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Sonntag, 1. Mai 2022

Report aus dem Museum: GLORIA PR 6 G - vom Dauerdrucklöscher zum Auflader


Genauso wie in Deutschland gehören Feuerlöscher auch in vielen anderen Ländern zur Grundausstattung des vorbeugenden Brandschutzes und seit den frühen 1970er Jahren ergänzen GLORIA-Feuerlöscher in über 100 Staaten der Erde die dort heimischen Produktpalletten. Ich selbst besitze neben hunderten deutschen Modellen auch GLORIA-Geräte aus Schweden, Dänemark, Spanien, England, der Schweiz sowie aus Österreich und man soll es nicht meinen: Einen der größten Exoten überhaupt, den PR 6 G, gibt es direkt beim Nachbarn in Österreich!
Viele in Deutschland erhältliche Typen von GLORIA waren auch in Österreich zu finden - im Prinzip baugleich, lediglich der Aufdruck nach alter ÖNORM wich geringfügig von dem der alten DIN 14406 1-3 ab. Nur so Kleinigkeiten; Am auffälligsten waren immer die von der ÖNORM noch bis in die 1990er Jahre hinein verwendeten Bezeichnungen "TROCKEN" für Pulverlöscher und "NASS" für Wasserlöscher -  Sensationell, denn das gibt es in Deutschland schon seit Ende der 1960er Jahre nicht mehr! So ein Nostalgiker wie ich liest das natürlich besonders gern.
Wenn man noch genauer hinschaut und sich dabei etwas mit der Materie auskennt, entdeckt man überdies, dass die ÖNORM-Bauartbezeichnung die Deutsche Typenbezeichnung ist. Das, was die DIN 14406 1-3 in Deutschland unter Bauart verstand - nämlich eine herstellerweit übergeordnete Angabe zum Gerät selbst - gab es in Österreich in dieser Form scheinbar nicht.

Das Besondere am GLORIA PR 6 G ist, dass es ihn in Deutschland nie gegeben hat. Dieses Modell ist eine Mischung aus den beiden deutschen Typen PD 6 G und P 6 SG und zwar in so einer speziellen Art und Weise, dass bei diesem Löscher nichts, aber auch wirklich nichts von der (deutschen) Stange ist!
Der Löschmittelbehälter stammt an sich vom PD 6 G, doch ist ihm der Fußring des SG sowie ein Blasrohr für eine außenliegende Treibmittelflasche verpasst worden. Diese ist das nächste Kuriosum, denn diese lange, dünne Ausführung hat es bei GLORIA-Feuerlöschern in Deutschland auch nie gegeben! Die 150g-Flaschen für 6 kg-Geräte von GLORIA waren hierzulande stets so kleine dicke - eben wie wir sie auf diesem Bild am P 6 SG sehen.
Die Armatur des PD wurde beim PR auf den Tragegriff reduziert und auch der Schlauch mit kleinem Kunststoffgewinde und Löschpistole ist ebenfalls eine Sonderanfertigung, welche es in dieser Form bei keinem deutschen GLORIA-Feuerlöscher gegeben hat - selbst der Fußring ist extra für dieses Gerät gefertigt worden.

Es ist wirklich sensationell, dass GLORIA scheinbar nur für den Österreichischen Markt ein komplettes Sondermodell gefertigt hat und man darf natürlich die berechtigte Frage stellen "Warum ?!?!?"
Üblicherweise glichen die Modelle in Österreich dem Deutschen Baumuster und spezielle Sonderforderungen wie z.B. in Schweden gab es von Seiten der Österreichischen Behörden - meines Wissens zumindest -  nicht.
Eine rationelle Erklärung für diese Extrawurst par excellence habe ich also erstmal nicht und somit bleibt die spannende Frage nach dem "Warum?" zunächst noch unbeantwortet.
Ich weiß allerdings aus sicherer Quelle, dass es diesen PR 6 G auch in Österreich nicht oft gab. Ich selbst war in den 1990ern selbst diverse Male in verschiedenen Ecken Österreichs unterwegs gewesen und es ist bei mir natürlich fast schon krankhaft, dass ich immer und überall nach den Feuerlöschern gucke. In diesem Falle ist genau DAS natürlich ganz hilfreich, denn ich kann beschwören, dass ich zumindest im öffentlichen Raum einen Feuerlöscher PR 6 G nie gesehen habe. Der wäre mir aufgefallen, ganz sicher! In Erinnerung geblieben sind mir einige GLORIA-ROSENBAUER Wi 10 EN unterschiedlichste Ausführungen von PRIMUS-MINIMAX... aber der PR 6 G nicht.
Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt noch, woher ich dieses tolle Stück denn eigentlich her habe und das verrate ich Euch natürlich noch sehr gern!
Ein Österreichischer Leser meiner Seite hatte mich angeschrieben und mir diesen, seinen ungewöhnlichen Feuerlöscher gezeigt, den er bei sich 30 Jahre im Heizungskeller hängen hatte. Ich war natürlich begeistert von dem Gerät und obwohl er ihn damals, als ich ihn erhielt, erst wenige Monate zuvor hat prüfen lassen, hat er ihn mir im Tausch gegen ein anderes Gerät zugesendet.
Vielen Dank lieber Manuel für diesen tollen und einzigartigen Feuerlöscher!

Sobald ich weitere Erkenntnisse gewinne (was natürlich gar nicht so einfach ist), werde ich das hier natürlich nachreichen und Euch auf dem Laufenden halten.

©. Menzel 2022

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Report aus dem Museum: Zwei fahrbare Feuerlöscher aus der Möbelfabrik und jede Menge Erinnerungen


Diese Geschichte beginnt wie viele andere auch bei eBay-Kleinanzeigen, doch im Gegensatz zu den meisten führt sie mich direkt in meine alte Heimat - in Ecken, wo ich teilweise über 30 Jahre nicht mehr gewesen bin!
Ich durchforstete wie gesagt mit dem fest eingespeicherten Suchauftrag "Feuerlöscher" meine favorisierte Einkaufsseite und stieß nach wenigen Augenblicken auf eine Anzeige, welche mein Interesse weckte - und zwar erheblich! Abgebildet waren drei fahrbare GLORIA-Feuerlöscher Typ P 50... links sehen wir das originale Foto aus der Anzeige. Was ich da tolles entdeckt hatte, das kann nur der Fachmann sehen und da ich ein solcher bin, reichte ein flüchtiger Blick, um den Geräten sofort ein ungefähres Baujahr zuordnen zu können. Der links ist aus den späten 1970er Jahren, nach 1977 auf jeden Fall, der mittlere so Mitte der 1970er Jahre um 1975 herum und der rechts Anfang der 1980er Jahre, spätestens 1982. Für mich eine sensationelle Anzeige, denn an einem, ja eigentlich an zwei Geräten hegte ich ein wirklich sehr großes Interesse, diese zu besitzen.

Ich beschäftige mich schon seit einigen Jahren immer wieder mit den fahrbaren Löschgeräten von GLORIA, besonders, seitdem ich den nötigen Sachkundenachweis besitze, diese Geräte auch Instand halten zu dürfen. Anders als bei den tragbaren Feuerlöschern müssen die Fahrbaren nicht zwingend nach 20 Jahren raus. Wenn sie stets auf den aktuellen Stand der Technik nachgerüstet und ab und an dem TÜV vorgeführt werden, könnten diese Geräte auch deutlich länger im Einsatz bleiben. Das ist natürlich mächtig interessant und selbst diese drei alten Geräte könnten nach gewissen Umrüstmaßnahmen sogar wieder in den Einsatz. Macht in der Regel aber keiner, weil zu teuer - und ganz ehrlich: Ich als Sachkundiger würde solche Geräte mit einem Alter von über 40 Jahren auch nicht mehr abnehmen. Normal ist da eigentlich kein Vergang dran, die sind dickwandig wie ein U-Boot, aber weiß man es? Unterschreiben würde ich das jedenfalls nicht, denn wenn so ein Eimer hochgeht, gibt das Platz in der Halle und ich möchte sowas nicht verantworten.

Mit Hilfe von alten Unterlagen aus meinem Fundus, einigen Beobachtungen im Netz und dem Austausch mit meinen Sammlerfreunden kann ich letztendlich ziemlich sicher sagen, dass es zumindest den fahrbaren GLORIA Pulverlöscher Typ P 50 in seiner Grundform von 1963 bis etwa 1994 in fünf bis sechs verschiedenen Versionen gegeben hat. Mit Grundform meine ich das grundsätzliche Erscheinungsbild bezüglich Aufdruck, Griffführung, Schlauchführung, Behälterverschluss und Fahrwerk.
Natürlich hat es verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Füllungen gegeben, wie etwa den einfachen P 50 mit Standard-BC-Pulver, den P 50 G mit ABC-Pulver (Glutbrand), den P 50 M mit Metallbrandpulver und wahrscheinlich einem besonderem Applikator, den P 50 SV mit schaumverträglichen BC-Pulver und so weiter... so kämen wir in dem Zeitraum dann doch auf 20 verschiedene Modelle und mehr, doch man muss den Teppich auch mal in der Kirche lassen oder wie man so schön sagt und von daher reicht mir die Grundform - fünf bis sechs gibt es und drei davon besaß ich bereits - tja... da liegt es ja ziemlich offen auf der Hand, dass ich die Reihe vollmachen wollte. 

