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Freitag, 27. Mai 2022

Tornado in Lippstadt 20.05.2022

 

Meine Heimatstadt Lippstadt wurde am 20. Mai 2022 von einem verheerenden Tornado heimgesucht - ja; man soll es nicht meinen - im Herzen Westfalens gibt es Tornados... Unglaublich!
In diesem Artikel möchte ich als alter Lippstädter das Ganze gern einmal aufarbeiten. Was ist wo und wann passiert und vor allem: Könnte man als Laie - so wie ich es in Sachen Wetter auch größtenteils bin - solch eine Situation selbst vorhersehen?
Alles, was ich hier schreibe beruht auf Augenzeugenberichten, wenigen Artikeln aus der Presse sowie eigenen Beobachtungen im Vorfeld des Tornados im Ruhrgebiet. Am 21.05.2022 konnten wir teilweise selbst einen Einblick in die immensen Schäden erhalten, welche nicht zuletzt Rückschlüsse auf die Zugbahn erlauben.

Lippstadt 20.05.2022
Der Tornado kam aus Richtung Westen und richtete die ersten Schäden auf bewohntem Gebiet in Eickelborn an, dem westlichsten Stadtteil Lippstadts. An den LWL Pflegeeinrichtungen wurden ein Auto auf dem Parkplatz beschädigt und am "Alten Friedhof" mehrere Bäume umgerissen (Quelle: Der Patriot nach Aussage von Antonius Schütte, Ortsvorsteher Eickelborn). Wer sich in Eickelborn nicht auskennt: Sowohl die Hauptverwaltung der LWL-Klinik (es muss die das Verwaltungsgebäude gewesen sein, denn Parkplätze gibt es an sich nur hier - oder auf der anderen Straßenseite am Kesselhaus), als auch der "Alte Friedhof" liegen im Ortskern entlang der Eickelbornstraße.
Der "Alte Friedhof" ist ein kleines Gräberfeld und von der Straße aus durch drei stark verwitterte, kleine Steinkreuze sichtbar (in etwa auf Höhe der Zufahrt "In der Wormau") - zumindest war das vor rund 20 Jahren so. Der Tornado zog dann in nordöstlicher Richtung aus Eickelborn raus und streifte als nächstes eines der beiden Klinikgebäude im benachbarten Benninghausen (Im Hofholz), wobei ein Dach beschädigt wurde (Quelle: Der Patriot, Antonius Schütte s. o.).
Ab hier steuerte der Tornado dann ostwärts auf einer augenscheinlich hakenartigen Zugbahn in den Lippeauen zwischen Lippstädter Straße / Göttinger Straße und Benninghauser Heide / Hellinghäuser Weg direkt auf Lippstadt zu. Hierbei wurden zahlreiche Bäume um- bzw. regelrecht auseinandergerissen, ich habe die Spur der Verwüstung selbst gesehen. Der etwas abseits des Ortskerns von Hellinghausen gelegenen Kirche St. Clemens wurden dabei das gesamte Dach des Glockenturms abgerissen und ein an der Göttinger Straße gelegener Hof nahezu vollständig zerstört.
Auf das nördliche Stadtgebiet von Lippstadt-Kernstadt traf der Tornado vermutlich dann im Bereich Beckumer Straße / Udener Straße /Am Weinberg. Neben zahlreichen abgerissenen Bäumen wurden auch viele Gebäude stark beschädigt - insbesondere das Evangelische Gymnasium - kurz EG - ist so stark in Mitleidenschaft gezogen worden (habe ich auch selbst gesehen), dass es wohl bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben muss. In der Siedlung "Am Weinberg" gab es ebenfalls schwere Gebäudeschäden und auch das CabrioLi bleibt wegen entstandener Schäden im Außenbereich und am Gebäude bis voraussichtlich Ende Juni geschlossen (Quelle: Stadtwerke Lippstadt).
Den weiteren Weg bahnte sich der Tornado dann über die Möllerstraße / Preußenstraße / Friedrichstraße bis in die Altstadt. Zahlreiche Gebäude, darunter meine alte Schule (damals Städt. Ostendorf-Gymnasium), sind dabei im gesamten Stadtgebiet erheblich beschädigt worden. So fehlt der alten Burgmühle zum Beispiel jetzt der mit Efeu berankte Schlot. Zu den vielen umgerissen, alten Bäumen zählt auch die 1870 an der Marienkirche gepflanzte Friedenseiche - ein Baum den jeder kennt, denn es gibt mit Sicherheit keinen Lippstädter, der nicht schonmal in ihrem Schatten ein Eis gegessen oder ein lecker Bierchen getrunken hat.
Nachdem er weite Teile der Altstadt verwüstet hatte, zog der Tornado über den Grünen Winkel / Kastanienallee wieder aus dem Stadtgebiet heraus. Auf Höhe "Esbecker Straße" kreuzte er die B55 (genau an der Baustelle für die neue Lippe-Brücke) und traf den Spuren nach zu urteilen in der abknickenden Vorfahrt der Salzkottender Straße das Wohngebiet am Mondschein. Entlang der Salzkottener Straße Richtung Esbeck finden sich diverse Schäden an Häusern und Bäumen. Die stärksten Zerstörungen wurden Augenzeugenberichten nach im Bereich Bachstraße / Dedinghauser Weg / Heinrich-Schütz-Straße registriert. Hier hat der Tornado dann wohl rechts an Esbeck vorbei über die Paderborner Straße hinweg (Höhe Wilkmann) Lippstadt verlassen und ist weiter östlich Richtung Paderborn gezogen, wo er auch noch erhebliche Zerstörungen anrichtete.

