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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Report aus dem Museum: Zwei fahrbare Feuerlöscher aus der Möbelfabrik und jede Menge Erinnerungen


Diese Geschichte beginnt wie viele andere auch bei eBay-Kleinanzeigen, doch im Gegensatz zu den meisten führt sie mich direkt in meine alte Heimat - in Ecken, wo ich teilweise über 30 Jahre nicht mehr gewesen bin!
Ich durchforstete wie gesagt mit dem fest eingespeicherten Suchauftrag "Feuerlöscher" meine favorisierte Einkaufsseite und stieß nach wenigen Augenblicken auf eine Anzeige, welche mein Interesse weckte - und zwar erheblich! Abgebildet waren drei fahrbare GLORIA-Feuerlöscher Typ P 50... links sehen wir das originale Foto aus der Anzeige. Was ich da tolles entdeckt hatte, das kann nur der Fachmann sehen und da ich ein solcher bin, reichte ein flüchtiger Blick, um den Geräten sofort ein ungefähres Baujahr zuordnen zu können. Der links ist aus den späten 1970er Jahren, nach 1977 auf jeden Fall, der mittlere so Mitte der 1970er Jahre um 1975 herum und der rechts Anfang der 1980er Jahre, spätestens 1982. Für mich eine sensationelle Anzeige, denn an einem, ja eigentlich an zwei Geräten hegte ich ein wirklich sehr großes Interesse, diese zu besitzen.

Ich beschäftige mich schon seit einigen Jahren immer wieder mit den fahrbaren Löschgeräten von GLORIA, besonders, seitdem ich den nötigen Sachkundenachweis besitze, diese Geräte auch Instand halten zu dürfen. Anders als bei den tragbaren Feuerlöschern müssen die Fahrbaren nicht zwingend nach 20 Jahren raus. Wenn sie stets auf den aktuellen Stand der Technik nachgerüstet und ab und an dem TÜV vorgeführt werden, könnten diese Geräte auch deutlich länger im Einsatz bleiben. Das ist natürlich mächtig interessant und selbst diese drei alten Geräte könnten nach gewissen Umrüstmaßnahmen sogar wieder in den Einsatz. Macht in der Regel aber keiner, weil zu teuer - und ganz ehrlich: Ich als Sachkundiger würde solche Geräte mit einem Alter von über 40 Jahren auch nicht mehr abnehmen. Normal ist da eigentlich kein Vergang dran, die sind dickwandig wie ein U-Boot, aber weiß man es? Unterschreiben würde ich das jedenfalls nicht, denn wenn so ein Eimer hochgeht, gibt das Platz in der Halle und ich möchte sowas nicht verantworten.

Mit Hilfe von alten Unterlagen aus meinem Fundus, einigen Beobachtungen im Netz und dem Austausch mit meinen Sammlerfreunden kann ich letztendlich ziemlich sicher sagen, dass es zumindest den fahrbaren GLORIA Pulverlöscher Typ P 50 in seiner Grundform von 1963 bis etwa 1994 in fünf bis sechs verschiedenen Versionen gegeben hat. Mit Grundform meine ich das grundsätzliche Erscheinungsbild bezüglich Aufdruck, Griffführung, Schlauchführung, Behälterverschluss und Fahrwerk.
Natürlich hat es verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Füllungen gegeben, wie etwa den einfachen P 50 mit Standard-BC-Pulver, den P 50 G mit ABC-Pulver (Glutbrand), den P 50 M mit Metallbrandpulver und wahrscheinlich einem besonderem Applikator, den P 50 SV mit schaumverträglichen BC-Pulver und so weiter... so kämen wir in dem Zeitraum dann doch auf 20 verschiedene Modelle und mehr, doch man muss den Teppich auch mal in der Kirche lassen oder wie man so schön sagt und von daher reicht mir die Grundform - fünf bis sechs gibt es und drei davon besaß ich bereits - tja... da liegt es ja ziemlich offen auf der Hand, dass ich die Reihe vollmachen wollte. 

Ich wusste gleich: Wenn ich jemals eines oder gar beide Geräte besitzen möchte, dann war hier und jetzt DIE Chance, die ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen durfte! Wer sich für alte Sachen begeistert und auch hin und wieder das ein oder andere Stück kauft, der kennt das: Man muss zuschlagen, wenn´s was gibt. Man kann drei Tage später mit einem Sack voll Kohle rumlaufen, doch dann gibt´s nix mehr zu kaufen - Ihr wisst was ich meine. Man kann eben nicht hergehen und sagen "Oh, ja der sieht gut aus, den hole ich mir nächstes Jahr auch." Das geht eben nicht. Gerade die Fahrbaren sind reine Industriegeräte, die in dieser Altersklasse zu 95% schon längst ausgemustert und verschrottet worden sind und das hier war wirklich eine Gelegenheit, die so nie wieder kommen würde!
Man darf dabei auch eines nicht vergessen: Fahrbare Feuerlöscher sind groß, unhandlich und die älteren Modelle mit gut 90 kg Einsatzgewicht auch nicht gerade leicht. Unter diesen Voraussetzungen kann man den Versand immer direkt vergessen - Sperrgut, Spedition, unendlich teuer und aufwändig. Auch leere Geräte wiegen noch um die 40 kg und was sich durch das Entleeren nicht verringert, sind die Ausmaße. Selbst wenn also eines dieser Geräte nochmal irgendwo angeboten werden würde, könnte die Abholung ein Problem werden - nämlich dann, wenn der Standort irgendwo in Bayern, Dresden oder sonstwo weit weg vom Ruhrgebiet ist. Aber sie standen nicht am Arsch der Republik oder dort, von wo aus man den Arsch gut sehen könnte, sondern in Lippstadt - zum Greifen nah in meiner Heimat! Ich war wie hypnotisiert!

