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Sonntag, 10. Februar 2013

Verhalten im Brandfall


Brennt ein Feuer ohne einen bestimmungsgemäßen Herd oder hat es einen solchen unkontrolliert verlassen, sprechen wir von einem Brand (Schadfeuer) und solche Brände haben schon von der Antike bis zur Neuzeit immer wieder Katastrophen heraufbeschworen, denen ganze Städte zum Opfer fielen. Bekannte Beispiele sind der von Nero durch Brandstiftung herbeigeführte Stadbrand von Rom im Jahre 64 n. Chr., der Hamburger Brand im Jahre 1842 oder die Zerstörung Chicagos 1871.
Ein Brand birgt auch in kleinerem Ausmaß große Gefahren und fordert, wenn nicht rechtzeitig reagiert wird, mit tödlicher Sicherheit Menschenleben. Um im Brandfall das eigene Leben und das anderer zu schützen bzw. zu retten, gibt es einige wichtige Verhaltensregeln, welche exakt befolgt werden müssen.


Richtiges Verhalten im Brandfall
Ein entdeckter Brand stellt immer eine Ausnahmesituation dar, welche Hirn und Körper kräftig in Aufruhr versetzt und zu unbesonnenem Handeln animiert. Doch nur klare Gedanken ermöglichen ein richtiges und letztendlich lebensrettendes Handeln und deshalb lautet das oberste Gebot:
Ruhe Bewahren!
Dies ist zugegebener Maßen leichter gesagt als getan, doch müsst Ihr es unter allen Umständen vermeiden, wie ein aufgescheuchtes Huhn ziel- und planlos umherzulaufen. Verschafft Euch einen Überblick darüber, wo es genau brennt, was brennt, wie weit das Feuer fortgeschritten ist, wo sich das Telefon befindet und ob ein Löschversuch Aussicht auf Erfolg bietet. Ist das Feuer noch auf einen kleinen Bereich beschränkt:
Löschversuch unternehmen!
Erste Frage: Ein kleiner Bereich bedeutet in diesem Falle ein brennendes Kerzengesteck auf dem Tisch, ein brennender Topf auf dem Herd oder einen in Brand stehenden Papierkorb und direkt angrenzende Bereiche wie etwa die Tischdecke, auf welcher das Gesteck brennt oder die über dem Topf hängende Küchenrolle. Scannt den Brandraum ab und sucht nach Gegenständen, mit welchen Ihr die Flammen ersticken könnt (Kissen, Decken, Topfdeckel und dergleichen). Wenn herabhängende Gegenstände wie die erwähnte Küchenrolle oder der Vorhang Feuer gefangen haben: Runter damit und austreten. Verlasst auf keinen Fall den Brandraum, um einen Eimer zu suchen und zu befüllen oder ähnliches, denn wenn Ihr zurückkehrt, ist das Feuer in der Regel schon zu groß, als dass Ihr es damit noch löschen könntet! Solche Aktionen dauern einfach zu lange, das Feuer ist schneller als Ihr! Das Verlassen des Raumes auf der Suche nach einem geeigneten Löschmittel hat nur dann einen Sinn, wenn in der Nähe ein Feuerlöscher griffbereit steht. Nur dann habt ihr noch eine reelle Chance, das Feuer einzudämmen. Außerdem, ganz wichtig: Brennendes Fett niemals mit Wasser löschen!!
Stehen bereits größere Teile der Einrichtung wie der Tisch, das Sofa oder die halbe Küchenzeile in Flammen und ein Löschversuch mit eigenen Mitteln nicht mehr möglich ist/scheint:
Tür zum Brandraum schließen!
Feuerwehr alarmieren (112)!
Lauft zum Telefon oder greift zum Smartphone und wählt die 112 (eine Vorwahl braucht Ihr hier nicht!). Schildert sachlich und ruhig, wo es brennt, was brennt und wieviele Verletzte oder Eingeschlossene es gibt. Wartet ggf. auf Rückfragen. Bringt Euch nun in Sicherheit.
Das Gebäude verlassen!
Warnt noch im Gebäude befindliche Personen, welche noch nichts von dem Brand bemerkt haben und helft hilflosen und älteren Personen, sich aus der Gefahrenzone zu entfernen. Schließt alle Türen, durch die Ihr gegangen seid und begebt Euch auf kürzestem Wege ins Freie. Öffnet keine Türen, unter denen Rauch hervorquillt, deren Farbe schon Blasen wirft oder deren Türblatt warm ist! Aufzüge im Brandfall nicht benutzen!

