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Dienstag, 30. Dezember 2014

Feuerwerk sicher lagern

Es gibt wieder Feuerwerk zu kaufen und viele von Euch haben bestimmt - ebenso wie ich - kräftig zugelangt. Jetzt habt Ihr den ganzen Stoff zu Hause, aber wie lagert man den denn nun am sichersten?
Das zu Silvester erhältliche, BAM-geprüfte Feuerwerk der Klassen P I & II und gilt als Gefahrgut und wird der Gefahrgutklasse 1.4 zugeordnet, welche es im Allgemeinen als Stoffe und Gegenstände mit geringer Explosionsgefahr ausweist - aber nur, wenn sie ordnungsgemäß verpackt sind.
Oberste Regel ist daher, dass Ihr weder Knallkörper noch Raketen und Verbundfeuerwerk lose herumliegen lasst. Das Feuerwerk befindet sich ab Werk in einer flammhemmenden bzw. nur schwer entzündlichen Verpackung, welche es vor Funken und Flammen schützt. Legt Ihr die Böller und Raketen ausgepackt irgendwo hin und einer kommt zum Beispiel mit der Glut einer Zigarette der Zündschnur zu nahe, dann gehts los. Böller sind hier vergleichsweise harmlos und machen meistens nur etwas Dreck und Brandflecken, aber wenn Euch eine Rakete in der Bude hochgeht, dann könnt Ihr am besten schonmal die Feuerwehr rufen. Die Zerlegerladung katapultiert die mit teilweise 2000 °C abbrennende Effektmasse in alle Richtungen und wenn Vorhänge oder Polstermöbel getroffen werden, gehen diese sofort in Flammen auf. Lose Restbestände aus dem Vorjahr müssen in fest verschließbaren, feuerbeständigen Behältern aufbewahrt werden, damit auch hier nichts passiert. Mein Tipp: Geht mal in den Army- oder Bundeswehrshop, denn dort gibt es gebrauchte Munitionskisten und Magazinbehälter aus Blech für nur ein paar Euro, welche sich für diesen Zweck hervorragend eignen.
Weiterhin solltet Ihr darauf achten, dass die verpackten Feuerwerksartikel nicht in der Nähe von Wärmequellen wie z.B. Öfen und Heizkörpern oder offenen Flammen (Kerzen, Kamin) gelagert werden und diese für Kinder - sofern vorhanden - nicht erreichbar sind. Zündquellen wie Feuerzeuge und Streichhölzer sollten zudem an einem gesonderten Ort aufbewahrt werden. Zudem solltet Ihr, auch wenn alles sicher verpackt ist, darauf achten, dass in unmittelbarer Nähe zum Feuerwerk nicht geraucht wird.

Für den Fall, dass warum auch immer doch mal was ungewollt in der Bude explodiert, müsst Ihr unbedingt geeignetes Löschgerät in Form eines Feuerlöschers mit ABC-Pulver oder Schaum vorhalten (z.B. GLORIA SK 6 PRO / GLORIA PSE 6 GA). Versucht nicht, das bereits explodierende Feuerwerk noch irgendwie auseinander zu ziehen!

© PhoenixFeuerschutz 2014

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Silvester - Sicherer Umgang mit Feuerwerk zum Jahreswechsel

The same procedure as last year, Miss Sophie?
Na sicher doch!
The same procedure as every year, James!

Feuerwerk
Der Jahreswechsel rückt immer näher und wird auch dieses Mal wieder von Millionen Menschen nicht nur mit knallenden Sektkorken, sondern auch mit einer ganzen Menge Feuerwerk in Form von China-Böllern, Raketen, Kanonenschlägen, Knallfröschen, Fontänen und Effektbatterien begrüßt. Der Feuerwerksverkauf beginnt üblicherweise am 29.12. eines jeden Jahres.Das Feuerwerk wird jedoch ebenfalls ganz getreu nach Miss Sophie´s “as every year” nicht nur für bunten Sternenzauber und ausgeleierte Trommelfelle sorgen, sondern auch wieder für zahlreiche Brände und Verletzungen verantwortlich sein werden.



Die Hersteller empfehlen:

Für Bodenfeuerwerk (Böller, Fontänen, Batterien etc.): 
Knallkörper auf den Boden legen, am äußersten Ende der Zündschnur anzünden und sich rasch entfernen. Nach dem Anzünden nicht in der Hand behalten!
Nur im Freien verwenden! 