Ich wusste gleich: Wenn ich jemals eines oder gar beide Geräte besitzen möchte, dann war hier und jetzt DIE Chance, die ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen durfte! Wer sich für alte Sachen begeistert und auch hin und wieder das ein oder andere Stück kauft, der kennt das: Man muss zuschlagen, wenn´s was gibt. Man kann drei Tage später mit einem Sack voll Kohle rumlaufen, doch dann gibt´s nix mehr zu kaufen - Ihr wisst was ich meine. Man kann eben nicht hergehen und sagen "Oh, ja der sieht gut aus, den hole ich mir nächstes Jahr auch." Das geht eben nicht. Gerade die Fahrbaren sind reine Industriegeräte, die in dieser Altersklasse zu 95% schon längst ausgemustert und verschrottet worden sind und das hier war wirklich eine Gelegenheit, die so nie wieder kommen würde!
Man darf dabei auch eines nicht vergessen: Fahrbare Feuerlöscher sind groß, unhandlich und die älteren Modelle mit gut 90 kg Einsatzgewicht auch nicht gerade leicht. Unter diesen Voraussetzungen kann man den Versand immer direkt vergessen - Sperrgut, Spedition, unendlich teuer und aufwändig. Auch leere Geräte wiegen noch um die 40 kg und was sich durch das Entleeren nicht verringert, sind die Ausmaße. Selbst wenn also eines dieser Geräte nochmal irgendwo angeboten werden würde, könnte die Abholung ein Problem werden - nämlich dann, wenn der Standort irgendwo in Bayern, Dresden oder sonstwo weit weg vom Ruhrgebiet ist. Aber sie standen nicht am Arsch der Republik oder dort, von wo aus man den Arsch gut sehen könnte, sondern in Lippstadt - zum Greifen nah in meiner Heimat! Ich war wie hypnotisiert!

Ich hatte mich vor einigen Jahren zwar mit mir selbst geeinigt, dass ich es bei so ein bis zwei fahrbaren Geräten zur reinen Veranschaulichung bewenden lasse, doch wer so tickt wie ich, der kann das einfach  nicht - schon gar nicht, wenn so eine Gelegenheit zum Greifen nah ist.
Hastig schrieb ich den Verkäufer an; allerdings erstmal nur wegen des einen Geräts aus den späten 1970ern. Den wollte ich unbedingt, denn genau so einen hatte ich schonmal bei einem befreundeten Prüfdienst gesehen und war sofort begeistert von dieser Kombination aus dem typischen 70er-Jahre Siebdruck mit den schon neu gestalteten Brandklassenpiktogrammen - herrlich, wie beim letzten Wi 10 LW der 1970er, den ich glücklicherweise auch besitze. Da ich den vom Prüfdienst auch schon haben wollte, ihn aber leider nicht bekommen konnte, musste ich versuchen, diesen hier zu ergattern.

Noch während ich auf eine Antwort des Verkäufers wartete, entschied ich mich dazu, das Gerät Anfang der 1980er Jahre auch noch haben zu wollen und legte direkt nach. So einen hatte ich vor etwa sechs Jahren tatsächlich schonmal besessen. Dieses Gerät hatte ich aus dem Mischraum eines Chemiewerkes entsorgt, wo er schon gut 15 Jahre in der letzten Ecke stand und dementsprechend aussah - klebrig, dreckig, giftig riechend. Da mir das ganze Ding nicht geheuer war und ihm auch nach zig Reinigungen ein immer noch sehr fragwürdiger Geruch anhaftete, kam er weg. Schade zwar, aber das war mir ein zu hohes Risiko, sich da irgend eine giftige Scheiße ins Haus zu holen. Hier war nun die Gelegenheit, ihn nochmal in sauber zu bekommen und das wäre doch perfekt, dieses Gerät mit der einzigartigen Bebilderung doch noch besitzen zu können und damit dann die Reihe auch vollzumachen!

Was aber würde die liebe Frau zu meinem Vorhaben sagen?
Der WAF (Weiblicher-Akzeptanz-Faktor - Michael, Du weißt, wovon ich spreche!) spielt eine äußerst wichtige Rolle, wenn man in Ruhe und Frieden einem harmonischen Familienleben UND seiner Sammelleidenschaft nachgehen will. Meine Frau ist da wirklich sehr tolerant, dass muss ich an dieser Stelle mal sagen. Ich schleppe ja ständig was an - ab und an wird dann mal mit den Augen gerollt und geraunt "räum den Schrott hier weg" oder "was ist das hier wieder für ein Scheiß???" und so weiter. Naja, irgendwo entlarvt sie sich mit solchen Äußerungen natürlich auch irgendwie als ein Kultur- und Technikbanause, aber sie lässt mich mein Ding machen und DAS ist das Wichtige. Sie selbst sieht da nichts, aber auch gar nichts besonderes drin... da ist einer wie der andere ein roter Mülleimer, aber sie weiß, dass es für mich etwas besonderes und etwas wichtiges ist - darauf kommts an.

Aber bei allem Verständnis fürchtete ich - meines Erachtens auch zu Recht -, dass es bei diesem Vorhaben, gleich ZWEI fahrbare Großgeräte auf einen Streich einsacken zu wollen, Zoff geben könnte... oh oh... ich kann mich noch an den Stress erinnern, als die Fahrräder wegen eines bis zur Entleerung untergestellten 50 kg-Löschers nicht ins Gartenhaus passten... für länger wohlgemerkt, da ich wie üblich keine Zeit hatte, mich sofort darum zu kümmern... oha - da war dann schon wat Qualm inne Küche, wie man so schön sagt - aber: Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Vorhaben klappte, die Frau war so etwas wie einverstanden - wunderbar!

Nachdem ich mein Angebot dann unverzüglich detailliert präzisiert hatte, meldete sich der Verkäufer auch prompt und stimmte meinem Vorschlag bezüglich Preis und flexibler Abholung sofort zu. Super - die Feuerlöscher waren mein. Nun musste ich sie nur noch irgendwann mal abholen und auch das ließ sich kurzfristig in die Tat umsetzen. Perfekt!
Am freudigen Tag der Abholung fuhren wir so wie bei jedem Familienbesuch zunächst nach Lippstadt. Nachdem ich Frau und Tochter bei meinen Schwiegereltern abgesetzt hatte, ging die Reise weiter. Ich fuhr die B55 bis Lipperode und folgte dort der Bismarckstraße bis zum Ortsende. Hier befindet sich auch heute noch an der abzweigenden Bruchstraße Nr. 1 das Gerätehaus der Löschgruppe Lipperode, wo ich von 1994 -1999 zur Jugendfeuerwehr gegangen bin. Wie sich alles verändert hatte... gegenüber war jetzt ein elli-Markt, das Gerätehaus hatte einen Anbau und auf dem Hof vor den Toren standen zwei moderne Feuerwehrfahrzeuge. Damals vor 25 Jahren gab es da einen schönen, wunderschönen Mercedes Rundhauber mit Peilstäben und weißem Lenkrad. Dieses LF-16-TS war Baujahr 1966 und hat uns nach jedem Dienstabend - gelenkt von einem unserer Ausbilder - nach Hause befördert. Das andere Fahrzeug war ein Unimog mit einem 800l-Wassertank; Baujahr vermutlich Anfang der 1980er Jahre. Ich weiß noch, wie der Dirk den mal fast umgeschmissen hätte in der Kurve - er wollte uns mal zeigen, wie ein halbvoller Wassertank schwappt... hat echt gut funktioniert, war sehr beeindruckend.
Kurz hinter dem Ortsausgang Lipperode verläuft parallel zur weiterführenden Bismarckstraße der Boker Kanal - jener Ort an welchem ich bei der Feuerwehr meinen ersten Dienstabend und auch meine erste "Übung" mitgemacht habe. Nach der Einkleidung (O-Ton: Hier, zieh das mal an, das müsste passen - und wenn nicht, dann nicht) ging es mit besagtem LF-16-TS und einem Haufen Jugendlicher, die ich noch gar nicht kannte, Richtung Kanal. Nach wenigen 100 Metern bezogen wir Stellung, A-Saugschlauch in den Kanal, Pumpe an und Wasser Marsch. Nass wie die Katzen kehrten wir nach einigen Stunden Spaß zurück und auch meine Aufnahme in die Gruppe war geglückt. Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit bei der  Feuerwehr - insbesondere die Pfingstzeltlager - an die ich gerne zurückdenke. Meinen alten Dienstpullover mit Abzeichen der FF Lippstadt habe ich immer noch - sitzt heute natürlich sehr spack, da ich in den letzten 25 Jahren doch ein wenig aus dem Leim gegangen bin.

