Donnerstag, 18. Oktober 2018

Report aus dem Museum: Mit dem Tanker um die Welt

Jeder Feuerlöscher hat seine Geschichte und einige von ihnen haben ein ähnlich bewegtes Arbeitsleben hinter sich, wie so mancher Mensch. Im Gegensatz zu uns Menschen können sie uns allerdings nichts darüber erzählen und so geraten solche Geschichten oft in Vergessenheit und verschwinden mit dem Feuerlöscher bei Außerdienststellung auf immer und ewig in der Presse. Anders ist es bei diesem 1964er GLORIA Pi 6 G, welcher auf eine wahrhaft bewegte Geschichte zurückblicken kann.
Ende November 2017 bekam ich eine E-Mail mit der Anfrage, ob ich Interesse an diesem Feuerlöscher hätte. Da es sich um einen GLORIA Pi 6 G aus der ersten Serie mit dem nüchternen Druck ohne Schnörkel handelte, war das Interesse natürlich geweckt und ich beantwortete die Frage freudig mit einem "ja gerne". Die Verkäuferin freute sich darüber, dass der alte Feuerlöscher nun in gute Hände kam und eben nicht in die Presse wanderte, denn er hatte die Familie  über viele Jahrzehnte begleitet. Wenn man sich das alles so auf der Zunge zergehen lässt, grenzt es beinahe schon an eine Wunder, dass es dieses Gerät überhaupt noch gibt und dass es so gut erhalten ist.

Der GLORIA Typ Pi war in den 1960er Jahren geradezu prädestiniert für den Einsatz in und an Fahrzeugen, denn er war im Vergleich zu den meisten anderen Modellen seiner Zeit äußerst kompakt. Die Treibgasflasche war platzsparend und zudem gut geschützt im Inneren des Löschmittelbehälters untergebracht und der hufeisenförmig am Behälter entlang geführte Schlauch tat sein übriges, um die Abmessungen des Geräts auf ein Minimum zu begrenzen.
So wie unzählige andere Pi 6 G verrichtete auch dieser hier seinen Dienst an einem Fahrzeug - und zwar von 1969* bis 1991 auf einem MAN-Tankwagen. Der Rundhauber gehörte zur Flotte des Paderborner Bauunternehmens IMMIG, welches auch mir als Lippstädter ein Begriff ist. Meine beiden Großeltern wohnten nämlich in Paderborn und da Lippstadt ja nicht weit weg war, waren wir natürlich recht oft zu Besuch. Wenn ich so an die 1980er und frühen 1990er Jahre zurückdenke, dann kann ich mich noch sehr gut an die dunkelgrünen LKW mit dem roten Schriftzug "IMMIG - Paderborn" erinnern, die im ganzen Stadtgebiet und darüber hinaus unterwegs waren.
Der Vater der Verkäuferin fuhr den MAN-Tankwagen ganze 22 Jahre lang von Baustelle zu Baustelle, um die dort im Einsatz befindlichen Baumaschinen mit Diesel zu füttern. Eine vorsichtige Rechnung seiner Tochter ergibt, dass dieser Feuerlöscher in seinen 22 Dienstjahren mindestens 528.000 km zurückgelegt hat, was in etwa 12 Erdumrundungen entspricht. Dabei war der Feuerlöscher nicht etwa gut geschützt im Führerhaus verstaut, sondern er hing draußen - bei Wind, Wetter, Sonne, Frost und vermutlich auch bei diversen Stunden auf dem Waschplatz. Eine Haube oder einen Schutzkasten gab es nicht sondern nur einen einfachen Fahrzeughalter, wie wir ihn auf dem Bild sehen. Der absolute Wahnsinn, dass der Feuerlöscher noch so aussieht! Das ist wirklich unglaublich!
In meinem Beruf habe ich auch öfter mal mit Speditionslöschern zu tun, bei denen man nach zwei Jahren vielleicht noch erahnen kann, dass das mal ein Feuerlöscher gewesen sein müsste. Durchgerostet, weggegammelt - einfach nur noch Kernschrott, der dem Aussehen nach während der Fahrt eher unter der Zugmaschine befestigt gewesen sein müsste. Da steht dieser alte Veteran natürlich in einem ganz anderen Lichte da.
Im Jahre 1991 wurde mit dem schönen MAN-Hauber dann auch der Feuerlöscher ausgemustert, welcher noch die 1991er Plaketten trägt. Während das Fahrzeug wahrscheinlich mitsamt Halter in die Presse ging, nahm der Vater der Verkäuferin sich nun mit Absprache des Prüfers seines einst treuen Begleiters an. Das war damals Gang und Gäbe, dass gewerblich ausgemusterte Feuerlöscher dann in den Privatbereich übergingen und dort durchaus auch noch weiter geprüft wurden. Heute undenkbar. Fortan verrichtete er dann seinen Dienst im Keller, wo er nach 26 Jahren dann endgültig ausgemustert und durch einen neuen ersetzt wurde. Seit 2017 ist er dann nach 53 Jahren Arbeitsleben bei mir gelandet - und da bleibt er auch. Entleert und entschärft ist er bereits, die alten Instandhaltungsnachweise bleiben wegen des Wiedererkennungswertes allerdings drauf.