Für Raketen:
Rakete mit dem Leitstab so in eine feststehende, geeignete Halterung stecken, dass die Rakete ungehindert senkrecht aufsteigen kann.
Nach dem Anzünden nicht in der Hand behalten!
Nur im Freien verwenden!

So oder so ähnlich steht es auf jedem Feuerwerkskörper und korrekt handelt also derjenige, welcher das Feuerwerk nach dem Anzünden nicht mehr in der Hand hält, sich in ausreichender Entfernung dazu befindet sowie sich vor dem Zünden der Lunte vergewissert hat, dass auch umstehende Personen nicht verletzt werden können. 
Doch seien wir mal ehrlich: Diese Herstellerempfehlungen für einen sicheren Umgang werden - zumindest in Bezug auf Böller und Raketen - nur in den seltensten Fällen befolgt. Um 00:00 fliegen D-Böller und Kanonenschläge durch die Gegend und Raketen erheben sich direkt aus den Händen der Feuerwerker. Zwar ist die sogenannte (graue) “Chinese Fuse”, welche sehr unkontrolliert und ungleichmäßig abbrennt, bei Klasse-II-Feuerwerk durch die wesentlich sicherere (grüne) Visco-Zündschnur ersetzt worden, doch bei solchen Aktionen kann trotzdem immer mal was danebengehen. Zu spät losgelassen oder weggeworfen knallt und funkt es nicht am Nachthimmel oder in weiter Ferne, sondern direkt vor der Nase!

Der Feuerwerkskauf
BAM-geprüft und zugelassen
Bevor wir uns jedoch damit beschäftigen, wie man sicher mit dem Feuerwerk umgeht, sollten wir zuerst der Frage nachgehen, wo man welches Feuerwerk kauft.
In Deutschland sind auschließlich diejenigen Feuerwerksartikel zugelassen, welche einer Sicherheitsüberprüfung bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) unterzogen wurden. In Deutschland zugelassenes Feuerwerk erkennt man an der BAM-Nummer und wird von den Firmen WECO (Eitorf), KELLER (Bochum), COMET (Bremerhaven), NICO (Trittau) und DIAMOND (Haselau) vertrieben und in Verkehr gebracht. Erhältlich sind diese Feuerwerksartikel in Bau- und Supermärkten sowie andern Geschäften aus dem Lebensmittel- und Einzelhandel.
Von jeglichem anderen Feuerwerk solltet Ihr tunlichst die Finger lassen, wenn Ihr sie behalten wollt. Ganz besonders Böller aus Süd- und Osteuropa sind extrem gefährlich und haben mit den zugelassenen Böllern nicht mehr wirklich etwas zu tun. Anstelle des sicheren und harmlosen Schwarzpulvers, welches in BAM-geprüftem Feuerwerk zum Einsatz kommt, enthalten solch ausländische Kracher instabile und gefährliche Blitzknallsätze. Diese bestehen zum Großteil aus Kaliumperchlorat und sehr feinteiligem Aluminiumpulver. Sie explodieren bereits in geringer Menge offen gezündet und reagieren auch auf Druck, statische Aufladung und Erschütterungen mit einem ohrenbetäubenden Knall. Zudem werden Böller aus dem Ausland zur Verdichtung oft mit Gips oder ähnlichem gefüllt, wodurch gefährliche Splitter unkontrolliert umherfliegen können. Auch der Schaden, den sie an Mensch und Material anrichten, ist enorm. Solch gefährlicher und starker Sprengstoff gehört nicht in die Hände von Silvesterfeuerwerkern!!
Als gefährliche und in Deutschland verbotene Böller gelten (unter anderem):

  • Delova Rana PROFI
  • Cipolla
  • Explod
  • Gigant Maroon
  • Tesson 4.50
  • Fp3
  • ACHTUNG! (TC5-B)
  • Big Tiger (TC5
  • Chooet Double Banger
  • Chooet Banger
  • Atomyc
  • Cobra
  • Trueno
  • Striker
  • La Bomba
Diese Böller stammen vorwiegend aus Polen und Italien und sind teilweise mit einer erheblichen Menge Blitzknallsatz gefüllt. Macht also keinen Mist und lasst die Finger von dem Zeug!