Im weiteren Verlauf der engen Straße blitzten auch Erinnerungen an den "Freien Stuhl" wieder auf und wer im Großraum Lippstadt, Delbrück, Rietberg und in weiterer Umgebung wohnt, dem brauche ich ja wohl nicht erklären, was das ist und was da früher los war - vor allem an "Tanz in den Mai" und am 01. Mai selbst... Du liebe Güte, ich war da auch oft gewesen, einmal sogar drei Tage am Stück zum arbeiten. Großer Gott... das dürfte man mit mir heute auch nicht mehr machen. Nachts nur 2 Stunden gepennt mit 4 oder 5 anderen Kollegen auf dem Teppich vor der Theke - ohne Decke ohne nix und der eine der hat gesägt - das war echt nicht mehr feierlich. Aber die Nacht war ja zum Glück kurz und für ein reichhaltiges Frühstück war auch gesorgt - Cornetto Erdbeer aus der Eistruhe, 1-2 Pils 0,5 l frisch vom Fass und danach gings wieder weiter - Au weia!
Hach ja - so lange her schon alles und das Allerbeste war: Als ich am letzten Abend in den Keller der Gaststätte ging, um irgendwas zu holen, entdeckte ich an der Wand vorm Heizraum einen 1972er GLORIA P 6 GD ohne Schlauch. Er hing auf halb acht im Halter und als ich ihn geraderücken wollte merkte ich: Der ist ja leer! Der wurde irgendwann von irgendwem mal irgendwo leergebraten und wieder aufgehängt... und das war meine Chance. Ich stürmte erstmal ohne die Sachen, die ich holen sollte zum Chef, erzählte von dem Löscher, dass der ja leer sei und so weiter, sodass es nur noch vier weiterer Worte bedurfte (kann ich den haben) und er gehörte mir. Ja und hier links ist er nun nochmal - der originale P 6 GD von damals aus dem Freien Stuhl, nun seit über 20 Jahren in meinem Besitz.

Was noch länger her ist - und dabei werde ich es dann mit den Erinnerungen auch bewenden lassen - sind unsere Besuche beim Autohaus Glasemacher in Rietberg-Mastholte. 1987 kauften meine Eltern dort unseren weißen 1978er Mercedes-Benz 300 TD und wenn mal irgendwas mit dem Panzer war, dann wurde auch dort zur Werkstatt gefahren. Logisch! Ich war natürlich als Jaust immer dabei, denn was gab es wohl interessanteres als eine Autowerkstatt. Dort gab es Autos, Werkzeug und wat nich alle und man konnte ja früher überall rumturnen. Chef Hubert Glasemacher hatte auch immer was für mich - ein Puzzle, einen Schlitten, ein BMW-Emblem - er hatte immer irgendwo irgendwas auf Halde, um mich glücklich zu machen. Als unser Auto mal länger als gedacht dort bleiben musste, hat er uns in seinem damals nagelneuen BMW 750i (E32) nach Hause gefahren... ich sage Euch: Dass ein V12 was Besonderes ist - das merkt man schon als Kind.  Natürlich gab es dort auch Feuerlöscher und an einen kann ich mich noch besonders gut erinnern. Das war ein GLORIA Typ P 6 SG von etwa 1960. Er hing direkt vor Kopf gegenüber der Tore über der Werkbank links von einem schmalen Durchgang zum Lager oder zum Keller oder was da war. Den aus der Werkstatt habe ich natürlich nicht haben können, da er damals dort - ordnungsgemäß mit gültigem Instandhaltungsnachweis - zum Brandschutz vorgehalten wurde. Deshalb seht Ihr hier links ein baugleiches Modell aus meiner Sammlung

So - aber jetzt genug des kleinen Exkurses, kommen wir zurück in die Gegenwart und den beiden fahrbaren Feuerlöschern, welche ich erstanden hatte. Ach ja - wenn ich mal ins Schwelgen gerate, kann das ungeahnte Ausmaße annehmen.
Ich fuhr weiter und weiter und stand, nachdem ich ein paar Mal abgebogen bin, irgendwann vor einer Halle. Telefonisch hatte mich der Verkäufer informiert, dass er sich ein paar Minuten verspäten würde - kein Problem. Ich nutzte die Zeit, um auf der Ladefläche schonmal etwas Platz zu schaffen und kramte zwei, drei Spanngurte raus. Zwei fahrbare P 50 kann man natürlich nicht mit einem PKW abholen, das dürfte ja klar sein; man braucht schon das passende Gefährt oder zumindest einen Anhänger.
Ich setzte mich alsdann wieder ins Führerhaus, schaltete das Radio ein und während ich den Klängen von Barbra Streisand lauschte (Woman in Love), fuhr ein alter Mercedes vorbei und hielt bei der Halle. Das musste der Verkäufer sein dachte ich - und so war es auch.
Ich folgte dem Wagen zum richtigen Tor und stieg aus. Wir begrüßten uns und verstanden uns auf Anhieb, denn der Verkäufer war auch Sammler und Liebhaber alter Dinge, jedoch mit anderen Vorlieben und Interessen, welche die meinen teilweise aber auch kreuzen. Während wir die Löscher aus der Halle rollten und im Bulli verstauten, unterhielten wir uns über dieses und jenes und während ich sie festzurrte fragte ich, wo sie denn herstammten. Das tue ich bei jedem Gerät, was ich bekomme, da mich wirklich jede einzelne Geschichte interessiert.
Solche Großgeräte stammen natürlich nicht aus einem Privathaushalt und zudem war der Eine vom damals zuständigen Kundendienst Hagenkordt -übrigens der erste und älteste GLORIA-Kundendienst - mit "WERK II" beschriftet worden. Während ich fragte dachte ich so bei mir, dass sie vielleicht aus dem HELLA Werk II - dem sog. "Nordwerk" - stammen könnten, wo ich vor gut 20 Jahren selbst mal gearbeitet habe. Dort gab es nämlich auch jede Menge fahrbare Pulverlöscher.
Doch ich lag mit meiner Annahme leicht daneben, denn der Verkäufer unterbrach meinen Gedanken indem er antwortete: "Die stammen von uns, von Driftmeier".
Driftmeier... Driftmeier... jetzt dämmerte es mir allmählich und mir wurde so einiges klar. Die Firma Driftmeier ist bzw. war bekannt für Schlafzimmermöbel und hatte ihren Sitz in Rietberg. Mein Stiefvater (so habe ich ihn zumindest immer genannt) war Möbelhändler und arbeitete nach seiner Selbstständigkeit seit Anfang der 2000er Jahre in der Schlafzimmerabteilung von Möbel Finke im Stammhaus Paderborn-Elsen (Eigenschreibweise stets "finke") - tja... das gibt's auch nicht mehr; es wurde sogar komplett abgerissen. Wir hatten tonnenweise Schreibblöcke mit dem Firmen-Slogan "DRIFTMEIER - Schlafraummöbel von Format" zu Hause und ich habe sämtliche Notizen, Einkaufszettel und allsonstiges stets auf diesen Blöcken geschrieben.
So wie viele andere mittelständige Unternehmen in der Möbelbranche - z.B. Hummelt & Knoop, Stella, Wonnemeier sowie zuletzt auch Welle-Möbel in Paderborn - musste auch die Firma Driftmeier unter dem Druck des Marktes im Jahre 2014 die Produktion aufgeben.

Die beiden P 50 standen nach Aussage des Verkäufers, welcher niemand anderes als Herr Driftmeier selbst war, an den Lackstraßen der Möbelwerke und genau dort gehörten solche Geräte auch hin. Ich selbst habe vor Ort bei einem Kunden mal eine Störung der Absauganlage in einer Lackbude mitbekommen und was sich dann binnen weniger Minuten für intensive und hochexplosive Lösemitteldämpfe ausbreiten, könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Wenn da mal irgendwas zündet, braucht man richtig viel Power und genau diese hatten die beiden, mit hochleistungsfähigem GLORIA GLUTEX PL 3/65 gefüllten P 50 G allemal. Herr Driftmeier berichtete, dass er die Firma seit einigen Jahren abwickelt und dass diese drei P 50 G so ziemlich die letzten Gegenstände des Inventars seien. Sie blieben übrig und bevor man sie wegschmeißt, kann man ja gucken, ob jemand noch was damit anfangen kann, meinte er. Tja, und dieser Jemand war dann ich.

Herr Driftmeier freute sich, dass diese beiden Stücke in gute Sammlerhände gehen und nicht zum Stehtisch oder sonstwas verhunzt werden.
Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt, wieso ich denn den dritten im Bunde, den ältesten Löscher nicht haben wollte. Einfache Antwort: Den habe ich schon - zwar als einfache P 50-Ausführung mit Standard-BC-Pulver, aber wie gesagt: Man darf es nicht übertreiben. So einen Pi 12 und einen Pi 12 G kann man sich vom Platz her durchaus hinstellen, einen P 50 und einen P 50 G... da fehlt dann doch der nötige Raum. Außerdem: Wenn ich meiner Frau angekommen wäre mit: "Ich habe da drei fahrbare Feuerlöscher gekauft..." hätte ich die Hucke vollgekriegt - ganz sicher!
Was ich dann besonders schön fand war, dass Herr Driftmeier den letzten verbliebenen P 50 G selbst behalten wollte - zur Deko und als Erinnerung an den Betrieb. Ich freue mich ungemein, dass ich diese beiden schönen und gut erhaltenen P 50 nun mein Eigen nennen kann; mittlerweile sind sie natürlich geleert und entschärft. Vielen Dank nochmal an Herrn Driftmeier, der das alles letztendlich so möglich gemacht hat. Wir duzen uns natürlich und stehen auch weiter in Kontakt. Er hat z.B. noch zwei alte 12 kg-Pulverlöscher gefunden, welche ich auch noch abholen werde.