Ich hatte mich vor einigen Jahren zwar mit mir selbst geeinigt, dass ich es bei so ein bis zwei fahrbaren Geräten zur reinen Veranschaulichung bewenden lasse, doch wer so tickt wie ich, der kann das einfach  nicht - schon gar nicht, wenn so eine Gelegenheit zum Greifen nah ist.
Hastig schrieb ich den Verkäufer an; allerdings erstmal nur wegen des einen Geräts aus den späten 1970ern. Den wollte ich unbedingt, denn genau so einen hatte ich schonmal bei einem befreundeten Prüfdienst gesehen und war sofort begeistert von dieser Kombination aus dem typischen 70er-Jahre Siebdruck mit den schon neu gestalteten Brandklassenpiktogrammen - herrlich, wie beim letzten Wi 10 LW der 1970er, den ich glücklicherweise auch besitze. Da ich den vom Prüfdienst auch schon haben wollte, ihn aber leider nicht bekommen konnte, musste ich versuchen, diesen hier zu ergattern.

Noch während ich auf eine Antwort des Verkäufers wartete, entschied ich mich dazu, das Gerät Anfang der 1980er Jahre auch noch haben zu wollen und legte direkt nach. So einen hatte ich vor etwa sechs Jahren tatsächlich schonmal besessen. Dieses Gerät hatte ich aus dem Mischraum eines Chemiewerkes entsorgt, wo er schon gut 15 Jahre in der letzten Ecke stand und dementsprechend aussah - klebrig, dreckig, giftig riechend. Da mir das ganze Ding nicht geheuer war und ihm auch nach zig Reinigungen ein immer noch sehr fragwürdiger Geruch anhaftete, kam er weg. Schade zwar, aber das war mir ein zu hohes Risiko, sich da irgend eine giftige Scheiße ins Haus zu holen. Hier war nun die Gelegenheit, ihn nochmal in sauber zu bekommen und das wäre doch perfekt, dieses Gerät mit der einzigartigen Bebilderung doch noch besitzen zu können und damit dann die Reihe auch vollzumachen!

Was aber würde die liebe Frau zu meinem Vorhaben sagen?
Der WAF (Weiblicher-Akzeptanz-Faktor - Michael, Du weißt, wovon ich spreche!) spielt eine äußerst wichtige Rolle, wenn man in Ruhe und Frieden einem harmonischen Familienleben UND seiner Sammelleidenschaft nachgehen will. Meine Frau ist da wirklich sehr tolerant, dass muss ich an dieser Stelle mal sagen. Ich schleppe ja ständig was an - ab und an wird dann mal mit den Augen gerollt und geraunt "räum den Schrott hier weg" oder "was ist das hier wieder für ein Scheiß???" und so weiter. Naja, irgendwo entlarvt sie sich mit solchen Äußerungen natürlich auch irgendwie als ein Kultur- und Technikbanause, aber sie lässt mich mein Ding machen und DAS ist das Wichtige. Sie selbst sieht da nichts, aber auch gar nichts besonderes drin... da ist einer wie der andere ein roter Mülleimer, aber sie weiß, dass es für mich etwas besonderes und etwas wichtiges ist - darauf kommts an.

Aber bei allem Verständnis fürchtete ich - meines Erachtens auch zu Recht -, dass es bei diesem Vorhaben, gleich ZWEI fahrbare Großgeräte auf einen Streich einsacken zu wollen, Zoff geben könnte... oh oh... ich kann mich noch an den Stress erinnern, als die Fahrräder wegen eines bis zur Entleerung untergestellten 50 kg-Löschers nicht ins Gartenhaus passten... für länger wohlgemerkt, da ich wie üblich keine Zeit hatte, mich sofort darum zu kümmern... oha - da war dann schon wat Qualm inne Küche, wie man so schön sagt - aber: Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Vorhaben klappte, die Frau war so etwas wie einverstanden - wunderbar!

Nachdem ich mein Angebot dann unverzüglich detailliert präzisiert hatte, meldete sich der Verkäufer auch prompt und stimmte meinem Vorschlag bezüglich Preis und flexibler Abholung sofort zu. Super - die Feuerlöscher waren mein. Nun musste ich sie nur noch irgendwann mal abholen und auch das ließ sich kurzfristig in die Tat umsetzen. Perfekt!
Am freudigen Tag der Abholung fuhren wir so wie bei jedem Familienbesuch zunächst nach Lippstadt. Nachdem ich Frau und Tochter bei meinen Schwiegereltern abgesetzt hatte, ging die Reise weiter. Ich fuhr die B55 bis Lipperode und folgte dort der Bismarckstraße bis zum Ortsende. Hier befindet sich auch heute noch an der abzweigenden Bruchstraße Nr. 1 das Gerätehaus der Löschgruppe Lipperode, wo ich von 1994 -1999 zur Jugendfeuerwehr gegangen bin. Wie sich alles verändert hatte... gegenüber war jetzt ein elli-Markt, das Gerätehaus hatte einen Anbau und auf dem Hof vor den Toren standen zwei moderne Feuerwehrfahrzeuge. Damals vor 25 Jahren gab es da einen schönen, wunderschönen Mercedes Rundhauber mit Peilstäben und weißem Lenkrad. Dieses LF-16-TS war Baujahr 1966 und hat uns nach jedem Dienstabend - gelenkt von einem unserer Ausbilder - nach Hause befördert. Das andere Fahrzeug war ein Unimog mit einem 800l-Wassertank; Baujahr vermutlich Anfang der 1980er Jahre. Ich weiß noch, wie der Dirk den mal fast umgeschmissen hätte in der Kurve - er wollte uns mal zeigen, wie ein halbvoller Wassertank schwappt... hat echt gut funktioniert, war sehr beeindruckend.
Kurz hinter dem Ortsausgang Lipperode verläuft parallel zur weiterführenden Bismarckstraße der Boker Kanal - jener Ort an welchem ich bei der Feuerwehr meinen ersten Dienstabend und auch meine erste "Übung" mitgemacht habe. Nach der Einkleidung (O-Ton: Hier, zieh das mal an, das müsste passen - und wenn nicht, dann nicht) ging es mit besagtem LF-16-TS und einem Haufen Jugendlicher, die ich noch gar nicht kannte, Richtung Kanal. Nach wenigen 100 Metern bezogen wir Stellung, A-Saugschlauch in den Kanal, Pumpe an und Wasser Marsch. Nass wie die Katzen kehrten wir nach einigen Stunden Spaß zurück und auch meine Aufnahme in die Gruppe war geglückt. Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit bei der  Feuerwehr - insbesondere die Pfingstzeltlager - an die ich gerne zurückdenke. Meinen alten Dienstpullover mit Abzeichen der FF Lippstadt habe ich immer noch - sitzt heute natürlich sehr spack, da ich in den letzten 25 Jahren doch ein wenig aus dem Leim gegangen bin.

