächsten anstehenden Instandhaltung durch ein fluorfreies Gerät zu ersetzen. Noch ist die Entsorgung nämlich einigermaßen günstig. Wenn das Verbot erst einmal in voller Reichweite gegriffen hat, dann steigen auch die Entsorgungskosten. Es soll in Europa nur eine Hand voll Anlagen geben, die in der Lage sind, fluorhaltige Abfälle nach den neuen Kriterien fachgerecht zu entsorgen. Das lässt die Entsorgungskosten natürlich explodieren wie beim Halon. Die Entsorgungskosten von 1kg Halon liegen aktuell bei satten 25,00 € (6 kg-Halonlöscher = 125,00 € Entsorgungskosten) und diesen teuren Weg werden auch die fluorhaltigen Löschmittel einschlagen. Daher nochmals die dringende Empfehlung, PFAS-haltige Feuerlöscher bei der nächsten Gelegenheit fachgerecht entsorgen zu lassen und zu ersetzen.

Betroffen sind wie gesagt nur Nasslöscher, welche auch für die Brandklasse B zugelassen sind und aus dem Hause GLORIA wären das die Schaumlöscher der Typenreihen SKK, SK, SE, SE+, SHKE, SKH, Ni, SDE, S6 und S2 sowie die Fettbrandlöscher Typ SFI und FB. Die SK-Serie ist auf fluorfreies Löschmittel umrüstbar, sofern der betreffende Löscher noch nie aktiviert und neu gefüllt wurde. Ob sich eine Umrüstung aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten lohnt, hängt vom Alter und Zustand des Gerätes ab. Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Leistung für die Brandklasse B durch die Umrüstung erheblich sinkt. Fluorfreie Schaum- und Fettbrandlöscher der Typenserien SKA+ und FA würden sich als gleichwertiger Ersatz sehr gut eignen. Grundsätzlich nicht betroffen sind Wasserlöscher (A), Pulverlöscher (ABC / BC / D) und Kohlendioxidlöscher (B).

Dienstag, 28. Oktober 2025

GLORIA Typ P 12 GD Baujahr 1977

Hier haben wir einen der imposanten P 12 GD der späten 1970er Jahre, welcher alle typischen Merkmale bestens zum Ausdruck bringt. Am markantesten ist wohl die Druckhebelarmatur mit dem kurzen Druckhebel und dem langen, zum Ende hin geschwungenen Tragegriff. Die mittig am Behälter verlaufende Schweißnaht teilt den Aufdruck und sorgt in diesem Bereich für ein sperriges Erscheinungsbild. Der Schlauch ist im Vergleich zum riesigen Behälter geradezu winzig, weil diesbezüglich zwischen den wesentlich kleineren 6 kg-Geräten und den 12ern kein Unterschied gemacht wurde. Der Schlauch hatte immer dieselbe Länge, wodurch er beim großen 12er etwas kurz ist. Im Prinzip gab es diese großen 12kg Dauerdrucklöscher nur in Privathaushalten vor der Ölheizung und auch nur bei denen, die mehr als 5.000 Liter Heizöl bevorrateten. Die meisten Häuser, so wie auch unseres, haben Tanks bis 5.000 Liter Inhalt und somit kamen diese Geräte längst nicht so häufig vor, wie die kleinen 6er. In Industrie und Handel fand man sie kaum, aber genau solch ein Gerät hing bei Zoo Gerke in Lippstadt (Gartenstraße) im Kassenbereich. Es gab einen Tresen, wo die Kasse draufstand und an der Rückwand, wo sich auch noch allerlei anderes Zeug befand, hing auf etwa 1,80 m Höhe dieser riesige Feuerlöscher. Ich war häufiger mal bei Zoo Gerke, da sie dort eine große Teich- und Zierfischabteilung hatten und genau aus diesem Sortiment wurde immer etwas gekauft. Das muss so Anfang der 1990er Jahre gewesen sein und ich stand dann, wenn es ans Bezahlen ging, immer mit großen Augen an der Kasse und blickte ehrfürchtig auf diesen wahrhaft majestätischen Feuerlöscher.

