Mitten in Lippstadt gab es eine Minipreisfiliale der ersten Stunde, welche sich im Erdgeschoss eines schmalen Gebäudes mit Spitzdach an der Capelstraße Ecke Soeststraße befand. Der Einrichtung des Ladens nach zu urteilen dürfte sie so Ende der 1960er Jahre eröffnet worden sein und das Inventar ist bis zur Schließung in Gebrauch gewesen. Tja, das war noch Qualität, die nicht kaputt zu kriegen war. Gut - in der Schlussphase hier und da etwas abgewetzt, aber noch da. Ich erinnere mich noch sehr gut an den gräulich-braunen Linoleumfußboden mit seinem typischen Geruch, die hölzernen Regale mit Drahtgeflecht, die schmalen Gänge und den typischen Wandanstrich dieser Zeit. Also für einen Supermarkt war das schon ziemlich klein und Einkaufswagen hat es dort aufgrund der Platzverhältnisse überhaupt nicht gegeben. Heute absolut undenkbar - genau wie der Versatz im Fußboden. Mitten im Laden ging man plötzlich nicht mehr auf Estrich, sondern über eine mit Linoleum beklebte Holzrampe ein ganzes Stück nach unten, um im Kassenbereich wieder auf derselben Höhe zu sein, wie im Eingangsbereich. Ich meine, dass im Bereich der Holzrampe auch brauner Teppichboden gewesen ist, doch da bin ich mir jetzt nicht so ganz sicher. Naja, die Geschichte mit dem Versatz fand ich immer sehr interessant. Ich bin recht oft und gern in diesem Minipreis herumgestrolcht und warum das so war, könnt Ihr Euch ja sicher schon denken.
Genau: Der Minipreis war nämlich - wie so ziemlich jedes andere Gebäude in Lippstadt - mit GLORIA-Feuerlöschern ausgerüstet und einer davon ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Wenn man reinkam, wurde man gegen den Uhrzeigersinn durch den Laden geführt. Man ging dabei direkt auf die hintere, dunkelgelb gestrichene Stirnwand zu, wo meine ich die Kühlabteilung untergebracht war. Mittig zwischen den Regalen befand sich eine Tür zu den Hinterräumen und DA hing er, der GLORIA Typ Pi 6 G aus den Endsechzigern. Mit Sternboden, dem typischen Aufdruck und einer gelben Sicherungslasche. Die war gelb, das weiß ich ganz genau und sie muss im Laufe der Jahre mal ausgetauscht worden sein. Ursprünglich waren die Sicherungslaschen aus der Zeit nämlich rot, doch die gingen mit den Jahren irgendwann kaputt und wurden dementsprechend durch aktuelle, gelbe ersetzt. Die Tür war stand IMMER offen, sodass man wirklich bei jedem Besuch einen Blick riskieren konnte. Der Pi hing direkt am Treppenaufgang auf einer in etwa minzgrün gestrichenen Wand und das Rot vom Handlauf des Treppengeländers passte zu dem des Feuerlöschers. Ein sehr intensives Farbspiel, was man nicht vergisst. Ich habe ihn immer nur aus der Ferne bewundert, denn hineingehen durfte man nicht... ich hätte das auch schlecht erklären können, wenn mich da einer erwischt hätte.
Schade, das ich da kein Foto von habe, aber damals gab es eben noch kein Smartphone, womit man mal eben schnell alles fotografieren konnte. Ich hätte schon einen Fotoapparat mitnehmen müssen, doch ich hatte keinen.
Irgendwann zwischen 1999 und 2002 ist die Filiale geschlossen und das Gebäude abgerissen worden. Das Gelände ist immer noch unbebaut und ob Ihr es glaubt oder nicht: Immer, wenn ich alle Jubeljahre mal die Cappelstraße längs fahre und an dem Grundstück vorbeikomme, sehe ich den Pi 6 G auf der minzgrünen Wand und den roten Handlauf. Als ob der Teil stehengeblieben wäre.
