Dienstag, 20. Oktober 2020

Löschdecken und Fettbrände

Löschdecken und ihr Einsatz bei Fettbränden - ein heiß diskutiertes Thema, dem wir auch hier einmal auf den Grund gehen wollen.
Kennt Ihr dieses Bild hier links? So sah es vor gut 20 Jahren noch in jeder Pommesbude aus - in unmittelbarer Nähe zur Fritteuse befand sich ein kleiner, zumeist vor Fett triefender Kohlendioxidlöscher und daneben ein ebensolcher Löschdeckenbehälter. Ich habe dieses Bild noch lebhaft vor Augen und freute mich natürlich immer sehr über diesen wenn auch fettigen Anblick.
Mit diesem Ensemble sollte eine brennende Fritteuse gelöscht werden, da es so etwas wie die heute vorgeschriebenen Fettbrandlöscher noch nicht gab.
Die Idee hinter dieser Kombo war folgende: Die Flammen der in Brand geratenen Fritteuse mit dem Kohlendioxidlöscher ablöschen und im Nachgang die Decke auflegen, bis sich das überhitzte Fett wieder unter die Zündtemperartur abgekühlt hat. Da bei dieser Löschmethode keinerlei Rückstände bleiben, könnte das abgelöschte Fett theoretisch sogar weiterverwendet werden - sofern das nahrungsmittel- und genußtechnisch möglich ist.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob diese Idee auch praktisch funktioniert hat; konnte eine brennende Fritteuse auf diese Weise nachhaltig gelöscht werden? Die ernüchternde Antwort lautet "Nein!"
Wurde die brennende Fritteuse mit Kohlendioxid eingemülmt, war das Feuer zwar schlagartig aus, doch hielt dieser Löscherfolg nicht lange an. Überhitztes Speisefett ist tückisch und zündet sofort wieder, sobald genug Sauerstoff in der Umgebungsluft vorhanden ist. Mit der Decke sollte dieser nun so lange vom heißen Fett ferngehalten werden, bis es sich ausreichend abgekühlt hatte und genau hier an diesem Punkt scheiterten dann die meisten Löschversuche. Es war bzw. ist praktisch wenn überhaupt nur bedingt möglich, eine Fritteuse oder auch nur einen Topf lange genug luftdicht abzudecken. Dazu sei gesagt, dass die alten Löschdecken von damals alle noch aus Asbestgewebe bestanden haben. Die heutigen sind aus Aramiden (z.B. Nomex von DuPont), Glasfasergewebe oder flammhemmend behandelter Wolle und bergen zum Teil zusätzlich das Risiko, dass sie Infolge einer Dochtwirkung durch heiße Fettdämpfe durchbrennen.

Löschdecken waren also immer schon nur bedingt dazu geeignet, einen Fettbrand sicher und nachhaltig abzulöschen, weswegen sie heute aus allen Küchen der Gastronomie und Kantinen sowie aus Lehrküchen und Jahrmarktbuden verschwunden sind. Glaubt auch nicht jeder Werbung, denn manche Löschdecken werden speziell mit "Für Fettbrände geeignet" beworben - doch das stimmt gar nicht! Die Berufsgenossenschaft für Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) hat in Versuchen nachgewiesen, dass Löschedecken aus Glasfaser-, Kevlar- und  Nomexgewebe sowie solche aus Wolle bzw. Baumwolle wenn überhaupt nur bedingt geeignet im Einsatz gegen Fettbrände sind. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) geht noch einen Schritt weiter und weist Löschdecken als ungeeignet gegen Fett- und auch Personenbrände aus. Auch die Feuerwehren setzen sich in dasselbe Boot und entfernen sämtliche Löschdecken aus Küchen und Lehrküchen in ihrem Einflussbereich. Dass Löschdecken "für Fettbrände geeignet" sind, ist also nichts weiter als ein Kapitel aus "Grimm´s Märchen" und wer eine Küche oder einen Imbisswagen betreibt, der braucht einen Fettbrandlöscher. Für die heimische Küche sind Löschdecken natürlich genauso ungeeignet im Einsatz gegen Fettbrände, das ist klar.
Gut - wer unbedingt eine Löschdecke haben möchte, der bekommt auch noch eine zu kaufen, aber denkt dran: In der Küche bringt sie nichts. Gerne werden sie als Unterlage beim Schweißen in Werkstätten benutzt und zu Hause könnte man im Hinblick auf die herannahnede Weihnachtszeit einen außer Kontrolle geratenen Adventskranz gut damit abdecken.

©. Menzel 2020

Sonntag, 4. Oktober 2020

GLORIA Pulverlöscher Typ P 6 SG Bj. 1961

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN TROCKEN 6
Typ: P 6 SG
Baujahr: 1961
Bauart: P 6 G - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 30/57
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: 150 g Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 13,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1961-1962
©. Menzel 2020

GLORIA Pulverlöscher Typ P 6 SG Bj. 1960

Hersteller: GLORIA-WERK
DIN TROCKEN 6
Typ: P 6 SG
Baujahr: 1960
Bauart: P 6 G - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 30/57
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: 150 g Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 12,5 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1960
©. Menzel 2020

Technik - Taktik - Einsatz: Starkregen und Sturzfluten

Ein Sturzflutereignis stellt die Rettungskräfte vor enorme Herausforderungen. 