Dieser Feuerlöscher hier hat eine schöne Geschichte zu erzählen, denn ich kannte ihn schon lange, bevor ich ihn mein Eigen nennen konnte. Er hing im Keller unserer damaligen Nachbarn, den Haases. Es hatte sich irgendwie so eingebürgert, dass Lothar und Edeltraud Haase immer am 2. Weihnachtstag am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen zu uns kamen und da die beiden selbst keine Kinder hatten, brachte „Onkel Haase“, wie wir ihn nannten, mir und meinem Bruder zu Weihnachten immer tütenweise Weihnachtsgeschenke mit. Ganz tolle Sachen, viel Lego für mich und für meinen Bruder, der 6 Jahre jünger ist als ich, gab es auch immer etwas nach seinen Interessen. Das machte ihnen großen Spaß, uns zu beschenken und es war immer richtig klasse. Im Gegenzug luden sie meine Eltern und uns Kinder dann immer an Neujahr zu sich ein und Haases hatten einen ganz tollen Partykeller mit Billardtisch, Spielautomaten, Jukebox und so weiter. Es dauerte dann natürlich nie lange, bis wir da runter wollten und unserem Wunsch wurde auch jedes Mal nachgekommen. Das Beste für mich war aber immer der Weg zum Partykeller, denn der führte am Heizraum vorbei und genau dort hing seit 1977 dieser Feuerlöscher auf einer schwarzen Tapete mit goldenen Ornamenten und lila Blumen. Den habe ich jedes Mal bewundert - haben konnte ich ihn aber lange Zeit nicht, da er nach den Maßgaben der FeuVO da hängen musste. Dann eines Tages - das muss so 2000/2001 gewesen sein - sah ich zufällig den Wagen eines Brandschutz-Kundendienstes vorm Haus und ich beobachtete weiter, dass der Mitarbeiter einen kleinen, neuen PD 6 G ins Haus trug. Wo ist denn „der Dicke“ fragte ich mich. Ein paar Tage oder Wochen später - so genau weiß ich das nicht mehr - traf ich Edeltraut vor der Haustür und fragte, ob sie einen neuen Feuerlöscher bekommen hätten, was sie bejahte. Auch auf meine Frage, ob der alte noch da ist, antwortete sie mit „Ja“ und schob direkt - sie kannte meine Vorliebe für Feuerlöscher - ein „Willst du den haben?“ hinterher und das war natürlich das Größte. Nach all den Jahren durfte ich ihn haben und ja - jetzt ist er schon seit etwa 25 Jahren in meinem Besitz - Kinder, wie die Zeit vergeht. Mittlerweile ist er natürlich drucklos und entleert.

C. Menzel 2025

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Die GLORIA Dauerdrucklöscher der Typenreihe PD ab 1966

Mit der Typenreihe PD platzierte GLORIA ab 1966 erstmals 6 und 12 kg Dauerdrucklöscher (alte Bezeichnung: Druckluftlöscher) am Markt. Es waren einfache und somit relativ preisgünstige Geräte, welche vor allem in privaten Haushalten eine große Verbreitung fanden. Wie auch hier links im Bild beschrieben, fand der Typ PD vorrangig vor der Tür von Ölheizungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern seine Bestimmung und das kann auch ich genau SO bestätigen. Aufgewachsen in den 1980er Jahren in Lippstadt, quasi fast in Sichtweite zum Werk in Wadersloh, waren die Keller natürlich fast immer mit einem GLORIA-Feuerlöscher ausgestattet (außer der von Horst Hinz... da hing ein Cosmos). Häufig wurde im Keller auch gefeiert und der Flur zum Partykeller führte in der Regel am Heiz- und Tankraum vorbei und da hing er dann: Der PD - je nach Alter des Hauses und Größe der Tanks in den verschiedensten Ausführungen. Ich war in meiner Kindheit und Jugend häufig in Häusern der späten 1960er und frühen 1970er Jahre unterwegs und habe dort viele frühe Versionen gesehen. Gewerblich wurden diese Geräte auch hin und wieder eingesetzt, aber nicht wirklich oft. Ich erinnere mich gut an die Zoohandlung Gerke in Lippstadt (damals Gartenstraße); dort haben wir häufiger Fische für den Teich gekauft und da hing direkt an der Kasse hinter dem Tresen in etwa 1,80 m Höhe so ein dicker und sehr imposanter P 12 GD aus den späten 1970ern. Oder im Allwetterzo in Münster hingen P 6 GD im Außengehege bei den Elefanten. In der Turnhalle der alten Stadtwald-Schule und in einem Gruppenflur im Kindergarten Esbeck hing auch jeweils ein P 6 GD - allerdings frühere Versionen mit drei Aufdrucken. An mehr dieser Geräte im öffentlichen Raum erinnere ich mich gerade tatsächlich nicht.