©. Menzel 2021 






Freitag, 31. Januar 2020

Report aus dem Museum: Der GLORIA KS 2 SG - ein Feuerlöscher nur für Gasbrände

Kohlendioxidlöscher werden heutzutage überwiegend zum Schutz elektrischer Anlagen eingesetzt und wir finden sie daher in Serverräumen, Elektroverteilungen, Schalträumen, Telefonzentralen und allsonstigem. Auch in sterilen Räumen wie Laboren und im direkten Umfeld empfindlicher Maschinen treffen wir solche Geräte an. Man könnte Brände in oben genannten Bereichen auch mit Schaum-, Pulver- oder größtenteils sogar mit Wasserlöschern sicher bekämpfen, doch man greift zum Kohlendioxid, da es vollkommen rückstandsfrei löscht und keine Löschmittelschäden hinterlässt. Bei diesen "herkömmlichen" Kohlendioxidlöschern, wie wir hier links einen GLORIA Typ KS 2 SB aus dem Jahre 1982 sehen, wird das im Behälter befindliche Kohlendioxid über ein Steigrohr aus der Flüssigphase entnommen und in die Schneebrause (schwarz) geleitet. Hier entspannt sich das Kohlendioxid und tritt als großflächige Nebelwolke aus, welche sich sanft und weich wie eine Decke über das Brandobjekt legt und das Feuer sowie alles andere im Wirkungsbereich erstickt.

Bis vor knapp 30 Jahren hat es allerdings auch Geräte gegeben, welche explizit zum Löschen von Gasbränden der Brandklasse C zugelassen waren und im Folgenden möchte ich Euch mit dem links abgebildeten GLORIA Typ KS 2 SG einen dieser seltenen Spezial-Feuerlöscher vorstellen.
Zur Geschichte: Die Ursprünge dieser Geräte reichen bei GLORIA bis in die Mitte der 1960er Jahre zurück, denn 1964 wurden erstmals ein 6 kg und ein 1,5 kg Kohlensäure-Gaslöscher auf den Markt gebracht. Dass es solche Geräte von GLORIA vor 1964 gab, ist mir nicht bekannt.
Die Zulassung der 6 kg-Geräte wurde bereits 1978 zurückgezogen und die kleinen, ab 1978 nicht mehr 1,5 kg sondern 2 kg fassenden Geräte, verschwanden spätestens 1992 mit Inkrafttreten der EN 3 von der Bildfläche.



Wie wir auf dem Bild links sehen, besitzt der Kohlendioxid-Gaslöscher anstatt der Schneebrause eine Hochdruckgasdüse, welche keine sanfte Nebeldecke erzeugt sondern einen brachialen, punktuell wirksamen Kohlendioxidstrahl freisetzt. Die Löschwirkung beruht hauptsächlich darin, dass das Kohlendioxid ungebremst mit vollem Flaschendruck in den Gasbrand injiziert wird und diesen förmlich zerreißt. Die Entnahme aus dem Behälter erfolgt hierbei nicht flüssig, sondern gasförmig und der Grund hierfür wird sehr wahrscheinlich darin liegen, dass sich flüssiges, über ein Steigrohr entnommenes Kohlendioxid beim Übergang in die Gasphase entspannt und dadurch elektrostatisch auflädt. Ich habe schon unzählige Kohlendioxidlöscher abgeblasen und dabei teilweise richtig einen durch die Socken gebraten gekriegt; Die Funken, die bei diesen Entladungen entstehen, könnten ein bereits abgelöschtes Gas-Luftgemisch im richtigen Mischungsverhältnis sicher erneut zünden. 
Sehr zum Nachteil bei der Entnahme aus der Gasphase ist allerdings, dass das Kohlendioxid im Behälter erst in ausreichender Menge verdampfen muss, um die gewünschte Wirkung des Löschers zu erzielen. Am Anfang haut der Kohlendioxid-Gaslöscher richtig rein, aber nach recht kurzer Zeit lässt die Kraft erheblich nach. Das Kohlendioxid verdampft mit zunehmender Nutzungsdauer des Löschers durch den sich stark abkühlenden und allmählich einfrierenden Behälter zu langsam, um einen kräftigen Gasstrom zu entfalten. Irgendwann zischt es dann nur noch, obwohl der Feuerlöscher noch nicht gänzlich leer ist.
Dem Benutzer blieb also nicht nur eine recht kurze Zeitspanne, um wirksam zu löschen, sondern er konnte das volle Potential des Löschers in der Regel auch nicht voll ausschöpfen.
Zudem war die Chance, den Löschversuch zu vergeigen denkbar hoch, denn Ihr müsst wissen, dass der Kohlendioxid-Gaslöscher kein herkömmlicher Feuerlöscher war, mit welchem jeder einfach umgehen konnte.
Er war vielmehr als Waffe zu betrachten, welche sich beim Betätigen des Abzugbügels auch genauso verhielt. Der Rückstoß war erheblich und wer nicht wusste, was da auf einen zukommt, erschrak sich furchtbar, verriss die Düse und der erste, kräftigste Schuß ging schonmal in die Buxe. Nach diesem ersten Schreck schmiss der Benutzer den Löscher dann wahrscheinlich weg und fasste fortan nie wieder einen Feuerlöscher an.
Zudem musste man auch erstmal die Traute haben, sich so einem Gasbrand zu nähern - das kommt ja noch hinzu! Man musste mit einem solchen Feuerlöscher wirklich so nah wie es ging an die Stichflamme und das war bestimmt nicht Jedermanns Sache.


Alles in allem lässt sich sagen, dass die Kohlendioxid-Gaslöscher allein durch ihre mechanische Kraft dazu in der Lage waren, einem Gasbrand Herr zu werden, aber genau diese Kraft war es auch, welche die Anwendung solcher Geräte für unerfahrene Benutzer gefährlich machte. Je nach Umgebungstemperatur waren zwischen 60 und 240 bar auf dem Kessel - je wärmer der Löscher, desto wuchtiger war der austretende Kohlendioxid-Strahl. Aufgrund diverser Erfahrungen, die ich mit solchen Kohlendioxid-Gaslöschern schon gemacht habe, bin ich mir sicher, dass so ein Gerät bei Umgebungstemperaturen jenseits der 35 °C nur noch schwer unter Kontrolle zu halten war.
Die Kohlendioxid-Gaslöscher waren ausgesprochen selten und es hatten in der Regel auch nur eine Handvoll Personen Zugriff auf solche Geräte. Ob diese jedoch auch mal eine praktische Einweisung erhalten haben... ich wage das mal zu bezweifeln. Es wird mit Sicherheit auch den einen oder anderen Unfall gegeben haben, denn die Vorgängermodelle waren bis 1977 auch für die Flüssigkeitsbrände der Brandklasse B zugelassen. Was passiert, wenn man mit solch einem Löscher in eine brennende Flüssigkeit hält, brauch ich ja wohl nicht extra erklären.
Der KS 2 SG ist der letzte Kohlendioxid-Gaslöscher, den es bei GLORIA gegeben hat und das hier gezeigte Modell aus dem Jahre 1979 gehört zur ersten Generation der Modellreihe.
Ich bin stolz, Euch dieses außergewöhnliche Modell präsentieren zu können.

©. Menzel 2020

Mittwoch, 10. Juli 2019

Report aus dem Museum: Der Sonderlöscher GLORIA P 6 GT mit Rückentrage

Der GLORIA Typ P 6 GT gleicht vom grundsätzlichen Aufbau her dem altbekannten P 6 G mit außenliegender Treibmittelflasche. Der kleine, aber feine Unterschied: Man kann ihn sich wie einen Rucksack auf den Rücken schnallen!
Damit der Feuerlöscher in dieser Position auch bedient werden kann, bedarf es allerdings einiger Modifikationen, von denen die markanteste wohl zweifelsohne die auf dem Kopf stehende Treibmittelflasche ist. Dieser Umbau ist zwingend notwendig, denn eine Flasche in herkömmlicher, aufrecht stehender Position ist in Rückenlage unmöglich zu bedienen. Woher ich das weiß? Ich habe es schlicht ausprobiert - frei nach dem Motto: Probieren geht über studieren. Ich habe mir einen gewöhnlichen P 6 G auf den Rücken geschnallt und siehe da: Mir fehlen zum Aufdrehen der Flasche schlichtweg 2 -3 Gelenke und mein Arm ist zudem mindestens 20 cm zu kurz. Die veränderte Postion der außenliegenden Treibmittelflasche macht den P 6 GT zu einem wirklichen Sondergerät - einer teuren Extra-Anfertigung - denn man kann aus einem gewöhnlichen P 6 G noch lange keinen P 6 GT bauen, da der Behälteranschluss der 150 g-Kohlendioxidflasche gut 10 cm nach unten gelegt werden muss. Jeder einzelne Behälter für den P 6 GT wird daher als Einzelstück produziert und von Hand geschweißt. Die Befestigung des Flaschenschutzes muss natürlich auch angepasst und dementsprechend anders positioniert werden.