Denn Extremwetterlagen sind sowohl für die Betroffenen und deren Hab und Gut als auch die Helfenden selbst eine gefährliche Ausnahmesituation.

Bei sich ständig ändernder Lage kommt dem Eigenschutz der eingesetzten Kräfte deshalb auch eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere für Führungskräfte ist es dringend notwendig, sich bereits im Vorfeld mit der Bewältigung solcher Ereignisse auseinanderzusetzen, werden doch von ihnen ein hohes Maß an Flexibilität und schnelle Entscheidungen verlangt.

Neben den taktischen und technischen Themen ist die Personensuche und Rettung ein sehr wichtiger Aspekt, den das Buch aus der Reihe Technik – Taktik – Einsatz ausführlich behandelt. Mit vielen Hinweisen aus Erfahrungen im tatsächlichen Einsatzgeschehen befasst es sich mit folgenden Aufgabenstellungen:

  • Einsatzszenario: Sturzflut, Strömungskunde, Schäden an Gebäuden
  • Technische Ausrüstung: Einsatz von Rettungshilfsmitteln und Werkzeugen im Wasser
  • Lagebeurteilung und Einsatztaktik
  • Objektschutz
  • Personensuche und Rettung
  • Spezielle Einsatzmaßnahmen inkl. Evakuierungen/Räumung, Hubschraubereinsatz/Windentechnik, Nachteinsatz

Im Anhang findet der Leser hilfreiches Informationsmaterial, z. B. eine Checkliste „Erkundung Sturzflut“ sowie ein Merkblatt „Hubschrauberlandeplatz“.

Beyer

Einsatz bei Starkregen und Sturzfluten

Reihe: Technik – Taktik – Einsatz

2020, Softcover, 192 Seiten

ecomed SICHERHEIT, ecomed-Storck GmbH

EUR 34,99

ISBN 978-3-609-77507-4

Internet: www.ecomed-storck.de


Direkt zum Produkt:

https://www.ecomed-storck.de/Feuerwehr-Brandschutz/Feuerwehr/Einsatz-bei-Starkregen-und-Sturzfluten-Softcover.html?WAN=522109

Mittwoch, 30. September 2020

Report aus dem Museum: Schaumlöscher GLORIA S 10 Cn

In diesem Artikel möchte ich Euch den GLORIA Schaumlöscher vom Typ S 10 Cn  vorstellen, welcher auch schon in seiner Zeit etwas besonderes war! Schaumlöscher sind seit etwa 25 Jahren so richtig auf dem Vormarsch und haben bis heute die Pulverlöscher aus so ziemlich allen Bereichen, in denen sie entbehrlich sind* verdrängt. Vor 60 Jahren war das allerdings genau umgekehrt: Schaumlöscher waren relativ unbekannt und kaum einer wollte sie haben, da doch der damals erst kurz zuvor (um 1955/56) auf den Markt getretene Allrounder mit ABC-Pulver ein wesentlich breiteres Anwendungsspektrum bot und bedeutend komfortabler in der Handhabung war - vermutlich war er auch billiger in Bezug auf Anschaffung und Instandhaltung.
Das erste interessante Detail ist, wie ich finde, dass dieses von der Funktion her eigentlich klassische Vorkriegsgerät im Jahre 1952 von GLORIA neu zugelassen wurde - ebenso wie die Pulverlöscher alter Bauart. Die Erklärung hierfür ist allerdings recht einfach, denn GLORIA wurde erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs im August 1945 gegründet und um mit den anderen, zum Teil seit Jahrzehnten am Markt etablierten Marken wie Minimax oder Total Schritt halten zu können und es überdies zu Beginn der 1950er Jahre auch nichts wirklich anderes gegeben hat, war diese Neuzulassung alter Baumuster ein unumgänglicher Schritt.


Schauen wir uns den Löscher mal an. Er fasst 10 Liter Schaumlösung plus Zusätze und ist wahrhaft riesig - wesentlich größer als die ebenfalls 10 Liter fassenden Nasslöscher und auch wesentlich schwerer - gut 25 kg bringt dieser Klopper auf die Waage. Der Behälterverschluss in Hammerschlagoptik ist massiv wie ein Gullydeckel und wird mit zwei Flügelmuttern über Stehbolzen mit dem Löschmittelbehälter verbunden. Zum Aufmachen brauchte man kein Werkzeug - es gab auch keine Plomben. Auch wer jetzt hier eine Armatur oder sonstige Bedienungseinrichtungen sucht, kann suchen, bis er schwarz wird. Es gibt nur einen verhältnismäßig kleinen Griff und eine Düse - sonst nichts. Den Deckel ziert allerdings noch ein wuchtiger GLORIA-Schriftzug, toll! Viele von Euch werden sich jetzt wahrscheinlich folgende Frage stellen: Warum ist dieser Löscher so schwer und wie soll man denn einen Löscher ohne jegliche Bedienungseinrichtung in Betrieb nehmen? Die Antwort ist wahrscheinlich einfacher, als Ihr denkt und lautet: Auf den Kopf drehen!