Amtlich geprüft und zugelassen wurden 1966 vermutlich zeitgleich die Typen P 6 GD (ABC- Pulver) und P 6 D (BC-Pulver). Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass der P 6 D  bis etwa 1968  unter der Typenbezeichnung P 6 H lief. Warum das so ist, kann ich nicht sagen, aber die identischen Zulassungsnummern (P1-43/66) sowohl auf dem dem P 6 H, als auch auf dem P 6 D belegen eindeutig, dass lediglich eine einfache Umbenennung, Umtypisierung oder wie auch immer stattgefunden hat anstelle einer Neuzulassung, was natürlich einen Haufen Arbeit, Geld und Papierkram gespart hat. Hier links sehen wir einen der ersten P 6 H aus dem Jahre 1967.


Interessant ist die Tatsache, dass bis etwa 1972 die überwiegende Mehrzahl der Geräte als Typ P 6 D mit Standard-BC-Pulver auf den Markt gebracht wurde. Das änderte sich dann 1973, denn ab hier ist zu beobachten, dass ebendiese einfachen P 6 D fast schlagartig verschwanden. Der Grund dafür ist wahrscheinlich eine Änderung in der damals gültigen FeuVO, die fortan statt BC-Pulver nun ABC-Pulver forderte. Ob es jetzt wirklich 1973 war, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass es diese Änderung gab und eine 1977er FeuVO aus meinem Besitz möchte vorm Heizraum gerne ABC-Pulver sehen. Könnte ja sein, das es so gewesen ist - für mich ist dieser Umbruch hin zur plötzlich massenhaften Nutzung der ABC-Pulverlöscher in diesem Bereich damit zumindest plausibel. Hier links sehen wir einen schon recht seltenen P 6 D von 1975. 

Grundlegende Merkmale

Knapp 20 Jahre lang - genau genommen 17 Jahre - bestand der Behälter bei den 6 kg-Geräten aus zwei gezogenen Hälften, welche bis 1980 gleich groß und über eine mittig angeordnete, horizontale Schweißnaht verbunden waren. Ganz zu Anfang, wirklich nur 1966/67, bestand diese noch aus einer Rollnaht und ab Mitte 1967 kam dann die herkömmliche Schweißnaht. Von 1980/81 bis 1984 wurde fast der gesamte Behälter in einem Stück gezogen und lediglich der Boden als zweite Hälfte angeschweißt. Ab Ende 1984 wurden die Behälter bei den 6ern wie bei den Aufladern auch komplett geschweißt (Deckel - Boden - Mantel) - aber nicht ausschließlich. Ich habe z. B. auch einen 1992er, der wieder gezogen ist. Bei den 12ern ist es irgendwie, keiner weiß warum, genau umgekehrt. Schon der frühe P 12 H ab 1967 bestand aus Deckel - Boden - Mantel und das Ganze ging bis etwa 1974 so. Ab da bestanden die P 12 D/GD ausschließlich aus zwei gezogenen, gleich großen Hälften. Die Rückkehr zu Deckel - Boden - Mantel erfolgte auch ab etwa 1984.

Wem es vielleicht schonmal aufgefallen ist, verfügen die PD bis etwa 1973 über drei Haltelaschen und auch drei identische Aufdrucke - was soll das denn? Diese Besonderheit hängt mit dem bis Dato noch nicht zentrierten Gewinde zusammen. Beim Einschrauben in den Behälter wusste man nie, wo die Armatur zum stehen kommt und um sicher zu stellen, dass man den Aufdruck lesen kann, wenn das Gerät an der Wand hängt, hatte man ihn einfach verdreifacht und rundherum aufgedruckt. Die ersten zentrierten Gewinde kamen 1974 auf.

Die Armatur selbst besteht im Wesentlichen aus einem Ventilkörper mit Tragegriff und Druckhebel und im Laufe der Jahre veränderten sich die einzelnen Elemente natürlich. Am Markantesten dürfte wohl der verkürzte Druckhebel sein, welcher den Geräten von 1972 - 1979 (alte DIN 14406) ihr ganz charakteristisches Aussehen gab.