Neben der anders positionierten Treibmittelflasche fällt der lange, spiralarmierte Schlauch auf, der irgendwie viel zu lang wirkt, für den Einsatz jedoch genau richtig bemessen ist. Der 1,20 Meter lange Hochdruckschlauch mit Löschpistole kommt sonst beim P 12 M zum Einsatz und ermöglicht bei diesem Gerät eine komfortable Benutzung. Die Löschpistole kann beim Einsatz leicht aus der Halterung genommen und sowohl mit der rechten, als auch der linken Hand benutzt werden.
Woher ich das weiß? Richtig... ausprobieren...
Damit der Schlauch beim Hantieren nicht abknickt, ist er vom Armaturanschluss ausgehend mit einer Spiralfeder geschützt.
Die Rückentrage ist natürlich auch nicht von irgendeinem Rucksack aus dem Discounter... sie ist wirklich exorbitant bequem und bietet allerhöchsten Tragekomfort in jeder Lage für Personen von allen denkbaren und vermutlich auch undenkbaren Formaten.

Zum Einsatz kommt der P 6 GT hauptsächlich bei Feuerwehren und der Polizei zur Brandbekämpfung von Entstehungsbränden an schwer zugänglichen Einsatzorten und in besonderen Einsatzlagen. Kurz und klein: Überall dort, wo es aufgrund der gegebenen Umstände nicht möglich ist, einen Feuerlöscher am langen Arm mit sich herumzutragen und diesen zu bedienen. Ich könnte mir vorstellen, dass Beamte der Polizei solche Geräte verwenden, um Blockaden aus brennenden Autoreifen abzulöschen, während sie mit Steinen beworfen werden und diese mit Hilfe eines Schutzschilds abwehren müssen. Einen solchen Einsatz kann man sich dann so vorstellen, wie auf der Abbildung* links. Da fehlt dann für den Gebrauch eines herkömmlichen Feuerlöschers ein Arm. Die Feuerwehr könnte solche Geräte bei der Brandbekämpfung bei Wald und Flurbränden in unwegsamem Gelände einsetzen - MINIMAX hatte vor gut 70 Jahren z.B. sogenannte "Waldbrandlöscher", die man sich auch auf den Rücken setzen konnte.
Das Modell, welches ich besitze, stammt von der Bereitschaftspolizei und ist über einige Umwege bei mir gelandet. Es wurde benutzt und da der Feuerlöscher mit Baujahr 1999 seine Altersgrenze erreicht hatte, wurde er durch einen neuen ersetzt. Eine kostspielige Angelegenheit, denn allein für die Rückentrage werden einige grüne Scheinchen fällig.

*Mit freundlicher Genehmigung der GLORIA GmbH

©. Menzel 2019

Mittwoch, 23. Januar 2019

Report aus dem Museum: Der GLORIA P 6 K

Die GLORIA-WERKE hatten neben einigen nicht abstellbaren Aufladelöschern kurzzeitig auch einen nicht abstellbaren Dauerdrucklöscher vom Typ P 6 K im Programm, welchen wir uns in diesem Beitrag einmal genauer anschauen wollen. Ich habe diesen Löscher das erste Mal im Sommer 2003 bei einem Landmaschinenhandel in Wadersloh gesehen. Ich war damals Praktikant und bin losgeschickt worden, um irgendein Ersatzteil oder sowas zu besorgen und da stand er - als Türstopper.
Ich habe ihn zunächst für einen kaputten P 6 H oder P 6 D/GD gehalten, da es keinen Druckhebel gab. Gut dachte ich, den haben sie hier irgendwie kaputt gekriegt und wollen ihn noch sinnvoll weiterverwenden - warum nicht. Der Löscher war aber trotzdem merkwürdig und je länger ich hinsah, desto mehr kam ich zu dem Schluss, dass da nie ein Druckhebel drangehört hatte! Jetzt war ich doch in erheblichem Maße neugierig und da noch niemand im Raum war, um mich zu bedienen, ging ich mal näher ran. Ich machte einen halben Schritt hinter den Tresen und begutachtete die Armatur. Jetzt war es sicher - der Löscher war nicht kaputt sondern gehörte so! Mehr konnte ich aber nicht recherchieren, denn es kam jemand und wenn der Kunde schon hinterm Tresen steht, kommt das meistens nicht so gut.

Etwas verwirrt gab ich dann meine Bestellung auf und fragte im gleichen Atemzug, ob ich den Löscher da hinten denn wohl haben könnte - ich zeigte dabei unverhohlen in Richtung des Türstopper-Feuerlöschers. Ich erklärte, dass das eine alte Gurke sei, die nicht mehr unbedingt zum Löschen taugt, aber ich genau solche alten Feuerlöscher sammle. Ich garnierte meine Ausführung mit der Aussicht auf eine kleine Summe Bargeld, die ich dafür sofort aus meiner Tasche ziehen würde. Daraus wurde dann aber leider nix, was ich aber irgendwie schon geahnt hatte. Naja fragen kostet nix und wer nicht fragt, hat von vorn herein keine Chance auf Erfolg. Der Verkäufer wird mit Sicherheit gedacht haben "Was war das denn für ein Spinner???", was ich ihm nicht mal übel genommen hätte.
So machte ich mich wieder auf den auf den Weg, aber der neuartige Feuerlöscher ließ mich nicht los - was war das bloß für ein Ding und wie funktionierte der? Dass es ein Dauerdrucklöscher war, hatte ich sofort erkannt, aber dass er nicht abstellbar war, ahnte ich damals noch nicht. Dies war auch der Grund, warum mir das Funktionsprinzip auch noch nicht wirklich einleuchtete.
Eifrig machte ich mich daran, so einen Löscher aufzutreiben, doch es war vollkommen aussichtslos. Es gab ihn einfach nicht und obendrein wusste ich zu dem Zeitpunkt ja nichtmal die Typenbezeichnung. Ganze zehn Jahre hat es im Endeffekt gedauert, bis ich meinen ersten 1968er Typ P 6 K erwerben konnte! Zwischendurch hatte ich mit Hilfe der richtigen Freunde die Typenbezeichnung und auch die Funktionsweise in Erfahrung gebracht - ich sag es ja immer wieder: Gute Freunde und Sammlerkollegen sind unverzichtbar!

Damit auch Ihr versteht, wie der P 6 K funktioniert, habe ich diese faszinierende Konstruktion mal im Detail fotografiert. Das beste ist, dass ich ihn hierfür nicht einmal aufsägen musste... das wärs auch noch.. nene... auf gar keinen Fall! So einen PD kann man wohl mal durchsägen, aber nicht den P 6 K!
Zurück zum Text: Der komplette Armaturkopf besteht aus einem gepressten Stück Kunststoff, welcher über ein Messinggewinde mit dem Behälter verschraubt ist. Im Inneren befindet sich ein Steigrohr, welches vom Behälterboden hinauf führt und in diesem kleinen Nippel endet, den Ihr in der Mitte des Rahmens seht. Der Rahmen ringsherum sollte ihn vor mechanischen Beschädigungen schützen und den Pulverstrahl etwas lenken, aber zur Zielgenauigkeit kommen wir gleich noch.
Der Feuerlöscher wird nach dem Entsichern durch ein ruckartiges Hochziehen des Handgriffs betätigt. Der Griff ist hinten mit einer scharfen Schneide ausgestattet, welche beim Anheben niedergeht und den Plastiknippel wie eine Guillotine den Kopf des Delinquenten einfach abschneidet. Damit ist der unter Druck stehende Behälter geöffnet und das Pulver strömt über das Blasrohr aus. Nicht abstellbar bedeutet tatsächlich nicht abstellbar im Sinne von nicht abstellbar, denn eine Vorrichtung, um das Ganze zu unterbrechen, gibt es nämlich nicht. Einmal aktiviert spuckte er die ganzen 6 kg BC-Pulver aus und man konnte nichts weiter tun, als hilflos dabei zuzuschauen, wie alles um einen herum innerhalb von Sekunden in einer riesigen Pulverwolke verschwand. Verrückt, aber so war das damals!

Dauerdrucklöscher mit 6 kg Inhalt kamen erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auf und waren ein wahrer Segen für alle Ölheizungsbesitzer. Die Feuerungsverordnungen* der einzelnen Bundesländer schrieben mittlerweile ab einer Menge von 5.000 l Heizöl einen 6 kg-Feuerlöscher** vor und so ein Dauerdrücker war um einiges günstiger, als die bis dahin ausschließlich verfügbaren Aufladelöscher. Zwar hat es mit dem P 6, dem Pn 6 S oder dem Pi 6 S etwas preisgünstigere, ebenfalls nicht abstellbare Geräte vornehmlich für diesen Zweck gegeben, mit dem Preis eines Dauerdrucklöschers konnten sie aber dennoch nicht mithalten - gute 30 bis 40 DM lagen dazwischen.
Von den abstellbaren Typen P 6 D/GD sowie dem P 6 H sind an Privatleute mit Ölheizung Unmengen verkauft worden, wogegen die Verkaufszahlen des P 6 K deutlich geringer gewesen sein müssen, denn sonst wäre er nicht so selten. Überdies scheint es ihn auch nur in den Jahren 1967 und 1968 gegeben zu haben. Etwa Mitte 1967 erfolgte die Zulassung und 1969 taucht er schon in keinem Prospekt mehr auf und ich schätze, dass dies einfach mit der schwierigen Handhabung zu begründen ist.

Hier links seht ihr die aufgedruckte Bedienungsanleitung, nach welcher man 1. die Düse auf den Brandherd richten, 2. den Griff hochreißen und 3. das Feuer von vorn beginnend löschen sollte. Ich habe mittlerweile schon viel Erfahrung im Umgang mit Feuerlöschern und ich schätze, dass diese Vorgehensweise von jemandem, der noch nie einen Feuerlöscher in der Hand hatte, niemals umzusetzen war. Den Griff hochzuklappen, erfordert schon Kraft, denn der Plastiknippel, der hierdurch abgeschnitten wird, besteht logischerweise aus recht dickem Kunststoff; immerhin muss er dem permanent anstehenden Druck von mindestens 15 bar standhalten.
Beim ruckartigen Hochdrücken verreißt man den Löscher schon automatisch und wenn der dann auf einmal loslegt, erschreckt man sich mit großer Wahrscheinlichkeit im ersten Moment etwas, denn der ist recht laut. Dabei verreißt man den Löscher wieder etwas weiter. Der erste, richtig wirkungsvolle Schuss geht schonmal daneben und ein nachträgliches Korrigieren ist sehr wahrscheinlich gar nicht richtig möglich, da man sich mittlerweile inmitten einer dichten Pulverwolke befindet, die einem Sicht, Atem und dadurch sämtliche Orientierung nimmt.
Kurz und klein: Die ganze Bude war vollgepulvert, aber das Feuer unter Umständen gar nicht gelöscht; obwohl: bei einem derartigen Schrotflinteneffekt, wo wirklich die ganze Raumluft durchsetzt wurde mit Pulver, konnte bestimmt in einigen Fällen eine löschwirksame Menge durch den Sog des Feuers zum Brandherd gelangen und diesen löschen, obwohl man gar nicht getroffen hatte. Ist natürlich abhängig von der Größe des Brandherdes usw. und prinzipiell nur so ein Gedanke, aber möglich wäre es. Löschpulver ist echt verblüffend.
Naja - die Handhabung war also nicht ganz ohne und ich vermute, dass der P 6 K aufgrund dessen recht schnell wieder eingestampft wurde. Heute ist er relativ schwierig zu bekommen und es hat noch weitere 5 Jahre gedauert, bis ich auch ein 1967er Modell bekam - makellos und in bestem Zustand. Hing 52 Jahre gut geschützt und nie berührt in einem Keller. Als ich ihn bekam habe ich sofort den Betriebsdruck kontrolliert - volle 15 bar waren noch drauf.
Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, was an dem 67er anders ist als an dem 68er... es ist die Sicherung, sonst nichts.

Ich hoffe, Ihr fandet die Geschichte Interessant und wenn Ihr mal so einen P 6 K bei Euch finden solltet: seid vorsichtig damit! Die sind so dicht und gut gebaut, dass sie auh nach 50 Jahren noch Druck haben können und was passiert, wenn man da aus Jux mit rumspielt, könnt Ihr in diesem Youtube-Video mal sehen... Eine Katastrophe, ehrlich! Der Schaden ist bestimmt immens!

* Seit 2003 ist ein Feuerlöscher bei Ölheizungen nach der Feuerungsverordnung nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Aus Versicherungsgründen und des Selbstschutzes im Falle eines Defekts solltet Ihr jedoch weiterhin einen Feuerlöscher vorhalten. Ruhig weiter einen Pulverlöscher, denn der ist im Falle eines Brandes in der Heizung das richtige Werkzeug. Für die Wohnbereiche empfehle ich allerdings dringend Schaum!

** Spätestens ab 1977 musste ein ABC-Pulverlöscher vorgehalten werden. Damit waren die einfachen BC-Geräte nicht mehr ausreichend und hierin ist bestimmt auch ihr starker Rückgang zum Ende der 1970er Jahre zu sehen.

©. Menzel 2018

Mittwoch, 16. Januar 2019

Report aus dem Museum: "Light-Water®" und der GLORIA Wi 10 LW


Mitte der 1970er Jahre brachten die GLORIA-WERKE mit dem Typ Wi 10 LW einen Schaumlöscher auf den Markt, der mit einem völlig neuartigen und äußerst effektiven AFFF-Schaummittel (A3F, Aqueous Film Forming Foam, zu Deutsch "wasserfimbildendes Schaummittel") namens "Light-Water®"*arbeitete. Im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten synthetischen MB-Schaummitteln und denen auf Proteinbasis besaß das "Light-Water®" die Fähigkeit, auf der Oberfläche von brennbaren Flüssigkeiten - vor allem bei Kraftstoffen auf Erdölbasis - einen dünnen, schwimm- und widerstandsfähigen sowie gasdichten "Wasserfilm" zu bilden, welcher gleich für einen doppelt erstickenden Löscheffekt sorgte. So wurde zum Einen die Sauerstoffzufuhr abgeschnitten und zum Anderen ein weiteres Aufsteigen brennbarer Dämpfe unterbunden. Hierdurch war der Löscheffekt auch bei noch heißen Flüssigkeiten oberhalb der Zündtemperatur nachhaltig und die Gefahr einer Rückzündung bei geschlossener Filmdecke ausgeschlossen. Das "Light-Water®" fand überwiegend in Tanklöschfahrzeugen und stationären Anlagen dort Anwendung, wo große Mengen Treibstoff in Brand geraten konnten. Zu den Haupteinsatzorten zählten daher Flughäfen, Raffinerien, Tanklager, Häfen, Hydrierwerke und Betriebe der Petrochemie.


In Handfeuerlöschern vom Typ Wi 10 LW wurde das "Light-Water®" ab 1975 eingesetzt. So wie alle anderen Nasslöscher wurde auch der Wi 10 LW ungefüllt geliefert, d.h. Füllung und Endmontage erfolgten durch den Kundendienst vor Ort. Gemäß der jedem Gerät beiliegenden Füllanleitung wurden 9,3 l lauwarmes Wasser und 0,7 l "Light-Water®"-Konzentrat in den Edelstahlbehälter gefüllt und durch gleichmäßiges rühren vermischt. Danach wurde der Feuerlöscher zusammengesetzt und war alsdann einsatzbereit.
Die Mischung von Wasser und Konzentrat erfolgte wahrscheinlich erst deshalb beim Kunden, da das Löschmittel im gebrauchsfertigen Zustand seine Wirkung schon nach nur 2-3 Jahren verlor. Es musste daher auch bei jeder Instandhaltung spätestens alle 2 Jahre gewechselt werden.

Das Konzentrat an sich ist unter Sauerstoffabschluss scheinbar ewig haltbar. GLORIA gab für das jedem Wi 10 LW beiliegende Gebinde eine Lagerfähigkeit von maximal 8 Jahren an, doch das Konzentrat in der Flasche hier links im Bild ist schon 40 Jahre alt und noch völlig klar. Sensationell! Unter Einwirkung von Sauerstoff wechselte die Farbe des Konzentrats nach etwa 10 Jahren in ein tiefes braun und das Zeug sah dann aus wie Bratensoße. Hab ich in alten Kartuschen aus den ersten SKK-Geräten schon gesehen, die 10 Jahre und älter waren. In Mischung mit Wasser kippte das Ganze aber wesentlich schneller und das einst klare Gemisch verwandelte sich zu einer milchig-trüben Brühe, deren Bestandteile nach und nach ausfällten und sich am Boden ablagerten. Habe ich auch schon bei SKK-Geräten gesehen, bei denen die Kartusche nach dem Wiederbefüllen nicht dicht war und das LW100 schon vorzeitig in das Wasser gelaufen ist.
Die Wi 10 LW habe ich in meiner Karriere als Sachkundiger und Prüfer natürlich nicht mehr zu Gesicht bekommen, dafür sind sie schon viel zu alt, doch kenne ich das umgekippte Fertiggemisch noch vom S 2 LW, der anfangs eine Mischung aus LW100 und Wasser enthielt. Das "Light-Water®" wird seit etwa 2004 nicht mehr in Feuerlöschern eingesetzt.


