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Dienstag, 28. Oktober 2025

GLORIA Typ P 12 GD Baujahr 1977

Hier haben wir einen der imposanten P 12 GD der späten 1970er Jahre, welcher alle typischen Merkmale bestens zum Ausdruck bringt. Am markantesten ist wohl die Druckhebelarmatur mit dem kurzen Druckhebel und dem langen, zum Ende hin geschwungenen Tragegriff. Die mittig am Behälter verlaufende Schweißnaht teilt den Aufdruck und sorgt in diesem Bereich für ein sperriges Erscheinungsbild. Der Schlauch ist im Vergleich zum riesigen Behälter geradezu winzig, weil diesbezüglich zwischen den wesentlich kleineren 6 kg-Geräten und den 12ern kein Unterschied gemacht wurde. Der Schlauch hatte immer dieselbe Länge, wodurch er beim großen 12er etwas kurz ist. Im Prinzip gab es diese großen 12kg Dauerdrucklöscher nur in Privathaushalten vor der Ölheizung und auch nur bei denen, die mehr als 5.000 Liter Heizöl bevorrateten. Die meisten Häuser, so wie auch unseres, haben Tanks bis 5.000 Liter Inhalt und somit kamen diese Geräte längst nicht so häufig vor, wie die kleinen 6er. In Industrie und Handel fand man sie kaum, aber genau solch ein Gerät hing bei Zoo Gerke in Lippstadt (Gartenstraße) im Kassenbereich. Es gab einen Tresen, wo die Kasse draufstand und an der Rückwand, wo sich auch noch allerlei anderes Zeug befand, hing auf etwa 1,80 m Höhe dieser riesige Feuerlöscher. Ich war häufiger mal bei Zoo Gerke, da sie dort eine große Teich- und Zierfischabteilung hatten und genau aus diesem Sortiment wurde immer etwas gekauft. Das muss so Anfang der 1990er Jahre gewesen sein und ich stand dann, wenn es ans Bezahlen ging, immer mit großen Augen an der Kasse und blickte ehrfürchtig auf diesen wahrhaft majestätischen Feuerlöscher.

Dieser Feuerlöscher hier hat eine schöne Geschichte zu erzählen, denn ich kannte ihn schon lange, bevor ich ihn mein Eigen nennen konnte. Er hing im Keller unserer damaligen Nachbarn, den Haases. Es hatte sich irgendwie so eingebürgert, dass Lothar und Edeltraud Haase immer am 2. Weihnachtstag am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen zu uns kamen und da die beiden selbst keine Kinder hatten, brachte „Onkel Haase“, wie wir ihn nannten, mir und meinem Bruder zu Weihnachten immer tütenweise Weihnachtsgeschenke mit. Ganz tolle Sachen, viel Lego für mich und für meinen Bruder, der 6 Jahre jünger ist als ich, gab es auch immer etwas nach seinen Interessen. Das machte ihnen großen Spaß, uns zu beschenken und es war immer richtig klasse. Im Gegenzug luden sie meine Eltern und uns Kinder dann immer an Neujahr zu sich ein und Haases hatten einen ganz tollen Partykeller mit Billardtisch, Spielautomaten, Jukebox und so weiter. Es dauerte dann natürlich nie lange, bis wir da runter wollten und unserem Wunsch wurde auch jedes Mal nachgekommen. Das Beste für mich war aber immer der Weg zum Partykeller, denn der führte am Heizraum vorbei und genau dort hing seit 1977 dieser Feuerlöscher auf einer schwarzen Tapete mit goldenen Ornamenten und lila Blumen. Den habe ich jedes Mal bewundert - haben konnte ich ihn aber lange Zeit nicht, da er nach den Maßgaben der FeuVO da hängen musste. Dann eines Tages - das muss so 2000/2001 gewesen sein - sah ich zufällig den Wagen eines Brandschutz-Kundendienstes vorm Haus und ich beobachtete weiter, dass der Mitarbeiter einen kleinen, neuen PD 6 G ins Haus trug. Wo ist denn „der Dicke“ fragte ich mich. Ein paar Tage oder Wochen später - so genau weiß ich das nicht mehr - traf ich Edeltraut vor der Haustür und fragte, ob sie einen neuen Feuerlöscher bekommen hätten, was sie bejahte. Auch auf meine Frage, ob der alte noch da ist, antwortete sie mit „Ja“ und schob direkt - sie kannte meine Vorliebe für Feuerlöscher - ein „Willst du den haben?“ hinterher und das war natürlich das Größte. Nach all den Jahren durfte ich ihn haben und ja - jetzt ist er schon seit etwa 25 Jahren in meinem Besitz - Kinder, wie die Zeit vergeht. Mittlerweile ist er natürlich drucklos und entleert.

C. Menzel 2025

Freitag, 27. Mai 2022

Tornado in Lippstadt 20.05.2022

 

Meine Heimatstadt Lippstadt wurde am 20. Mai 2022 von einem verheerenden Tornado heimgesucht - ja; man soll es nicht meinen - im Herzen Westfalens gibt es Tornados... Unglaublich!
In diesem Artikel möchte ich als alter Lippstädter das Ganze gern einmal aufarbeiten. Was ist wo und wann passiert und vor allem: Könnte man als Laie - so wie ich es in Sachen Wetter auch größtenteils bin - solch eine Situation selbst vorhersehen?
Alles, was ich hier schreibe beruht auf Augenzeugenberichten, wenigen Artikeln aus der Presse sowie eigenen Beobachtungen im Vorfeld des Tornados im Ruhrgebiet. Am 21.05.2022 konnten wir teilweise selbst einen Einblick in die immensen Schäden erhalten, welche nicht zuletzt Rückschlüsse auf die Zugbahn erlauben.