Meine hier vermutete Zugbahn stützt sich wie gesagt auf Berichte aus verschiedenen Medien, Augenzeugenberichten alter Schulfreunde und deren Eltern, die noch in Lippstadt wohnen (insbesondere Heinrich-Schütz-Straße) und eigenen Beobachtungen. Ich war am 20.05.2022 nicht selbst in Lippstadt, doch waren wir am 21.05.2022 - den Tag nach dem Tornado - vor Ort. Nicht um Katastrophentourismus zu betreiben, sondern um den 40-jährigen Hochzeitstag meiner Schwiegereltern zu feiern. Das war von langer Hand geplant und wir hatten ursprünglich in der SchankhausDiva (Lange Straße 9) einen Tisch reserviert, weil wir schon soviel Gutes gehört hatten... Naja... es hat nicht sollen sein, da die gesamte Altstadt am 21.05.2022 noch gesperrt war - verständlich nach diesem Ereignis. Stattdessen konnten wir sehr kurzfristig noch einen Tisch im Alten Kornspeicher in Bad Westernkotten buchen. Sehr empfehlenswert, das kann man hier ja ruhig auch mal erwähnen! Urig-Westfälisches Ambiente und leckeres, gut bürgerliches Essen in solchen Portionen, von denen auch so ein fast 2 m langer Fresskopp wie ich satt wird. TOP!
Als wir gegen 19:00 Uhr von Esbeck aus den Heimweg antraten, sind wir wie üblich die Beckumer Straße entlang Richtung Cappel gefahren. Den Hinweg nach Lippstadt haben wir am frühen Mittag extra über die A44 und Erwitte bestritten, da wir uns nicht sicher waren, ob die übliche Strecke über Lippborg und Herzfeld befahrbar war. Naja, auf der Rückfahrt war sie es und ich muss ehrlich sagen: Solch immense Zerstörungen wie im Bereich Beckumer Straße habe ich noch nie gesehen. Äste, die in Hauswänden steckten, Schieferplatten, die wie Rasierklingen überall eingeschlagen sind, die Bäume... es war erschreckend, wirklich!
Wir sind dann hinter Cappel auf die Göttinger Straße gefahren und haben auch den zerstörten Hof gesehen... furchtbar! Man fährt dann die Göttinger Straße weiter Richtung A2 durch Liesborn Göttingen und noch einige Kilometer weiter Richtung Westen - die Göttinger Straße heißt nun Lippstädter Straße - verläuft quer über die Fahrbahn eine Freileitung aus Beton-Masten vom Umspannwerk Eickelborn (Alter Postweg Höhe Sundernstraße) nach Wadersloh. Auf diesem Stück zwischen der Freileitung und dem Ortskern von Eickelborn muss sich der Tornado gebildet haben, denn genau hier sieht man in den Lippeauen immer wieder einzelne umgerissene oder regelrecht geborstene Bäume. Ob der Tornado da so wie ein Basketball ab und an mal reingetitscht ist oder ob es sich schon um eine durchgehende Spur der Verwüstung handelt, war aus dem Auto heraus von der Göttinger / Lippstädter Straße aus nicht einsehbar. Ich vermute - rein vom Bauchgefühl her - dass der Tornado hier noch keine durchgehende Schneise gepflügt hat, denn dann wäre es sicherlich auch zu Schäden weiter westlich in Eickelborn gekommen - vor allem im Bereich Leinenstraße / Postweg / Rosenstraße und so weiter.