*Der Feuerlöscher ist Baujahr 1964 und vielleicht hing er seit dem schon am MAN. Das konnte bis jetzt noch nicht abschließend geklärt werden.

Ja, Mareike - jetzt hat die Geschichte fast ein Jahr in den Akten gelegen, aber hier ist sie nun. Wenn es noch etwas nachzutragen gibt, können wir das selbstverständlich jeder Zeit tun.
Vielen Dank, auch an Deinen Papa und auf das der neue Feuerlöscher auch nie zum Einsatz kommen möge. 

©. Menzel 2018

Sonntag, 7. Oktober 2018

Report aus dem Museum GLORIA KFZ-Sonderlöscher Bauart P 6 LKW Bj. 1957

Wegen seines landschaftlichen Erscheinungsbildes mit buntem Laub und strahlendem Sonnenschein wird insbesondere das zweite Drittel des Oktobers auch als "Goldener Oktober" bezeichnet, doch für mich war der Anfang auch schon äußerst goldig - und das war so:
Am Abend des 30. September bekam ich von einem meiner Sammlerfreunde per WhatsApp den Tipp, dass es bei ebay-Kleinazeigen etwas tolles von GLORIA gäbe. Neugierig auf das, was mein Freund da entdeckt hatte, öffnete ich den angefügten Link und tatsächlich - es gab was Feines... und zwar was ganz Feines! Zum Verkauf stand der hier links abgebildete GLORIA KFZ.-SONDERLÖSCHER Typ P 6 SG Bauart P 6 LKW!  Das war ein Ding! Das gab es ja gar nicht! So einen Feuerlöscher hatte ich vor etlichen Jahren mal in einer alten Werbeanzeige gesehen, aber in natura war er mir trotz gut 30 Jahren Jagen und Sammeln noch nicht vor die Flinte gekommen - auch nicht in freier Wildbahn. Jetzt war er in greifbarer Nähe und was ich ganz besonders schön fand: Er kam aus meiner Heimat Lippstadt!


Die Anzeige war noch nicht lange geschaltet und so verlor ich keine Zeit: Ich schrieb dem Verkäufer und fragte, ob der Feuerlöscher noch zu bekommen wäre. Ich erzählte im Verlauf der weiteren Verhandlungen, dass ich gebürtig ebenfalls aus Lippstadt sei, ich mich seit Jahren schon auf die Marke GLORIA spezialisiert hatte und das eben genau dieser Feuerlöscher eine sehr große Bedeutung für mich und mein Museum hätte. Schließlich versuche ich, die Modellgeschichte möglichst komplett zu bekommen und da darf so ein Sonderlöscher natürlich auch nicht fehlen. Wir unterhielten uns sehr nett und schließlich war der Verkäufer zu dem Entschluss gekommen, mir den Feuerlöscher zu verkaufen. Er war der Ansicht, dass der GLORIA KFZ.-SONDERLÖSCHER bei mir in den richtigen Händen wäre - bei mir als GLORIA-Experte und gebürtigem Lippstädter. Das sah ich natürlich genauso und man, was habe ich mich über mein Heimspiel gefreut! Das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen.

