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Samstag, 13. Februar 2016

Report aus dem Museum Kohlensäure-Gaslöscher - Die schöne und das Biest

Neben den heute bekannten Kohlendioxidlöschern gab es früher auch sogenannte Kohlensäure-Gaslöscher, welchen die Zulassung vermutlich mit Einführung der DIN EN3 im Jahre 1992 entzogen worden ist. Obwohl Kohlensäure-Gaslöscher nicht als Sonderlöscher zugelassen worden sind, müssten sie mit Blick auf ihren besonderen Anwendungsbereich jedoch eigentlich als solche betrachtet werden. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kohlensäure-Schneelöscher bzw. dem heutigen Kohlendioxidlöscher fehlt dem Kohlensäure-Gaslöscher, wie auf dem Bild sehr gut zu erkennen ist, nämlich das markante Schneerohr. Stattdessen ist er mit einer Gasdüse ausgestattet, welche das Kohlendioxid (früher fälschlicherweise als Kohlensäure bezeichnet) mit vollem Flaschendruck ausströmen lässt. Der Gasstrahl tritt je nach Umgebungstemperatur mit einem Druck von 60 bis 200 bar aus und ist so in der Lage, auch Brände von unter Hochdruck austretenden Gasen zu löschen. Daher waren Kohlensäure-Gaslöscher neben den Brandklassen B und E zusätzlich auch für die Brandklasse C zugelassen.
Kohlensäure-Gaslöscher waren aufgrund ihres speziellen Einsatzzwecks von Natur aus schon sehr selten und viele haben mit Sicherheit noch niemals einen gesehen, geschweige denn benutzt - und das ist ein echtes Erlebnis, von welchem ich hier gern mal etwas berichten möchte!

Einsatzbericht

Als ich die letzten Tage etwas gerödelt hatte, fiel mir der 1974er GLORIA KS 6 SG aus einer der hinteren Ecken in die Hände - noch komplett gefüllt. Normalerweise kommen die teilweise 60 Jahre alten Feuerlöscher schon leer bei mir an oder ich entleere sie aus Sicherheitsgründen zeitnah nach Erhalt. Bei meinem 6 kg-Kohlensäure-Gaslöscher hatte ich das irgendwie verschlampt und so stand er seit knapp zwei Jahren unberührt im Keller. Da der Löscher mittlerweile nun auch schon gut 42 Jahre auf der Uhr hat, wurde es höchste Zeit, ihn zu entschärfen!
Vorsorglich zog ich mir dicke Handschuhe an, denn die berühmte Schnabelarmatur ist tückisch, auch wenn sie in Kombination mit dem fast 1 m hohen, schlanken Feuerlöscher das schönste ist, was es jemals gegeben hat! Im Inneren drückt vereinfacht ausgedrückt eine kleine Feder die Spindel herunter, um das Ventil zu öffnen und diese kleine Feder bricht gerne mal, wenn sie in die Jahre kommt. Dann strömt einem rund -70 °C kaltes Kohlendioxid über die Hand und das ist nicht gerade angenehm. Ist mir schon mehrfach passiert und deshalb begegne ich dieser Armatur nur noch mit dicken Handschuhen!

Perfekt ausgerüstet ging ich dann also in den Garten zu meinem üblichen "Abschussplatz" und es lag eine (noch) recht idyllische Atmosphäre in der Luft. Die Blätter raschelten leise im Wind, einige Vögel blökten in den Bäumen herum und alles wirkte friedlich - doch das sollte sich schlagartig ändern.

Von meiner beruflichen Tätigkeit und auch von meiner Sammelleidenschaft her kenne ich mich gut aus und ich weiß bei Gott, was in so einem Kohlendioxidlöscher steckt. Doch das, was mich in wenigen Augenblicken erwarten würde, sollte meine bisherigen Erfahrungen in den Schatten stellen.