Im weiteren Verlauf der engen Straße blitzten auch Erinnerungen an den "Freien Stuhl" wieder auf und wer im Großraum Lippstadt, Delbrück, Rietberg und in weiterer Umgebung wohnt, dem brauche ich ja wohl nicht erklären, was das ist und was da früher los war - vor allem an "Tanz in den Mai" und am 01. Mai selbst... Du liebe Güte, ich war da auch oft gewesen, einmal sogar drei Tage am Stück zum arbeiten. Großer Gott... das dürfte man mit mir heute auch nicht mehr machen. Nachts nur 2 Stunden gepennt mit 4 oder 5 anderen Kollegen auf dem Teppich vor der Theke - ohne Decke ohne nix und der eine der hat gesägt - das war echt nicht mehr feierlich. Aber die Nacht war ja zum Glück kurz und für ein reichhaltiges Frühstück war auch gesorgt - Cornetto Erdbeer aus der Eistruhe, 1-2 Pils 0,5 l frisch vom Fass und danach gings wieder weiter - Au weia!
Hach ja - so lange her schon alles und das Allerbeste war: Als ich am letzten Abend in den Keller der Gaststätte ging, um irgendwas zu holen, entdeckte ich an der Wand vorm Heizraum einen 1972er GLORIA P 6 GD ohne Schlauch. Er hing auf halb acht im Halter und als ich ihn geraderücken wollte merkte ich: Der ist ja leer! Der wurde irgendwann von irgendwem mal irgendwo leergebraten und wieder aufgehängt... und das war meine Chance. Ich stürmte erstmal ohne die Sachen, die ich holen sollte zum Chef, erzählte von dem Löscher, dass der ja leer sei und so weiter, sodass es nur noch vier weiterer Worte bedurfte (kann ich den haben) und er gehörte mir. Ja und hier links ist er nun nochmal - der originale P 6 GD von damals aus dem Freien Stuhl, nun seit über 20 Jahren in meinem Besitz.

Was noch länger her ist - und dabei werde ich es dann mit den Erinnerungen auch bewenden lassen - sind unsere Besuche beim Autohaus Glasemacher in Rietberg-Mastholte. 1987 kauften meine Eltern dort unseren weißen 1978er Mercedes-Benz 300 TD und wenn mal irgendwas mit dem Panzer war, dann wurde auch dort zur Werkstatt gefahren. Logisch! Ich war natürlich als Jaust immer dabei, denn was gab es wohl interessanteres als eine Autowerkstatt. Dort gab es Autos, Werkzeug und wat nich alle und man konnte ja früher überall rumturnen. Chef Hubert Glasemacher hatte auch immer was für mich - ein Puzzle, einen Schlitten, ein BMW-Emblem - er hatte immer irgendwo irgendwas auf Halde, um mich glücklich zu machen. Als unser Auto mal länger als gedacht dort bleiben musste, hat er uns in seinem damals nagelneuen BMW 750i (E32) nach Hause gefahren... ich sage Euch: Dass ein V12 was Besonderes ist - das merkt man schon als Kind.  Natürlich gab es dort auch Feuerlöscher und an einen kann ich mich noch besonders gut erinnern. Das war ein GLORIA Typ P 6 SG von etwa 1960. Er hing direkt vor Kopf gegenüber der Tore über der Werkbank links von einem schmalen Durchgang zum Lager oder zum Keller oder was da war. Den aus der Werkstatt habe ich natürlich nicht haben können, da er damals dort - ordnungsgemäß mit gültigem Instandhaltungsnachweis - zum Brandschutz vorgehalten wurde. Deshalb seht Ihr hier links ein baugleiches Modell aus meiner Sammlung