Wir machten einen Termin aus und so fuhr ich am späten Nachmittag des 03. Oktober Richtung Lippstadt, um das gute Stück abzuholen. Neben der vereinbarten Summe und einem weiteren Mitbringsel hatte ich auch eine Kiste mit Werkzeug dabei, denn ich durfte mir auf Nachfrage auch den originalen Halter abschrauben und mitnehmen. Die bleiben meistens hängen und landen irgendwann im Müll, aber dieser hier würde nirgendwo anders landen, als bei mir. Tja... abschrauben? Der Feuerlöscher ist von 1957 und ich ging nach Sichtung einiger Bilder davon aus, dass der Feuerlöscher auch 1957 an seinen Platz gehängt wurde. Das Problem: Dübel, so wir wie sie heute kennen, gab es 1957 noch gar nicht... weiß der Teufel also, wie der Halter an der Wand befestigt worden ist. Daher reichte es nicht, einfach nur einen Schraubendreher einzustecken und um auf alles vorbereitet zu sein, packte ich alles Mögliche in den Kofferraum.
Als ich in Lippstadt pünktlich zur vereinbarten Zeit vorgefahren kam, war der Verkäufer schon vor Ort und begrüßte mich herzlich. Knarrend öffnete er sodann ein großes Doppelflügel-Tor, welches den Blick auf einen Oldtimer preisgab und links direkt neben dem Tor sah ich dann den Feuerlöscher. Ich nahm ihn vorsichtig aus der Halterung und entdeckte dabei, dass der Halter mit Ankern an der Wand befestigt war... ob das gut ging? Es ging! Den ersten Haken vom Format 100 x 5 mm konnte ich einfach so rausziehen - ohne alles in WD 40 zu baden, ohne das halbe Gebäude abzureißen und ohne mich, den Halter, den Oldtimer und mein Werkzeug kaputt zu machen. So weit, so gut. Der Zweite Anker war etwas schwieriger, denn er ist bei meinem hulkmäßigen Arbeitseinsatz leider abgerissen. Aber auch der Verkäufer hatte Werkzeug eingepackt und zusammen schafften wir es schließlich. Super! Ich bedankte mich noch einmal sehr herzlich und so verabschiedeten wir uns.


Als ich nach einer fröhlichen Rückfahrt wieder zu Hause angekommen war, schaute ich mir insbesondere den Aufdruck an. Er war zwar schon etwas abgebröselt, doch in Anbetracht der Tatsache, dass er seit 61 Jahren dort gehangen hatte - im Winter kalt, im Sommer heiß, wahrscheinlich auch mal mehr oder weniger feucht - sah er noch gut aus. Alles Wichtige war erhalten und es war gut, dass ich ihn abgeholt hatte. Im Karton wäre auf dem Versandweg noch mehr abgeblättert, da bin ich mir ganz sicher. Dann wäre er blank und somit ruiniert gewesen. Das muss man nämlich wissen, das diese alten Nassklebebilder ganz empfindlich sind, wenn sie sich lösen und bei jeglicher Berührung regelrecht zu Staub zerfallen.
Das, was schon abgebröselt ist, kann auch ich leider nicht mehr retten, das ist unmöglich, aber es ist wichtig, dass man das nicht so lässt. Hat man erst einmal so eine Schadstelle, besteht die Gefahr, dass sie sich immer weiter ausbreitet und irgendwann ist alles weg. Deshalb muss dieser Prozess aufgehalten werden, das noch vorhandene fixiert und konserviert werden. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, den Verfall mit Hilfe eines speziellen Klebers aufzuhalten und genau diese Technik habe ich auch hier angewendet.