©. Menzel 2018
Posts mit dem Label Feuerlöschergeschichten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Feuerlöschergeschichten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 19. Dezember 2018
Sonntag, 16. Dezember 2018
Feuerlöschergeschichten: Der Pi 6 G in der Volksbank Lipperode
Banken gehören in der Regel nicht wirklich zu den beliebtesten Ausflugszielen für Kinder, obwohl es durchaus kindgerechte Angebote wie den KNAX-Club, diese MIKE-Heftchen oder das Jeans-Sparbuch gab. Gibts die MIKE-Comics eigentlich noch? Die waren wohl ganz gut und ich hatte einige von denen. Nun gut - über ein Comic hat sich sehr wahrscheinlich jedes Kind gefreut, aber das war für unseren Chris natürlich nicht der einzige Grund zur Freude, wie Ihr Euch sicherlich schon denken könnt.
Wir fuhren früher immer in die Lipperoder Filiale an der Lippestraße 30, die um 1973 dort noch als Spar- und Darlehenskasse "in einem architektonisch reizvollen Gebäude...", wie es die Verfasser meines heiß geliebten Heimatbuches "Der Kreis Lippstadt" so treffend formulieren, ein neues Zuhause gefunden hatte. Das architektonisch reizvolle Gebäude ist ein typischer Bau der frühen 1970er Jahre, zwar ohne Waschbetonplatten, aber dennoch mit symptomatischen Elementen. Allen voran wären die großen Fensterflächen mit Alurahmen sowie das markante Dach zu nennen.
Innen gab es meiner Erinnerung nach einen dicken, grünen Teppichboden sowie reichlich Holz und wo ich das jetzt hier gerade schreibe, habe ich sofort den typischen Geruch in der Nase. Toll!
Ja - während meine Eltern sich dann Geld am Schalter auszahlen ließen oder anderen Bankgeschäften nachgingen, wartete ich immer im Besucherbereich auf schwarzen Lederstühlen mit verchromtem Rahmen. Ich wartete gern dort, denn von hier aus hatte man einen sehr guten Blick auf den Fotokopierer. Dieser stand auf einem Tisch an der Wand und unter dem Tisch hing er - ein GLORIA Pi 6 G aus dem Jahre 1973/74. Obwohl er gut versteckt war, hatte ich ihn natürlich trotzdem sofort entdeckt und was mir an diesem Modell sofort aufgefallen war, waren die schwarzen Standfüße und der sehr nüchterne, aufgeräumte Siebdruck. Sonst kannte ich nur die Vorgängerversion des Pi mit Sternboden und dem typischen Siebdruck ab 1964; so einen hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Ein tolles Gerät, an welchem ich mich nicht satt sehen konnte und welches ich jedes mal auch gern mitgenommen hätte, aber das ging natürlich nicht.
Irgendwann wurde die Filiale dann renoviert und umgestrickt, wobei nicht nur der gesamte Kassenbereich sondern auch der schöne GLORIA Pi 6 G verschwand. Schade, denn ich kenne nur wenige Gebäude, wo ein Löscher so perfekt ins Gesamtbild passte, wie bei der Lipperoder Volksbank. Die Filiale gibt es noch und das Gebäude sieht von Außen fast noch so aus wie früher. Gut, die Fenster wurden mal neu gemacht und der Eingangsbereich wurde umgestaltet, aber ansonsten ist es noch so wie früher.
Heute habe ich natürlich solch einen Pi und immer wenn ich ihn sehe, muss ich an die Volksbank Lipperode denken.
©. Menzel 2018
Wir fuhren früher immer in die Lipperoder Filiale an der Lippestraße 30, die um 1973 dort noch als Spar- und Darlehenskasse "in einem architektonisch reizvollen Gebäude...", wie es die Verfasser meines heiß geliebten Heimatbuches "Der Kreis Lippstadt" so treffend formulieren, ein neues Zuhause gefunden hatte. Das architektonisch reizvolle Gebäude ist ein typischer Bau der frühen 1970er Jahre, zwar ohne Waschbetonplatten, aber dennoch mit symptomatischen Elementen. Allen voran wären die großen Fensterflächen mit Alurahmen sowie das markante Dach zu nennen.
Innen gab es meiner Erinnerung nach einen dicken, grünen Teppichboden sowie reichlich Holz und wo ich das jetzt hier gerade schreibe, habe ich sofort den typischen Geruch in der Nase. Toll!
Ja - während meine Eltern sich dann Geld am Schalter auszahlen ließen oder anderen Bankgeschäften nachgingen, wartete ich immer im Besucherbereich auf schwarzen Lederstühlen mit verchromtem Rahmen. Ich wartete gern dort, denn von hier aus hatte man einen sehr guten Blick auf den Fotokopierer. Dieser stand auf einem Tisch an der Wand und unter dem Tisch hing er - ein GLORIA Pi 6 G aus dem Jahre 1973/74. Obwohl er gut versteckt war, hatte ich ihn natürlich trotzdem sofort entdeckt und was mir an diesem Modell sofort aufgefallen war, waren die schwarzen Standfüße und der sehr nüchterne, aufgeräumte Siebdruck. Sonst kannte ich nur die Vorgängerversion des Pi mit Sternboden und dem typischen Siebdruck ab 1964; so einen hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Ein tolles Gerät, an welchem ich mich nicht satt sehen konnte und welches ich jedes mal auch gern mitgenommen hätte, aber das ging natürlich nicht.
Irgendwann wurde die Filiale dann renoviert und umgestrickt, wobei nicht nur der gesamte Kassenbereich sondern auch der schöne GLORIA Pi 6 G verschwand. Schade, denn ich kenne nur wenige Gebäude, wo ein Löscher so perfekt ins Gesamtbild passte, wie bei der Lipperoder Volksbank. Die Filiale gibt es noch und das Gebäude sieht von Außen fast noch so aus wie früher. Gut, die Fenster wurden mal neu gemacht und der Eingangsbereich wurde umgestaltet, aber ansonsten ist es noch so wie früher.
Heute habe ich natürlich solch einen Pi und immer wenn ich ihn sehe, muss ich an die Volksbank Lipperode denken.
©. Menzel 2018
Sonntag, 18. November 2018
Feuerlöschergeschichten: Die GLORIA Pi 12 G im real-kauf Lippstadt
An der Bökenförder Straße im Lippstädter Süden befindet sich ein real-Supermarkt und den gibt es da schon, solange ich denken kann. Ich komme buchstäblich vom Dorf und wenn man einkaufen wollte, musste man sich ins Auto setzen und ein paar Kilometer fahren. Da bin ich mit großer Freude immer mitgefahren - nicht etwa in der Hoffnung, eine Kleinigkeit abzustauben, sondern um Feuerlöscher bestaunen zu können!
Der real in Lippstadt ist der Erstausstattung an Feuerlöschern nach zu urteilen so 1969/70 eingerichtet worden und das passt auch zum Gebäude. Der Fußboden bestand anfangs aus reinem Estrich und auch die weiß getünchten Backsteinwände waren noch nicht verkleidet. Aus meinen frühsten Erinnerungen Anfang der 1980er Jahre weiß ich, dass man, wenn man reinkam und geradeaus durchging, in einen Bereich kam, wo Fahrradzubehör und Wein verkauft worden ist. Interessante Mischung, aber gut...
Später war dann da das Lager aber ich weiß, dass genau am Durchgang ein GLORIA Pi 12 G hing und das war der erste, den ich jemals gesehen hatte! Er war riesig und hing auf gut 1,80m Höhe und ich war einfach nur total beeindruckt.
Über die Jahre wurde der Laden mehrfach umgebaut und anders strukturiert, aber die Feuerlöscher blieben. Rückblickend betrachtet stand ich im Einkaufswagen sitzend am häufigsten am Pi 12 G in der Obst- und Gemüseabteilung direkt an der Waage. Heute wird das ganze Zeug ja direkt vorne in den Eingang gelegt, aber damals musste man einmal durch bis nach hinten und schon auf dem Weg dahin wuchs die Freude. Die Obst- und Gemüseabteilung war recht groß und grenzte an die Kühltheke sowie an diverse Regale mit weiteren Artikeln des täglichen Bedarfs. Da dort genug Platz war, ließ man den Wagen gern auch mal kurz stehen und genau das war dann für mich DAS Highlight des Einkaufs! Je länger ich da stand, umso länger konnte ich den Feuerlöscher bewundern.
Auch in späteren Jahren bewunderte ich die schönen Pi 12 und die hingen wirklich lange lange Zeit da. Hin und wieder fand mal einen aus den 1970ern und 1980ern aber im Grundsatz waren es alles noch die dicken 12er von damals.
Selbst 2003/04, wo ich schon längst studierte und nur noch am Wochenende nach Lippstadt kam, hingen sie noch dort. 2005 oder so wurde der real dann umgebaut und im Zusammenhang mit den nun geltenden Aussonderungsfristen der Hersteller verschwanden auch die ganzen alten Feuerlöscher. Sehr schade, aber unvermeidlich. Die alten Geräte entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik und mussten zwingend ersetzt werden.
Glücklicherweise besitze ich solche, damals für mich unerreichbaren Geräte nun auch und kann mich heute jederzeit an ihnen erfreuen.
©. Menzel 2018
Der real in Lippstadt ist der Erstausstattung an Feuerlöschern nach zu urteilen so 1969/70 eingerichtet worden und das passt auch zum Gebäude. Der Fußboden bestand anfangs aus reinem Estrich und auch die weiß getünchten Backsteinwände waren noch nicht verkleidet. Aus meinen frühsten Erinnerungen Anfang der 1980er Jahre weiß ich, dass man, wenn man reinkam und geradeaus durchging, in einen Bereich kam, wo Fahrradzubehör und Wein verkauft worden ist. Interessante Mischung, aber gut...
Später war dann da das Lager aber ich weiß, dass genau am Durchgang ein GLORIA Pi 12 G hing und das war der erste, den ich jemals gesehen hatte! Er war riesig und hing auf gut 1,80m Höhe und ich war einfach nur total beeindruckt.
Über die Jahre wurde der Laden mehrfach umgebaut und anders strukturiert, aber die Feuerlöscher blieben. Rückblickend betrachtet stand ich im Einkaufswagen sitzend am häufigsten am Pi 12 G in der Obst- und Gemüseabteilung direkt an der Waage. Heute wird das ganze Zeug ja direkt vorne in den Eingang gelegt, aber damals musste man einmal durch bis nach hinten und schon auf dem Weg dahin wuchs die Freude. Die Obst- und Gemüseabteilung war recht groß und grenzte an die Kühltheke sowie an diverse Regale mit weiteren Artikeln des täglichen Bedarfs. Da dort genug Platz war, ließ man den Wagen gern auch mal kurz stehen und genau das war dann für mich DAS Highlight des Einkaufs! Je länger ich da stand, umso länger konnte ich den Feuerlöscher bewundern.
Auch in späteren Jahren bewunderte ich die schönen Pi 12 und die hingen wirklich lange lange Zeit da. Hin und wieder fand mal einen aus den 1970ern und 1980ern aber im Grundsatz waren es alles noch die dicken 12er von damals.
Selbst 2003/04, wo ich schon längst studierte und nur noch am Wochenende nach Lippstadt kam, hingen sie noch dort. 2005 oder so wurde der real dann umgebaut und im Zusammenhang mit den nun geltenden Aussonderungsfristen der Hersteller verschwanden auch die ganzen alten Feuerlöscher. Sehr schade, aber unvermeidlich. Die alten Geräte entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik und mussten zwingend ersetzt werden.