Lippstadt 20.05.2022
Der Tornado kam aus Richtung Westen und richtete die ersten Schäden auf bewohntem Gebiet in Eickelborn an, dem westlichsten Stadtteil Lippstadts. An den LWL Pflegeeinrichtungen wurden ein Auto auf dem Parkplatz beschädigt und am "Alten Friedhof" mehrere Bäume umgerissen (Quelle: Der Patriot nach Aussage von Antonius Schütte, Ortsvorsteher Eickelborn). Wer sich in Eickelborn nicht auskennt: Sowohl die Hauptverwaltung der LWL-Klinik (es muss die das Verwaltungsgebäude gewesen sein, denn Parkplätze gibt es an sich nur hier - oder auf der anderen Straßenseite am Kesselhaus), als auch der "Alte Friedhof" liegen im Ortskern entlang der Eickelbornstraße.
Der "Alte Friedhof" ist ein kleines Gräberfeld und von der Straße aus durch drei stark verwitterte, kleine Steinkreuze sichtbar (in etwa auf Höhe der Zufahrt "In der Wormau") - zumindest war das vor rund 20 Jahren so. Der Tornado zog dann in nordöstlicher Richtung aus Eickelborn raus und streifte als nächstes eines der beiden Klinikgebäude im benachbarten Benninghausen (Im Hofholz), wobei ein Dach beschädigt wurde (Quelle: Der Patriot, Antonius Schütte s. o.).
Ab hier steuerte der Tornado dann ostwärts auf einer augenscheinlich hakenartigen Zugbahn in den Lippeauen zwischen Lippstädter Straße / Göttinger Straße und Benninghauser Heide / Hellinghäuser Weg direkt auf Lippstadt zu. Hierbei wurden zahlreiche Bäume um- bzw. regelrecht auseinandergerissen, ich habe die Spur der Verwüstung selbst gesehen. Der etwas abseits des Ortskerns von Hellinghausen gelegenen Kirche St. Clemens wurden dabei das gesamte Dach des Glockenturms abgerissen und ein an der Göttinger Straße gelegener Hof nahezu vollständig zerstört.
Auf das nördliche Stadtgebiet von Lippstadt-Kernstadt traf der Tornado vermutlich dann im Bereich Beckumer Straße / Udener Straße /Am Weinberg. Neben zahlreichen abgerissenen Bäumen wurden auch viele Gebäude stark beschädigt - insbesondere das Evangelische Gymnasium - kurz EG - ist so stark in Mitleidenschaft gezogen worden (habe ich auch selbst gesehen), dass es wohl bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben muss. In der Siedlung "Am Weinberg" gab es ebenfalls schwere Gebäudeschäden und auch das CabrioLi bleibt wegen entstandener Schäden im Außenbereich und am Gebäude bis voraussichtlich Ende Juni geschlossen (Quelle: Stadtwerke Lippstadt).
Den weiteren Weg bahnte sich der Tornado dann über die Möllerstraße / Preußenstraße / Friedrichstraße bis in die Altstadt. Zahlreiche Gebäude, darunter meine alte Schule (damals Städt. Ostendorf-Gymnasium), sind dabei im gesamten Stadtgebiet erheblich beschädigt worden. So fehlt der alten Burgmühle zum Beispiel jetzt der mit Efeu berankte Schlot. Zu den vielen umgerissen, alten Bäumen zählt auch die 1870 an der Marienkirche gepflanzte Friedenseiche - ein Baum den jeder kennt, denn es gibt mit Sicherheit keinen Lippstädter, der nicht schonmal in ihrem Schatten ein Eis gegessen oder ein lecker Bierchen getrunken hat.
Nachdem er weite Teile der Altstadt verwüstet hatte, zog der Tornado über den Grünen Winkel / Kastanienallee wieder aus dem Stadtgebiet heraus. Auf Höhe "Esbecker Straße" kreuzte er die B55 (genau an der Baustelle für die neue Lippe-Brücke) und traf den Spuren nach zu urteilen in der abknickenden Vorfahrt der Salzkottender Straße das Wohngebiet am Mondschein. Entlang der Salzkottener Straße Richtung Esbeck finden sich diverse Schäden an Häusern und Bäumen. Die stärksten Zerstörungen wurden Augenzeugenberichten nach im Bereich Bachstraße / Dedinghauser Weg / Heinrich-Schütz-Straße registriert. Hier hat der Tornado dann wohl rechts an Esbeck vorbei über die Paderborner Straße hinweg (Höhe Wilkmann) Lippstadt verlassen und ist weiter östlich Richtung Paderborn gezogen, wo er auch noch erhebliche Zerstörungen anrichtete.

Meine hier vermutete Zugbahn stützt sich wie gesagt auf Berichte aus verschiedenen Medien, Augenzeugenberichten alter Schulfreunde und deren Eltern, die noch in Lippstadt wohnen (insbesondere Heinrich-Schütz-Straße) und eigenen Beobachtungen. Ich war am 20.05.2022 nicht selbst in Lippstadt, doch waren wir am 21.05.2022 - den Tag nach dem Tornado - vor Ort. Nicht um Katastrophentourismus zu betreiben, sondern um den 40-jährigen Hochzeitstag meiner Schwiegereltern zu feiern. Das war von langer Hand geplant und wir hatten ursprünglich in der SchankhausDiva (Lange Straße 9) einen Tisch reserviert, weil wir schon soviel Gutes gehört hatten... Naja... es hat nicht sollen sein, da die gesamte Altstadt am 21.05.2022 noch gesperrt war - verständlich nach diesem Ereignis. Stattdessen konnten wir sehr kurzfristig noch einen Tisch im Alten Kornspeicher in Bad Westernkotten buchen. Sehr empfehlenswert, das kann man hier ja ruhig auch mal erwähnen! Urig-Westfälisches Ambiente und leckeres, gut bürgerliches Essen in solchen Portionen, von denen auch so ein fast 2 m langer Fresskopp wie ich satt wird. TOP!
Als wir gegen 19:00 Uhr von Esbeck aus den Heimweg antraten, sind wir wie üblich die Beckumer Straße entlang Richtung Cappel gefahren. Den Hinweg nach Lippstadt haben wir am frühen Mittag extra über die A44 und Erwitte bestritten, da wir uns nicht sicher waren, ob die übliche Strecke über Lippborg und Herzfeld befahrbar war. Naja, auf der Rückfahrt war sie es und ich muss ehrlich sagen: Solch immense Zerstörungen wie im Bereich Beckumer Straße habe ich noch nie gesehen. Äste, die in Hauswänden steckten, Schieferplatten, die wie Rasierklingen überall eingeschlagen sind, die Bäume... es war erschreckend, wirklich!
Wir sind dann hinter Cappel auf die Göttinger Straße gefahren und haben auch den zerstörten Hof gesehen... furchtbar! Man fährt dann die Göttinger Straße weiter Richtung A2 durch Liesborn Göttingen und noch einige Kilometer weiter Richtung Westen - die Göttinger Straße heißt nun Lippstädter Straße - verläuft quer über die Fahrbahn eine Freileitung aus Beton-Masten vom Umspannwerk Eickelborn (Alter Postweg Höhe Sundernstraße) nach Wadersloh. Auf diesem Stück zwischen der Freileitung und dem Ortskern von Eickelborn muss sich der Tornado gebildet haben, denn genau hier sieht man in den Lippeauen immer wieder einzelne umgerissene oder regelrecht geborstene Bäume. Ob der Tornado da so wie ein Basketball ab und an mal reingetitscht ist oder ob es sich schon um eine durchgehende Spur der Verwüstung handelt, war aus dem Auto heraus von der Göttinger / Lippstädter Straße aus nicht einsehbar. Ich vermute - rein vom Bauchgefühl her - dass der Tornado hier noch keine durchgehende Schneise gepflügt hat, denn dann wäre es sicherlich auch zu Schäden weiter westlich in Eickelborn gekommen - vor allem im Bereich Leinenstraße / Postweg / Rosenstraße und so weiter.