Beobachtungen und wettertechnische Auffälligkeiten vor dem und am 20.05.2022
Die Woche von Montag 16.05.2022 bis Donnerstag 19.05.2022 war sowohl im Ruhrgebiet, als auch in Südwestfalen von einer sehr schwülen Wärme geprägt, welche in den späten Nachmittagsstunden des 19.05.2022 zu ersten Unwettern im Westen führte. Es gab teils heftige Unwetter mit viel Regen und schweren Gewittern im Raum Witten und Dortmund-Hombruch. Bergkamen, Hamm und das weiter östlich liegende Gebiet bis nach Lippstadt und darüber hinaus sind mit moderaten Regenmengen weitestgehend glimpflich davon gekommen.
Der 20. Mai war ein Freitag und begann für mich um 05:00 Uhr morgens in Bergkamen am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Nach dem Duschen öffnete ich das Fenster zum Lüften und mir fiel auf, dass die Luft voll Feuchtigkeit hing - draußen meine ich natürlich. Diesige Schwaden wie an einem kalten Novembermorgen waberten überall umher - doch es war nicht November und übermäßig kalt war es mit etwa 13 Grad Celsius ja nun auch nicht.
Da ich mich auch für das Wetter interessiere und mir gerne meine eigenen bescheidenen Prognosen für den Tag erstelle, haben wir mehrere Wetterstationen zu Hause - digital und analog. Ich liebe unsere analoge Wetterstation mit den drei einfachen Instrumenten Barometer, Thermometer und Hygrometer. Mehr braucht man nicht um zu wissen, was der Tag in etwa bringt.
Die analoge Station hängt im Flur direkt an der Treppe und ich werfe wirklich jeden Morgen beim runtergehen einen Blick darauf. Die feuchte Luft wurde mir auch hier angezeigt - knapp 80% um 05:30 morgens. Das Barometer stand unter 1000 hPa, was bedeutet, dass der Luftdruck niedriger war als gewöhnlich (1013 hPa) und das bedeutet, dass sich ein weiteres Tiefdruckgebiet mit Regen und vielleicht auch Sturm ankündigte.
Morgens um 09:00 hatte ich beruflich in Bottrop zu tun und saß mit meinem Chef, zwei Kollegen, einigen weiteren Personen und zwei Beamten der Berufsfeuerwehr Bottrop in einer Besprechung bezüglich einer für 11:00 Uhr geplanten Evakuierungsübung. Die Feuerwehr drängte darauf, die Übung vorzuziehen und so früh wie möglich durchzuführen, da sie Informationen über mögliche Tornados auf dem Tisch liegen hätten. Da dachte ich mir noch: "Hm - haben die bei der Feuerwehr die gleichen Medien wie wir Otto-Normal-Verbraucher (DWD, NINA etc.) zur Verfügung oder nutzen die was noch offizielleres?" Naja, wohl war mir nicht.
Die Übung wurde vorgezogen und es verlief auch alles ruhig. Man konnte allerdings hier schon merken, dass es begann, sich zu bewölken und die Sonne ziemlich stach - die Luft war zum greifen, so feucht war sie. Als ich gegen 12:30 zurück in Dortmund war, hatte es sich schon zugezogen. Es war mit etwa 25 Grad Celsius jetzt nicht extrem heiß, aber sehr schwül. Zwischendurch hatte ich auf der Fahrt im Radio gehört, dass die Schulen wegen des angekündigten Unwetters früher schlossen und einige Firmen ihre Mitarbeiter früher in den Feierabend entließen. Es braute sich also etwas zusammen. Auch Innenminister Herbert Reul hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich nach Hause zu begeben bzw. zu Hause zu bleiben.
Ich selbst war dann auch kurz vor 15:00 Uhr zu Hause in Bergkamen und zwischendurch hatte ich meiner Mutter in Lippstadt nochmal eindringlich geschrieben, sie solle doch bitte zu Hause bleiben am Nachmittag, was sie Gott sei Dank auch befolgt hat! Ich hatte ihr geschrieben, dass so etwas wie der Downburst beim Pfingstunwetter 2014 erwartet würde - dass es ein ausgewachsener Tornado sein sollte, der Lippstadt trifft, wusste ich auch nicht.
Ich ging dann ins Bad und zog mich schnell um, da sich jemand angekündigt hatte, um unsere alte Couch zu besichtigen, die wir zum Verkauf eingestellt hatten. Dabei baselte ich irgendwie den Handtuchständer um und mir fiel auf, dass das Handtuch vom Morgen, mit dem ich mich abgetrocknet hatte, immer noch nass war. Nicht feucht oder klamm, sondern nass. Die Luft war gesättigt mit Wasser. Schade, dass ich nicht nochmal auf die Wetterstation geschaut hatte, denn zu diesem Zeitpunkt war die Gewitterlinie, welche sich dann irgendwo zwischen Hamm und Lippstadt geteilt hat und den Tornado entstehen ließ, genau über uns in Bergkamen.
Das Ganze war bei uns allerdings sehr unspektakulär. Der Himmel war eine dunkelgraue Wolkenmasse, welche sich zügig nach Osten bewegte und am Boden - also bei mir auf der Veranda, wo ich etwa 15:15 stand - war es total windstill. Plötzlich setzte leichter Nieselregen ein welcher sich langsam zum Wolkenbruch steigerte; so, als ob jemand langsam die Dusche aufgedreht hätte. Die Leute kamen, wir waren im Keller und gegen 15:45 stiegen sie wieder ins Auto. Es regnete immer noch wie aus Eimern und es war immer noch windstill. Dann hörte der Regen so gegen 16:00 Uhr abrupt auf und die Sonne schien. Von jetzt auf gleich.
Der Tornado traf Lippstadt etwa 16:35/16:40 Uhr und am Rande der Zugbahn hatte man wohl auch relativ wenig davon mitbekommen. Schwiegervater saß im Süden auf der überdachten Terrasse und berichtete lediglich von starkem Regen. Was ihm allerdings auffiel war, dass es unentwegt geblitzt, aber nicht gedonnert hatte. So, als ob jemand ständig den Lichtschalter an aus mache, sagte er. Ähnliche Beschreibungen erhielt ich auch aus Esbeck und Lipperode.

Wetter richtig deuten, Warnungen beachten
Das, was darüber entscheidet, ob aus  einem "herkömmlichen Unwetter" ein Tornado entsteht, ist neben einem Übermaß an warmer feuchter Luft in Bodennähe und kalter Luft in den oberen Schichten eine Windscherung. Scherung bedeutet, dass in unterschiedlichen Höhen die Luft entgegengesetzt strömt und eine vertikale Rotation erzeugt. Ich hatte ja schon erzählt, dass am Nachmittag des 20.05. die Wolkenmassen oben recht schnell in Richtung Osten trieben - also aus dem Westen kamen -, es am Boden aber windstill war. Mein Kollege, der auch immer aufs Wetter guckt erzählte mir am darauffolgenden Montag folgendes interessante Detail:
In Witten stehen an der Kreuzung Brauckstraße / Dortmunder Straße zwei große Windräder, welche östlichen Wind anzeigten, obwohl die angekündigten Unwetter aus Richtung Westen heranzogen. Das könnten Hinweise auf besagte Windscherung sein. Zudem bestand ein großes Temperaturgefälle zwischen Süd- und Norddeutschland. Während man in Bayern bei rund 33 Grad Celsius schwitzte, zogen die Touristen an der Nordseeküste bei 13 Grad Celsius ihre Jacke über. Vielleicht auch ein Hinweis.
Also ich persönlich war überrascht, dass Lippstadt von einem Tornado getroffen wurde - überrascht hauptsächlich davon, dass es ür uns Laien in Bezug auf Wetter so wenige bis gar keine eindeutigen Warnzeichen gegeben hat. Ich habe oft schon diese ganzen Stormchaser-Serien geguckt um Reed Timmer, Shawn Casey und Tim Samarras mit ihren Teams und man sah immer dunkelgrüne Himmel, Mauerwolken und dergleichen im Vorfeld eines Tornados und ich dachte, dass es hier auch so wäre. Tja... ist es aber nicht, denn auch Personen, die mittendrin waren, haben das, was da gerade passiert ist, vielfach nicht als Tornado wahrgenommen.
Vor Tornados zu warnen ist ohnehin sehr schwierig, da sie plötzlich entstehen und dabei sehr lokal auftreten. Des Weiteren sind sie genau so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen sind. Videos von Bekannten zur Folge dauerte der Durchzug des Wolkenrüssels etwa 20 Sekunden.