Der GLORIA Wi 10 LW ist ein wirklich einzigartiger Feuerlöscher, den viele gerne hätten, aber den es einfach nicht mehr gibt. Der Wi 10 LW war naturgemäß schon sehr selten und wurde als ein spezieller Sonderlöscher ohnehin schon in wesentlich geringeren Stückzahlen ausgegeben, als z.B. der Dauerläufer vom Typ Pi. Zudem kostete er exorbitant viel Geld! Wer 1975 solch ein Schmuckstück erwerben wollte, musste knapp 310,00 DM plus MwSt. auf den Tisch des Hauses legen, das weiß ich aus einem alten Werbeprospekt. Das war natürlich Mitte der 1970er Jahre schon ein ganz schön Häufchen Kies und in etwa das Dreifache der Summe, die ein vergleichbarer, wenn nicht sogar leistungsstärkerer Pulverlöscher gekostet hat. Der hohe Preis kam zu einem gewissen Teil bestimmt auch durch den Löschmittelbehälter zustande, denn der war nicht wie üblich aus Stahlblech sondern aus Edelstahl. Man war sich wohl nicht so ganz sicher, ob beschichtetes oder feuerverzinktes Stahlblech dauerhaft halten würde und um hier kein Risiko einzugehen, nahm man eben gleich rostfreien Edelstahl.
Das wirklich teure war aber dann doch das "Light-Water®" und wie wir schon gelesen haben, musste dies auch noch alle zwei Jahre gewechselt werden. So gesellten sich zu dem exorbitanten Anschaffungspreis auch noch hohe Unterhaltskosten, wodurch der Wi 10 LW wirtschaftlich gesehen eine totale Katastrophe war. Daraus kann man ableiten: Wer den Wi 10 LW nicht unbedingt brauchte, der kaufte ihn auch nicht. Zudem waren Schaumlöscher in den 1970er Jahren kaum bekannt und ein regelrechtes Nischenprodukt.
Tja - wer schaffte sich nun solch einen Wi 10 LW an? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich kann keine hieb- und stichfesten Angaben darüber geben, wo solch ein Löscher auf jeden Fall immer eingesetzt wurde. Es müssen auf jeden Fall Bereiche gewesen sein, in denen brennbare Stoffe der Brandklassen A und B vorkamen, aber wo ein Kohlensäurelöscher nicht ausgereicht hätte. UND: Es durfte im Falle eines Löscheinsatzes auf gar keinen Fall zu irgendeiner gebäudeübergreifenden Sauerei kommen, denn sonst hätte man ja auch auf Pulver zurückgreifen können.
Man denkt jetzt vielleicht an Krankenhäuser und Apotheken, aber genau da wäre er fach eingesetzt gewesen. Die Hauptgefahr in medizinischen Laboren geht von brennbaren Alkoholen aus und genau das hat sich mit dem herkömmlichen AFFF nicht vertragen. Alkohol löste den Schaumfilm auf und der Löscheffekt war gleich null. Hierfür gibt es spezielle APS-Schaumlöscher, doch dass so etwas im Wi 10 LW eingesetzt worden ist, ist mir nicht bekannt. Ich habe auch schon viele original Ausstattungsplänen von Krankenhäusern aus den 1970er Jahren gesehen und dort stand schwarz auf weiß, dass samt und sonders K6 und K1,5 vorgehalten wurden.
Von einem Kollegen weiß ich allerdings, dass vor gut 40 Jahren solche Modelle in einem Chemiewerk angeschafft worden sind, die er selbst Instand gehalten vor etwa knapp 20 Jahren auch ausgesondert hat. Da haben wir es. Ein Chemielabor


Ich hatte mich über die Jahre schon fast damit abgefunden, so einen Wi 10 LW niemals mein Eigen nennen zu können, doch das Schicksal meinte es sehr gut mit mir, denn das Blättchen wendete sich mit meiner Fahrt nach Leonberg. Hier erstand ich die letzten Restbestände des ehemaligen Stuttgarter GLORIA Verkaufsbüros und Werkslagers St. Florian und neben allerlei anderer Kostbarkeiten war eben auch der Wi 10 LW dabei; und das in OVP - ungefüllt und noch nie montiert! Neben dem Edelstahlbehälter enthielt der Karton den Schlauch, eine Blei-Platzscheibe, einen Wandhalter, die Füllanleitung und die eben schon gesehene 0,7 l Schaum-Konzentrat-Flasche. Das war wirklich etwas ganz besonderes, denn man muss sich mal folgendes vorstellen: So einen Wi 10 LW gibt es einfach nicht mehr, der liegt auch nicht mehr irgendwo im Keller und als Sammler würde man sich wahrscheinlich auch mit einem abgerockten Modell zufrieden geben. Aber selbst das gibt es nicht mehr. Die wenigen, die es wirklich auf dem Markt gab, sind längst schon verschrottet worden. Ich sammle seit nun etwa 30 Jahren und noch niemals habe ich einen solchen Wi 10 LW gesehen, weder irgendwo in freier Wildbahn noch irgendwo anders. Dass man dann in heutiger Zeit ein 40 Jahre altes, nagelneues Gerät in OVP bekommt und einem die große Ehre zuteil weit, dieses auch als erster nach 40 Jahren zusammenzubauen - ungefüllt natürlich - dass glaubt einem doch kein Mensch. Es ist wirklich nicht zu fassen aber tatsächlich wahr.
Und alle die, die jetzt denken: "Mensch, das kann der doch nicht aus dem Karton nehmen und zusammenbauen... das muss OVP bleiben!" kann ich beruhigen, denn ich habe noch einen. OVP im original zugetackerten Karton. Der bleibt auch so, wie er ist.

*"Light-Water®" ist der Markenname des Herstellers 3M.

©. Menzel 2018

Sonntag, 4. November 2018

Report aus dem Museum: Auf großer Fahrt nach Leonberg

Wie üblich durchstreifte ich das Internet, um zu schauen, ob es in Sachen "alte GLORIA Feuerlöscher" etwas neues gab. Ich schaue zwar regelmäßig, aber ich habe natürlich nicht immer die Absicht, etwas zu kaufen. Geht ja auch gar nicht, denn man kann ja schließlich nicht jeden Tag einen Feuerlöscher kaufen. Irgendwann ist das Budget dann auch mal ausgeschöpft und wenn man keine Kohle hat, dann kann man auch nix kaufen. So einfach ist das. Deshalb hoffe ich manchmal auch, dass bloß nix interessantes dabei sein würde. Auch an jenem Tage war ich einfach nur neugierig und wollte nur schauen. Nur gucken, nicht anfassen, obwohl ich noch Budget hatte. Tja - aber es kam dann völlig anders, als ich dachte und schon nach nur kurzem Scrollen hatte ich etwas entdeckt, was mich so per se mal noch viel neugieriger machte: "Reste einer Feuerwehrsammlung zu verkaufen" las ich in der Überschrift und auf den gut 15 angefügten Bildern des Inserats waren neben zahlreichen anderen Gegenständen auch immer wieder uralte GLORIA-Geräte zu sehen. Einige waren vollständig abgelichtet, bei anderen konnte man nur erahnen, was es sein könnte. Sämtliche an mich selbst gerichtete Ermahnungen verhallten ungehört in meinem Kopf und wie von selbst begannen meine Finger, eine Nachricht an den Verkäufer zu schreiben. Ich fragte, was alles von GLORIA dabei wäre und bat um ein paar weitere Bilder, wenn es denn welche gäbe. Als ich die Nachricht abgeschickt hatte, konnte ich den Erfolg meiner Anfrage noch nicht einmal erahnen.

Der Verkäufer schrieb mir schon nach kurzer Zeit zurück. Alles müsse weg und er wisse nicht genau, was sich alles in diesem Konvolut verberge, da es sich um die Sammlung seines Vaters handelte. Er wusste aber, dass sich mehr Feuerlöscher von GLORIA darunter befanden, als die Bilder zeigten. Ich habe ihm daraufhin von meinem GLORIA-Museum erzählt und er hat sich am darauf folgenden Wochenende die Mühe gemacht, für mich alles zu sichten und zu fotografieren, wo dieser gewisse Schriftzug mit den sechs Buchstaben draufstand. Hierfür nochmals vielen herzlichen Dank!
Tja, irgendwann hatte er dann alles fertig fotografiert und er schickte mir die Bilder... was ich dort sah... ich dachte wirklich für einen kurzen Moment, dass ich träume und gleich irgendwer ankommt, um mich aus der Falle zu treten. Doch es kam keiner, es machte auch nicht poff und pling und alles war weg sondern es war wahr, es war wirklich wahr, was ich dort sah... ein wahrgewordener Traum!

Ich überlegte fieberhaft, welche der abgebildeten Kostbarkeiten ich nehmen wollte bzw. wie viele von den Löschern ich wohl auf dem Versandweg zu mir bekäme. Es war aussichtslos... das war zu viel und ich war mir sicher, dass der Verkäufer die Klamotten möglichst schnell und ohne großen Verpackungsaufwand loswerden wollte. Auf etwas verzichten... nein, das ging auch nicht!
Ich musste alles haben und das bedeutete einerseits, dass das nicht billig werden würde und andererseits, dass ich natürlich hinfahren musste. Für das, was mir in Aussicht gestellt wurde, war es diesen finanziellen und zeitlichen Aufwand allemal wert! Klar - für irgendeinen Haufen stinkenden Müll wäre ich auch nicht quer durch Deutschland gefahren. Das war wirklich ein Volltreffer für einen Sammler wie mich, für mein GLORIA-Museum und meine Absicht, die Modellgeschichte umfassend darzustellen. Eine einmalige Gelegenheit, die so nie nie nie wiederkommen würde und welche ich einfach nutzen musste!