Hersteller: H. SCHULTE-FRANKENFELD, WADERSLOH
DIN TROCKEN 6
Typ: P 6 SG
Baujahr: 1957
Bauart: P 6 LKW - Aufladelöscher mit außenliegender Treibgasflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P2 - 2/57 Sonderlöscher
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: 150 g Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 10,5 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1957




Der GLORIA KFZ.-SONDERLÖSCHER Typ P 6 SG ist in mehrfacher Hinsicht etwas ganz besonderes und auf den wichtigsten Teil kam auch ich erst nach einigen Recherchen und viel nachdenken: Er war der allererste ABC-Pulverlöscher, den die noch junge GLORIA Spezialfabrik für Feuerlöschtechnik auf den Markt gebracht hatte! Ich war echt baff über meine Entdeckung, aber es kann nur so sein!
Drauf gebracht hat mich die Zulassungs-Kenn-Nr. P2 - 2/57. Bis dato dachte ich, dass der unter der Zulassungs-Kenn-Nr. P1 - 15/57 zugelassene Typ P 6 G der erste ABC-Pulverlöscher gewesen wäre... ist er aber nicht, da die Nummern fortlaufend vergeben worden sind. Eine echte Sensation! Unterlagen gibt es natürlich keine mehr und so muss ich mir solche Sachen alle selbst zusammenreimen und dass ich das Anhand dieses Feuerlöschers nun rausbekommen konnte, bringt mich natürlich unheimlich weiter in meiner Modellgeschichte.
Es geht noch weiter, denn jetzt kann ich auch mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der herkömmliche GLORIA Typ P 6 SG durch eine Verschmelzung des gleichnamigen KFZ.-SONDERLÖSCHERS und des eben erwähnten Typ P 6 G entstanden ist. Wie ich darauf komme? Der altbekannte P 6 SG trägt die Zulassungs-Kenn-Nr. P1 - 30/57, wurde also wiederum später zugelassen als der Typ P 6 G. Sowohl der KFZ.-SONDERLÖSCHER, als auch der P 6 G fielen noch 1957 ganz aus dem Programm und an ihre Stelle trat der unter P1 als DIN-Feuerlöscher zugelassene Typ P 6 SG mit ABC-Pulver. Die einfache Version "G" lebte in Gestalt des P 12 G weiter. Die DIN TROCKEN 6 S wurde zum P 6 S mit BC-Pulver und so wurde eine saubere Typenbereinigung geschaffen.
Überdies wurde der Behälter nicht mehr aus einem Stück gezogen, sondern erstmalig aus drei einzelnen Teilen gefertigt.


Die Bauartbezeichnung "P 6 LKW" lässt natürlich auf den ursprünglichen Anwendungszweck als reinen LKW-Löscher schließen. Der Grund hierfür dürften entsprechende Vorschriften im Güter- bzw. Straßenverkehr (ADR etc.) gewesen sein, die besagten, dass zumindest gewisse LKW wie etwa Tankzüge und dergleichen mit einem Feuerlöscher ausgerüstet werden mussten. Aber auch in Garagen wurde dieser Typ Feuerlöscher eingesetzt, wie ich selbst in Lippstadt gesehen habe. Gerade das Gummi der Reifen war bei Fahrzeugbränden immer ein Problem gewesen, denn dieses konnte mit den damals üblichen KFZ-Tetralöschern und CB-Vergaserbrandlöschern nicht abgelöscht werden. Das konnte nur die Feuerwehr mit reichlich Wasser, aber die musste ja erstmal anrücken. Mit diesem GLORIA KFZ.-SONDERLÖSCHER war z.B. der Fahrer eines LKW erstmals in der Lage, einen brennenden Reifen selbst abzulöschen; zumindest theoretisch, denn brennendes Gummi lässt sich nur sehr schwer löschen und durch die noch heiße Felge entzündet es sich auch immer wieder. Aber theoretisch war es nun möglich. So kann man sagen, dass der GLORIA KFZ.-SONDERLÖSCHER auch Pate für die ersten KFZ-Pulverlöscher stand. Was im Aufdruck bei diesem Typen noch fehlt ist der typische Hinweis, wie bei Reifenbränden zu verfahren ist. Das ist trotz der Schadens genau an dieser Stelle gut zu erkennen.
Fakt ist: Aufgrund der kurzen Bauzeit hat es nicht viele Feuerlöscher dieses Typs gegeben und aufgrund seiner Anwendung und zuletzt auch wegen seines hohen Alters dürften nicht mehr viele übrig sein.
Ich freue mich sehr, dass ich Euch diesen Feuerlöscher hier präsentieren kann und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken - auch bei meinem Sammlerfreund, der mich hier auf die Spur brachte. Ich gucke zwar regelmäßig, hänge aber natürlich auch nicht alle 5 min. davor... Sammler halten zusammen und Lippstädter tun es auch.