Beobachtungen und wettertechnische Auffälligkeiten vor dem und am 20.05.2022
Die Woche von Montag 16.05.2022 bis Donnerstag 19.05.2022 war sowohl im Ruhrgebiet, als auch in Südwestfalen von einer sehr schwülen Wärme geprägt, welche in den späten Nachmittagsstunden des 19.05.2022 zu ersten Unwettern im Westen führte. Es gab teils heftige Unwetter mit viel Regen und schweren Gewittern im Raum Witten und Dortmund-Hombruch. Bergkamen, Hamm und das weiter östlich liegende Gebiet bis nach Lippstadt und darüber hinaus sind mit moderaten Regenmengen weitestgehend glimpflich davon gekommen.
Der 20. Mai war ein Freitag und begann für mich um 05:00 Uhr morgens in Bergkamen am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Nach dem Duschen öffnete ich das Fenster zum Lüften und mir fiel auf, dass die Luft voll Feuchtigkeit hing - draußen meine ich natürlich. Diesige Schwaden wie an einem kalten Novembermorgen waberten überall umher - doch es war nicht November und übermäßig kalt war es mit etwa 13 Grad Celsius ja nun auch nicht.
Da ich mich auch für das Wetter interessiere und mir gerne meine eigenen bescheidenen Prognosen für den Tag erstelle, haben wir mehrere Wetterstationen zu Hause - digital und analog. Ich liebe unsere analoge Wetterstation mit den drei einfachen Instrumenten Barometer, Thermometer und Hygrometer. Mehr braucht man nicht um zu wissen, was der Tag in etwa bringt.
Die analoge Station hängt im Flur direkt an der Treppe und ich werfe wirklich jeden Morgen beim runtergehen einen Blick darauf. Die feuchte Luft wurde mir auch hier angezeigt - knapp 80% um 05:30 morgens. Das Barometer stand unter 1000 hPa, was bedeutet, dass der Luftdruck niedriger war als gewöhnlich (1013 hPa) und das bedeutet, dass sich ein weiteres Tiefdruckgebiet mit Regen und vielleicht auch Sturm ankündigte.
Morgens um 09:00 hatte ich beruflich in Bottrop zu tun und saß mit meinem Chef, zwei Kollegen, einigen weiteren Personen und zwei Beamten der Berufsfeuerwehr Bottrop in einer Besprechung bezüglich einer für 11:00 Uhr geplanten Evakuierungsübung. Die Feuerwehr drängte darauf, die Übung vorzuziehen und so früh wie möglich durchzuführen, da sie Informationen über mögliche Tornados auf dem Tisch liegen hätten. Da dachte ich mir noch: "Hm - haben die bei der Feuerwehr die gleichen Medien wie wir Otto-Normal-Verbraucher (DWD, NINA etc.) zur Verfügung oder nutzen die was noch offizielleres?" Naja, wohl war mir nicht.
Die Übung wurde vorgezogen und es verlief auch alles ruhig. Man konnte allerdings hier schon merken, dass es begann, sich zu bewölken und die Sonne ziemlich stach - die Luft war zum greifen, so feucht war sie. Als ich gegen 12:30 zurück in Dortmund war, hatte es sich schon zugezogen. Es war mit etwa 25 Grad Celsius jetzt nicht extrem heiß, aber sehr schwül. Zwischendurch hatte ich auf der Fahrt im Radio gehört, dass die Schulen wegen des angekündigten Unwetters früher schlossen und einige Firmen ihre Mitarbeiter früher in den Feierabend entließen. Es braute sich also etwas zusammen. Auch Innenminister Herbert Reul hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich nach Hause zu begeben bzw. zu Hause zu bleiben.
Ich selbst war dann auch kurz vor 15:00 Uhr zu Hause in Bergkamen und zwischendurch hatte ich meiner Mutter in Lippstadt nochmal eindringlich geschrieben, sie solle doch bitte zu Hause bleiben am Nachmittag, was sie Gott sei Dank auch befolgt hat! Ich hatte ihr geschrieben, dass so etwas wie der Downburst beim Pfingstunwetter 2014 erwartet würde - dass es ein ausgewachsener Tornado sein sollte, der Lippstadt trifft, wusste ich auch nicht.
Ich ging dann ins Bad und zog mich schnell um, da sich jemand angekündigt hatte, um unsere alte Couch zu besichtigen, die wir zum Verkauf eingestellt hatten. Dabei baselte ich irgendwie den Handtuchständer um und mir fiel auf, dass das Handtuch vom Morgen, mit dem ich mich abgetrocknet hatte, immer noch nass war. Nicht feucht oder klamm, sondern nass. Die Luft war gesättigt mit Wasser. Schade, dass ich nicht nochmal auf die Wetterstation geschaut hatte, denn zu diesem Zeitpunkt war die Gewitterlinie, welche sich dann irgendwo zwischen Hamm und Lippstadt geteilt hat und den Tornado entstehen ließ, genau über uns in Bergkamen.
Das Ganze war bei uns allerdings sehr unspektakulär. Der Himmel war eine dunkelgraue Wolkenmasse, welche sich zügig nach Osten bewegte und am Boden - also bei mir auf der Veranda, wo ich etwa 15:15 stand - war es total windstill. Plötzlich setzte leichter Nieselregen ein welcher sich langsam zum Wolkenbruch steigerte; so, als ob jemand langsam die Dusche aufgedreht hätte. Die Leute kamen, wir waren im Keller und gegen 15:45 stiegen sie wieder ins Auto. Es regnete immer noch wie aus Eimern und es war immer noch windstill. Dann hörte der Regen so gegen 16:00 Uhr abrupt auf und die Sonne schien. Von jetzt auf gleich.
Der Tornado traf Lippstadt etwa 16:35/16:40 Uhr und am Rande der Zugbahn hatte man wohl auch relativ wenig davon mitbekommen. Schwiegervater saß im Süden auf der überdachten Terrasse und berichtete lediglich von starkem Regen. Was ihm allerdings auffiel war, dass es unentwegt geblitzt, aber nicht gedonnert hatte. So, als ob jemand ständig den Lichtschalter an aus mache, sagte er. Ähnliche Beschreibungen erhielt ich auch aus Esbeck und Lipperode.

Wetter richtig deuten, Warnungen beachten
Das, was darüber entscheidet, ob aus  einem "herkömmlichen Unwetter" ein Tornado entsteht, ist neben einem Übermaß an warmer feuchter Luft in Bodennähe und kalter Luft in den oberen Schichten eine Windscherung. Scherung bedeutet, dass in unterschiedlichen Höhen die Luft entgegengesetzt strömt und eine vertikale Rotation erzeugt. Ich hatte ja schon erzählt, dass am Nachmittag des 20.05. die Wolkenmassen oben recht schnell in Richtung Osten trieben - also aus dem Westen kamen -, es am Boden aber windstill war. Mein Kollege, der auch immer aufs Wetter guckt erzählte mir am darauffolgenden Montag folgendes interessante Detail:
In Witten stehen an der Kreuzung Brauckstraße / Dortmunder Straße zwei große Windräder, welche östlichen Wind anzeigten, obwohl die angekündigten Unwetter aus Richtung Westen heranzogen. Das könnten Hinweise auf besagte Windscherung sein. Zudem bestand ein großes Temperaturgefälle zwischen Süd- und Norddeutschland. Während man in Bayern bei rund 33 Grad Celsius schwitzte, zogen die Touristen an der Nordseeküste bei 13 Grad Celsius ihre Jacke über. Vielleicht auch ein Hinweis.
Also ich persönlich war überrascht, dass Lippstadt von einem Tornado getroffen wurde - überrascht hauptsächlich davon, dass es ür uns Laien in Bezug auf Wetter so wenige bis gar keine eindeutigen Warnzeichen gegeben hat. Ich habe oft schon diese ganzen Stormchaser-Serien geguckt um Reed Timmer, Shawn Casey und Tim Samarras mit ihren Teams und man sah immer dunkelgrüne Himmel, Mauerwolken und dergleichen im Vorfeld eines Tornados und ich dachte, dass es hier auch so wäre. Tja... ist es aber nicht, denn auch Personen, die mittendrin waren, haben das, was da gerade passiert ist, vielfach nicht als Tornado wahrgenommen.
Vor Tornados zu warnen ist ohnehin sehr schwierig, da sie plötzlich entstehen und dabei sehr lokal auftreten. Des Weiteren sind sie genau so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen sind. Videos von Bekannten zur Folge dauerte der Durchzug des Wolkenrüssels etwa 20 Sekunden.