Was tun, wenn der Fluchtweg blockiert ist?
So wie gerade beschrieben, sollte es im Idealfall laufen, doch wie das Leben manchmal so spielt, läuft es eben nicht nach Plan - wozu natürlich, wenn man genau ist, schon der Ausbruch des Feuers zählt... doch darum geht es jetzt nicht. Jetzt stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn der Fluchtweg versperrt ist und Ihr nicht ins Freie gelangen könnt.
Was Ihr auf gar keinen Fall tun dürft, ist zu versuchen, sich doch irgendwie durch einen ganz offensichtlich versperrten Fluchtweg zu kämpfen! Hierzu zählen insbesondere verrauchte Treppenhäuser sowie durch Brandschutt oder brennende Trümmerteile unpassierbar gewordene Flure und Treppen! In solchen Fällen dürft Ihr nicht nicht in Pasnik geraten! Zieht Euch so weit wie möglich vom Brandherd zurück, schließt die Tür und macht am Fenster auf Euch aufmerksam. Ein idealer Rückzugsort ist das Badezimmer, sofern es nicht innenliegend, d.h. ohne Fenster ist. In einem Badezimmer gibt es wenig brennbare Materialien und vor allem jede Menge Wasser. Dichtet die Tür mit einem nassen Handtuch ab, sodass kein Rauch hineinziehen kann. Sollte trotzdem Qualm in den Raum kommen, bedeckt Mund und Nase mit einem feuchten Handtuch. Zu etremen Mitteln, wie aus dem fenster springen oder auf anderen abenteuerlichen Wegen versuchen, ins Freie zu kommen, sollte nur im absoluten Notfall zurückgegriffen werden und es gar nicht mehr anders geht. Bedenkt, dass schon Stürze aus nur wenigen Metern Höhe schwere oder gar tödluche Verletzungen zur Folge haben können! 