Als ich die Sicherung zog und das Hebelventil betätigte, brach augenblicklich die Hölle über die ach so friedliche Idylle herein, denn das leise Rauschen der Blätter sowie auch das Gequake der Vögel gingen völlig in dem fast schön bösartigen Donnern unter, welches der Kohlensäure-Gaslöscher plötzlich von sich gab. Obwohl ich annähernd ahnte, was mich erwartet, war ich dennoch überrascht von dieser Urgewalt, die ich da entfesselt hatte! Mit jedem Druck auf das Hebelventil stellte sich der Löscher schräg nach hinten und da ich gleichzeitig den fast unbändigen Hochdruckschlauch gut festhalten musste, hatte ich schon einige Mühe, das Gerät sicher unter Kontrolle zu halten. Vorne an der Düse war lediglich ein ganz leichter, bläulicher Gaskegel zu sehen, welcher im Nachgang mit einer unglaublichen Kraft alles wegpustete, was ihm in die Quere kam.
Nach etwa 5 Sekunden Vollgas bildete sich eine dicke Eisschicht vorne an der Düse, welche den Querschnitt soweit verengte, sodass sich in das unheimliche Grollen ein derart lautes und schrilles Pfeifen mischte, wovon einem fast die Ohren bluteten - und ich war draußen im Freien... DAS in einem geschlossenen Raum wäre nicht zu ertragen gewesen!
Weitere 15 Sekunden später gab es plötzlich einen Ruck und der massive Gasstrom reduzierte sich etwas. Der gesamte Feuerlöscher fing an zu dampfen und fror vom Fußring bis zum Ventil von einer Sekunde auf die andere komplett ein. Sogar der sonst sehr flexible Schlauch war steinhart eingefroren und behielt die waagerechte S-Form, in der ich ihn gehalten hatte. Sowas habe ich vorher noch nie erlebt und ich habe schon viele Kohlendioxidlöscher abgeblasen.

Das ganze Spektakel ging ungefähr noch ganze drei Minuten weiter, bis der Gasstrom ebenso plötzlich versiegte, wie er losbrach. Leer war der Feuerlöscher aber noch nicht, das merkte ich beim Anheben sofort! Als Taragewicht standt 9,89 kg auf der Flasche eingeschlagen und die Waage zeigte immer noch knapp 12,8 kg an! Spannband mit Tragegeriff und Schneerohr überschlagsweise rausgerechnet, hatte der Löscher noch ungefähr knapp 2 kg Kohlendioxid drauf. Wie kann das sein?

Durch die starke Abkühlung des Löschers hatte sich der Dampfdruck des Kohlendioxids so weit vermindert, dass ohne Steigrohr - welches ein Kohlensäure-Gaslöscher nämlich nicht besitzt - trotz Restfüllmenge kein Gas mehr entnommen werden kann. Hierin ist sehr wahrscheinlich auch die unglaublich lange Funktionsdauer von 3 Minuten begründet, denn. herkömmliche 6 kg Kohlendioxidlöscher sind nach spätestens 15 Sekunden leergebraten. Die restlichen 2 kg Kohlendioxid konnte ich dann nach mehreren Auftauphasen im Laufe von insgesamt 12 Stunden restlos abblasen, womit "das Biest" dann endgültig bezwungen war.

Fazit

Hätte man mit einem Kohlensäure-Gaslöscher tatsächlich einen Gasbrand der Brandklasse C löschen können? Ja, mit der Power auf jeden Fall - selbst eine brennende Bohrinsel hätte mit einem einzigen Kohlensäure-Gaslöscher wahrscheinlich aus-, um- und weggepustet werden können! Auch Brände in elektrischen Anlagen der alten Brandklasse E wären kein Problem für diesen Löscher gewesen, denn man hätte vermutlich den ganzen Sicherungskasten oder was auch immer von der Wand gefegt und in alle Winde verteilt.
Doch mal ganz ehrlich - da die meisten Menschen, die in einer Notsituation einen Feuerlöscher benutzen müssen, unerfahren sind, wäre es der pure Wahnsinn, ihnen ein solches Monster in die Hand zu drücken!