Was kann man denn nun tun, um sich selbst zu schützen? Gerade weil es so schwierig ist, einen Tornado vorherzusagen, sollten jegliche Unwetterwarnungen im Vorfeld ernstgenommen werden! Ich weiß - vielfach gibt es viel Wirbel um dann doch eher harmlosere Ereignisse, aber manchmal eben nicht und dann ist das Geschrei wieder groß, weil alle überrascht worden sind. Im Radio, im Wetterbricht, in den Nachriten oder auch im TV und sonstwo wird man über mögliche Unwettergefahren informiert. Zudem besteht in heutiger Zeit auch die Möglichkeit, sich via Internet oder per App über alles, was das Wetter angeht, zu informieren. Also meine Frau und ich schwören in Sachen Wetterwarnungen und Unwetter auf Jörg Kachelmann mit seinem Wetterkanal "Kachelmannwetter". Des Weiteren haben wir auch NINA und KATWARN auf dem Handy, die - sofern die jeweils aktuelle Version installiert ist - auch zuverlässig Alarm schlagen.
Aber abseits dieser ganzen Technik sollte man selbst auch mal einen Blick in den Himmel werfen und den gesunden Menschenverstand einschalten - ein Gespür dafür bekommen, wann es zu Unwettern kommen kann. Ein paar heiße und schwüle Tage in Folge haben meistens immer Gewitter mit mehr oder weniger starken Begleiterscheinungen zur Folge und wenn man merkt, dass der Himmel sich zuzieht, dann muss man unter Umständen das ein oder andere Vorhaben verschieben.
Bei solch einer Wetterlage wie am 20.05.2022 würden Bewohner von Oklahoma, Texas, Nebraska und anderen Staaten des Mittleren Westens in der "Tornado Alley" alle 10 Minuten in den Himmel schauen und dementsprechend handeln. Dass die Feuerwehr  in Lippstadt 120 Menschen aus dem Kombibad CabrioLi befreien musste, erschließt sich mir nicht so ganz... Warum geht man Schwimmen, wenn vor Unwettern gewarnt wird? Schulen werden früher geschlossen, Mitarbeiter werden früher nach Hause geschickt, Innenminister Herbert Reul bittet die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben und man geht trotzdem Schwimmen? DAS kann nicht sein, aber genau DAS ist das Problem. Warnungen werden entweder nicht ernst genommen oder die Warnungen werden nicht eindringlich genug vermittelt. Ich erinnere hier nochmal an die Flukatastrophe im Sommer 2021... es hätte mancherorts die Möglichkeit bestanden, flächendecken über Sirenen zu warnen - die Verantwortlichen haben die Sirenen aber nicht ausgelöst, um die Bevölkerung nicht zu verunsichern... ich könnte da jetzt noch mehr zu sagen, lasse es aber so stehen. Flächendeckend mit Sirenen vor Tornados zu warnen wie in den USA - da bin ich mir nicht sicher, ob das in Deutschland möglich ist. Von daher ist es eben auch wichtig, dass die Bevölkerung selbst umsichtig ist und Wetterwarnungen ernst nimmt. 
Bei dem Tornado am 20.05.2022 in Lippstadt ist Gott sei Dank niemand zu Schaden gekommen, aber das war wohl eher Zufall und hätte auch anders ausgehen können. Gerade Tornadowarnungen werden in unseren Breitengraden gern belächelt, aber wie man gesehen hat: So etwas ist sehr wohl ernst zu nehmen und auch wenn nichts kommt heißt das nicht, dass nichts hätte kommen können und auch bei der nächsten Warnung wieder nichts kommt.
Wenn ein Tornado dann auf einen zukommt, kann man ohnehin nichts anderes tun, als sofort Schutz zu suchen. Am geeignetsten sind massive Gebäude und der sicherste Ort sind Bereiche im Kern, am besten ohne Fenster. Autos bieten im Gegensatz zu Gewittern keinen Schutz vor Tornados!

©. Menzel 2022

Mittwoch, 10. Juli 2019

Sonderausstellung Badespaß in der Rathaus-Galerie Lippstadt vom 06. Juli bis 20. Oktober 2019