Was kann man denn nun tun, um sich selbst zu schützen? Gerade weil es so schwierig ist, einen Tornado vorherzusagen, sollten jegliche Unwetterwarnungen im Vorfeld ernstgenommen werden! Ich weiß - vielfach gibt es viel Wirbel um dann doch eher harmlosere Ereignisse, aber manchmal eben nicht und dann ist das Geschrei wieder groß, weil alle überrascht worden sind. Im Radio, im Wetterbricht, in den Nachriten oder auch im TV und sonstwo wird man über mögliche Unwettergefahren informiert. Zudem besteht in heutiger Zeit auch die Möglichkeit, sich via Internet oder per App über alles, was das Wetter angeht, zu informieren. Also meine Frau und ich schwören in Sachen Wetterwarnungen und Unwetter auf Jörg Kachelmann mit seinem Wetterkanal "Kachelmannwetter". Des Weiteren haben wir auch NINA und KATWARN auf dem Handy, die - sofern die jeweils aktuelle Version installiert ist - auch zuverlässig Alarm schlagen.
Aber abseits dieser ganzen Technik sollte man selbst auch mal einen Blick in den Himmel werfen und den gesunden Menschenverstand einschalten - ein Gespür dafür bekommen, wann es zu Unwettern kommen kann. Ein paar heiße und schwüle Tage in Folge haben meistens immer Gewitter mit mehr oder weniger starken Begleiterscheinungen zur Folge und wenn man merkt, dass der Himmel sich zuzieht, dann muss man unter Umständen das ein oder andere Vorhaben verschieben.
Bei solch einer Wetterlage wie am 20.05.2022 würden Bewohner von Oklahoma, Texas, Nebraska und anderen Staaten des Mittleren Westens in der "Tornado Alley" alle 10 Minuten in den Himmel schauen und dementsprechend handeln. Dass die Feuerwehr  in Lippstadt 120 Menschen aus dem Kombibad CabrioLi befreien musste, erschließt sich mir nicht so ganz... Warum geht man Schwimmen, wenn vor Unwettern gewarnt wird? Schulen werden früher geschlossen, Mitarbeiter werden früher nach Hause geschickt, Innenminister Herbert Reul bittet die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben und man geht trotzdem Schwimmen? DAS kann nicht sein, aber genau DAS ist das Problem. Warnungen werden entweder nicht ernst genommen oder die Warnungen werden nicht eindringlich genug vermittelt. Ich erinnere hier nochmal an die Flukatastrophe im Sommer 2021... es hätte mancherorts die Möglichkeit bestanden, flächendecken über Sirenen zu warnen - die Verantwortlichen haben die Sirenen aber nicht ausgelöst, um die Bevölkerung nicht zu verunsichern... ich könnte da jetzt noch mehr zu sagen, lasse es aber so stehen. Flächendeckend mit Sirenen vor Tornados zu warnen wie in den USA - da bin ich mir nicht sicher, ob das in Deutschland möglich ist. Von daher ist es eben auch wichtig, dass die Bevölkerung selbst umsichtig ist und Wetterwarnungen ernst nimmt. 
Bei dem Tornado am 20.05.2022 in Lippstadt ist Gott sei Dank niemand zu Schaden gekommen, aber das war wohl eher Zufall und hätte auch anders ausgehen können. Gerade Tornadowarnungen werden in unseren Breitengraden gern belächelt, aber wie man gesehen hat: So etwas ist sehr wohl ernst zu nehmen und auch wenn nichts kommt heißt das nicht, dass nichts hätte kommen können und auch bei der nächsten Warnung wieder nichts kommt.
Wenn ein Tornado dann auf einen zukommt, kann man ohnehin nichts anderes tun, als sofort Schutz zu suchen. Am geeignetsten sind massive Gebäude und der sicherste Ort sind Bereiche im Kern, am besten ohne Fenster. Autos bieten im Gegensatz zu Gewittern keinen Schutz vor Tornados!

©. Menzel 2022

Dienstag, 18. Juni 2013

FAQ - was tun bei Gewitter?

Mit dem Anstieg der Temperaturen steigt auch die Gewittergefahr und dass die bei einem Gewitter niedergehenden Blitze gefährlich sind, wird uns durch tödliche Unfälle und verheerende Brände jedes Jahr aufs Neue vor Augen geführt. Am gefährlichsten sind Blitze zweifelsohne im Freien - dann, wenn Wanderer, Angler oder Radsportler plötzlich von einem Gewitter überrascht werden. Deshalb sollten Ausflügler schon im Vorfeld des geplanten Ausflugs den Wetterbericht abrufen und sich über die Wetterlage informieren. Sind Gewitter angekündigt, sollten allzu entlegene Bereiche fernab der Zivilisation gemieden werden. Sind Unwetter angekündigt, ist eine Verlegung der geplanten Aktivitäten in Erwägung zu ziehen und ein Aufenthalt im Freien zu vermeiden. Wenn man im Freien von einem Gewitter überrascht wird, sollte man wenn möglich sofort in einem festen Gebäude (z.B. Gaststätte) oder Auto Schutz suchen! Ist dies nicht möglich, gelten folgende Verhaltensregeln:

  • Nicht aufrecht auf Anhöhen, Hügeln, Wiesen oder Feldern stehen, sondern in geduckter Haltung und mit zusammengezogenen Füßen in einem möglichst tief liegenden Punkt im Gelände (z.B. Mulden oder Senken) Schutz suchen.
  • Keine Regenschirme aufspannen.
  • Nicht in Gruppen dicht beieinander stehen, sondern getrennt Schutz suchen.
  • Unterstände wie Bushaltestellen, Rasthäuschen sowie auch Baumgruppen und vor allem einzeln stehende Bäume meiden.
  • Wasserflächen meiden und nicht im Wasser aufhalten.
  • Bei Sportveranstaltungen oder Festivals: Licht- und Fahnenmasten meiden und Abstand von der Menge halten.
  • Das Nahen eine Blitzes kündigt sich oft durch ein Kribbeln auf der Haut, sich aufstellende Haare und ein merkwürdiges Knistern in der Luft an. Sollte irgendetwas davon wahrgenommen werden: Sofort auf den Boden, Kopf auf die Knie legen und die Knie mit den Armen umfassen.
Das Handy muss entgegen vieler Meinungen nicht ausgeschaltet werden. Die von ihm ausgesendeten elektromagnetischen Wellen sind zu gering, als dass hiervon Blitze angezogen werden würden.

Hält man sich innerhalb eines Gebäudes auf, ist folgendes zu beachten:

  • Keine Telefongespräche über ein kabelgebundenes Telefon.
  • Nicht baden oder duschen.
  • Keine Leitungen berühren (Wasserleitung etc.).
  • Nicht auf dem Dachboden aufhalten.
  • Sämtliche Elektrogeräte außer dringend benötigte Verbraucher (z.B. Kühlschrank) vom Stromnetz trennen. Achtung: Auch das Antennenkabel vom Receiver ziehen!
  • Fenster und Türen geschlossen halten.
Weiterführende Informationen findet Ihr auch noch in dem Artikel Schutz vor Gewitter.

© C. Müller

Sonntag, 29. Juli 2012

Blitzschutz

Blitzschutzsysteme sollen Schäden verhindern, die durch einen Blitzeinschlag entstehen. Den äußersten Teil des Blitzschutzsystems bildet die Fangeinrichtung, welche den Blitz einfangen soll, bevor er das ungeschützte Dach oder sonstige Bauteile trifft (z.B. Antennen, Regenrohre). Sie besteht aus Stangen, Drähten oder auch Seilen, welche konstruktionsbedingt die äußere Kontur des eigentlichen Baukörpers überragen, d.h. sich an exponierter Stelle des zu schützenden Gebäudes befinden (z.B. auf dem Schornstein). An sie und die Ableitungsanlage sind besondere Anforderungen gesetellt: So müssen die verwendeten Materialien witterungsbeständig, elektrisch gut leitend und Blitzstromfähig sein, weshalb bevorzugt Materialien wie Kupfer, V2A-Stahl (Nirosta) oder Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen. Der Leitungsquerschnitt von Fangeinrichtung und Ableiter muss so gewählt werden, dass sie bei einem Einschlag nicht schmelzen - in der Regel werden hier 50 mm² als ausreichend angesehen.
Die Fangeinrichtung ist auf kurzem Wege über die bereits erwähnte Ableitungsanlage mit der Erdungsanlage verbunden, welche den gewaltigen Blitzstrom gefahrlos im Erdreich verteilen soll. Bei neueren Bauten ist stets ein in das Fundament eingelassens Drahtgeflecht, ein sog. Fundameterder vorhanden, an welche die Blitzschutzanlage angeschlossen werden kann. Fehlt dieser, was häufig bei älteren Bauten der Fall ist, kann die Blitzschutzanlage auch an einen nachträglich installierten Ring-, Platten- oder Tiefenerder angeschlossen werden. Dieser muss mindestens 50 cm tief im Erdboden eingelassen sein, um ihn vor Witterungseinflüssen und Korrosion zu schützen.
Um das Blitzschutzsystem zu komplettieren, tritt zum äußeren noch der innere Blitzschutz, unter dem alle Maßnahmen verstanden werden, welche Schäden durch Überspannungen infolge des Blitzstoms in der elektrischen Anlage des Gebäudes verhindern sollen. In der Elektroinstallation übernimmt diese Aufgabe der Potentialausgleich, welcher mit der Erdungsanlage verbunden ist. In Elektrogeräten kommen hauptsächlich gasgefüllte Überspannungsableiter zum Einsatz, welche das Gerät isolieren, solange die Spannung unter 450 V bleibt. Wird die Zündspannung, welche je nach Ausführung bis zu 4500 V betragen kann überschritten, sinkt der Widerstand innerhalb von Mikrosekunden auf einen sehr niedrigen Wert, weshalb kurzzeitig auch Spitzen von 20.000 Ampere abgeleitet werden können.
Nahezu wirkungslos sind günstige Mehrfachsteckdosen mit Überspannungsschutz. Sie sind aufgrund billigem Materials oder schlechter Verarbeitung nicht in der Lage, einen Überschlag zu verhindern. Echten Schutz bieten nur professionelle Steckerleisten, welche asllerdings sehr teuer sind.

Fehlerhafte und veraltete Anlagen schützen nicht
Eine solche Anlage funktioniert jedoch nur dann zuverlässig, wenn sie sachgemäß installiert worden ist und in regelmäßigen Abständen gewartet wird. Ist die nicht der Fall, kommt es trotz Blitzableiter zu schweren Schäden, wie die Blitzschläge in die Kirche zu Rabenden (Ortsteil der Gemeinde Altenmark an der Alz, Landkreis Traunstein / Oberbayern) eindrucksvoll beweisen.