Die Eignung für die Brandklassen C und von mir aus auch E ist OK, wohingegen die für die Brandklasse B etwas fragwürdig ist. Der Gasstrahl ist meines Erachtens zu scharf, um brennende Flüssigkeiten sicher löschen zu können. Herkömmliche Kohlendioxid- bzw. Kohlensäure-Schneelöscher bringen auch durch die Hand einer unerfahrenen Person das Löschmittel weich auf die brennende Oberfläche auf, wodurch der Sauerstoff verdrängt und der Brand sicher abgelöscht wird. Haut man hingegen mit einem 60 bar Gasstrahl punktförmig in die brennende Flüssigkeit, wie es mit einem Kohlensäure-Gaslöscher der Fall sein würde, spritzt alles durch die Gegend und der Brand würde sich ausbreiten.


Abschließend lässt sich sagen, dass die Kohlensäure-Gaslöscher ihrem vorrangigen Gegner - brennendem, unter hohem Druck austretendem Gas - eine brachiale Gewalt entgegenbrachten und diesen auch erfolgreich schlagen konnten. Allerdings sind die enorme Kraft, der erhebliche Rückstoß und auch die Risiken beim Löschen von Flüssigkeitsbränden der Brandklasse B nicht zu unterschätzen.

Aus heutiger Sicht betrachtet waren Kohlensäure-Gaslöscher für ihren speziellen Zweck zwar äußerst effektive und kraftvolle Löscher - jedoch in den Händen ungeübter und unerfahrener Personen sehr gefährlich! Mit solch einem Biest waren hier Zwischenfälle mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen so gut wie vorprogrammiert und hierin dürfte auch einer der Gründe zu suchen sein, warum diesen Geräten die Zulassung entzogen worden ist. Außerdem sollten Gasbrände einzig und allein durch Abdrehen der Gaszufuhr gelöscht werden.
Trotzdem oder besser gesagt: Gerade deshalb ist ein Kohlensäure-Gaslöscher etwas ganz besonderes. Ich besitze noch einen kleinen KS 1,5 SG und mittlerweile ist noch ein weiterer KS 6 SG anderen Baujahres hinzugekommen.

©. Menzel 2016

©. Menzel 2018

Dienstag, 10. März 2015

GLORIA Typ KS 6 SG Bj. 1974

Hersteller: GLORIA-WERKE 
KOHLENSÄURE-GASLÖSCHER
Typ: KS 6 SG
Baujahr: 1974
Bauart: K 6 - Gaslöscher
Inhalt: 6 kg Kohlendioxid
Gewicht des gefüllten Geräts: 18,5 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1973 - 1983


Geschichte

Was ich Euch hier zeige ist nicht etwa ein kaputter Kohlensäure-Schneelöscher, bei dem das Schneerohr abgefallen ist sondern eine der seltensten Ausführungen eines Kohlendioxidlöschers aus dem Hause GLORIA: einen Kohlensäure-Gaslöscher aus dem Jahre 1974!
Was sofort auffällt ist - wie eingangs scherzhaft schon angesprochen wurde - dass das sonst so markante und unverwechselbare Schneerohr am Ende des Hochdruckschlauchs fehlt.
Statt eines Schneerohrs ist dieser Typ Feuerlöscher mit einer Hochdruck-Gasdüse ausgestattet, wodurch er im Gegensatz zu dem sehr häufig vertretenen Kohlensäure-Schneelöscher dazu in der Lage ist, unter Druck austretende, brennende Gase abzulöschen.
Stellt Euch vor, dass aus einem mehr als armdicken Rohr brennendes Gas mit einer 15 m langen Stichflamme ausströmt - dieser Löscher hier kann solch einen Brand innerhalb von Sekunden löschen.
Durch die Gasdüse strömt das Kohlendioxid - abhängig von der Umgebungstemperatur - ungebremst mit einem Druck von 60 bis 120 bar aus dem Behälter und erzeugt so einen scharfen Gasstrahl, welcher einerseits eine hohe mechanische Kraft entfaltet und andererseits sämtlichen Sauerstoff in der Umgebung der Düse schlagartig verdrängt. Hierdurch wird die Stichflamme regelrecht abgerissen und die Flammen erlöschen sofort.
Ein weiteres, unverkennbares Erkennungsmerkmal ist die mit aufgeführte Brandklasse C im Siebdruck - diese tragen nur die Kohlensäure-Gaslöscher, wogegen sich die Kohlensäure-Schneelöscher nur auf die Brandklassen B und E beschränken.