© C. Müller

Sonntag, 29. Juli 2012

Blitzschutz

Blitzschutzsysteme sollen Schäden verhindern, die durch einen Blitzeinschlag entstehen. Den äußersten Teil des Blitzschutzsystems bildet die Fangeinrichtung, welche den Blitz einfangen soll, bevor er das ungeschützte Dach oder sonstige Bauteile trifft (z.B. Antennen, Regenrohre). Sie besteht aus Stangen, Drähten oder auch Seilen, welche konstruktionsbedingt die äußere Kontur des eigentlichen Baukörpers überragen, d.h. sich an exponierter Stelle des zu schützenden Gebäudes befinden (z.B. auf dem Schornstein). An sie und die Ableitungsanlage sind besondere Anforderungen gesetellt: So müssen die verwendeten Materialien witterungsbeständig, elektrisch gut leitend und Blitzstromfähig sein, weshalb bevorzugt Materialien wie Kupfer, V2A-Stahl (Nirosta) oder Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen. Der Leitungsquerschnitt von Fangeinrichtung und Ableiter muss so gewählt werden, dass sie bei einem Einschlag nicht schmelzen - in der Regel werden hier 50 mm² als ausreichend angesehen.
Die Fangeinrichtung ist auf kurzem Wege über die bereits erwähnte Ableitungsanlage mit der Erdungsanlage verbunden, welche den gewaltigen Blitzstrom gefahrlos im Erdreich verteilen soll. Bei neueren Bauten ist stets ein in das Fundament eingelassens Drahtgeflecht, ein sog. Fundameterder vorhanden, an welche die Blitzschutzanlage angeschlossen werden kann. Fehlt dieser, was häufig bei älteren Bauten der Fall ist, kann die Blitzschutzanlage auch an einen nachträglich installierten Ring-, Platten- oder Tiefenerder angeschlossen werden. Dieser muss mindestens 50 cm tief im Erdboden eingelassen sein, um ihn vor Witterungseinflüssen und Korrosion zu schützen.
Um das Blitzschutzsystem zu komplettieren, tritt zum äußeren noch der innere Blitzschutz, unter dem alle Maßnahmen verstanden werden, welche Schäden durch Überspannungen infolge des Blitzstoms in der elektrischen Anlage des Gebäudes verhindern sollen. In der Elektroinstallation übernimmt diese Aufgabe der Potentialausgleich, welcher mit der Erdungsanlage verbunden ist. In Elektrogeräten kommen hauptsächlich gasgefüllte Überspannungsableiter zum Einsatz, welche das Gerät isolieren, solange die Spannung unter 450 V bleibt. Wird die Zündspannung, welche je nach Ausführung bis zu 4500 V betragen kann überschritten, sinkt der Widerstand innerhalb von Mikrosekunden auf einen sehr niedrigen Wert, weshalb kurzzeitig auch Spitzen von 20.000 Ampere abgeleitet werden können.
Nahezu wirkungslos sind günstige Mehrfachsteckdosen mit Überspannungsschutz. Sie sind aufgrund billigem Materials oder schlechter Verarbeitung nicht in der Lage, einen Überschlag zu verhindern. Echten Schutz bieten nur professionelle Steckerleisten, welche asllerdings sehr teuer sind.

Fehlerhafte und veraltete Anlagen schützen nicht
Eine solche Anlage funktioniert jedoch nur dann zuverlässig, wenn sie sachgemäß installiert worden ist und in regelmäßigen Abständen gewartet wird. Ist die nicht der Fall, kommt es trotz Blitzableiter zu schweren Schäden, wie die Blitzschläge in die Kirche zu Rabenden (Ortsteil der Gemeinde Altenmark an der Alz, Landkreis Traunstein / Oberbayern) eindrucksvoll beweisen.

Der erste Einschlag ereignete sich bei einem schweren Gewitter am 10. Mai 1965. An diesem Montag schlug der Blitz in den vergoldeten, mit einer Fangeinrichtung versehenen Hahn auf dem Turmkreuz. Die Blitzschutzanlage war jedoch veraltet und länger nicht gewartet worden. Die damaligen Untersuchungen hierzu ergaben, dass die Erdung unzureichend war und der Erdungswiderstand ungewöhnlich hohe Werte aufwies.
Als der Blitz in den mit einem Blitzableiter versehen Hahn auf dem Kirchturm schlug, nahm er aufgrund des zu hohen Widerstandes und der unzureichenden Erdung jedoch nicht wie gewünscht den Weg über die Ableitung, sondern doch durch die Kirche und richtete dabei große Schäden an. Der Hahn auf dem Turmkreuz wurde abgerissen und 150 m vom Turm entfernt wiedergefunden. Das Turmkreuz stand nach dem Einschlag schräg und die vergoldete Kugel unterhalb des Kreuzes wies starke Verformungen auf. Auch im Turm kam es zu zahlreichen Überschlägen. So beschädigte der Blitz u.a. das Kirchendach, sprengte aus dem Glockenturm ein Stück Backsteinmauerwerk aus der Wand und riß am Chor ein großes Stück Natursteinmauerwerk heraus. Hierbei sprang der Blitzstrom auf die Verankerungseisen des Hochaltars über und schleuderte dabei Teile der vergoldeten Filigranschnitzerei zu Boden. Infolge Überschlag des Blitzstroms auf die elektrische Leitung, welche auf Höhe des Chores verlegt worden war, verbrannte diese mit samt Verteilerdosen, was an der Wand zu eigenartigen Verfärbungen führte. Auch auf der Empore richtete der Blitz schwere Schäden an. Der Zähler wurde aus der Wand gerissen und der Hausanschlussicherungskasten flog mitsamt Mauerstücken bis zum linken Seitenaltar. Orgel und Motor wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen und zerstört.
Als direkte Folge des Treffers traten in der Nähe der Kirche über die Freileitung Überspannungen auf. Hierdurch starben zwei Kühe im Stall eines benachbarten Bauernhofes, welche der Blitzstrom über die Rohre der Melkanlage erreichte und die Bäuerin, die gerade bügelte, wurde vorübergehend gelähmt. Die Blitzschutzanlage der Kirche wurde nach diesem folgenreichen Ereignis nach den damals neuesten Erkenntnissen modernisiert. So wurde um die Kirche eine Erdungsringleitung verlegt und zum Schutz gegen hohe elektrische Spannungen erhielt die Verteilung Überspannungsableiter.