Glücklicherweise besitze ich solche, damals für mich unerreichbaren Geräte nun auch und kann mich heute jederzeit an ihnen erfreuen.
©. Menzel 2018
Feuerlöschergeschichten: Der GLORIA PA 6 GD im Jakob-Koenen-Bad Lippstadt
Das Jakob-Koenen-Bad war eine regelrechte Institution in Lippstadt und es gibt wohl kaum einen Lippstädter meiner Generation, der nicht dort Schwimmen war und nicht irgendeine Geschichte mit diesem Hallenbad verbindet.Benannt worden ist das Mitte der 1960er Jahre in direkter Innenstadtnähe am Cappeltor erbaute Hallenbad nach dem Sportfunktionär und Politiker Jakob Koenen, welcher als gebürtiger Lippstädter von 1948 bis 1974 auch Bürgermeister seiner Stadt war und den Bau schließlich ermöglichte. Im Eingang wurde man direkt von seiner Büste aus Bronze und einem großen Mosaik im typischen Stil der 1960er Jahre begrüßt, welches an der Stirnwand gegenüber des Eingangs prangte und von mehreren Spots beleuchtet wurde. Davor erstreckte sich ein Warte- bzw. Sitzbereich in Form mehrerer frei angeordneter, rechteckiger Tische mit dunklem Holzfurnier und verchromten Beinen. Dazu passend standen ringsum Polsterstühle in blau, grün und orange.
Rechts neben den Sitzgruppen befand sich dann - abgetrennt durch einen etwa hüfthohen Edelstahlrahmen und einige Zimmerpalmen - der Eingang zum Badebereich. Das Kassenhäuschen am Durchgang war auch gleichzeitig ein Kiosk, an dem man alle möglichen Sorten von Süßkram kaufen konnte - auch während des Schwimmens. Obwohl die Badezeit auf 2 Stunden begrenzt war, nahm ich das Angebot oft in Anspruch. Die weißen Papiertüten mit Süßkram lösten sich in den nassen Händen schnell auf und man klebte dann von oben bis unten... das war immer eine ganz hübsche Sauerei. Die Verkäuferin ermahnte uns jedes Mal, nicht mit den nassen Füßen durch die gekachelten Umkleiden zu rennen, was wir natürlich immer befolgt haben und uns deshalb auch niemals auf die Schnauze legten oder in einen der großen, gusseisernen Rippenheizkörper bretterten. Diese waren wirklich riesig und heizten bis ins Unerträgliche... was für eine Affenhitze das immer war. Also frieren musste da keiner!
Wenn man nicht schon während des Schwimmens am naschen war, wurden spätestens nach dem Duschen, Umziehen und Haare föhnen die 2 Mark aus dem Münzeinwurf des Schließfachs dort verfressen - im Prinzip ein sehr geschickter Schachzug des Betreibers, denn ich kenne wirklich keinen, der das nicht so gemacht hatte.
In der Mitte des Hallenschiffs gab es hoch über dem Becken eine brückenartige Konstruktion aus Kiefernholz, welche einen Wellnessbereich mit Kunstrasen, Wärmelampen, Liegestühlen und jeder Menge Plastikpflanzen beherbergte. Rechts vom Sprungturm aus gesehen führte eine ebenfalls hölzerne Treppe hinauf in den Wellnessbereich und da war er - ein Stück hinter der Treppe, gut versteckt hinter einer großen Palme hing er an einem der wenigen weiß gekachelten Pfeiler: Ein GLORIA Typ PA 6 GD. Ich weiß jetzt nur nicht mehr genau, ob er Standnocken hatte oder nicht... ich meine aber schon, dass er welche hatte und somit aus den Jahren 1980 - 1983 stammte. Schon als ich klein war, hatte ich ihn entdeckt und seitdem verging nicht in Schwimmbadbesuch, bei dem ich nicht mehrfach gezielt am Feuerlöscher vorbeigegangen bin oder dort sogar etwas rumgelungert hatte, um ihn mir anzusehen. Ich war sofort fasziniert von diesem Gerät, denn so einen hatte noch nie gesehen - diese massive Armatur mit schwarzem Tragegriff, roter Drucktaste und gelber Sicherungslasche. Er sah wirklich toll aus und ich wünschte mir bei jedem Besuch, diesen Löscher irgendwie mitnehmen zu können, aber das ging natürlich nicht.