Der Einsatz eines Kohlensäure-Gaslöschers war jedoch auch mit erheblichen Gefahren verbunden, weshalb diesen Feuerlöschern mit Einführung der DIN EN3 im Jahre 1992 die Zulassung entzogen wurde.
Zuerst einmal ist es rational betrachtet ein ziemlicher Wahnsinn, unter Druck ausströmende, brennende Gase einfach abzulöschen, denn nach dem Ersticken der Flammen strömt weiter Gas aus, was nahezu unweigerlich schwere Explosionen nach sich zieht - nämlich dann, wenn sich das in der Zwischenzeit gebildete explosive Gas-Luftgemisch abermals entzündet. Dazu genügt in der Regel schon das Betätigen eines Lichtschalters, das Klingeln eines Telefons oder die aufgeheizte Umgebungsluft. 
Zweitens besaßen diese Löscher auch eine Zulassung zum Ablöschen von brennenden Flüssigkeiten, welche der Brandklasse B zugeordnet werden. So weit so gut, doch bestand hier die Gefahr, dass die brennende Flüssigkeit durch den scharfen Gasstrahl umhergeschleudert wurde und so zu einer Brandausweitung geführt hat. Auch unter Druck austretende brennende Flüssigkeiten konnten mit einem solchen Löscher kurzzeitig abgelöscht werden. Meistens war jedoch das Problem, dass der brennende Flüssigkeitsstrahl gelöscht werden konnte, die am Boden befindliche, brennende Lache hingegen jedoch nicht.
Drittens ist der Rückstoß eines solchen Feuerlöschers nicht zu unterschätzen. Wenn Ihr einen solchen Feuerlöscher auslöst, müsst Ihr ihn wirklich mit beiden Händen festhalten und Euch fest in den Boden stemmen, denn sonst geht Ihr mit dem Ding ab. Kohlensäure-Gaslöscher gelten wegen des hohen Gasdrucks als nur schwer kontrollierbar und wenn Ihr nicht genau wisst, was Ihr da tut und wie Ihr es tun müsst, dann tanzt Ihr mit dem Ding durch die Bude - die Urgewalt des ausströmenden Gases macht mit Euch, was sie will, wenn Ihr nicht aufpasst.

In besonderen Gefahrenbereichen wurden solche Kohlensäure-Gaslöscher vorgehalten, doch der Einsatz dieser Geräte war nur sehr begrenzt. Typische Einsatzbereiche dürften Raffinerien, Gaslager, Ölbohranlagen und die chemische Industrie gewesen sein. Aber wie gesagt: In Anbetracht der Gefahren, welche in Verbindung mit unter Druck ausströmenden, brennbaren Gasen bestehen, wurden diese Geräte nur sehr selten eingesetzt und aus diesem Grunde sind sie sehr selten. Ich freue mich, Euch dieses tolle und gut erhaltene Modell hier präsentieren zu können. Glaubt mir: So einen Löscher - vor allem in der 6kg-Ausührung, werdet Ihr wahrscheinlich nicht noch einmal sehen.

©. Menzel 2015