©. Menzel 2018

Donnerstag, 4. Oktober 2018

GLORIA KFZ-Sonderlöscher Typ P 6 SG Bj. 1957

Hersteller: H. SCHULTE-FRANKENFELD, WADERSLOH
DIN TROCKEN 6
Typ: P 6 SG
Baujahr: 1957
Bauart: P 6 LKW - Aufladelöscher mit außenliegender Treibgasflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P2 - 2/57 Sonderlöscher
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: 150 g Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 10,5 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1957

©. Menzel 2018

GLORIA Pulverlöscher Typ PA 6 GD Bj. 1978

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN Feuerlöscher - 6 kg ABC-Pulver
Typ: PA 6 GD
Baujahr: 1978
Bauart: P 6 L - Dauerdrucklöscher
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 39/78
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Treibmittel: Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 10 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1978
©. Menzel 2018

GLORIA Pulverlöscher Typ Pn 12 G Bj. 1961

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN TROCKEN 12
Typ: Pn 12 G
Baujahr: 1961
Bauart: PG 12 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 34/59
Inhalt: 12 kg ABC-Pulver
Treibmittel: 280 g Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 18 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 19,5 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1960-1961
Die Flügel-Überwurfmutter stammt von einem Nachfolgemodell und muss noch durch eine zeitgemäße ersetzt werden.
©. Menzel 2018

Sonntag, 23. September 2018

Report aus dem Museum - GLORIA Kohlensäure-Schnee-Löschgerät Typ KS 2x6

Bei einem meiner regelmäßigen Streifzüge durchs Internet stieß ich bei eBay-Kleinazeigen auf ein Inserat, welches meine Neugier weckte. Abgebildet waren insgesamt fünf fahrbare Kohlensäure-Schneelöscher der alten Generation mit zwei Flaschen auf einem Fahrgestell. Ich klickte auf die Anzeige und entdeckte beim Durchsehen der Bilder darunter einen GLORIA Typ KS 2x6 - Bingo!
In meinem Kopf gaben sich Fragen und an mich selbst gerichtete Mahnungen wie "Brauche ich das wirklich?", "Habe ich überhaupt Platz dafür?" und "Du wolltest doch eigentlich nix mehr auf Rädern anschleppen!" die Klinke in die Hand, doch es war von vorn herein ein aussichtsloses Unterfangen, mir den Kauf auszureden. Fest stand: Ich musste dieses Ding haben!
Ich verschwendete keine Zeit und schrieb umgehend den Verkäufer an, welcher sich auch zügig zurückmeldete und meine bange Frage, ob denn der KS 2x6 noch zu haben wäre, Gott sei Dank mit einem "Ja, sie können gerne vorbeikommen. Sie müssen aber vorher anrufen." beantwortete. Damit war mein Tag gerettet und ich freute mich wie ein Schneekönig über den in Aussicht gestellten KS 2x6.
Ich verschwendete abermals keine Zeit und rief sofort an, denn es bot sich die günstige Gelegenheit, das fahrbare Kohlensäure-Schnee-Löschgerät noch am selben Tag abzuholen. "Alles klar, kommen Sie vorbei, ich bin da." tönte es aus dem Hörer und das Geschäft war perfekt.