Der erste Einschlag ereignete sich bei einem schweren Gewitter am 10. Mai 1965. An diesem Montag schlug der Blitz in den vergoldeten, mit einer Fangeinrichtung versehenen Hahn auf dem Turmkreuz. Die Blitzschutzanlage war jedoch veraltet und länger nicht gewartet worden. Die damaligen Untersuchungen hierzu ergaben, dass die Erdung unzureichend war und der Erdungswiderstand ungewöhnlich hohe Werte aufwies.
Als der Blitz in den mit einem Blitzableiter versehen Hahn auf dem Kirchturm schlug, nahm er aufgrund des zu hohen Widerstandes und der unzureichenden Erdung jedoch nicht wie gewünscht den Weg über die Ableitung, sondern doch durch die Kirche und richtete dabei große Schäden an. Der Hahn auf dem Turmkreuz wurde abgerissen und 150 m vom Turm entfernt wiedergefunden. Das Turmkreuz stand nach dem Einschlag schräg und die vergoldete Kugel unterhalb des Kreuzes wies starke Verformungen auf. Auch im Turm kam es zu zahlreichen Überschlägen. So beschädigte der Blitz u.a. das Kirchendach, sprengte aus dem Glockenturm ein Stück Backsteinmauerwerk aus der Wand und riß am Chor ein großes Stück Natursteinmauerwerk heraus. Hierbei sprang der Blitzstrom auf die Verankerungseisen des Hochaltars über und schleuderte dabei Teile der vergoldeten Filigranschnitzerei zu Boden. Infolge Überschlag des Blitzstroms auf die elektrische Leitung, welche auf Höhe des Chores verlegt worden war, verbrannte diese mit samt Verteilerdosen, was an der Wand zu eigenartigen Verfärbungen führte. Auch auf der Empore richtete der Blitz schwere Schäden an. Der Zähler wurde aus der Wand gerissen und der Hausanschlussicherungskasten flog mitsamt Mauerstücken bis zum linken Seitenaltar. Orgel und Motor wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen und zerstört.
Als direkte Folge des Treffers traten in der Nähe der Kirche über die Freileitung Überspannungen auf. Hierdurch starben zwei Kühe im Stall eines benachbarten Bauernhofes, welche der Blitzstrom über die Rohre der Melkanlage erreichte und die Bäuerin, die gerade bügelte, wurde vorübergehend gelähmt. Die Blitzschutzanlage der Kirche wurde nach diesem folgenreichen Ereignis nach den damals neuesten Erkenntnissen modernisiert. So wurde um die Kirche eine Erdungsringleitung verlegt und zum Schutz gegen hohe elektrische Spannungen erhielt die Verteilung Überspannungsableiter.

Nun, so dachte man, sei alles ausreichend geschützt, aber Irrtum! Ein weiterer Blitzeinschlag am 28. September 1978 bewies nicht nur das Gegenteil, sondern widerlegte gleichzeitig die auch heute immer noch weit verbreitete Meinung, dass ein Blitz niemals 2 x an der gleichen Stelle einschlägt. Tatsächlich war es exakt die gleiche Stelle, denn der Blitz fuhr an diesem Donnerstag wieder in die Turmspitze - also in den vergoldeten Hahn auf dem Turmkreuz. Dabei verschoben sich die beiden Hälften der Kugel und der Blitz verteilte sich gleichmäßig auf die beiden Turmableitungen. Die südliche Turmableitung leitete den Blitzstrom gefahrlos ins Erdreich, wogegen sich dieser bei der nördlichen Ableitung auf Höhe der Empore, wo die Überspannungsableiter an die Blitzschutzanlage angeschlossen waren, teilte.
Die in der Elektroinstallation eingebauten Überspannungsableiter zündeten rückwärts, sodass der Blitz plötzlich Zugang zur Elektroanlage und zur Freileitung hatte. Parallel dazu ereignete sich ein weiterer Überschlag außen am Turm an einer Stelle, an der sich das Zuleitungskabel einem umlaufendem Blechsims näherte. Die elektrische Verteilung auf der Empore wurde durch den Überschlag vollständig zerstört und durch das explosionsartige Zerbersten der Verteilung wurde die Verteilertür durch das gesamte Kirschenschiff geschleudert, wo sie einen Flügel am linken Seitenaltar beschädigte. Das Zuleitungskabel schmolz durch einen Kurzschluss an der Verteilung ab und die Freileitung wurde an den Isolatoren des Giebelanschlusses abgerissen. Dieser führte durch Überspannungen wieder zu Schäden in der nähren Umgebung. In einem nahegelegenen Gasthof verdampfte die Telefonleitung, Glühbirnen zerplatzten und Elektrogeräte wurden zerstört.
Wie konnte es trotz Blitzschutzanlage erneut zu solchen Schäden kommen? In diesem neuerlichen Schadenfall ergaben die Untersuchungen, dass die Blitzschutzuanlage zwar auf dem Stand der Technik war, aber trotzdem einige Schwachstellen aufwies. So war es beim äußeren Blitzschutz die Nähe zur elektrischen Anlage und zu metallenen Teilen, welche die Anlage auf der Norseite des Turms versagen ließ. Beim inneren Blitzschutz waren die Überspannungsableiter die Schwachstelle. Der Anschluss war über eine Kreuzklemme hergestellt worden, aus welcher sich durch die Kraft des Einschlags ein magnetisches Feld aufbaute, welches die Kabel aus der Klemme löste. Wenn die Überspannungsleiter stattdessen im Erdgeschoss und über die Potentialausgleichsschiene angeschlossen gewesen wären, hätte der Blitzsstrom mit Sicherheit keinen Zugang in die Elektroinstallation gehabt. Ein Überschlag in die Freileitung hätte verhindert werden können, wenn der Giebelanschluss, welcher schon 1965 für den Überschlag sorgte, durch einen Erdanschluss ausgetauscht worden wäre.