Lagerung und Transport
Das gekaufte, in Deutschland zugelassene Feuerwerk sollte bis zu seinem Einsatz trocken in der ungeöffneten Originalverpackung und weitab jeglicher Zünd- und Wärmequellen gelagert werden. Die Verpackung ist flammhemend und schützt Böller und Raketen vor Feuchtigkeit sowie unbeabsichtigtem Zünden in der Wohnung (z.B. durch die Glut einer Zigarette). Auch die Lagerung größerer (haushaltsüblicher) Mengen ist auf diese Weise ungefährlich. Haltet vorsichtshalber dennoch in der Nähe einen Feuerlöscher (Pulver, Wasser, Schaum) oder zumindest ein mit Wasser gefülltes Gefäß bereit (Eimer, Gießkanne).
Auch der Transport sollte ausschließlich in der Originalverpackung erfolgen. Stopft weder Taschen noch Tüten oder Rucksäcke mit losem Feuerwerk voll, denn das ist auch bei dem in Deutschland zugelassenen Feuerwerk gefährlich!

Das Feuerwerken
Beim Böllern um Mitternacht sollte zunächst sichergestellt werden, ob man  überhaupt noch dazu in der Lage ist, ein Feuerwerk unfallfrei abzuschießen – denn es soll ja an Silvester hin und wieder auch ein Gläschen getrunken werden wie man hört. Jemand, der sich schon ordentlich einen in die Rüstung geschüttet hat, sollte dann doch besser zur Cola und nicht zur Rakete greifen!
Raketen, Böller und jegliche anderen Feuerwerksartikel dürfen ausschließlich im Freien verwendet werden! Werft Böller (wenn Ihr sie werft) nicht auf Menschen, Tiere, Gebäude oder Autos. Abschussvorrichtungen von Raketen sowie Effektbatterien müssen sicher und fest auf einem nicht brennbaren Untergrund stehen - und zwar dort, wo Effekte und Raketen ungehindert nach oben aufsteigen können. Achtet dabei neben Dächern und Vorsprüngen besonders auf Bäume mit ausladenden Kronen und Stromleitungen, denn die werden im Dunkeln nämlich gern mal übersehen.
Zu Gebäuden ist generell ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten, welcher bei solchen mit Fotovoltaik-Anlagen mindesten 25 m beträgt. In der Nähe von historischen Bauwerken, leicht entzündlichen Gebäuden (z.B. Reetdach, Fachwerk) und manchen Industriebetrieben ist das Abschießen von Raketen und Böllern entweder ganz verboten oder es müssen große Sicherheitsabstände eingehalten werden.
Bei trockener Witterung nehmt Abstand davon, in Reichweite von Wäldern oder sonstigen großflächig bewachsenen Flächen Euer Feuerwerk abzubrennen.

Brandschutz
Wie und wo das Feuerwerk gelagert, transportiert und abgebrannt werden sollte, haben wir bereits erörtert. Jetzt geht es darum, dass man nach dem Feuerwerken nicht in eine rauchende Ruine zurückkehrt.
Wenn Ihr nicht bei Euch zu Hause feiert, dann schließt vor Verlassen des Hauses bzw. der Wohnung sämtliche Fenster und Türen, denn jedes Jahr verschaffen sich verirrte Raketen durch gekippte Fenster Zugang ins Innere und epxlodieren im Vorhang, welcher darauf natürlich sofort Feuer fängt. Feiert Ihr zu Hause, dann schließt vor dem Feuerwerken alle Fenster und Türen.
Solltet Ihr über einen Balkon oder Garten verfügen, entfernt vor der Silvesternacht alle leicht entzündlichen Gegenstände. Insbesondere Gartenpolster, Verpackungsmaterialien oder Altpapier bergen ein hohes Brandrisiko. 

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Nur Feuerwerkskörper mit behördlicher Zulassung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung kaufen (BAM-Nummer)!
  • Die für Silvester in Verkehr gebrachten Feuerwerkskörper gehören zur Klasse BAM-PII und dürfen nur vom 31.12. 18:00 bis zum Neujahrsmorgen 07:00 gezündet und nur von Personen über 18 Jahren verwendet werden!
  • Feuerwerkskörper erst unmittelbar vor Gebrauch aus der Verpackung nehmen!
  • Keine losen Feuerwerkskörper in Hosen- und Jackentaschen mit sich herumtragen!
  • Finger weg von Importen!
  • Niemals selbst gebastelte Böller benutzen!
  • Stark alkoholisierte Personen von Feuerwerkskörpern fernhalten!
  • Feuerwerkskörper nur im Freien verwenden und niemals auf Menschen, Tiere, Gebäude und Autos richten / werfen!
  • Feuerwerkskörper nach dem Anzünden nicht in der Hand halten und Raketen nur senkrecht aus fest stehenden Behältern abfeuern!
  • Knallkörper nicht in geschlossenen Behältern zünden (z.B. Flaschen, Dosen etc.)!
  • Feuerwerkskörper nicht bündeln, keine Zündschnüre verkürzen oder sonst irgendwie modifizieren!
  • Blindgänger nicht aufsammeln und niemals versuchen, sie nochmals zu zünden!
  • Wenn Ihr am Silvesterabend Euer Haus oder Eure Wohnung verlasst, schließt alle Fenster und Türen!
  • Leicht entzündliche Gegenstände wie die Polster für die Gartenmöbel oder Altpapier in der Silvesternacht nicht auf dem Balkon bzw. im Freien lagern!