Nun, so dachte man, sei alles ausreichend geschützt, aber Irrtum! Ein weiterer Blitzeinschlag am 28. September 1978 bewies nicht nur das Gegenteil, sondern widerlegte gleichzeitig die auch heute immer noch weit verbreitete Meinung, dass ein Blitz niemals 2 x an der gleichen Stelle einschlägt. Tatsächlich war es exakt die gleiche Stelle, denn der Blitz fuhr an diesem Donnerstag wieder in die Turmspitze - also in den vergoldeten Hahn auf dem Turmkreuz. Dabei verschoben sich die beiden Hälften der Kugel und der Blitz verteilte sich gleichmäßig auf die beiden Turmableitungen. Die südliche Turmableitung leitete den Blitzstrom gefahrlos ins Erdreich, wogegen sich dieser bei der nördlichen Ableitung auf Höhe der Empore, wo die Überspannungsableiter an die Blitzschutzanlage angeschlossen waren, teilte.
Die in der Elektroinstallation eingebauten Überspannungsableiter zündeten rückwärts, sodass der Blitz plötzlich Zugang zur Elektroanlage und zur Freileitung hatte. Parallel dazu ereignete sich ein weiterer Überschlag außen am Turm an einer Stelle, an der sich das Zuleitungskabel einem umlaufendem Blechsims näherte. Die elektrische Verteilung auf der Empore wurde durch den Überschlag vollständig zerstört und durch das explosionsartige Zerbersten der Verteilung wurde die Verteilertür durch das gesamte Kirschenschiff geschleudert, wo sie einen Flügel am linken Seitenaltar beschädigte. Das Zuleitungskabel schmolz durch einen Kurzschluss an der Verteilung ab und die Freileitung wurde an den Isolatoren des Giebelanschlusses abgerissen. Dieser führte durch Überspannungen wieder zu Schäden in der nähren Umgebung. In einem nahegelegenen Gasthof verdampfte die Telefonleitung, Glühbirnen zerplatzten und Elektrogeräte wurden zerstört.
Wie konnte es trotz Blitzschutzanlage erneut zu solchen Schäden kommen? In diesem neuerlichen Schadenfall ergaben die Untersuchungen, dass die Blitzschutzuanlage zwar auf dem Stand der Technik war, aber trotzdem einige Schwachstellen aufwies. So war es beim äußeren Blitzschutz die Nähe zur elektrischen Anlage und zu metallenen Teilen, welche die Anlage auf der Norseite des Turms versagen ließ. Beim inneren Blitzschutz waren die Überspannungsableiter die Schwachstelle. Der Anschluss war über eine Kreuzklemme hergestellt worden, aus welcher sich durch die Kraft des Einschlags ein magnetisches Feld aufbaute, welches die Kabel aus der Klemme löste. Wenn die Überspannungsleiter stattdessen im Erdgeschoss und über die Potentialausgleichsschiene angeschlossen gewesen wären, hätte der Blitzsstrom mit Sicherheit keinen Zugang in die Elektroinstallation gehabt. Ein Überschlag in die Freileitung hätte verhindert werden können, wenn der Giebelanschluss, welcher schon 1965 für den Überschlag sorgte, durch einen Erdanschluss ausgetauscht worden wäre.