Weitere Ausführungen, Besonderheiten oder Geschichten gibt es jeweils beim vorgestellten Gerät.

GLORIA Typ P 6 D / P 12 D 1967-1979
GLORIA Typ P 6 D

GLORIA Typ P 6 GD / P 12 GD 1967-1979

GLORIA Typ PD 6 / PD 12 / PD 6 G / PD 12 G 1979-1993
GLORIA Typ PD 6 G


GLORIA Typ PD 6 G / PD 12 G ab 1993 (EN3)
GLORIA Typ PD 6 G




 C. Menzel 2025

Dienstag, 26. August 2025

80 Jahre GLORIA

Wenige Monate nach Ende des 2. Weltkriegs gründete Heinrich Schulte-Frankenfeld am 26. August 1945 im westfälischen Gütersloh sein eigenes Unternehmen, welches sich zunächst mit der Reparatur von Feuerlöschgeräten und Pflanzenschutzspritzen beschäftigte. Ab 1946 wurden in der „Spezialfabrik für Feuerlöschtechnik“ eigene Geräte unter dem Namen GLORIA produziert und der erste Slogan, wie ich es jetzt mal nenne, lautete wie folgt: In alter Bewährung - GLORIA - schützt Besitz u. Ernährung. Ich bin sehr stolz, Euch zum 80. Geburtstag diesen allerersten Slogan hier links im Original präsentieren zu können! Der Aufdruck ist von einem Wasserlöscher, welchen ich 2023 aus Bremen geholt habe und welcher bisher noch nicht auf meiner Seite zu bewundern ist. Auf dem Behälter stehen weder Baujahr noch Seriennummer und somit ist es sicher, dass dieses Gerät vor 1950 produziert worden ist. Ab 1950 gab es eingeschlagene Typenbezeichnungen, Behälternummern und Baujahre (z.B. 700/56/1244).

Ja - GLORIA - seit 80 Jahren steht Dein Name nicht nur für Tradition sondern auch für Innovationen, die ihres Gleichen teilweise bis heute vergeblich suchen. Denken wir an das Jahr 1959, wo der legendäre und platzsparende Typ Pi mit Halbautomatik-Aufladung die Bühne betrat und auf einen Schlag die sperrigen Außenflaschenlöscher in vielen Bereichen ablöste oder an das Jahr 1994, in welchem der SKK mit der sehr wartungs- und kundenfreundlichen Schaum-Kolben-Kartusche (dafür steht  SKK) die Zeit des modernen, im Unterhalt bezahlbaren und somit langlebigen Schaumlöschers einläutete. Ich könnte jetzt noch viele weitere Meilensteine aufzählen, doch wir brauchen ja auch noch etwas für den 100. Geburtstag - da greifen wir dann mal ganz tief in die Zigarrenkiste und ich hoffe, dass ich bis dahin dann auch alles griffbereit geordnet habe.

Frei interpretiert nach Abraham Lincoln sind es letztendlich ja nicht die Jahre, die zählen sondern vielmehr das, was in diesen Jahren passiert ist. In 80 Jahren ist viel passiert und die Marke GLORIA hat in eben diesen 80 Jahren viele gute sowie auch einige schlechte Zeiten erlebt und auch viele Herausforderungen - dem Geist der Zeit entsprechende oder im Rahmen sich stetig ändernder Anforderungen - gemeistert, wie das FCKW-Halon-Verbot zu Beginn der 1990er Jahre, die Entwicklung effektiver Fettbrandlöschmittel oder die aktuelle PFAS-Diskussion zeigen. Wir hoffen, dass in diesem Sinne auch in der Zukunft Für jeden Brand - GLORIA - Handfeuerlöscher in ausreichender Anzahl bereitstehen.