Der Verkäufer und ich sprachen dieselbe Sprache und wir einigten uns schnell auf einen für beide Seiten fairen Preis. Der Deal zwischen uns war folgender: Ich sollte alles von GLORIA bekommen. Alles! Feuerlöscher, Werbematerial... einfach alles, wo GLORIA draufstand - und zwar nicht nur alles, was auf den Bildern zu sehen war sondern auch das, was im Zuge der weiteren Aufräumerei noch auftauchen würde. Ein echter MEGA-DEAL! Das Zeug sollte allerdings schnell weg - so wie ich vermutet hatte - doch war es ein weiter Weg für mich und ich konnte noch nicht genau einschätzen, wann ich diesen Ritt zeitlich mal schaffen würde. Nach einer Anzahlung hätte ich Dank des entgegenkommenden Verkäufers alles bei ihm bzw. seiner Mutter bis Dezember stehenlassen können, doch wollte ich die Kostbarkeiten ja auch schnell hier haben. Dann tat sich im August ein eigentlich längst schon verplantes Zeitfenster auf und ich konnte meinen Plan zeitnah in die Tat umsetzen.

Am 18.08.2018 war es dann schließlich soweit: Um exakt 05:46 startete ich den Motor unseres bis unters Dach mit leeren Kartons gefüllten Autos und trat die knapp 430 km lange Strecke nach Leonberg an. Für alle, die das jetzt geographisch nicht sofort einordnen können: Leonberg liegt bei Stuttgart in Baden-Württemberg und vom Ruhrgebiet aus erreicht man dieses Ziel am besten über die Autobahnen A1, A45, A5 und die A8. Wenn man Pech hat, kann man da überall richtig dick in der Scheiße landen und sich im Stau die Reifen plattstehen. Das hätte natürlich überhaupt nicht in meinen sehr engen Zeitplan gepasst, denn ich musste wegen eines Anschlusstermins um spätestens 16:00 Uhr wieder zu Hause sein - sonst hätte es Ärger mit der Regierung gegeben.

Außer einem kurzen Tankstopp auf dem Rückweg war eine Rast aus Zeitgründen nicht wirklich geplant und ich hatte mich bzw. meine liebe Frau hatte mich für die Reise mit Schnitzelbrötchen, Obst sowie diversen leckeren Getränken bestens ausgerüstet.
Kurz hinter Bad Nauheim musste ich die Fahrt allerdings dann doch unterbrechen. Schuld waren die drei Tassen Kaffee, die ich mir vor der Abfahrt noch schnell reingeschüttet hatte... Naja, immerhin hatte ich die A45 schon hinter mir und lag gut in der Zeit, sodass ich mir doch kurz die Füße vertrat und mir dabei genüsslich eines der Schnitzelbrötchen reinschraubte. Natürlich kleckerte ich und war froh, dass ich Ketchup, Panade und Salat nur von meinem Poloshirt und nicht auch noch vom Autositz kratzen musste.

Der Rest der Fahrt verlief ohne nennenswerte Störungen und ich erreichte mein Ziel um 09:46 - eine Viertelstunde eher, als ich geplant hatte. Naja - ich war wirklich gut durchgekommen und mit unserem PKW unterwegs, sodass ich gerade in Baustellen, von denen es nicht nur auf der A45 mehr als reichlich gibt, nicht auf der rechten Spur rumschleichen musste sondern auch die auf 2,10 m verengte Überholspur zurückgreifen konnte! Außerdem war die Zielstraße derartig eng, dass ich mit dem Crafter da richtig richtig Theater bekommen hätte. Das war mit dem Auto schon verdammt eng und ich war noch nicht mal mit meinem roten Bomber (BMW 525i) unterwegs. Das wäre auch eine sehr schöne Ausfahrt gewesen, aber da hätte ich vermutlich nicht alles reinbekommen. Außerdem wäre der Verbrauch mit durchschnittlich 14 l Super auf 100 km fast doppelt so hoch gewesen und ich hätte trotz 90 l Tank bestimmt einen zweiten Tankstopp machen müssen.

Ich stieg aus, klingelte und wurde von einer sehr netten Dame - der Mutter des Verkäufers - begrüßt, die schon auf mich gewartet hatte. An ihrer Seite war ein winziger, kugeliger und unglaublich süßer Hund, den ich am liebsten mit eingepackt hätte. Der kleine Kerl war allerdings nicht Bestandteil unseres Deals und ich glaube, dass das Frauchen auch sehr traurig gewesen wäre. Nachdem mir der kleine Hund "Grüß Gott" gesagt hatte, trollte er sich zurück in sein Körbchen und ich ging mit ihr zur Garage, wo die Sachen mittlerweile für mich eingelagert worden sind. Das Tor öffnete sich und ich  erblickte die herrlichen Kostbarkeiten, die ich gekauft hatte. Es war alles, was auf den Bildern zu sehen war und der Verkäufer hatte noch einige weitere Geräte in OVP aus den 1970ern dazugestellt... Phantastisch. Jetzt hatte ich allerdings etwas Sorge, ob das denn auch ins Auto passt, doch nachdem ich etwa eine gute Stunde lang alles nach bester Tetris-Manier überall hingezirkelt hatte, stellte ich erfreut fest, dass alles passte, die Türen zugingen und ich nichts zurücklassen musste. Für ein paar Spinnen hatte der Platz sogar auch noch gereicht, wie ich zum Glück erst abends beim Ausladen entdeckt hatte.

Nachdem ich alles eingepackt hatte, bezahlte ich den Rest der vereinbarten Summe und verabschiedete mich. Es war ein wirklich sehr schöner Besuch gewesen und die Dame war sehr froh, dass die alten Sachen nun in gute Hände kamen. Es war nicht einfach nur ein Sammelsurium von irgendwelchen GLORIA-Sachen, die irgendwer irgendwie mal gesammelt hat, sondern bei den Sachen handelte es sich um die Reste des Stuttgarter GLORIA Werkslagers und Verkaufsbüros St. Florian. Das waren alles Sachen, die gezielt von ihrem Mann aufgehoben worden sind und die man sonst nirgendwo mehr bekommt. Neben Feuerlöschern waren auch zahlreiche Werbeartikel dabei - Erfrischungstücher aus dem Jahre 1974, Wandplakate mit Explosionszeichnungen zu diversen Feuerlöschern, Kartenspiele, Feuerzeuge, Streichholzbriefchen, Flaschenöffner, Kugelschreiber, Zettelboxen, Kaffeetassen, Pappaufsteller, Lineale, Fotografien und viele viele sonstige Unterlagen. Das war wirklich ein ganz besonderer Glücksgriff, den ich da getätigt hatte.

Ich setzte mich wieder hinters Lenkrad und ich musste auch wirklich weiter, denn mittlerweile war es 11:00 Uhr durch. Irgendwas war natürlich gesperrt, sodass ich vom Navi ziemlich lange über Land geschickt worden bin - landschaftlich sehr reizvoll und schön anzusehen, aber für mich zum Wohnen wär dieses rauf und runter ja nix ehrlich gesagt. Gut - einer, der auf der Schwäbischen Alb großgeworden ist, kann mit unserem schönen Ruhrpott wahrscheinlich auch nicht allzu viel anfangen. Ich erreichte die nächste Auffahrt zur A8 und fuhr direkt in den Stau... na super! Tanken musste ich auch noch und da ich eh schon stand, quälte ich mich bis zur Tank- und Rastanlage Niefern / Öschelbronn (Enzkreis) durch und machte den Tank erstmal wieder voll. Schließlich lagen noch über 400 km Fahrt vor mir und ich wusste nicht, was noch alles auf mich zukommen würde. Zurück im Stau verputzte ich ein weiteres Schnitzelbrötchen - diesmal tatsächlich ohne zu kleckern - leerte zwei Flaschen leckere Limonade und biss herzhaft in meinen Apfel. Bei diesem einen Bissen blieb es allerdings, denn der Apfel rutschte mir beim Schalten leider in den Fußraum auf der Beifahrerseite - da war natürlich auch alles vollgestopft und nochmal anhalten, um den Apfel da raus zu polken... nein! Keine Zeit! Auch das Radio rauschte und knisterte in einer Tour und begann langsam aber sicher, mir auf den Zünder zu gehen und so langsam war ich es auch leid, ständig den Sender neu einzustellen. Da ich auch ein großer Hörspielfan der Serie "Die drei ???" bin, legte ich eines meiner Lieblingshörspiele auf und alles war gut. Auch der Stau lichtete sich und nun hieß es wieder: Volle Fahrt voraus! Das war auch gut so, denn die Zeit saß mir wirklich im Nacken.

Der Rest der Fahrt verlief sehr sehr gut und ich kam ohne weitere Verzögerungen nach insgesamt knapp 8,5 Stunden Fahrt und 843 gefahrenen Kilometern um 15:20 zu Hause an. Puuuh - pünktlich geschafft! Da wir wie gesagt noch einen weiteren Termin hatten, blieb mir vorerst keine Zeit, die ganzen Kostbarkeiten auszupacken. Das machte ich dann später am Abend und es war wirklich überwältigend, was ich da alles tolles abgesahnt hatte. Mehr als 30 Feuerlöscher und ohne Ende Werbematerial. Der Zustand der Geräte war durchweg gut bis sehr gut - es waren ja auch zahlreiche Sachen in OVP dabei - und ich war überglücklich, dass ich mich nicht davor gescheut hatte, dieses Abenteuer zu bestreiten und das alles so reibungslos von Statten ging. Da hatte ich wirklich Glück und einen fairen Verhandlungspartner gehabt - das ist leider nicht mehr selbstverständlich heute und deshalb möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken.
Mal sehen, welches Abenteuer als nächstes kommt...

©. Menzel 2018