So - aber jetzt genug des kleinen Exkurses, kommen wir zurück in die Gegenwart und den beiden fahrbaren Feuerlöschern, welche ich erstanden hatte. Ach ja - wenn ich mal ins Schwelgen gerate, kann das ungeahnte Ausmaße annehmen.
Ich fuhr weiter und weiter und stand, nachdem ich ein paar Mal abgebogen bin, irgendwann vor einer Halle. Telefonisch hatte mich der Verkäufer informiert, dass er sich ein paar Minuten verspäten würde - kein Problem. Ich nutzte die Zeit, um auf der Ladefläche schonmal etwas Platz zu schaffen und kramte zwei, drei Spanngurte raus. Zwei fahrbare P 50 kann man natürlich nicht mit einem PKW abholen, das dürfte ja klar sein; man braucht schon das passende Gefährt oder zumindest einen Anhänger.
Ich setzte mich alsdann wieder ins Führerhaus, schaltete das Radio ein und während ich den Klängen von Barbra Streisand lauschte (Woman in Love), fuhr ein alter Mercedes vorbei und hielt bei der Halle. Das musste der Verkäufer sein dachte ich - und so war es auch.
Ich folgte dem Wagen zum richtigen Tor und stieg aus. Wir begrüßten uns und verstanden uns auf Anhieb, denn der Verkäufer war auch Sammler und Liebhaber alter Dinge, jedoch mit anderen Vorlieben und Interessen, welche die meinen teilweise aber auch kreuzen. Während wir die Löscher aus der Halle rollten und im Bulli verstauten, unterhielten wir uns über dieses und jenes und während ich sie festzurrte fragte ich, wo sie denn herstammten. Das tue ich bei jedem Gerät, was ich bekomme, da mich wirklich jede einzelne Geschichte interessiert.
Solche Großgeräte stammen natürlich nicht aus einem Privathaushalt und zudem war der Eine vom damals zuständigen Kundendienst Hagenkordt -übrigens der erste und älteste GLORIA-Kundendienst - mit "WERK II" beschriftet worden. Während ich fragte dachte ich so bei mir, dass sie vielleicht aus dem HELLA Werk II - dem sog. "Nordwerk" - stammen könnten, wo ich vor gut 20 Jahren selbst mal gearbeitet habe. Dort gab es nämlich auch jede Menge fahrbare Pulverlöscher.
Doch ich lag mit meiner Annahme leicht daneben, denn der Verkäufer unterbrach meinen Gedanken indem er antwortete: "Die stammen von uns, von Driftmeier".
Driftmeier... Driftmeier... jetzt dämmerte es mir allmählich und mir wurde so einiges klar. Die Firma Driftmeier ist bzw. war bekannt für Schlafzimmermöbel und hatte ihren Sitz in Rietberg. Mein Stiefvater (so habe ich ihn zumindest immer genannt) war Möbelhändler und arbeitete nach seiner Selbstständigkeit seit Anfang der 2000er Jahre in der Schlafzimmerabteilung von Möbel Finke im Stammhaus Paderborn-Elsen (Eigenschreibweise stets "finke") - tja... das gibt's auch nicht mehr; es wurde sogar komplett abgerissen. Wir hatten tonnenweise Schreibblöcke mit dem Firmen-Slogan "DRIFTMEIER - Schlafraummöbel von Format" zu Hause und ich habe sämtliche Notizen, Einkaufszettel und allsonstiges stets auf diesen Blöcken geschrieben.
So wie viele andere mittelständige Unternehmen in der Möbelbranche - z.B. Hummelt & Knoop, Stella, Wonnemeier sowie zuletzt auch Welle-Möbel in Paderborn - musste auch die Firma Driftmeier unter dem Druck des Marktes im Jahre 2014 die Produktion aufgeben.

Die beiden P 50 standen nach Aussage des Verkäufers, welcher niemand anderes als Herr Driftmeier selbst war, an den Lackstraßen der Möbelwerke und genau dort gehörten solche Geräte auch hin. Ich selbst habe vor Ort bei einem Kunden mal eine Störung der Absauganlage in einer Lackbude mitbekommen und was sich dann binnen weniger Minuten für intensive und hochexplosive Lösemitteldämpfe ausbreiten, könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Wenn da mal irgendwas zündet, braucht man richtig viel Power und genau diese hatten die beiden, mit hochleistungsfähigem GLORIA GLUTEX PL 3/65 gefüllten P 50 G allemal. Herr Driftmeier berichtete, dass er die Firma seit einigen Jahren abwickelt und dass diese drei P 50 G so ziemlich die letzten Gegenstände des Inventars seien. Sie blieben übrig und bevor man sie wegschmeißt, kann man ja gucken, ob jemand noch was damit anfangen kann, meinte er. Tja, und dieser Jemand war dann ich.

Herr Driftmeier freute sich, dass diese beiden Stücke in gute Sammlerhände gehen und nicht zum Stehtisch oder sonstwas verhunzt werden.
Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt, wieso ich denn den dritten im Bunde, den ältesten Löscher nicht haben wollte. Einfache Antwort: Den habe ich schon - zwar als einfache P 50-Ausführung mit Standard-BC-Pulver, aber wie gesagt: Man darf es nicht übertreiben. So einen Pi 12 und einen Pi 12 G kann man sich vom Platz her durchaus hinstellen, einen P 50 und einen P 50 G... da fehlt dann doch der nötige Raum. Außerdem: Wenn ich meiner Frau angekommen wäre mit: "Ich habe da drei fahrbare Feuerlöscher gekauft..." hätte ich die Hucke vollgekriegt - ganz sicher!
Was ich dann besonders schön fand war, dass Herr Driftmeier den letzten verbliebenen P 50 G selbst behalten wollte - zur Deko und als Erinnerung an den Betrieb. Ich freue mich ungemein, dass ich diese beiden schönen und gut erhaltenen P 50 nun mein Eigen nennen kann; mittlerweile sind sie natürlich geleert und entschärft. Vielen Dank nochmal an Herrn Driftmeier, der das alles letztendlich so möglich gemacht hat. Wir duzen uns natürlich und stehen auch weiter in Kontakt. Er hat z.B. noch zwei alte 12 kg-Pulverlöscher gefunden, welche ich auch noch abholen werde.