An einem dunklen, regnerischen Abend im späten Herbst 2018 saß ich am Rechner und schrieb meinen Artikel "Der GLORIA PA 6 GD im Jakob-Koenen-Bad Lippstadt". Auf die Idee kam ich bei der Einrichtung einer neuen Schauwand in meinem Museum, wo ich just einige Stunden zuvor einen ebensolchen Typ PA 6 GD montiert hatte. Immer, wenn ich einen solchen Löscher sehe, denke ich unweigerlich an das Jakob-Koenen-Bad, denn genau dort hing ein solches Modell und dort hatte ich ihn auch zum ersten mal gesehen. Aber den Rest der tollen Geschichte könnt Ihr unter dem angegebenen Link nachlesen.
Ich schrieb also meinen Artikel, freute mich über die wiedererlebten Erinnerungen und lud ihn hoch. Schon wenige Tage später sprach mich mein Arbeitskollege an, lobte meinen Schreibstil, welcher auch ihm den Chlorgeruch lebhaft in die Nase trieb (obwohl er gar nicht aus Lippstadt kommt und nie im Jakob-Koenen-Bad war) und wir sprachen etwas über den PA, von dem er vor gut 20 Jahren auch hin und wieder einen auf der Prüfbank hatte. Ein wirklich toller und hochwertiger Feuerlöscher!
Dass der PA 6 GD einmal als Exponat zum Teil einer Ausstellung des Stadmuseums Lippstadt werden wird, ahnte ich da noch nicht.
Im Rahmen der geplanten Ausstellung "Badespaß - Ein Sommervergnügen damals und heute" bekam ich die E-Mail einer sehr netten Mitarbeiterin des Stadtmuseums Lippstadt, welche im Zuge der Recherchen zum Jakob-Koenen-Bad auf meinen Artikel gestoßen war und mich fragte, ob ich nicht an dieser Ausstellung mitwirkten wolle und eben besagten GLORIA PA 6 GD als Leihgabe zur Verfügung stellen möchte. Ich freute mich natürlich tierisch über das Interesse und die damit verbundene Anfrage und für mich als gebürtigen Lippstädter war es natürlich eine große Ehre. Obwohl ich nicht mehr in Lippstadt wohne, fühle ich mich meiner Heimatstadt sehr verbunden und besuche sie auch regelmäßig. Von daher gab es für mich nur die eine Antwort: "Ja sicher, sehr gerne!"
Ja - da steht er nun und kann neben anderen tollen Exponaten aus dem Jakob-Koenen-Bad (Elefantenrutsche, Schilder etc.) und denen aus anderen Natur-, Heil- und Freizeitbädern Lippstadts bewundert werden.

Städtische Galerie im Rathaus
Lange Straße 14
59555 Lippstadt

Dauer der Ausstellung: 06. Juli bis 20. Oktober 2019

Öffnungszeiten:
Di. - Fr. 10:00-12:00 und 15:00-17:00 Uhr sowie Samstags und Sonntags von 11:00 bis 18:00 Uhr.

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Feuerlöschergeschichten: Der Pi 6 G im Minipreis Lippstadt

Mitten in Lippstadt gab es eine Minipreisfiliale der ersten Stunde, welche sich im Erdgeschoss eines schmalen Gebäudes mit Spitzdach an der Capelstraße Ecke Soeststraße befand. Der Einrichtung des Ladens nach zu urteilen dürfte sie so Ende der 1960er Jahre eröffnet worden sein und das Inventar ist bis zur Schließung in Gebrauch gewesen. Tja, das war noch Qualität, die nicht kaputt zu kriegen war. Gut - in der Schlussphase hier und da etwas abgewetzt, aber noch da. Ich erinnere mich noch sehr gut an den gräulich-braunen Linoleumfußboden mit seinem typischen Geruch, die hölzernen Regale mit Drahtgeflecht, die schmalen Gänge und den typischen Wandanstrich dieser Zeit. Also für einen Supermarkt war das schon ziemlich klein und Einkaufswagen hat es dort aufgrund der Platzverhältnisse überhaupt nicht gegeben. Heute absolut undenkbar - genau wie der Versatz im Fußboden. Mitten im Laden ging man plötzlich nicht mehr auf Estrich, sondern über eine mit Linoleum beklebte Holzrampe ein ganzes Stück nach unten, um im Kassenbereich wieder auf derselben Höhe zu sein, wie im Eingangsbereich. Ich meine, dass im Bereich der Holzrampe auch brauner Teppichboden gewesen ist, doch da bin ich mir jetzt nicht so ganz sicher. Naja, die Geschichte mit dem Versatz fand ich immer sehr interessant. Ich bin recht oft und gern in diesem Minipreis herumgestrolcht und warum das so war, könnt Ihr Euch ja sicher schon denken.
Genau: Der Minipreis war nämlich - wie so ziemlich jedes andere Gebäude in Lippstadt - mit GLORIA-Feuerlöschern ausgerüstet und einer davon ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Wenn man reinkam, wurde man gegen den Uhrzeigersinn durch den Laden geführt. Man ging dabei direkt auf die hintere, dunkelgelb gestrichene Stirnwand zu, wo meine ich die Kühlabteilung untergebracht war. Mittig zwischen den Regalen befand sich eine Tür zu den Hinterräumen und DA hing er, der GLORIA Typ Pi 6 G aus den Endsechzigern. Mit Sternboden, dem typischen Aufdruck und einer gelben Sicherungslasche. Die war gelb, das weiß ich ganz genau und sie muss im Laufe der Jahre mal ausgetauscht worden sein. Ursprünglich waren die Sicherungslaschen aus der Zeit nämlich rot, doch die gingen mit den Jahren irgendwann kaputt und wurden dementsprechend durch aktuelle, gelbe ersetzt. Die Tür war stand IMMER offen, sodass man wirklich bei jedem Besuch einen Blick riskieren konnte. Der Pi hing direkt am Treppenaufgang auf einer in etwa minzgrün gestrichenen Wand und das Rot vom Handlauf des Treppengeländers passte zu dem des Feuerlöschers. Ein sehr intensives Farbspiel, was man nicht vergisst. Ich habe ihn immer nur aus der Ferne bewundert, denn hineingehen durfte man nicht... ich hätte das auch schlecht erklären können, wenn mich da einer erwischt hätte.
Schade, das ich da kein Foto von habe, aber damals gab es eben noch kein Smartphone, womit man mal eben schnell alles fotografieren konnte. Ich hätte schon einen Fotoapparat mitnehmen müssen, doch ich hatte keinen.
Irgendwann zwischen 1999 und 2002 ist die Filiale geschlossen und das Gebäude abgerissen worden. Das Gelände ist immer noch unbebaut und ob Ihr es glaubt oder nicht: Immer, wenn ich alle Jubeljahre mal die Cappelstraße längs fahre und an dem Grundstück vorbeikomme, sehe ich den Pi 6 G auf der minzgrünen Wand und den roten Handlauf. Als ob der Teil stehengeblieben wäre.