Diese beiden Fälle zeigen, dass es trotz fachgerecht installierter Blitzschutzanlage zu Schäden kommen kann. Besonders wichtig ist es daher, bei einer Installation bzw. der Revision einer bereits bestehenden Anlage, auf die kleinen Dinge zu achten. So sollten vorsichtshalber sämtliche Metallteile auf dem Dach (Fallrohre, Regenrinnen, Bleche etc.) an die Anlage angeschlossen und jegliche Näherung zu Kabeln gemieden werden. Falls Ihr eine Blitzschutzanlage besitzt, die schon etwas älter ist, wäre es sicherlich ratsam, diese von einer Fachfirma überprüfen und wenn nötig auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Besonders in Regionen, welche häufig von schweren Gewittern heimgesucht werden, wäre eine Blitzschutzanlage eine sinnvolle Investition.


Schadensbilder in der Kirche zu Rabenden
Beschädigter Altar und Verfärbungen an der Wand
Herausgerissene Verteilung










© C. Müller
Informationen über die Blitzschläge in die Kirche zu Rabenden: Kallenbach, Wilhelm u.a.: Brandschutz in Baudenkmälern und Museen, München 1980, S. 79f.

Bildquellennachweis der Schadensbilder: © Bayerische Versicherungskammer München;
Eingescannt aus: Kallenbach, Wilhelm u.a.: Brandschutz in Baudenkmälern und Museen, München 1980, S. 79f.
 
 

Montag, 23. Juli 2012

Wenn der Blitz einschlägt... Schutz bei Gewitter

Das Wetter ist in den letzten 20 Jahren immer extremer geworden und es vergeht mittlerweile kaum mehr ein Sommer ohne erdrückend schwüle Tage und schwere Gewitter. Gerade die Gewitter sind es, welche in den letzten Jahren an Häufigkeit und Intensität stark zugenommen haben und von welchen eine große Gefahr ausgeht. Am gefährlichsten sind dabei zweifelsohne die Blitze, welche jedes Jahr zahlreiche Gebäude in Brand setzen, Menschen verletzen oder sie sogar töten.
Blitze haben ein unglaubliches Zerstörungspotential, da bei ihrem Einschlag innerhalb von 0,02 Sekunden bis zu 100.000.000 Volt bei mehreren 10.000 Ampere freigesetzt werden. Die Luft im Blitzkanal erhitzt sich dabei auf bis zu 30.000 °C und alles, was mit diesem gewaltigen Lichtbogen in Berührung kommt, verdampft und verbrennt auf der Stelle.

Anzeichen für ein Gewitter
Um sich bei einem Gewitter schützen zu können, muss man die drohende Gefahr zunächst einmal erkennen und wissen, was sich da in der Ferne zusammenbraut und dann schnell näher kommt. Ein hohes Gewitterpotential besteht in den Monaten Juni, Juli und August - immer dann, wenn die Umgebungsluft mit Wasserdampf gesättigt ist und hohe Lufttemperaturen herrschen. Die Temperaturen erreichen in solchen Fällen Werte zwischen 25 und 35 °C und die relative Luftfeuchtigkeit beträgt in Relation zur Temperatur 30 bis 60 %. Wenn also die Kleidung am Körper klebt, die Luft zäh ist wie Gummi und man das Gefühl hat, von der Hitze regelrecht erdrückt zu werden, dann liegt Unheil in der Luft. Die in Bodennähe befindliche, feuchtwarme Luft beginnt in die Atmosphäre aufzusteigen und wenn sie dabei pro 100 Höhenmeter um mehr als 0,65 °C abkühlt, spricht man von einer labil geschichteten Atmosphäre. Durch die Temperaturabnahme kondensieren die feuchten Luftmassen und es bilden sich Quellwolken, aus denen dann ein Gewitter entstehen kann.
Bis es zur ersten Wolkenbildung kommt, vergehen allerdings einige Stunden, da erst genügend feuchtwarme Luft aufsteigen muss. Dieser Prozess beginnt in den Morgenstunden über die Mittagszeit hinweg bis in den Nachmittag hinein. Gewöhnlich wird die Luft an solch einem Tag in den frühen Nachmittagsstunden etwas diesig und die Sonne scheint hinter einem Schleier verborgen zu sein - der Himmel ist jedoch noch überwiegend blau. Nur hier und dort zeigen sich einige weiße Wölkchen oder in der Ferne mal ein Wolkenband. Am Himmel scheint noch alles entspannt zu sein, doch der Schein trügt. Während es nun am Boden unerträglich heiß und die Luft zum Schneiden ist, bilden sich die ersten Quellwolken, die rasch zu regelrechten Gewittertürmen (Cumulonimbus) in in die Höhe schießen. Nun gilt es, den Himmel genau zu beobachten. Bleiben die Wolken in der Ferne, nimmt das Gewitter einen anderen Weg. Verfinstert sich hingegen der Himmel, kommt es genau auf einen zu - und zwar schnell. Ein Gewitter besteht aus einzelnen Zellen und es ist nur sehr schwer vorherzusagen, welchen Weg es nimmt und wo es sich entlädt. Daher sind die Beobachtung des Himmels sowie die herrschenden Begleitumstände wie Wind, Regen und dergleichen besonders wichtig.