©. Menzel 2021 






Sonntag, 4. Juli 2021

GLORIA Feuerlöscher Typ P 50 G Bj. 1981


Hersteller: GLORIA-WERKE
Feuerlöscher
50 kg ABC-Pulver
Typ: P 50 G
Baujahr: 1981
Bauart: PG 50 H - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 9/78
Inhalt: 50 kg ABC-Pulver GLORIA GLUTEX PL 3/65
Treibmittel: 150 bar (ca. 3 Ltr.) Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 20 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: ca. 90,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1979-1984

©. Menzel 2021

GLORIA Pulverlöschgerät Typ P 50 G Bj. 1978


Hersteller: GLORIA-WERKE
Pulverlöschgerät
50 kg ABC-Pulver
Typ: P 50 G
Baujahr: 1978
Bauart: PG 50 H - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 3/61
Inhalt: 50 kg ABC-Pulver GLORIA GLUTEX PL 3/65
Treibmittel: 150 bar (ca. 3 Ltr.) Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 20 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: ca. 90,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1978

©. Menzel 2021

Sonntag, 7. Juli 2019

GLORIA Löschgerät 12 kg Kohlendioxid Typ KS 2x 6 S

Hersteller: GLORIA-WERKE
Feuerlöscher (fahrbar)
Typ: KS 2x 6 S
Baujahr: 1991
Bauart: K12 (Schnee)
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 1/77
Inhalt: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Treibmittel: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 60 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 52 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1983-1991

©. Menzel 2019

Sonntag, 23. September 2018

Report aus dem Museum - GLORIA Kohlensäure-Schnee-Löschgerät Typ KS 2x6

Bei einem meiner regelmäßigen Streifzüge durchs Internet stieß ich bei eBay-Kleinazeigen auf ein Inserat, welches meine Neugier weckte. Abgebildet waren insgesamt fünf fahrbare Kohlensäure-Schneelöscher der alten Generation mit zwei Flaschen auf einem Fahrgestell. Ich klickte auf die Anzeige und entdeckte beim Durchsehen der Bilder darunter einen GLORIA Typ KS 2x6 - Bingo!
In meinem Kopf gaben sich Fragen und an mich selbst gerichtete Mahnungen wie "Brauche ich das wirklich?", "Habe ich überhaupt Platz dafür?" und "Du wolltest doch eigentlich nix mehr auf Rädern anschleppen!" die Klinke in die Hand, doch es war von vorn herein ein aussichtsloses Unterfangen, mir den Kauf auszureden. Fest stand: Ich musste dieses Ding haben!
Ich verschwendete keine Zeit und schrieb umgehend den Verkäufer an, welcher sich auch zügig zurückmeldete und meine bange Frage, ob denn der KS 2x6 noch zu haben wäre, Gott sei Dank mit einem "Ja, sie können gerne vorbeikommen. Sie müssen aber vorher anrufen." beantwortete. Damit war mein Tag gerettet und ich freute mich wie ein Schneekönig über den in Aussicht gestellten KS 2x6.
Ich verschwendete abermals keine Zeit und rief sofort an, denn es bot sich die günstige Gelegenheit, das fahrbare Kohlensäure-Schnee-Löschgerät noch am selben Tag abzuholen. "Alles klar, kommen Sie vorbei, ich bin da." tönte es aus dem Hörer und das Geschäft war perfekt.

Beim Verkäufer angekommen zeigte er mir nach einer kurzen Begrüßung und einem knappen, aber freundlichen Gespräch dann das Objekt meiner Begierde. Mit geübtem Blick begutachtete ich das Gerät und war zufrieden. Das Löschgerät machte einen guten Gesamteindruck. Es war vollständig, nicht verrostet oder sonst irgendwie beschädigt und alles war original von GLORIA - der Flaschenwagen von 1962 und die Flaschen von 1970. Nichts ungewöhnliches, aber dazu später mehr. Nachdem dann einige Scheinchen von meiner Tasche in seine Tasche gewandert sind, war ich stolzer Besitzer eines fahrbaren Kohlensäure-Schnee-Löschgeräts vom Typ KS 2x6. Den schmalen Handgriff fest in der Hand fuhr ich das Gerät breit grinsend zum Wagen und machte mich daran, meine Beute sicher zu verstauen. Dann gings ab nach Hause und dort angekommen zeigte ich meiner Frau sofort, was ich da tolles abgestaubt hatte. Ihre Freude über meine neueste Errungenschaft hielt sich wie üblich in Grenzen, aber der W-A-F (Weiblicher-Akzeptanz-Faktor) ist auch dieses Mal nicht soweit strapaziert worden, dass ich vom Hof gejagt wurde. Da ich entgegen jeglicher Versprechen wieder mal was fahrbares angeschleppt hatte und mich dahingehend wieder mal irgendwie ein Stückchen unglaubwürdiger - auch in Bezug auf zukünftige Projekte - gemacht hatte, war dies ein sehr glücklicher Umstand für mich.

Nun machte ich mich daran, das 56 Jahre alte Fahrgestell mit den knapp 50 Jahre alten, natürlich noch vollen Kohlensäureflaschen abzuladen. Solche Flaschen stehen unter hohem Druck (je nach Umgebungstemperatur zwischen 60 und über 200 bar), sodass gerade alte Geräte gefährlich werden können und zwingend druckentlastet, d.h. entleert werden müssen. Die beiden Flaschen sind über einen Messingadapter und Rohrleitungen an den Hochdruckschlauch angeschlossen, doch ob Schlauch und Rohrleitungen dem Druck standhalten würden, konnte ich nicht sicher bestimmen. Das Risiko, dass mir da beim Aufdrehen der Ventile irgendwas fliegen geht, war mir zu groß. Also nahm ich alles auseinander und schraubte auf jede Flasche die Schneebrause eines K2 - hat ganz wunderbar und vor allem sicher funktioniert. Da ich den Karren eh schon auseinandergebaut hatte, konnte ich auch ganz prima alles gründlich reinigen.