Der PA 6 GD war der einzige Feuerlöscher, den es im Schwimmbereich gab und er war zugegebener Maßen auch der einzige Feuerlöscher, den ich überhaupt in einer Schwimmhalle gesehen habe.
Zur Erstausstattung konnte er nicht gehören, denn den PA gab es erst seit 1978 und das Bad wurde ja schon 12 Jahre vorher in Betrieb genommen. Dass es einen zeitgenössischen Vorgänger an der Stelle gab, der sich im Laufe der Jahre in der Chlorluft aufgelöst hatte und durch den PA ersetzt worden ist, glaube ich auch nicht. Vielmehr wird es so gewesen sein, dass der Wellnessbereich Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er nachträglich hinzugekommen ist und durch die so geschaffenen Brandlasten der PA 6 GD von der Feuerwehr gefordert worden ist.
Am häufigsten besuchte ich das Jakob-Koenen-Bad zwischen 1983 und 1995. Anfangs planschte ich als kleiner Knirps noch im sog. "Pissbecken" für Nichtschwimmer durch die Gegend. Das Becken war meiner Erinnerung nach etwa knietief (bei einem Erwachsenen) und kam durch die in diesem Bereich gelb gekachelten Wände sowie der Wassertemperatur von gut 30 °C zu seinem Namen. Bestimmt wird auch ein Teil seines Inhalts namensgebend gewesen sein... es roch zumindest gerade hier immer extremst nach Chlor und wir alle wissen ja, wodurch dieser Chlorgeruch Zustande kommt.
Später fanden dann auch viele Kindergeburtstage im Jakob-Koenen-Bad statt und das war immer eine große Attraktion - vor allem, wenn man die 2 Mark aus dem Schließfach behalten durfte und dann später in Süßkram umsetzte. Anfang der 1990er Jahre war ich mit meiner Schulklasse auch oft dort schwimmen gewesen und ganz besonders schön war es im Halbjahr 1992/93. Da hatten wir Freitags die ersten beiden Stunden Sport und im Herbst und Winter stand Schwimmen auf dem Programm. Da sind wir immer mit dem 538, der die Käffer abklapperte bis zum Tivoli gefahren und haben auf dem Weg zum Bad regelmäßig die Bäckerei Krick um ein paar Schokocroissants oder Matschbrötchen erleichtert, die wir uns auf dem Rest des Fußwegs gegönnt haben... und dann schön mit voller Plauze ins Wasser.
In den Folgejahren war ich nur noch sehr selten dort und bei meinem letzten Schwimmbadbesuch im Jahre 2002 gab es den PA 6 GD schon nicht mehr. Die Bäckerei Krick gibt es auch schon lange nicht mehr und das Jakob-Koenen-Bad selbst ist mittlerweile auch geschlossen und abgerissen worden.
Es war immer ein Monsterspaß und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Mittlerweile darf ich solch einen GLORIA Typ PA 6 GD, den ich damals immer so gern mitgenommen hätte, auch mein Eigen nennen und immer, wenn ich ihn anschaue, denke ich direkt ans Jakob-Koenen-Bad. Hier habe ich den GLORIA Typ PA 6 GD zum ersten und auch letzten Mal in freier Wildbahn gesehen und das bleibt einem in Erinnerung.
©. Menzel 2018
Abonnieren
Posts (Atom)