C. Menzel 2025

Mittwoch, 23. Juli 2025

GLORIA WISSEN #2: Bromidlöscher schon in den 1950er Jahren

Nach heutigen Maßstäben und Verordnungen ist es so, dass Löschmittel weder giftig, noch umweltgefährdend sein dürfen. Vor einigen Jahrzehnten sah dies noch ganz anders aus. Damals wurden einige Halogenkohlenwasserstoffe - vor allem verschiedene Derivate aus den Giftküchen der berüchtigten Chlorchemie - als hervorragende Löschmittel für Brände von Stoffen der Brandklassen B und C eingesetzt. Das wirklich übelste Löschmittel aus dieser Sparte war das Tetrachlormethan, dessen Giftigkeit bereits bei Einführung dieser Feuerlöscher im Jahre 1914 (!) bekannt war. 50 Jahre später, im Jahre 1964, wurde diesen sog. TETRA-Löschern eben wegen ihrer Giftigkeit in der Bundesrepublik Deutschland die Zulassung entzogen und an ihre Stelle traten die Bromidlöscher, welche zwar weniger giftig, aber auch nicht wirklich besser waren. Bei GLORIA war es aber indes so, dass die Bromidlöscher schon ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre parallel zu den damals vorherrschenden TETRA-Löschern angeboten wurden. Ab 1956 in einer 2 Ltr.-Variante und ab 1957 auch als Vergaserbrandlöscher mit 0,2 Ltr. Inhalt. Auf dem Bild sehen wir den Ausschnitt eines frühen DIN Bromid 2 Baujahr 1957 - für seine Zeit sehr fortschrittlich. Soweit ich weiß, hat diese Bromidlöscher in den 1950er Jahren noch kein anderer Hersteller* in Westdeutschland im Programm gehabt.

*Wie immer - wenn jemand etwas anderes weiß, dann gerne melden (natürlich mit aussagekräftigen Beweismitteln).

Feuerlöschermuseum Lippstadt / C. Menzel 2025

Dienstag, 24. Juni 2025

GLORIA WISSEN #1: Der Typ Pn mit Kunststoffarmatur

Es gibt Dinge, die gibt es nicht - so möchte man zumindest meinen - und genau zu diesen Dingen gehört die erste serienmäßige Version des GLORIA Typ Pn mit Schlagknopfarmatur.
Beinahe zeitgleich mit der Typenserie Pi zugelassen, stellte der Pn die günstigere Variante des kompakten Aufladelöschers mit innenliegender Treibgaspatrone und rückwärtig verlaufender Schlauchleitung dar. Der Pi war Anfang der 1960er Jahre natürlich das Nonplusultra und davon musste sich der Pn qualitativ etwas abheben - nach unten.
So wird es wohl gekommen sein, dass sowohl der Ventilkörper, als auch die Flügel-Überwurfmutter aus Kunststoff gefertigt wurden. Im Prinzip ein Wahnsinn, da insbesondere die Überwurfmutter einer sehr starken Belastung ausgesetzt ist. Beim Aufladen drücken gut 800 kg von Innen gegen den Kopf und das muss sie halten. Aber gut - das wird irgendwie getestet worden sein denn sonst wäre es so nicht auf den Markt gekommen.
Naja, lange war es so nicht auf dem Markt; zwei Jahre schätze ich, denn mir bekannte Modelle mit diesen gelben Überwurfmuttern aus Kunststoff sind aus den Jahren 1960 und 1961. Die Modelle ab 1962 haben eine Überwurfmutter aus Zinkdruckguss und einen Ventilkörper aus grauem Kunststoff. Auch der Griff war ab 1962 nicht mehr aus Kunststoff. Hin und wieder habe ich mal noch welche mit gelbem Kopf und einer Überwurfmutter aus Zinkdruckguss gesehen. Ob es das jetzt ab Werk in einer Art Übergangszeit gab, oder ob das alles vom Kundendienst umgerüstet wurde, weiß ich nicht und dieses irgendwie nachzuvollziehen, ist extrem schwierig, da es heute nach über 60 Jahren keine Unterlagen mehr dazu gibt. Ich hab ja schon so einiges, aber solch eine Kundendienstanweisung zum Tauschen der Überwurfmutter habe ich nicht. Vorstellen könnte ich mir das aber schon, dass es soetwas gegeben hat. Ich habe in meiner Karriere auch schon diverse Anordnungen gehabt und danach gearbeitet.
Diese beiden guten Stücke von 1961 haben in den letzten 64 Jahren noch nie einen Sachkundigen gesehen und deshalb ist diese doch irgendwie krasse Kunststoff-Überwurfmutter noch erhalten. Ich habe sie natürlich gleich nach Erhalt entschärft und entleert. Die Patronen waren noch voll…

C. Menzel 2025

Sonntag, 4. Februar 2024

Es geht weiter - am neuen Standort Lippstadt

Liebe Leser,

der ein oder andere wird sich sicherlich schon gedacht haben, was hier los ist. Seit ziemlich genau einem Jahr habe ich keine Artikel mehr veröffentlicht. Der Grund: Wir sind inkl. Feuerlöschermuseum umgezogen und es war schlicht keine Zeit.

Das Gröbste ist geschafft, die Sammlung ist - nach einer wichtigen Spezialisierung - fast komplett am neuen Standort und bald gehts weiter. Was bedeutet Spezialisierung? Ich habe meinen Fokus begrenzt auf den Zeitraum, wo GLORIA ein Familienbetrieb war. Alles, wo "H. Schulte-Frankenfeld" draufsteht, gehört dazu, alles andere nicht mehr. Mein Museum umfasst nun noch Geräte aus der Zeit von 1945-2004. Alles, wo Kidde oder GLORIA GmBH draufsteht, ist raus. Einige Ausnahmen gibt es zwar, aber nicht viele. Der Grund ist hauptsächlich Platz- und Zeitmangel gewesen. Seinen Fokus von Zeit zu Zeit neu einzustellen ist gar nicht so schlecht, denn eine solche Maßnahme erlaubt wieder viele neue Möglichkeiten. Einige Artikel und Bilder neuerer Geräte muss ich hier noch rausstreichen, da sie nicht mehr im Museum sind. Aber eins nach dem anderen.

Freut Euch auf viele neue tolle Sachen und bis bald

Euer Chris

Mittwoch, 15. Februar 2023

Neuerscheinung 02.2023: Technik-Taktik-Einsatz - Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen

Alles was wichtig ist bei der Rettung aus Höhen und Tiefen:
Immer an die zweite Sicherung denken, falls eine Sicherheitskomponente schlappmacht!


Bei Notfällen in Dachgeschossen, Kränen, Gondeln, Masten oder Schächten, Silos, Tanks etc. hängt das Leben der Beteiligten sehr oft an (und in) den für die Rettung verwendeten Seilen und Befestigungen. Umso wichtiger ist es, dass alle Knoten, Karabiner & Co. absolut sicher und richtig befestigt sind. Falls die erste Sicherungsebene versagt, ist es wichtig, eine zweite zu haben, welche die in den Seilen hängenden Betroffenen auffängt und schützt.
Wie das auch unter schwierigen Umständen zu schaffen ist, steht anschaulich und in der Praxis nachvollziehbar im Technik-Taktik-Einsatz-Band Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen.


Er präsentiert Informationen zu ausgereiften Sicherungstechniken mit Seilen und Geräten, ihren Finessen und Grenzen, zu Knoten und Stichen, verwendbaren Anschlagspunkten und den diversen Einsatzvarianten – wie z. B. die Rettung mit Hubrettungsfahrzeugen oder über Leiterhebel als schiefe Ebene bzw. mit Hilfe von Flaschenzügen. Damit stellt dieses Buch eine zuverlässige Basis an Lösungsmöglichkeiten für die sichere Rettung aus Höhen und Tiefen bereit. Dabei orientieren sich alle vorgestellten Rettungsoptionen am "KISS"-Prinzip (Keep It Simple and Safe). Das bedeutet: Je einfacher eine Rettungsoption in Aufbau und Ausführung ist, desto sicherer und schneller ist sie im Einsatz auch anwendbar.


Der Autor Wolfgang Werft ist ausgebildeter Rettungssanitäter und bildet selbst Einsatzkräfte für die Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT) aus. Beste Voraussetzung also, um die Leser im neuen Band aus der Reihe Technik-Taktik-Einsatz kompetent und auf den Punkt gebracht mit persönlicher Erfahrung und Sachkenntnis zu versorgen.


Fazit: Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen skizziert das notwendige Rüstzeug, um die Betroffenen sowie die Retter selbst auch unter schwierigsten Umständen aus ihrer Notlage zu befreien. Das Ganze ist anschaulich und einprägsam mit vielen Fotos und praktischen Merkhilfen gestaltet, so dass der Lesestoff leicht und angenehm flüssig seinen Weg in das Gedächtnis findet.

