Mittwoch, 10. Juli 2019

Report aus dem Museum: Der Sonderlöscher GLORIA P 6 GT mit Rückentrage

Der GLORIA Typ P 6 GT gleicht vom grundsätzlichen Aufbau her dem altbekannten P 6 G mit außenliegender Treibmittelflasche. Der kleine, aber feine Unterschied: Man kann ihn sich wie einen Rucksack auf den Rücken schnallen!
Damit der Feuerlöscher in dieser Position auch bedient werden kann, bedarf es allerdings einiger Modifikationen, von denen die markanteste wohl zweifelsohne die auf dem Kopf stehende Treibmittelflasche ist. Dieser Umbau ist zwingend notwendig, denn eine Flasche in herkömmlicher, aufrecht stehender Position ist in Rückenlage unmöglich zu bedienen. Woher ich das weiß? Ich habe es schlicht ausprobiert - frei nach dem Motto: Probieren geht über studieren. Ich habe mir einen gewöhnlichen P 6 G auf den Rücken geschnallt und siehe da: Mir fehlen zum Aufdrehen der Flasche schlichtweg 2 -3 Gelenke und mein Arm ist zudem mindestens 20 cm zu kurz. Die veränderte Postion der außenliegenden Treibmittelflasche macht den P 6 GT zu einem wirklichen Sondergerät - einer teuren Extra-Anfertigung - denn man kann aus einem gewöhnlichen P 6 G noch lange keinen P 6 GT bauen, da der Behälteranschluss der 150 g-Kohlendioxidflasche gut 10 cm nach unten gelegt werden muss. Jeder einzelne Behälter für den P 6 GT wird daher als Einzelstück produziert und von Hand geschweißt. Die Befestigung des Flaschenschutzes muss natürlich auch angepasst und dementsprechend anders positioniert werden.

Neben der anders positionierten Treibmittelflasche fällt der lange, spiralarmierte Schlauch auf, der irgendwie viel zu lang wirkt, für den Einsatz jedoch genau richtig bemessen ist. Der 1,20 Meter lange Hochdruckschlauch mit Löschpistole kommt sonst beim P 12 M zum Einsatz und ermöglicht bei diesem Gerät eine komfortable Benutzung. