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Donnerstag, 22. Januar 2026

Crans Montana - Ein Feuerlöscher hätte geholfen

GLORIA Pi 6 G Schweiz
Am Neujahrsmorgen bricht gegen 01:30 in einer voll besetzten Bar im Schweizer Skiort Crans Montana ein Brand aus, welcher 40 überwiegend sehr junge Menschen das Leben kostet und knapp 120 weitere Gäste teils schwer verletzt. Als Ursache für diese verheerende Bilanz wird von verschiedenen Seiten ein Pyrolysebrand mit anschließender Durchzündung der Rauchgase angegeben. Als Brandschutzbeauftragter besitze ich selbstverständlich umfangreiche Kenntnisse über das Brandverhalten von Baustoffen und der unter der Decke verbaute, salopp als „Pyramidenschaum“ bekannte Dämmstoff gehört unbehandelt definitiv zu den schlimmsten Stoffen, die in Brand geraten können. Bei Feuerwehren und auch in meiner Welt des vorbeugenden Brandschutzes ist er als „fester Treibstoff“ bekannt und gehört in die Baustoffklasse B3. Materialien dieser Kategorie haben zumindest in Deutschland nichts in derartigen Etablissements zu suchen  (siehe dazu unter anderem die Sonderbauverordnung NRW).

Wie konnte sich das Feuer so schnell ausbreiten?
Problematisch bei vielen Schaumstoffen wie diesem ist, dass sie aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung - teilweise auch noch verstärkt durch den Herstellungsprozess - einen hohen Brennwert bzw. Heizwert besitzen, welcher im oberen Bereich in etwa mit dem von Benzin, Diesel oder Heizöl EL vergleichbar ist. Hoher Brennwert bedeutet heißes Feuer und somit auch hohe Temperaturen beim Brand. Zudem entwickeln Schaumstoffe in kürzester Zeit Unmengen an giftigem Rauch, welcher noch voller brennbarer Bestandteile steckt. So kommt es, dass bei einem Brand von Schaumstoff der Rauch sehr schnell dicker und dicker wird und das heiß brennende Feuer viel Hitze sowohl in die Rauchschicht, als auch die Umgebung bringt. Durch die aufgeheizte Umgebung breitet sich das Feuer exponentiell aus und in Windes Eile brennen plötzlich mehrere Quadratmeter, was zu einem weiteren, enormen Temperaturanstieg im Brandraum führt. Andere brennbare Stoffe im Raum, wie z.B. Möbel, Holzverkleidungen und Kunststoffe fangen an zu dampfen und beginnen, brennbare Pyrolysegase freizusetzen, welche sich ebenfalls in der Rauchschicht anreichern. Irgendwann ist durch den permanenten Input von Hitze schließlich der Punkt erreicht, an dem das Rauch-Pyrolysegas-Gemisch so heiß wird und zündet. Dieser Prozess läuft sehr schnell ab, sodass es in der Regel nicht mehr als drei Minuten vom Entstehungsbrand bis zum Vollbrand braucht. Temperaturen von 800 bis 1.000 Grad Celsius sind dabei keine Seltenheit.

Hätte jemand einen Feuerlöscher benutzt
Ich möchte jetzt nicht auch noch anfangen zu erörtern, wer warum woran wie Schuld ist - das wissen wir denke ich und dieser Frage gehen schon alle anderen nach. Für mich ist es an dieser Stelle viel wichtiger zu fragen, ob es irgendetwas gegeben hätte, um einen Brand diesen Ausmaßes zu verhindern. Die Antwort lautet: Ja, ganz klar - ein Feuerlöscher! Feuerlöscher sind Kleinlöschgeräte, welche binnen weniger Sekunden einsatzbereit sind und einen im Entstehen begriffenen Brand sicher eindämmen und ablöschen können. Es gibt Videos im Netz, wo ein Gast versucht, das schnell immer größer werdende Feuer mit seinem Pullover oder seiner Jacke auszuschlagen. Funktioniert natürlich bei einem Feuer dieser Größe nicht mehr, aber mit einem Feuerlöscher hätte er den Brand in diesem Stadium noch wirksam bekämpfen können. Er hatte aber keinen und genau das war der letzte verhängnisvolle Baustein zur Katastrophe. Wäre innerhalb der ersten Minute ein Löschangriff mit einem oder mehreren Feuerlöschern erfolgt, wäre alles noch glimpflich ausgegangen und der Vorfall hätte - wenn überhaupt - höchstens in der örtlichen Zeitung gestanden. Entstehungsbrände, die mit einem Feuerlöscher bekämpft werden, tauchen in den Medien in der Regel gar nicht auf, weil es tatsächlich recht häufig vorkommt, dass ein Feuerlöscher benutzt wird. Da dabei dann natürlich überhaupt nichts spektakuläres passiert, zeigen die Medien auch kein Interesse an solchen Vorfällen.