Hersteller: GLORIA-WERKE
Kohlensäure-Schnee-Löschgerät
Typ: KS 2x6
Baujahr: 1970 (Wagen 1962)
Bauart: 2 CO2-12 (Schnee)
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 1/61
Inhalt: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Treibmittel: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 60 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 45 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1964-1972



Nachdem die Flaschen wieder aufgetaut waren und ich alles gereinigt hatte, setzte ich alles wieder zusammen und der majestätische KS 2x6 erstrahlte in altem Glanz.
Fahrbare Kohlendioxidlöscher in Form von zwei Kohlensäureflaschen auf einem Fahrgestell wie beim KS 2x6 war in den 1960er und 1970er Jahren auch bei anderen Herstellern ganz üblich und Modelle wie heutige KS 10, 20, 30 und 50 gab in dieser Form noch nicht. Mit einem Einsatzgewicht von gut 45 kg wurde der Löscher natürlich zum Einsatzort gefahren und an der Brandstelle angekommen, wurde dann einfach der Schlauch abgewickelt und das Ventil aufgedreht. Man konnte nur eine Flasche benutzen, beide gleichzeitig oder auch beide nacheinander, sodass dieses Gerät schon eine ganz erhebliche Wirkung besaß.
Zu Hause hatte so ein Ding natürlich niemand stehen und es war rein für industrielle bzw. gewerbliche Zwecke vorgesehen. Im Frühjahr 2003 habe ich vor meinem Studium aushilfsweise bei der HELLA in Lippstadt gearbeitet und dort habe ich zum ersten und einzigen Mal so ein Gerät in freier Wildbahn gesehen. Das war schon richtig beeindruckend und heute gibt es diese Dinger natürlich nicht mehr, schon lange nicht mehr! Erstens sind sie viel zu alt und zweitens so auch gar nicht mehr zugelassen.

Zu klären wäre noch die Frage, warum da zwei 1970er Flaschen auf einem 1962er Fahrgestell sind und meine Theorie dazu lautet wie folgt:
Die Druckflaschen der Kohlendioxidlöscher besaßen bis etwa 1962/63 einen maximalen Prüfdruck von 190 bar, was einem Füllfaktor von 1,34 l/kg entsprach. Der Nachteil dieser Geräte war, dass bereits bei einer Umgebungstemperatur von 35 °C der höchstzulässige Betriebsdruck von 127 bar erreicht wurde.
Um die Einsatzbereiche von Kohlendioxidlöschern zu erweitern, wurde der Prüfdruck auf 250 bar angehoben (Füllfaktor 1,5 l/kg) und das schlug sich auch ab 1964 in der DIN 14406 nieder. Die alten Flaschen mit einem Prüfdruck von 190 bar konnten aber noch auslaufend weiterverwendet werden und genau das ist die Antwort auf unsere Frage.
Entweder kam das Löschgerät 1970 zum Einsatz wobei die alten Flaschen leergebraten worden sind oder es war 1970 beim TÜV. Bei auslaufend zugelassenem Betrieb bedeuteten beide Möglichkeiten das endgültige Aus für die alten Flaschen. Sie durften nicht mehr gefüllt werden und wurden ersetzt. Der Originalität des Kohlensäure-Schnee-Löschgerätes tut diese Tatsache aber keinen Abbruch, da die Fahrgestelle auch 1970 noch die gleichen waren wie 1962.
Ich schätze, dass die Gelegenheit eine der letzten überhaupt gewesen sein dürfte, solch ein Löschgerät zu ergattern. Andere alte Feuerlöscher findet man auch noch mal hier und da im privaten Keller, sodass es sie entsprechend häufiger gibt. Geräten wie diesem hier wurde 2004 die Zulassung entzogen und ab da verschwanden sie aus den Betrieben. Niemand kam auf die Idee, sich sowas mit nach Hause zu nehmen, wie es bei aussortierten Handfeuerlöschern oft der Fall war. Von daher gibt es diese Geräte einfach nicht mehr und dieses hier dürfte eines der wenigen verbliebenen sein. Da ich es erwerben konnte habt Ihr das Glück, Euch dieses schöne Teil auf meiner Seite anschauen zu können. Ein sehr schönes Gerät und ich freue mich außerordentlich.

©. Menzel 2018

Mittwoch, 5. September 2018

GLORIA Kohlensäure-Schnee-Löschgerät KS 2x6 Bj. 1970

Hersteller: GLORIA-WERKE
Kohlensäure-Schnee-Löschgerät
Typ: KS 2x6
Baujahr: 1970 (Wagen 1962)
Bauart: 2 CO2-12 (Schnee)
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 1/61
Inhalt: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Treibmittel: 12 kg (2x6 kg) Kohlendioxid
Betriebsdruck: ca. 60 bar bei 20 °C
Gewicht des gefüllten Geräts: 45 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1964-1972

©. Menzel 2018

Donnerstag, 7. Juni 2018

GLORIA Pulver-Löschgerät Typ P 50 Bj. 1975

Hersteller: GLORIA-WERKE
PULVER-LÖSCHGERÄT
50 kg BC-Pulver
Typ: P 50 
Baujahr: 1975
Bauart: P 50 H - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 2/61
Inhalt: 50 kg BC-Pulver

Treibmittel: 150 bar (ca. 3 Ltr.) Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 20 bar bei 20 °C*
Gewicht des gefüllten Geräts: 100,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1964-1978

©. Menzel 2018

GLORIA Pulver-Löschgerät Typ P 50 G Bj. 1964

Hersteller: GLORIA-WERKE
PULVER-LÖSCHGERÄT
50 kg ABC-Pulver
Typ: P 50 G
Baujahr: 1964
Bauart: PG 50 H - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 3/61
Inhalt: 50 kg ABC-Pulver

Treibmittel: 150 bar (ca. 3 Ltr.) Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 20 bar bei 20 °C*
Gewicht des gefüllten Geräts: 100,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1961-1964

©. Menzel 2018

Mittwoch, 6. Juni 2018

Report aus dem Museum: Ein alter P 50 G Baujahr 1964

Wer mich und meine Sammlung kennt weiß, dass ich Feuerlöscher der Marke GLORIA zu meinem Spezialgebiet gemacht habe und versuche, die Produktpalette von 1945 bis heute möglichst vollständig zusammenzutragen.
Jetzt ist es so, dass Feuerlöscher doch ganz erheblich mehr Platz in Anspruch nehmen, als Briefmarken, Bierpappen, Uhren, Handys und viele andere Dinge, die gern gesammelt werden. Zudem hat die GLORIA neben Handfeuerlöschern und Gartengeräten* auch Großlöschgeräte produziert und lange Zeit war es allein schon aus Platzgründen völlig unmöglich, irgendetwas größeres als die Handfeuerlöscher zu sammeln.
Jahaa... dann bekam ich 2014 ein Angebot von der Feuerwehr, welche mir ihren ausgemusterten GLORIA Typ P 50 Bj. 1975 zukommen lassen wollte und wie man hier links auf dem Bild sieht, habe ich die Möglichkeiten geschaffen, dieses herrliche Stück bei mir aufzunehmen.