©. Menzel 2018

Sonntag, 18. November 2018

Feuerlöschergeschichten: Die GLORIA Pi 12 G im real-kauf Lippstadt

An der Bökenförder Straße im Lippstädter Süden befindet sich ein real-Supermarkt und den gibt es da schon, solange ich denken kann. Ich komme buchstäblich vom Dorf und wenn man einkaufen wollte, musste man sich ins Auto setzen und ein paar Kilometer fahren. Da bin ich mit großer Freude immer mitgefahren - nicht etwa in der Hoffnung, eine Kleinigkeit abzustauben, sondern um Feuerlöscher bestaunen zu können!
Der real in Lippstadt ist der Erstausstattung an Feuerlöschern nach zu urteilen so 1969/70 eingerichtet worden und das passt auch zum Gebäude. Der Fußboden bestand anfangs aus reinem Estrich und auch die weiß getünchten Backsteinwände waren noch nicht verkleidet. Aus meinen frühsten Erinnerungen Anfang der 1980er Jahre weiß ich, dass man, wenn man reinkam und geradeaus durchging, in einen Bereich kam, wo Fahrradzubehör und Wein verkauft worden ist. Interessante Mischung, aber gut...
Später war dann da das Lager aber ich weiß, dass genau am Durchgang ein GLORIA Pi 12 G hing und das war der erste, den ich jemals gesehen hatte! Er war riesig und hing auf gut 1,80m Höhe und ich war einfach nur total beeindruckt.
Über die Jahre wurde der Laden mehrfach umgebaut und anders strukturiert, aber die Feuerlöscher blieben. Rückblickend betrachtet stand ich im Einkaufswagen sitzend am häufigsten am Pi 12 G in der Obst- und Gemüseabteilung direkt an der Waage. Heute wird das ganze Zeug ja direkt vorne in den Eingang gelegt, aber damals musste man einmal durch bis nach hinten und schon auf dem Weg dahin wuchs die Freude. Die Obst- und Gemüseabteilung war recht groß und grenzte an die Kühltheke sowie an diverse Regale mit weiteren Artikeln des täglichen Bedarfs. Da dort genug Platz war, ließ man den Wagen gern auch mal kurz stehen und genau das war dann für mich DAS Highlight des Einkaufs! Je länger ich da stand, umso länger konnte ich den Feuerlöscher bewundern.
Auch in späteren Jahren bewunderte ich die schönen Pi 12 und die hingen wirklich lange lange Zeit da. Hin und wieder fand mal einen aus den 1970ern und 1980ern aber im Grundsatz waren es alles noch die dicken 12er von damals.
Selbst 2003/04, wo ich schon längst studierte und nur noch am Wochenende nach Lippstadt kam, hingen sie noch dort. 2005 oder so wurde der real dann umgebaut und im Zusammenhang mit den nun geltenden Aussonderungsfristen der Hersteller verschwanden auch die ganzen alten Feuerlöscher. Sehr schade, aber unvermeidlich. Die alten Geräte entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik und mussten zwingend ersetzt werden.
Glücklicherweise besitze ich solche, damals für mich unerreichbaren Geräte nun auch und kann mich heute jederzeit an ihnen erfreuen.

©. Menzel 2018

Feuerlöschergeschichten: Der GLORIA PA 6 GD im Jakob-Koenen-Bad Lippstadt

Das Jakob-Koenen-Bad war eine regelrechte Institution in Lippstadt und es gibt wohl kaum einen Lippstädter meiner Generation, der nicht dort Schwimmen war und nicht irgendeine Geschichte mit diesem Hallenbad verbindet.
Benannt worden ist das Mitte der 1960er Jahre in direkter Innenstadtnähe am Cappeltor erbaute Hallenbad nach dem Sportfunktionär und Politiker Jakob Koenen, welcher als gebürtiger Lippstädter von 1948 bis 1974 auch Bürgermeister seiner Stadt war und den Bau schließlich ermöglichte. Im Eingang wurde man direkt von seiner Büste aus Bronze und einem großen Mosaik im typischen Stil der 1960er Jahre begrüßt, welches an der Stirnwand gegenüber des Eingangs prangte und von mehreren Spots beleuchtet wurde. Davor erstreckte sich ein  Warte- bzw. Sitzbereich in Form mehrerer frei angeordneter, rechteckiger Tische mit dunklem Holzfurnier und verchromten Beinen. Dazu passend standen ringsum Polsterstühle in blau, grün und orange.
Rechts neben den Sitzgruppen befand sich dann - abgetrennt durch einen etwa hüfthohen Edelstahlrahmen und einige Zimmerpalmen - der Eingang zum Badebereich. Das Kassenhäuschen am Durchgang war auch gleichzeitig ein Kiosk, an dem man alle möglichen Sorten von Süßkram kaufen konnte - auch während des Schwimmens. Obwohl die Badezeit auf 2 Stunden begrenzt war, nahm ich das Angebot oft in Anspruch. Die weißen Papiertüten mit Süßkram lösten sich in den nassen Händen schnell auf und man klebte dann von oben bis unten... das war immer eine ganz hübsche Sauerei. Die Verkäuferin ermahnte uns jedes Mal, nicht mit den nassen Füßen durch die gekachelten Umkleiden zu rennen, was wir natürlich immer befolgt haben und uns deshalb auch niemals auf die Schnauze legten oder in einen der großen, gusseisernen Rippenheizkörper bretterten. Diese waren wirklich riesig und heizten bis ins Unerträgliche... was für eine Affenhitze das immer war. Also frieren musste da keiner!
Wenn man nicht schon während des Schwimmens am naschen war, wurden spätestens nach dem Duschen, Umziehen und Haare föhnen die 2 Mark aus dem Münzeinwurf des Schließfachs dort verfressen - im Prinzip ein sehr geschickter Schachzug des Betreibers, denn ich kenne wirklich keinen, der das nicht so gemacht hatte.