Als Löschmittel kommen 10 Liter mit Saponin und Natriumcarbonat versetztes Wasser zum Einsatz. Zusätzlich befindet sich in der Mitte des Behälters ein vom Löschmittel atmosphärisch getrenntes Einschubrohr mit gelöstem Aluminiumsulfat. Das Einschubrohr wird nach oben hin vom Behälterdeckel fest verschlossen, verfügt aber über dem Flüssigkeitsspiegel des Löschmittels ringsherum über mehrere Austrittsöffnungen.
So - und jetzt kommts: Dreht man den Feuerlöscher nun auf den Kopf, vermischt sich die Aluminiumsulfatlösung mit dem natriumcarbonathaltigen Löschmittel und fängt furchtbar an zu gären - es bildet sich Kohlendioxid. Die Düse am Deckel ist mit einer Berstscheibe aus imprägnierter Pappe gasdicht verschlossen, sodass der Druck im Behälter ansteigt - bis auf etwa 10 bar (veraltete Bezeichnung Atü). Bei Erreichen dieses Drucks im Behälterinneren reißt die Scheibe und das durch das Kohlendioxid aufgeschäumte Saponinwasser schießt aus dem Löscher. Betriebsdruck und Wurfweite nehmen mit fortdauerndem Einsatz ab.
Tja... So funktionierte der S 10 Cn! Die Bedienung stelle ich mir allerdings äußerst schwierig vor... so einen schweren Eimer um 180° auf den Kopf zu wuchten... das konnte bestimmt nicht jeder. Und erst die Instandhaltung... es gibt leider keiner Unterlagen mehr darüber. Ich hätte bei jeder Instandhaltung die komplette Jauche getauscht. Man durfte den Löscher im gefüllten Zustand ja auch nur stehend transportieren... sobald man ihn hinlegte oder er umkippte, dann legte er los. Ich kenne einen, der ein ähnliches, noch gefülltes Modell - von Minimax war es glaube ich - abholen wollte. Er hatte leider keine Ahnung gehabt, den Löscher in den Kofferraum gelegt und ab ging die Post. Das Auto konnte man danach wegschmeißen... total versaut mit Jahrzehnte alter Jauche... stinkig, ätzend, ungesund. Seid also vorsichtig, wenn ihr mal solche chemischen Auflader findet oder erwerben wollt... Versand und Abholung im gefüllten Zustand ist nicht.


Heute einen solchen, 60 Jahre alten GLORIA S 10 Cn in diesem Zustand zu bekommen... da muss man schon wirklich Glück haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Löscher damals schon nicht so oft verkauft wurde wie die Pulverlöscher. Wer kaufte denn so ein Gerät? Nicht frostsicher, nicht für elektrische Anlagen, teuer, riesig und schwer... ich weiß es nicht. Der S 10 Cn war in seiner Zeit auf jeden Fall ein Gerät für spezielle Einsatzzwecke. Wahrscheinlich dort, wo Pulver wegen der Schäden nicht sein durfte und Wasser, Kohlensäure, Tetra oder CB nicht ausgereicht hätten. Das Ganze aber im frostfreien Raum und nicht in Gegenwart elektrischer Spannung. Wo sollte das gewesen sein? Ob der Schaum alkoholbeständig war, weiß ich nicht, deswegen möchte ich mögliche Einsatzorte wie Destillerien, Labore, Apotheken und dergleichen nur unter Vorbehalt nennen. Zudem weiß ich auch nicht genau, ob das damals überhaupt eine Rolle spielte. Ich werde da aber nochmal nachforschen, vielleicht bekomme ich ja noch etwas raus.
Die chemischen Schaumlöscher waren nach 1945 auf jeden Fall schon selten und sie sind es heute natürlich erst recht. Die Erstzulassung dieses Typs erfolgte wie gesagt 1952 und spätestens 1962 war Schluss. In dieser Ausführung mit genau diesem Aufdruck ("GLORIA-WERK) dürfte es ihn nur 1960 gegeben haben. Vielleicht auch schon früher. Ein wirklich interessantes Stück, von welchem ich ehrlich gesagt nicht gedacht hätte, es einmal besitzen zu dürfen.

©. Menzel 2020

Montag, 7. September 2020

GLORIA Pulverlöscher Typ PA 6 GD Bj. 1986

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN Feuerlöscher - 6 kg ABC-Pulver
Typ: PA 6 GD
Baujahr: 1986
Bauart: PG 6 L - Dauerdrucklöscher
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 39/78
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 10 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1983-1986
©. Menzel 2020

GLORIA Pulverlöscher Typ PA 6 GD Bj. 1982

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN Feuerlöscher - 6 kg ABC-Pulver
Typ: PA 6 GD
Baujahr: 1982
Bauart: PG 6 L - Dauerdrucklöscher
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 39/78
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 10 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1982
©. Menzel 2020