Diese beiden Fälle zeigen, dass es trotz fachgerecht installierter Blitzschutzanlage zu Schäden kommen kann. Besonders wichtig ist es daher, bei einer Installation bzw. der Revision einer bereits bestehenden Anlage, auf die kleinen Dinge zu achten. So sollten vorsichtshalber sämtliche Metallteile auf dem Dach (Fallrohre, Regenrinnen, Bleche etc.) an die Anlage angeschlossen und jegliche Näherung zu Kabeln gemieden werden. Falls Ihr eine Blitzschutzanlage besitzt, die schon etwas älter ist, wäre es sicherlich ratsam, diese von einer Fachfirma überprüfen und wenn nötig auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Besonders in Regionen, welche häufig von schweren Gewittern heimgesucht werden, wäre eine Blitzschutzanlage eine sinnvolle Investition.


Schadensbilder in der Kirche zu Rabenden
Beschädigter Altar und Verfärbungen an der Wand
Herausgerissene Verteilung










© C. Müller
Informationen über die Blitzschläge in die Kirche zu Rabenden: Kallenbach, Wilhelm u.a.: Brandschutz in Baudenkmälern und Museen, München 1980, S. 79f.

Bildquellennachweis der Schadensbilder: © Bayerische Versicherungskammer München;
Eingescannt aus: Kallenbach, Wilhelm u.a.: Brandschutz in Baudenkmälern und Museen, München 1980, S. 79f.
 
 

Montag, 23. Juli 2012

Wenn der Blitz einschlägt... Schutz bei Gewitter

Das Wetter ist in den letzten 20 Jahren immer extremer geworden und es vergeht mittlerweile kaum mehr ein Sommer ohne erdrückend schwüle Tage und schwere Gewitter. Gerade die Gewitter sind es, welche in den letzten Jahren an Häufigkeit und Intensität stark zugenommen haben und von welchen eine große Gefahr ausgeht. Am gefährlichsten sind dabei zweifelsohne die Blitze, welche jedes Jahr zahlreiche Gebäude in Brand setzen, Menschen verletzen oder sie sogar töten.
Blitze haben ein unglaubliches Zerstörungspotential, da bei ihrem Einschlag innerhalb von 0,02 Sekunden bis zu 100.000.000 Volt bei mehreren 10.000 Ampere freigesetzt werden. Die Luft im Blitzkanal erhitzt sich dabei auf bis zu 30.000 °C und alles, was mit diesem gewaltigen Lichtbogen in Berührung kommt, verdampft und verbrennt auf der Stelle.