In der Mitte des Hallenschiffs gab es hoch über dem Becken eine brückenartige Konstruktion aus Kiefernholz, welche einen Wellnessbereich mit Kunstrasen, Wärmelampen, Liegestühlen und jeder Menge Plastikpflanzen beherbergte. Rechts vom Sprungturm aus gesehen führte eine ebenfalls hölzerne Treppe hinauf in den Wellnessbereich und da war er - ein Stück hinter der Treppe, gut versteckt hinter einer großen Palme hing er an einem der wenigen weiß gekachelten Pfeiler: Ein GLORIA Typ PA 6 GD. Ich weiß jetzt nur nicht mehr genau, ob er Standnocken hatte oder nicht... ich meine aber schon, dass er welche hatte und somit aus den Jahren 1980 - 1983 stammte. Schon als ich klein war, hatte ich ihn entdeckt und seitdem verging nicht in Schwimmbadbesuch, bei dem ich nicht mehrfach gezielt am Feuerlöscher vorbeigegangen bin oder dort sogar etwas rumgelungert hatte, um ihn mir anzusehen. Ich war sofort fasziniert von diesem Gerät, denn so einen hatte noch nie gesehen - diese massive Armatur mit schwarzem Tragegriff, roter Drucktaste und gelber Sicherungslasche. Er sah wirklich toll aus und ich wünschte mir bei jedem Besuch, diesen Löscher irgendwie mitnehmen zu können, aber das ging natürlich nicht.
Der PA 6 GD war der einzige Feuerlöscher, den es im Schwimmbereich gab und er war zugegebener Maßen auch der einzige Feuerlöscher, den ich überhaupt in einer Schwimmhalle gesehen habe.
Zur Erstausstattung konnte er nicht gehören, denn den PA gab es erst seit 1978 und das Bad wurde ja schon 12 Jahre vorher in Betrieb genommen. Dass es einen zeitgenössischen Vorgänger an der Stelle gab, der sich im Laufe der Jahre in der Chlorluft aufgelöst hatte und durch den PA ersetzt worden ist, glaube ich auch nicht. Vielmehr wird es so gewesen sein, dass der Wellnessbereich Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er nachträglich hinzugekommen ist und durch die so geschaffenen Brandlasten der PA 6 GD von der Feuerwehr gefordert worden ist.

Am häufigsten besuchte ich das Jakob-Koenen-Bad zwischen 1983 und 1995. Anfangs planschte ich als kleiner Knirps noch im sog. "Pissbecken" für Nichtschwimmer durch die Gegend. Das Becken war meiner Erinnerung nach etwa knietief (bei einem Erwachsenen) und kam durch die in diesem Bereich gelb gekachelten Wände sowie der Wassertemperatur von gut 30 °C zu seinem Namen. Bestimmt wird auch ein Teil seines Inhalts namensgebend gewesen sein... es roch zumindest gerade hier immer extremst nach Chlor und wir alle wissen ja, wodurch dieser Chlorgeruch Zustande kommt.
Später fanden dann auch viele Kindergeburtstage im Jakob-Koenen-Bad statt und das war immer eine große Attraktion - vor allem, wenn man die 2 Mark aus dem Schließfach behalten durfte und dann später in Süßkram umsetzte. Anfang der 1990er Jahre war ich mit meiner Schulklasse auch oft dort schwimmen gewesen und ganz besonders schön war es im Halbjahr 1992/93. Da hatten wir Freitags die ersten beiden Stunden Sport und im Herbst und Winter stand Schwimmen auf dem Programm. Da sind wir immer mit dem 538, der die Käffer abklapperte bis zum Tivoli gefahren und haben auf dem Weg zum Bad regelmäßig die Bäckerei Krick um ein paar Schokocroissants oder Matschbrötchen erleichtert, die wir uns auf dem Rest des Fußwegs gegönnt haben... und dann schön mit voller Plauze ins Wasser.
In den Folgejahren war ich nur noch sehr selten dort und bei meinem letzten Schwimmbadbesuch im Jahre 2002 gab es den PA 6 GD schon nicht mehr. Die Bäckerei Krick gibt es auch schon lange nicht mehr und das Jakob-Koenen-Bad selbst ist mittlerweile auch geschlossen und abgerissen worden.
Es war immer ein Monsterspaß und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Mittlerweile darf ich solch einen GLORIA Typ PA 6 GD, den ich damals immer so gern mitgenommen hätte, auch mein Eigen nennen und immer, wenn ich ihn anschaue, denke ich direkt ans Jakob-Koenen-Bad. Hier habe ich den GLORIA Typ PA 6 GD zum ersten und auch letzten Mal in freier Wildbahn gesehen und das bleibt einem in Erinnerung.

©. Menzel 2018