*Auch den Gartengeräten wird bei mir Rechnung getragen. Das ist unerlässlich, denn schließlich waren es die Geräte zur Schädlingsbekämpfung, welche die junge GLORIA in der schwierigen Anfangszeit so richtig in Schwung brachten. Wer mehr zur Geschichte von GLORIA lesen möchte, findet hier genau den Artikel, der ihn glücklich macht.

Wenn man etwas so vielschichtiges sammelt, wie Feuerlöscher aus dem Hause GLORIA, dann muss man Kompromisse finden und sich darüber im Klaren sein, dass man sich nicht alles hinstellen kann - es sei denn, man besitzt einen großen Kotten mit großzügigsten Räumlichkeiten... dann geht das vielleicht. Wer es noch nicht weiß: GLORIA hat eine unglaubliche Typenvielfalt im Programm gehabt - mehr, als jeder andere Hersteller - und viele dieser Typenserien wurden bis auf einige Ausnahmen natürlich über Jahrzehnte produziert.
Nehmen wir als Beispiel mal die Typenserie Pi, welche in Deutschland von 1959 bis 2005 auf dem Markt war. Im Wandel der Zeit veränderten sich natürlich auch die Feuerlöscher - ein überarbeiteter Aufdruck hier, ein anderer Boden da, ein modifizierter Griff dort und so weiter und sofort, sodass man allein beim Pi in den fast 50 Jahren seines Bestehens auf knapp 20  unterschiedliche Grundversionen kommt. Dann gab es ihn in den Varianten Pi 6 / G / S und das Ganze mit Ausnahme des Modell "S" auch als 12 kg-Version sowie einen Metallbrandlöscher... man kann also, wenn man es drauf anlegt, nur bei dieser einen Typenserie schon auf gut und gerne 70-80 verschiedene Modelle kommen... wahrscheinlich sind es noch mehr, denn es gibt mit Sicherheit hier und da noch ein kleines Detail bei irgendeinem Baujahr, welches auch ich noch nicht kenne.

Naja - wo waren wir... ach so genau: Wenn man nicht über Berge von Platz verfügt, muss man Abstriche machen und abwägen, was einem selbst wichtig bzw. wichtig für die Sammlung ist und worauf man, wenn auch ungern, verzichten könnte. Man muss verzichten können, sonst geht man unter!
Dieser Verzicht zeigte sich bei mir eben jahrzehntelang daran, dass ich keinen fahrbaren Feuerlöscher hatte - allein schon aus Platzgründen. Meine Eltern hätten mich zum Teufel geschickt  wenn ich mit so einem fahrbaren Ungetüm angekommen wäre und unsere damaligen Wohnungen im teuren Ruhrgebiet boten auch keinen Platz. Lange habe ich mich also damit arrangiert, kein fahrbares Gerät zu haben und dann habe ich mich - als die Richtung klar war, was ich mit meiner Sammlung erreichen möchte und als es die räumlichen Möglichkeiten gab - einige Jahre damit begnügt, als Referenzmodell sozusagen einen einzigen P 50 zu besitzen um dann auch Anhand eines Originals zeigen zu können, dass GLORIA sowas produziert.

Dann habe ich kürzlich allerdings einen weiteren P 50 entdeckt... einen P 50 G um genau zu sein; mit goldenem Aufdruck der ersten Jahre und ich sagte zu mir: Scheißegal WIE Du den unterbekommst - den MUSST Du haben! DER darf auf gar keinen Fall fehlen und so einer kommt bestimmt nie wieder! So ist das, wenn man alte Dinge sammelt... man kauft einen bestimmten alten Feuerlöscher nicht dann, wenn man möchte sondern dann, wenn er zu kaufen ist.
Nachdem ich der einzige ernsthafte Interessent war, der sowohl über die passenden Transportmittel, als auch über Zeit und Willen, den Löscher abzuholen, als auch die nötige Sach- und Fachkunde verfügte, konnte ich das gute Stück dann erwerben und "nach Hause" bringen. So ein fahrbarer Löscher ist nicht einfach zu bewältigen und gerade alte Modelle sind auch mit einer gehörigen Portion Vorsicht zu genießen.

Schauen wir uns den herrlichen, wahrhaft urtümlichen und heute mit ziemlicher Sicherheit einzigartigen P 50 G mit all seinen technischen Daten erst einmal an:


Hersteller: GLORIA-WERKE
PULVER-LÖSCHGERÄT
50 kg ABC-Pulver
Typ: P 50 G
Baujahr: 1964
Bauart: PG 50 H - Aufladelöscher mit außenliegender Treibmittelflasche
Zulassungs-Kennzeichen: P3 - 3/61*
Inhalt: 50 kg ABC-Pulver

Treibmittel: 150 bar (ca. 3 Ltr.) Stickstoff
Betriebsdruck: ca. 20 bar bei 20 °C*
Gewicht des gefüllten Geräts: 100,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1961-1964

* Fahrbare Feuerlöscher wurden mit der Kennziffer P3 in Anlehnung an die DIN 14406 Teil 1-3 zugelassen.