Anzeichen für ein Gewitter
Um sich bei einem Gewitter schützen zu können, muss man die drohende Gefahr zunächst einmal erkennen und wissen, was sich da in der Ferne zusammenbraut und dann schnell näher kommt. Ein hohes Gewitterpotential besteht in den Monaten Juni, Juli und August - immer dann, wenn die Umgebungsluft mit Wasserdampf gesättigt ist und hohe Lufttemperaturen herrschen. Die Temperaturen erreichen in solchen Fällen Werte zwischen 25 und 35 °C und die relative Luftfeuchtigkeit beträgt in Relation zur Temperatur 30 bis 60 %. Wenn also die Kleidung am Körper klebt, die Luft zäh ist wie Gummi und man das Gefühl hat, von der Hitze regelrecht erdrückt zu werden, dann liegt Unheil in der Luft. Die in Bodennähe befindliche, feuchtwarme Luft beginnt in die Atmosphäre aufzusteigen und wenn sie dabei pro 100 Höhenmeter um mehr als 0,65 °C abkühlt, spricht man von einer labil geschichteten Atmosphäre. Durch die Temperaturabnahme kondensieren die feuchten Luftmassen und es bilden sich Quellwolken, aus denen dann ein Gewitter entstehen kann.
Bis es zur ersten Wolkenbildung kommt, vergehen allerdings einige Stunden, da erst genügend feuchtwarme Luft aufsteigen muss. Dieser Prozess beginnt in den Morgenstunden über die Mittagszeit hinweg bis in den Nachmittag hinein. Gewöhnlich wird die Luft an solch einem Tag in den frühen Nachmittagsstunden etwas diesig und die Sonne scheint hinter einem Schleier verborgen zu sein - der Himmel ist jedoch noch überwiegend blau. Nur hier und dort zeigen sich einige weiße Wölkchen oder in der Ferne mal ein Wolkenband. Am Himmel scheint noch alles entspannt zu sein, doch der Schein trügt. Während es nun am Boden unerträglich heiß und die Luft zum Schneiden ist, bilden sich die ersten Quellwolken, die rasch zu regelrechten Gewittertürmen (Cumulonimbus) in in die Höhe schießen. Nun gilt es, den Himmel genau zu beobachten. Bleiben die Wolken in der Ferne, nimmt das Gewitter einen anderen Weg. Verfinstert sich hingegen der Himmel, kommt es genau auf einen zu - und zwar schnell. Ein Gewitter besteht aus einzelnen Zellen und es ist nur sehr schwer vorherzusagen, welchen Weg es nimmt und wo es sich entlädt. Daher sind die Beobachtung des Himmels sowie die herrschenden Begleitumstände wie Wind, Regen und dergleichen besonders wichtig.

Entfernung des Gewitters--> Informationen folgen

Verhalten bei Gewitter im Freien
Am gefährlichsten ist ein Gewitter, wenn man davon im Freien überrascht wird. In einer solchen Situation besteht Lebensgefahr und Ihr solltet so schnell wie möglich Schutz suchen. Doch Vorsicht! Wählt Euren Unterschlupf sorgsam und bedenkt dabei, dass Ihr Euch hauptsächlich vor den Blitzen schützen müsst und nicht vor dem Regen. Oft wird die erstbeste Gelegenheit zum Unterstellen benutzt, doch das kann gefährlich sein. Es ist gar nicht so lange her, dass drei Frauen in einem Unterstand auf einem Golfplatz vom Blitz erschlagen wurden - ebenso ein Mädchen wenige Tage später, das bei einem Gewitter unter einem Baum Schutz suchte.
Diese Fälle zeigen, dass Unterstände in freiem Gelände keinen Schutz bieten und Bäume schon gar nicht. Im Gegenteil: Da sie sich durch ihre Höhe deutlich von der Umgebung abheben, sind sie sogar ein bevorzugtes Ziel für Blitze und die Geschichte zeigt, dass Bäume öfter getroffen werden als andere Gegenstände. Die vermeintliche Weisheit "Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen." ist nicht nur völliger Unsinn, sondern auch eine lebensgefährliche Lüge und Falschaussage! Einem Blitz ist es ziemlich egal, in welchen Baum er fährt. Er wählt ihn vorher auch nicht nach seiner Art aus. Vergesst diesen Quatsch ganz schnell und haltet Euch bei Gewitter möglichst fern von Bäumen aller Art! Steht auch nicht in der Nähe von Bäumen! Dass ein Blitz vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht, ist ebenfalls Blödsinn - in Wäldern seit Ihr nämlich auch nicht sicher.