 

Wolfgang Werft
Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen
2022, Softcover, 182 Seiten
ecomed SICHERHEIT, ecomed-Storck GmbH
EUR 39,99
ISBN 978-3-609-77548-7
Internet: www.ecomed-storck.de

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Sonntag, 12. Februar 2023

Die Pulverlöscher der Serie Pi 1959 - 1994

Die Typenserie Pi wurde 1959 erstmals zugelassen und das berühmte (erste) Zulassungszeichen P1-33/59 war früher derart präsent, dass ich es a.) heute immer noch vor Augen habe und es b.) sogar auswendig kenne. Der Typ Pi war meines Erachtens nach nicht nur der meistverkaufte Feuerlöscher des umfangreichen GLORIA-Produktprogramms sondern vermutlich auch der meistverkaufte Feuerlöscher Deutschlands. Vor allem die Geräte zwischen 1964 und 1992 waren überall präsent... wirklich überall! Allein ich erinnere mich an zahlreiche Schulen - unter anderem meine eigenen in Dedinghausen (heute: Grundschule im Kleefeld) und das Ostendorf-Gymnasium (heute: Europaschule Ostendorf oder so ähnlich) - sowie auch die Stadtwaldschule, die Graf-Bernhard-Schule und viele andere mehr. Dann gab es die Pi im real-kauf, im Minipreis, in den SB-Märkten Paderborn und Lippstadt, in der WEKA, bei Horten, bei Hella, in Bussen, auf LKW und, und, und... der pure Wahnsinn!

Der Pi fand vermutlich deshalb einen solchen Absatz, weil er eine echte Revolution war! 
Sensationell neu für die ausgehenden 1950er Jahre waren die kompakten Abmessungen durch die innenliegende Treibgaspatrone und den hufeisenförmig verlegten Schlauch an der Rückseite des Behälters. Im Prinzip hatte kein anderer Hersteller weder in den 1960er, 1970er, 1980er, 1990er noch in den 2000er Jahren ein vergleichbares Modell.
Den Pi gab es in verschiedenen Versionen und am häufigsten vertreten waren die Typen Pi 6 G und Pi 12 G mit ABC-Pulver. Interessant zu wissen ist hierbei, dass es ab ungefähr 1987 bei diesen Typen mindestens drei verschiedenen Glutbrand-Pulver-Füllungen gegeben hat - neben dem standardmäßigen GLUTEX PL-3/65 tauchten auch das ADEX PL-17/87 und eine mir namentlich (noch) unbekannte Pulversorte aus dem Jahre 1982 auf. 
Mite einigem Abstand - vor allem ab Mitte der 1970er Jahre* - Abstand folgten die Typen Pi 6 und Pi 12 mit dem einfachen Standard-BC-Pulver. Verschwindend gering war der Anteil am nicht abstellbaren Pi 6 S und am sündhaft teuren Metallbrandlöscher Pi 12 M.
 

Die Typenserie Pi wurde 2005 in Deutschland nach fast 50 jährigem Bestehen vom Markt genommen.

Interessant zu wissen ist auch, dass ab ungefähr 1987 der Pi auch mit mindestens drei verschiedenen Pulver-Füllungen gegeben hat - neben dem standardmäßigen GLUTEX PL-3/65 tauchten auch das ADEX PL 17/87 und eine mir namentlich (noch) unbekannte Pulversorte aus dem Jahre 1982 auf.
Wesentliche Änderungen in Ausführung und/oder Druck gab es es 1961, 1963, 1964, 1966, 1970, 1973, 1978 und 1984. Insgesamt war der Typ Pi in seiner langen Bauzeit von 1960 - 2005 in Deutschland mit mehr als 25 Varianten vertreten - wir sprechen hier nur vom Typ Pi 6 G - nund jetzt jedes einzelne Detail aufzuzählen, brächte nicht viel... im Gegenteil. Schaut Euch die Bilder der einzelnen Baujahre selbst an.



6 kg Inhalt
GLORIA Pulverlöscher TYP Pi 6 G Baujahr 1978
GLORIA Pulverlöscher TYP Pi 6 G Baujahr 1980 - Schweizer Ausführung
GLORIA Pulverlöscher TYP Pi 6 G Baujahr 1981
GLORIA Pulverlöscher TYP Pi 6 G Baujahr 1983
GLORIA Pulverlöscher TYP Pi 6 G Baujahr 1987
GLORIA Pulverlöscher TYP Pi 6 G Baujahr 1993
 

©. Menzel 2023