Fakt ist, dass kein Feuerlöscher benutzt wurde - ob jetzt einer, drei, fünf oder zwanzig vor Ort gewesen sind oder gar keiner, ist in diesem Falle völlig egal, denn wir kommen immer zum gleichen Ergebnis: Es wurde kein Feuerlöscher benutzt. Dieser Brand zeigt auf tragische Weise, wie wichtig Feuerlöscher sind, wie wichtig es ist, dass sie vor Ort sind, wie wichtig es ist, dass sie auch funktionieren, wie wichtig es ist, dass sie sichtbar, schnell erreichbar und sofort einsatzbereit sind und ebenso wie wichtig es ist, dass vor Ort auch jemand sein muss, der den Feuerlöscher benutzt! Letzteres kann man von saufenden Gästen natürlich nicht unbedingt erwarten, aber das Personal sollte in jedem Falle darauf geschult werden. Ich habe in den letzten Jahren viele viele Brandschutzhelfer ausgebildet und Brandschutzunterweisungen durchgeführt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass mal jemand aus einem Club oder der Gastronomie dabei gewesen wäre… ein wichtiger Punkt, an dem gearbeitet werden sollte

C. Menzel 2026

Dienstag, 16. April 2019

Notre-Dame: Renovierungsarbeiten als mögliche Brandursache

Am 15.04.2019 brach am frühen Abend im Dachstuhl der Kathedrale Notre-Dame de Paris ein Brand aus, der große Teile des gotischen Sakralbaus zerstörte. Es wird vermutet, dass Renovierungsarbeiten den Brand ausgelöst haben könnten - kann das sein?
Ja, das kann sehr wohl sein, gerade dann, wenn es sich um Dacharbeiten handelt, worauf die Gerüste schließen lassen. Ich fühlte mich beim Anblick der brennenden Kathedrale gleich an den brennenden Kirchturm der St.-Laurentius-Kirche in Erwitte erinnert, welcher durch einen Brand am 22. Oktober 1971 erheblich beschädigt worden ist. Als Brandursache wurden später Lötarbeiten am Dach ermittelt, bei welcher die hölzerne Dachkonstruktion in Brand gesetzt worden ist. Weitere Beispiele gibt es genug:

- 1959: Rathaus Schweinfurt - Schwelbrand nach Schweißarbeiten
- 1963: Pöstlingberg-Kirche Linz: Schwelbrand nach Blecharbeiten
- 1969: Augustiner-Chorherrenstift Au am Inn: Imprägnierarbeiten im Dachraum
- 1970: St.-Marien-Kirche Nettlingen: Schwelbrand nach Abbrennarbeiten
- 1971: St.-Laurentius-Kirche Erwitte: Schwelbrand nach Lötarbeiten
- 1972: Kaiserhof Baden-Baden - Schwelbrand nach Schweißarbeiten
- 1972: Saint-Pierre Nantes: Schwelbrand nach Lötarbeiten
- 1977: Kloster St. Blasien: Schwelbrand nach Dachdeckerarbeiten