Entfernung des Gewitters--> Informationen folgen

Verhalten bei Gewitter im Freien
Am gefährlichsten ist ein Gewitter, wenn man davon im Freien überrascht wird. In einer solchen Situation besteht Lebensgefahr und Ihr solltet so schnell wie möglich Schutz suchen. Doch Vorsicht! Wählt Euren Unterschlupf sorgsam und bedenkt dabei, dass Ihr Euch hauptsächlich vor den Blitzen schützen müsst und nicht vor dem Regen. Oft wird die erstbeste Gelegenheit zum Unterstellen benutzt, doch das kann gefährlich sein. Es ist gar nicht so lange her, dass drei Frauen in einem Unterstand auf einem Golfplatz vom Blitz erschlagen wurden - ebenso ein Mädchen wenige Tage später, das bei einem Gewitter unter einem Baum Schutz suchte.
Diese Fälle zeigen, dass Unterstände in freiem Gelände keinen Schutz bieten und Bäume schon gar nicht. Im Gegenteil: Da sie sich durch ihre Höhe deutlich von der Umgebung abheben, sind sie sogar ein bevorzugtes Ziel für Blitze und die Geschichte zeigt, dass Bäume öfter getroffen werden als andere Gegenstände. Die vermeintliche Weisheit "Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen." ist nicht nur völliger Unsinn, sondern auch eine lebensgefährliche Lüge und Falschaussage! Einem Blitz ist es ziemlich egal, in welchen Baum er fährt. Er wählt ihn vorher auch nicht nach seiner Art aus. Vergesst diesen Quatsch ganz schnell und haltet Euch bei Gewitter möglichst fern von Bäumen aller Art! Steht auch nicht in der Nähe von Bäumen! Dass ein Blitz vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht, ist ebenfalls Blödsinn - in Wäldern seit Ihr nämlich auch nicht sicher.

Schutz suchen
Wenn Ihr im Freien überrascht werdet und sich in der Nähe ein sicherer Unterstand befindet (z.B. feste Gebäude, Auto), dann nehmt die Beine in die Hand und bringt Euch in Sicherheit! Am Sichersten seid Ihr tatsächlich im Auto. Die Karosserie bildet einen Faradyischen Käfig, welcher der Blitzstrom um Euch herum leitet. Ihr dürft allerdings kein Metall berührern oder am Radio herumspielen. Falls Ihr wirklich weit draußen sein solltet und sich weit und breit keine sichere Unterstellmöglichkeit befindet, dann meidet Anhöhen und begebt Euch in tieferes Gelände. Sucht Euch einen möglichst tiefen Punkt (Mulde, Graben) und geht in die Hocke. Legt Euch auf keinen Fall hin! Ihr müsst Euren Körper möglichst klein machen, damit einem eventuellen Blitzstrom so wenig Körperfläche wie möglich geboten wird. Falls Ihr Euch im Wasser befindend, solltet Ihr da schnellstmöglich rauskommen! Spannt auch keine Schirme auf und benutzt Euer Handy nur im äußersten Notfall!

Verhalten bei Gewitter in Gebäuden
Falls Ihr Euch bei einem Gewitter in einem festen Gebäude befindet, dann braucht Ihr Euch um Euer leben keine direkten Sorgen mehr machen, denn dort seid Ihr halbwegs sicher vor dem gefährlichen Blitzstrom. Das Gebäude ist es jedoch nicht. Die häufigsten Schäden, die durch einen Blitzschlag auftreten, sind Brände, Überspannungsschäden an elektrischen Geräten sowie beschädigtes Mauerwerk durch explodierte Leitungen und Verteilerdosen.
Wenn der Blitz in ein Gebäude einschlägt, dann wird in den meisten fällen das Dach getroffen. Die dadurch entstehenden Schäden können unterschiedlich sein. Wenn z.B. die Fernsehantenne oder die Satellitenschüssel getroffen wird, hat der Blitz Zugang in das Kabelnetz des Hauses und zerstört nicht nur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle dort angeschlossenen Geräte, sondern auch weitere Verbraucher, die nicht mit diesem Netz verbunden sind. Der Grund hierfür ist ein Überschlag des Blitzes in das Stromnetz, da entweder in der Nähe des Antennenkabels normale Stromleitungen verlaufen, die gegen solche Ströme nicht ausreichend abgeschirmt sind oder weil ein am Kabelnetz angeschlossenes Gerät zusätzlich mit dem Stromnetz verbunden ist (z.B. Receiver, Fernseher). In solchen Fällen wandert der Blitzstrom durch das Antennekabel in das Gerät und schlägt dort in das Netzkabel, über welches es dann den Weg in das Stromnetz findet. Die Folge sind zerstörte Geräte, beschädigtes Mauerwerk, Verfärbungen an den Wänden sowie in vielen Fällen auch Brände. Glimpflicher verlaufen in der Regel Einschläge in das Freileitungsnetz. Solchen Schäden könnt Ihr am besten vorbeugen, wenn Ihr alle elektrischen Geräte vom Stromnetz trennt. Bei Geräten mit SAT- oder Internetverbindung zieht neben dem Netzstecker auch Antennen- und Netzwerkkabel! Lasst die Finger vom Telefon!
Trifft der Blitz direkt das Dach, hat solch eine Einschlag mit ziemlicher Sicherheit einen Brand zur Folge. Einen Einschlag merkt man oft gar nicht und deswegen untersucht nach schweren Gewittern das Haus. Schaut Euch vor allem das Dach, da meistens zunächst dieses beginnt zu brennen. Achtet im Gebäude auf Brandgeruch, Feuerschein, Rauchentwicklung oder Knistern. Haltet in jedem Falle einen Feuerlöscher bereit!
Haltet Euch des Weiteren nicht direkt unter dem Dach auf und haltet die Fenster am besten geschlossen. Verzichtet des Weiteren auch auf ein Bad oder eine Dusche, denn der Blitz findet seinen Weg sowohl durch geöffnete Fenster, als auch durch Wasserleitungen.

© C. Müller