Sonntag, 18. November 2018

Feuerlöschergeschichten: Der GLORIA PA 6 GD im Jakob-Koenen-Bad Lippstadt

Das Jakob-Koenen-Bad war eine regelrechte Institution in Lippstadt und es gibt wohl kaum einen Lippstädter meiner Generation, der nicht dort Schwimmen war und nicht irgendeine Geschichte mit diesem Hallenbad verbindet.
Benannt worden ist das Mitte der 1960er Jahre in direkter Innenstadtnähe am Cappeltor erbaute Hallenbad nach dem Sportfunktionär und Politiker Jakob Koenen, welcher als gebürtiger Lippstädter von 1948 bis 1974 auch Bürgermeister seiner Stadt war und den Bau schließlich ermöglichte. Im Eingang wurde man direkt von seiner Büste aus Bronze und einem großen Mosaik im typischen Stil der 1960er Jahre begrüßt, welches an der Stirnwand gegenüber des Eingangs prangte und von mehreren Spots beleuchtet wurde. Davor erstreckte sich ein  Warte- bzw. Sitzbereich in Form mehrerer frei angeordneter, rechteckiger Tische mit dunklem Holzfurnier und verchromten Beinen. Dazu passend standen ringsum Polsterstühle in blau, grün und orange.
Rechts neben den Sitzgruppen befand sich dann - abgetrennt durch einen etwa hüfthohen Edelstahlrahmen und einige Zimmerpalmen - der Eingang zum Badebereich. Das Kassenhäuschen am Durchgang war auch gleichzeitig ein Kiosk, an dem man alle möglichen Sorten von Süßkram kaufen konnte - auch während des Schwimmens. Obwohl die Badezeit auf 2 Stunden begrenzt war, nahm ich das Angebot oft in Anspruch. Die weißen Papiertüten mit Süßkram lösten sich in den nassen Händen schnell auf und man klebte dann von oben bis unten... das war immer eine ganz hübsche Sauerei. Die Verkäuferin ermahnte uns jedes Mal, nicht mit den nassen Füßen durch die gekachelten Umkleiden zu rennen, was wir natürlich immer befolgt haben und uns deshalb auch niemals auf die Schnauze legten oder in einen der großen, gusseisernen Rippenheizkörper bretterten. Diese waren wirklich riesig und heizten bis ins Unerträgliche... was für eine Affenhitze das immer war. Also frieren musste da keiner!
Wenn man nicht schon während des Schwimmens am naschen war, wurden spätestens nach dem Duschen, Umziehen und Haare föhnen die 2 Mark aus dem Münzeinwurf des Schließfachs dort verfressen - im Prinzip ein sehr geschickter Schachzug des Betreibers, denn ich kenne wirklich keinen, der das nicht so gemacht hatte.

In der Mitte des Hallenschiffs gab es hoch über dem Becken eine brückenartige Konstruktion aus Kiefernholz, welche einen Wellnessbereich mit Kunstrasen, Wärmelampen, Liegestühlen und jeder Menge Plastikpflanzen beherbergte. Rechts vom Sprungturm aus gesehen führte eine ebenfalls hölzerne Treppe hinauf in den Wellnessbereich und da war er - ein Stück hinter der Treppe, gut versteckt hinter einer großen Palme hing er an einem der wenigen weiß gekachelten Pfeiler: Ein GLORIA Typ PA 6 GD. Ich weiß jetzt nur nicht mehr genau, ob er Standnocken hatte oder nicht... ich meine aber schon, dass er welche hatte und somit aus den Jahren 1980 - 1983 stammte. Schon als ich klein war, hatte ich ihn entdeckt und seitdem verging nicht in Schwimmbadbesuch, bei dem ich nicht mehrfach gezielt am Feuerlöscher vorbeigegangen bin oder dort sogar etwas rumgelungert hatte, um ihn mir anzusehen. Ich war sofort fasziniert von diesem Gerät, denn so einen hatte noch nie gesehen - diese massive Armatur mit schwarzem Tragegriff, roter Drucktaste und gelber Sicherungslasche. Er sah wirklich toll aus und ich wünschte mir bei jedem Besuch, diesen Löscher irgendwie mitnehmen zu können, aber das ging natürlich nicht.
Der PA 6 GD war der einzige Feuerlöscher, den es im Schwimmbereich gab und er war zugegebener Maßen auch der einzige Feuerlöscher, den ich überhaupt in einer Schwimmhalle gesehen habe.
Zur Erstausstattung konnte er nicht gehören, denn den PA gab es erst seit 1978 und das Bad wurde ja schon 12 Jahre vorher in Betrieb genommen. Dass es einen zeitgenössischen Vorgänger an der Stelle gab, der sich im Laufe der Jahre in der Chlorluft aufgelöst hatte und durch den PA ersetzt worden ist, glaube ich auch nicht. Vielmehr wird es so gewesen sein, dass der Wellnessbereich Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er nachträglich hinzugekommen ist und durch die so geschaffenen Brandlasten der PA 6 GD von der Feuerwehr gefordert worden ist.

Am häufigsten besuchte ich das Jakob-Koenen-Bad zwischen 1983 und 1995. Anfangs planschte ich als kleiner Knirps noch im sog. "Pissbecken" für Nichtschwimmer durch die Gegend. Das Becken war meiner Erinnerung nach etwa knietief (bei einem Erwachsenen) und kam durch die in diesem Bereich gelb gekachelten Wände sowie der Wassertemperatur von gut 30 °C zu seinem Namen. Bestimmt wird auch ein Teil seines Inhalts namensgebend gewesen sein... es roch zumindest gerade hier immer extremst nach Chlor und wir alle wissen ja, wodurch dieser Chlorgeruch Zustande kommt.
Später fanden dann auch viele Kindergeburtstage im Jakob-Koenen-Bad statt und das war immer eine große Attraktion - vor allem, wenn man die 2 Mark aus dem Schließfach behalten durfte und dann später in Süßkram umsetzte. Anfang der 1990er Jahre war ich mit meiner Schulklasse auch oft dort schwimmen gewesen und ganz besonders schön war es im Halbjahr 1992/93. Da hatten wir Freitags die ersten beiden Stunden Sport und im Herbst und Winter stand Schwimmen auf dem Programm. Da sind wir immer mit dem 538, der die Käffer abklapperte bis zum Tivoli gefahren und haben auf dem Weg zum Bad regelmäßig die Bäckerei Krick um ein paar Schokocroissants oder Matschbrötchen erleichtert, die wir uns auf dem Rest des Fußwegs gegönnt haben... und dann schön mit voller Plauze ins Wasser.
In den Folgejahren war ich nur noch sehr selten dort und bei meinem letzten Schwimmbadbesuch im Jahre 2002 gab es den PA 6 GD schon nicht mehr. Die Bäckerei Krick gibt es auch schon lange nicht mehr und das Jakob-Koenen-Bad selbst ist mittlerweile auch geschlossen und abgerissen worden.
Es war immer ein Monsterspaß und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Mittlerweile darf ich solch einen GLORIA Typ PA 6 GD, den ich damals immer so gern mitgenommen hätte, auch mein Eigen nennen und immer, wenn ich ihn anschaue, denke ich direkt ans Jakob-Koenen-Bad. Hier habe ich den GLORIA Typ PA 6 GD zum ersten und auch letzten Mal in freier Wildbahn gesehen und das bleibt einem in Erinnerung.

©. Menzel 2018

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