Ja - das sind jetzt zwar alles ältere Sachen, aus meinem Buch "Brandschutz in Baudenkmälern und Museen", aber olle Kamellen sind es trotzdem noch lange nicht. Gerade solche Feuerarbeiten an und auf Dächern führen immer wieder zu unerkannten Schwelbränden, die größtenteils erst einige Zeit nach Feierabend durchbrechen. Das Gefährliche an solchen Schwelbränden ist, dass sie viel Zeit, allzu viel Zeit haben, um sich unbemerkt auszubreiten. Wenn der Brand dann sichtbar wird, geht alles ganz schnell, da im Verborgenen bereits große Flächen glühen und aufgeheizt sind. Dann genügt ein Schwall Frischluft sozusagen und plötzlich steht alles in Flammen.
Für einen solchen unbemerkten Schwelbrand nach Dacharbeiten sprächen zum einen wie bereits erwähnt die Gerüste (vermutlich für Arbeiten am eingestürzten Turm) und zum anderen die Uhrzeit  zu welcher der Feueralarm einging. Ws soll zwei gegeben haben -  ein erster Alarm soll schon 18:20 eingegangen sein, wo allerdings augenscheinlich wohl noch nichts festgestellt werden konnte. Der zweite kam dann wohl gegen 18:45 und da brannte es bereits lichterloh. 18:45 habe ICH zumindest schon Feierabend und ich denke, dass man zu dieser Uhrzeit auch in Frankreich in der Regel nicht mehr auf Gerüsten und Dächern herumkrabbelt.

Naja - um das jetzt alles hieb und stichfest nachhalten zu können, ist es schlicht noch zu früh. Ich wollte hier nur mal einen ersten Anstoß geben und meine Sicht der Dinge erörtern. Sobald es Neuerungen gibt, könnt Ihr das hier lesen, denn ich bin wirklich tief bewegt von diesem Ereignis.

Also - schaut demnächst mal wieder rein, dann gibt es wahrscheinlich schon neue Erkenntnisse. Vielleicht habe ich bis dahin auch die Erlaubnis eingeholt, einige Bilder hier verwenden zu dürfen.

©. Menzel 2019

Mittwoch, 25. Juli 2018

FAQ - Waldbrandgefahr! Was gibt es zu beachten?

Ganz Europa stöhnt zur Zeit unter einer enormen Hitzewelle und in den letzten Tagen ist es in einigen Gebieten schon zu verheerenden Waldbränden mit zahlreichen Todesopfern und Schäden in Millionenhöhe gekommen.
Stehen größere Flächen Wald, Heide-, Wiesen- und Moorlandschaften erst einmal in Brand, haben selbst die Experten der Feuerwehr größte Mühen, solch ein Feuer in den Griff zu bekommen. Zum einen fehlt es an effektiver Ausrüstung* und zum anderen sind viele Einsatzkräfte zu unerfahren mit Bränden dieser Kategorie. Derartige Szenarien werden zwar immer wieder geübt, doch liegen die letzten Großereignisse in Deutschland Radioberichten zur Folge fast 40 Jahre zurück, d.h. die Feuerwehrleute, die solch einen Einsatz einmal mitgemacht haben, sind schon lange nicht mehr im Dienst!

*Deutschland besitzt beispielsweise keine Löschflugzeuge, weil es hier keine Wasserflächen ausreichender Größe gibt, welche die Flugzeuge überfliegen könnten, um aufzutanken. Daher wird in mit Hubschraubern gearbeitet.
Viele dieser Maschinen sind jedoch im Bundeswehreinsatz oder nicht einsatzbereit bzw. infolge mangelnder Befestigungseinrichtungen für die Wasserkörbe für solch einen Einsatz ungeeignet (Quelle: Radiobeitrag WDR4 vom 24.07.2018).

Daher ist es umso wichtiger, dass jeder einzelne von uns durch sein Verhalten dazu beiträgt, damit es erst gar nicht so weit kommt.

Beachtet folgende Verhaltensregeln:

  • Werft keine glimmenden Zigarettenkippen achtlos weg, auch nicht auf Feldwegen und an Böschungen!
  • Parkt oder haltet nicht am Wegesrand auf trockenen Gräsern!
  • Vermeidet bei großer Trockenheit jegliche Art von offenem Feuer in der Natur! Verzichtet auch auf Abflämmarbeiten im Garten!
  • Meidet bei den Warnstufen 4 und 5 Wälder und dergleichen!
©. Menzel 2018