Persönliche Tipps von mir:
  • Als Abschussvorrichtung für Raketen ist nichts besser geeignet, als eine mit leeren Flaschen gefüllte Bierkiste.
  • Um Euch nicht die Finger zu verbrennen, nehmt zum Anzünden am besten eine Zigarre. Die glimmt auch bei Wind und ist stets einsatzbereit. Da diese durch das Anzünden allerdings derbe nach Schwarzpulver schmeckt, empfehle ich Euch hierfür eine nicht allzu teure (z.B. eine Indipendence). 
Ich wünsche Euch einen Guten Rutsch, ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2013 und bedanke mich an dieser Stelle noch einmal recht herzlich für das Rege Interesse an meiner Seite.
Lasst die Böller, Korken und Raketen knallen!

Ganz aktuelle Informationen findet Ihr auch in diesem Artikel.

Euer Chris

© C. Müller 



Montag, 4. Juni 2012

Hausexplosion in Bielefeld - Ist wirklich normales Feuerwerk schuld?

Am Sonntag, 03. Juni 2012, erschütterten in den Nachmittagsstunden mehrere Explosionen den Bielfelder Stadtteil Schildesche. Urasache: Ein privates Feuerwerklager ist in die Luft geflogen.
Viele fragen sich jetzt sicherlich, da es in den Medien so verbreitet wird, ob es sich dabei um handelsübliches Feuerwerk gehandelt haben könnte, welches jede Person ab 18 Jahren zum Jahresende im Handel erwerben kann. Ich bin zwar kein wirklicher Experte auf diesem Gebiet, kenne mich aber dennoch ein wenig damit aus. Daher ist es für mich klar, dass das, was dort in dem Anbau explodierte, mit Sicherheit kein handelsübliches Silvesterfeuerwerk war. Normale Feuerwerkskörper, die zu Silvster in den Handel gebracht werden, sind nicht massenxplosionsfähig. Das bedeutet, dass z.B. ein Gebinde Super Böller II mit einem Inhalt von vier Knallkörpern nicht als ganzes explodiert und dabei schon gar nicht das Vierfache der Sprengkraft eines Knallkörpers entfaltet. Vielmehr explodieren sie nacheinander - jeder für sich allein und die Anzahl der Knallkörper spielt dabei keine Rolle. Zum anderen befindet sich in Silvesterfeuerwerk, auch in Raketen, im Vergleich zu anderen Sprengstoffen relativ harmloses Schwarzpulver, dessen Zerstörungskraft ziemlich gering ist. Nein, was dort explodierte, kann kein Silvesterfeuerwerk gewesen sein.
Zur Erinnerung: Am 13. Mai 2000 explodierte im niederländischen Enschede die S.E. Fireworks und strich dabei den Stadteil Roombeek von der Landkarte. 23 Menschen starben bei dem Unglück, 947 wurden zum Teil schwer verletzt. Auch hier wurde zunächst angenommen, dass es sich um einen Betrieb handele, der handelsübliches Silvesterfeuerwerk herstellt - das tat er unter anderem auch, denn ich selbst habe im Dezember 1997 in Arnheim Böller der S.E. Fireworks gekauft. Dass dort jedoch auch Pyrotechnik größeren Kalibers produziert und überaus gefährlicher Sprengstoff in viel zu großen Mengen unter sehr fragwürdigen Sicherheitsbestimmungen gelagert wurde, wusste niemand - weder Anwohner, Behörden noch Feuerwehr.
Nimmt man nun die Informationen hinzu, dass der Hauseigentümer, welcher die Explosion in Bielefeld scheinbar verursacht hat, schon erfolgreich an mehreren Profifeuerwerken mitgewirkt hat, drängt sich doch auch hier der leise Verdacht auf, dass die Umstände die gleichen waren, wie in Enschede - Gott sei Dank in nur viel kleinerem Umfang.

© C. Müller