Beim Verkäufer angekommen zeigte er mir nach einer kurzen Begrüßung und einem knappen, aber freundlichen Gespräch dann das Objekt meiner Begierde. Mit geübtem Blick begutachtete ich das Gerät und war zufrieden. Das Löschgerät machte einen guten Gesamteindruck. Es war vollständig, nicht verrostet oder sonst irgendwie beschädigt und alles war original von GLORIA - der Flaschenwagen von 1962 und die Flaschen von 1970. Nichts ungewöhnliches, aber dazu später mehr. Nachdem dann einige Scheinchen von meiner Tasche in seine Tasche gewandert sind, war ich stolzer Besitzer eines fahrbaren Kohlensäure-Schnee-Löschgeräts vom Typ KS 2x6. Den schmalen Handgriff fest in der Hand fuhr ich das Gerät breit grinsend zum Wagen und machte mich daran, meine Beute sicher zu verstauen. Dann gings ab nach Hause und dort angekommen zeigte ich meiner Frau sofort, was ich da tolles abgestaubt hatte. Ihre Freude über meine neueste Errungenschaft hielt sich wie üblich in Grenzen, aber der W-A-F (Weiblicher-Akzeptanz-Faktor) ist auch dieses Mal nicht soweit strapaziert worden, dass ich vom Hof gejagt wurde. Da ich entgegen jeglicher Versprechen wieder mal was fahrbares angeschleppt hatte und mich dahingehend wieder mal irgendwie ein Stückchen unglaubwürdiger - auch in Bezug auf zukünftige Projekte - gemacht hatte, war dies ein sehr glücklicher Umstand für mich.

Nun machte ich mich daran, das 56 Jahre alte Fahrgestell mit den knapp 50 Jahre alten, natürlich noch vollen Kohlensäureflaschen abzuladen. Solche Flaschen stehen unter hohem Druck (je nach Umgebungstemperatur zwischen 60 und über 200 bar), sodass gerade alte Geräte gefährlich werden können und zwingend druckentlastet, d.h. entleert werden müssen. Die beiden Flaschen sind über einen Messingadapter und Rohrleitungen an den Hochdruckschlauch angeschlossen, doch ob Schlauch und Rohrleitungen dem Druck standhalten würden, konnte ich nicht sicher bestimmen. Das Risiko, dass mir da beim Aufdrehen der Ventile irgendwas fliegen geht, war mir zu groß. Also nahm ich alles auseinander und schraubte auf jede Flasche die Schneebrause eines K2 - hat ganz wunderbar und vor allem sicher funktioniert. Da ich den Karren eh schon auseinandergebaut hatte, konnte ich auch ganz prima alles gründlich reinigen.

Hersteller: GLORIA-WERKE
Kohlensäure-Schnee-Löschgerät
Typ: KS 2x6
Baujahr: 1970 (Wagen 1962)
Bauart: 2 CO2-12 (Schnee)
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 1/61
Inhalt: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Treibmittel: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 60 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 45 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1964-1972