Schutz suchen
Wenn Ihr im Freien überrascht werdet und sich in der Nähe ein sicherer Unterstand befindet (z.B. feste Gebäude, Auto), dann nehmt die Beine in die Hand und bringt Euch in Sicherheit! Am Sichersten seid Ihr tatsächlich im Auto. Die Karosserie bildet einen Faradyischen Käfig, welcher der Blitzstrom um Euch herum leitet. Ihr dürft allerdings kein Metall berührern oder am Radio herumspielen. Falls Ihr wirklich weit draußen sein solltet und sich weit und breit keine sichere Unterstellmöglichkeit befindet, dann meidet Anhöhen und begebt Euch in tieferes Gelände. Sucht Euch einen möglichst tiefen Punkt (Mulde, Graben) und geht in die Hocke. Legt Euch auf keinen Fall hin! Ihr müsst Euren Körper möglichst klein machen, damit einem eventuellen Blitzstrom so wenig Körperfläche wie möglich geboten wird. Falls Ihr Euch im Wasser befindend, solltet Ihr da schnellstmöglich rauskommen! Spannt auch keine Schirme auf und benutzt Euer Handy nur im äußersten Notfall!

Verhalten bei Gewitter in Gebäuden
Falls Ihr Euch bei einem Gewitter in einem festen Gebäude befindet, dann braucht Ihr Euch um Euer leben keine direkten Sorgen mehr machen, denn dort seid Ihr halbwegs sicher vor dem gefährlichen Blitzstrom. Das Gebäude ist es jedoch nicht. Die häufigsten Schäden, die durch einen Blitzschlag auftreten, sind Brände, Überspannungsschäden an elektrischen Geräten sowie beschädigtes Mauerwerk durch explodierte Leitungen und Verteilerdosen.
Wenn der Blitz in ein Gebäude einschlägt, dann wird in den meisten fällen das Dach getroffen. Die dadurch entstehenden Schäden können unterschiedlich sein. Wenn z.B. die Fernsehantenne oder die Satellitenschüssel getroffen wird, hat der Blitz Zugang in das Kabelnetz des Hauses und zerstört nicht nur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle dort angeschlossenen Geräte, sondern auch weitere Verbraucher, die nicht mit diesem Netz verbunden sind. Der Grund hierfür ist ein Überschlag des Blitzes in das Stromnetz, da entweder in der Nähe des Antennenkabels normale Stromleitungen verlaufen, die gegen solche Ströme nicht ausreichend abgeschirmt sind oder weil ein am Kabelnetz angeschlossenes Gerät zusätzlich mit dem Stromnetz verbunden ist (z.B. Receiver, Fernseher). In solchen Fällen wandert der Blitzstrom durch das Antennekabel in das Gerät und schlägt dort in das Netzkabel, über welches es dann den Weg in das Stromnetz findet. Die Folge sind zerstörte Geräte, beschädigtes Mauerwerk, Verfärbungen an den Wänden sowie in vielen Fällen auch Brände. Glimpflicher verlaufen in der Regel Einschläge in das Freileitungsnetz. Solchen Schäden könnt Ihr am besten vorbeugen, wenn Ihr alle elektrischen Geräte vom Stromnetz trennt. Bei Geräten mit SAT- oder Internetverbindung zieht neben dem Netzstecker auch Antennen- und Netzwerkkabel! Lasst die Finger vom Telefon!
Trifft der Blitz direkt das Dach, hat solch eine Einschlag mit ziemlicher Sicherheit einen Brand zur Folge. Einen Einschlag merkt man oft gar nicht und deswegen untersucht nach schweren Gewittern das Haus. Schaut Euch vor allem das Dach, da meistens zunächst dieses beginnt zu brennen. Achtet im Gebäude auf Brandgeruch, Feuerschein, Rauchentwicklung oder Knistern. Haltet in jedem Falle einen Feuerlöscher bereit!
Haltet Euch des Weiteren nicht direkt unter dem Dach auf und haltet die Fenster am besten geschlossen. Verzichtet des Weiteren auch auf ein Bad oder eine Dusche, denn der Blitz findet seinen Weg sowohl durch geöffnete Fenster, als auch durch Wasserleitungen.

© C. Müller