So ein alter P 50 hat ein Einsatzgewicht von stolzen 100 kg, sodass allein schon die Logistik gut vorbereitet werden will. Mit einem PKW braucht man da gar nicht erst vorfahren... ein Bulli oder ein Anhänger sollte es schon mindestens sein. Zudem sollte das Fuhrwerk über ausreichend Zurrpunkte verfügen, woran man ihn befestigen kann. Befestigt man ihn nicht, kann man Pech haben und der ganze Vogel liegt mitsamt Heckklappe auf der Straße.
Wenn man denn alleine ist, braucht man mindestens ein Schalbrett und ein gutes Frühstück, um das Gerät ins Gefährt zu wuchten. So ein P 50 hat natürlich Räder, doch die werden einem auf zu steilen bzw. abschüssigen Rampen zum Verhängnis. Zu zweit gehts immer besser und solche schweren Dinger sollten meiner Erfahrung nach immer zu zweit verladen werden. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an den netten Verkäufer, der mir geholfen hat, den Löscher auf die Ladefläche zu tragen.
Das Ausladen sowie auch das hin- und herfahren gestaltet sich, wie schon kurz angedeutet, nicht unbedingt einfach mit solch einem schweren Teil. Die Räder sind bei den alten Modellen nur dünn, d.h. auf weicherem Untergrund wie Kies sinkt man hervorragend ein und wenn es zu steil wird, reißt der Löscher einen mit... den hält man nicht alleine. Stufe für Stufe die Treppe rauf oder runter kann man übrigens auch direkt vergessen, das braucht man gar nicht erst versuchen.
Der P 50 G war natürlich voll, als ich ihn abholte und da er weder im Fahrzeug, noch draußen bleiben konnte musste ich den Löscher irgendwie in die Räumlichkeiten meines Museums verfrachten und hierzu war es zwingend notwendig, ihn vorher zu entleeren.
Hier links sehen wir ein Bild des bis auf ein paar Krümel entleerten Löschers. Gut zu erkennen ist der fast mittig im Behälter liegende Druckauslass, über welchen das Pulver von unten vor Gebrauch nochmal richtig schön durchrührt und auflockert wird.


Das Entleeren geht natürlich nur mit Spezialwerkzeug. Man braucht zunächst erstmal einen speziellen Schlüssel, um den Behälter zu öffnen. Nur völlig ahnungslose Banausen würden hier mit einem Hammer rangehen. Dann braucht man natürlich noch eine  Pulversaugmaschine, denn anders ist es unmöglich, einen solchen Löscher zu entleeren. Mit irgendeiner Kindergeburtstags-Ausstattung  á la Schäufelchen oder sowas braucht man gar nicht erst ankommen und in der Wohnung können diese Arbeiten natürlich auch nicht durchgeführt werden. Man braucht schon eine gut ausgerüstete Werkstatt.
Hier sieht man, wie ich den P 50 draußen im Freien absauge. Ich hätte ihn und mich niemals heile in meine Werkstatt bekommen. Deshalb: Pulvermaschine raus und draußen die Arbeit erledigt. Wetter hat auch gut mitgemacht, von daher eine schöne Aktion..


Alte Dinge müssen hin und wieder restauriert, repariert und teilweise auch in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, was bei alten Feuerlöschern durchaus häufiger mal vorkommt. Völlig im Original belassene Feuerlöscher findet man im Prinzip nur in Privathaushalten; solche, die 50 Jahre unberührt an der Wand gehangen haben. Dass das gerade auf so einen P 50 natürlich nicht zutrifft, ist ja klar... die findet man in der Regel nicht im privaten Haushalt... außer bei mir natürlich...
Der P 50 hat auch schon runde 55 Jahre auf dem Deckel und dass er da nicht wie neu aussieht, ist völlig klar. Wenn alles im Rahmen ist, fummel ich auch nicht groß daran herum, doch gerade bei diesem Modell begann der schöne goldene Aufdruck an einigen Stellen großflächig abzubröseln, wie im unteren Teil schon an zwei Stellen geschehen ist. Da besteht natürlich akuter Handlungsbedarf und ich habe eine Möglichkeit gefunden, solch schadhafte Stellen wieder zu fixieren und den Verfall aufzuhalten. Das Bild links zeigt den Aufdruck nach der Restauration - alles ist wieder glatt und schön und es hält auch.


Im Zuge turnusmäßiger Wartungen wurde hier Ende der 1970er Jahre die Stickstoffflasche mal getauscht und man sah, dass sie neuer war, als der Rest des Feuerlöschers.
Die Ersatzteillage gestaltet sich ohnehin mit jedem Jahr schwieriger und gerade bei solchen uralten Großgeräten ist es fast unmöglich, zeitgenössische oder gar originale Ersatzteile aufzutreiben. Fast... denn in meinem gut sortierten Ersatzteillager war tatsächlich eine zeitgenössische Flasche mit dickem Kragen dabei - die, welche hier links auf dem Bild zu sehen ist. Sowas muss man einfach aufheben, wenn es einem in die Finger kommt und zum Glück habe ich sie vor einigen Jahren bei Seite gelegt... als hätte ich gehabt  dass ich sie brauchen werde. Die Flasche ist zwar von Total, aber das sieht man nur, wenn man sich die Einschläge auf der Flasche genau anschaut. So sieht's wieder original aus und die dicke Flasche mit leichtem Rostansatz passt ganz hervorragend zum bogenförmigen Anschluss an den Behälter. Perfekt, so kann er bleiben!
Die Stickstofflasche war übrigens noch voll und gerade das ist gefährlich. Wenn man nicht aufpasst, könnte man z.B. beim Verladen versehentlich das Ventil öffnen und dabei wäre einem der Löscher sehr wahrscheinlich um die Ohren geflogen.

Es gibt ja auch fahrbare Kohlensäure-Schneelöscher... doch das würde zu weit führen... vorerst!

©. Menzel 2018