Nachdem die Flaschen wieder aufgetaut waren und ich alles gereinigt hatte, setzte ich alles wieder zusammen und der majestätische KS 2x6 erstrahlte in altem Glanz.
Fahrbare Kohlendioxidlöscher in Form von zwei Kohlensäureflaschen auf einem Fahrgestell wie beim KS 2x6 war in den 1960er und 1970er Jahren auch bei anderen Herstellern ganz üblich und Modelle wie heutige KS 10, 20, 30 und 50 gab in dieser Form noch nicht. Mit einem Einsatzgewicht von gut 45 kg wurde der Löscher natürlich zum Einsatzort gefahren und an der Brandstelle angekommen, wurde dann einfach der Schlauch abgewickelt und das Ventil aufgedreht. Man konnte nur eine Flasche benutzen, beide gleichzeitig oder auch beide nacheinander, sodass dieses Gerät schon eine ganz erhebliche Wirkung besaß.
Zu Hause hatte so ein Ding natürlich niemand stehen und es war rein für industrielle bzw. gewerbliche Zwecke vorgesehen. Im Frühjahr 2003 habe ich vor meinem Studium aushilfsweise bei der HELLA in Lippstadt gearbeitet und dort habe ich zum ersten und einzigen Mal so ein Gerät in freier Wildbahn gesehen. Das war schon richtig beeindruckend und heute gibt es diese Dinger natürlich nicht mehr, schon lange nicht mehr! Erstens sind sie viel zu alt und zweitens so auch gar nicht mehr zugelassen.

Zu klären wäre noch die Frage, warum da zwei 1970er Flaschen auf einem 1962er Fahrgestell sind und meine Theorie dazu lautet wie folgt:
Die Druckflaschen der Kohlendioxidlöscher besaßen bis etwa 1962/63 einen maximalen Prüfdruck von 190 bar, was einem Füllfaktor von 1,34 l/kg entsprach. Der Nachteil dieser Geräte war, dass bereits bei einer Umgebungstemperatur von 35 °C der höchstzulässige Betriebsdruck von 127 bar erreicht wurde.
Um die Einsatzbereiche von Kohlendioxidlöschern zu erweitern, wurde der Prüfdruck auf 250 bar angehoben (Füllfaktor 1,5 l/kg) und das schlug sich auch ab 1964 in der DIN 14406 nieder. Die alten Flaschen mit einem Prüfdruck von 190 bar konnten aber noch auslaufend weiterverwendet werden und genau das ist die Antwort auf unsere Frage.
Entweder kam das Löschgerät 1970 zum Einsatz wobei die alten Flaschen leergebraten worden sind oder es war 1970 beim TÜV. Bei auslaufend zugelassenem Betrieb bedeuteten beide Möglichkeiten das endgültige Aus für die alten Flaschen. Sie durften nicht mehr gefüllt werden und wurden ersetzt. Der Originalität des Kohlensäure-Schnee-Löschgerätes tut diese Tatsache aber keinen Abbruch, da die Fahrgestelle auch 1970 noch die gleichen waren wie 1962.
Ich schätze, dass die Gelegenheit eine der letzten überhaupt gewesen sein dürfte, solch ein Löschgerät zu ergattern. Andere alte Feuerlöscher findet man auch noch mal hier und da im privaten Keller, sodass es sie entsprechend häufiger gibt. Geräten wie diesem hier wurde 2004 die Zulassung entzogen und ab da verschwanden sie aus den Betrieben. Niemand kam auf die Idee, sich sowas mit nach Hause zu nehmen, wie es bei aussortierten Handfeuerlöschern oft der Fall war. Von daher gibt es diese Geräte einfach nicht mehr und dieses hier dürfte eines der wenigen verbliebenen sein. Da ich es erwerben konnte habt Ihr das Glück, Euch dieses schöne Teil auf meiner Seite anschauen zu können. Ein sehr schönes Gerät und ich freue mich außerordentlich.

©. Menzel 2018

Donnerstag, 20. September 2018

GLORIA Wasserlöscher Typ Wi 10 EN Bj. 1982 Sonderlöscher

Hersteller: GLORIA-WERKE
Feuerlöscher 10 l WASSER
Typ: Wi 10 EN
Baujahr: 1982
Bauart: W 10 H-0 - Aufladelöscher mit innenliegender Treibmittelpatrone
Zulassungs-Kennzeichen: P2 - 2/82 -Sonderlöscher-
Inhalt: 10 l Wasser + 150g Netzmittel
Treibmittel: 75 g Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 10 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 17,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1982
©. Menzel 2018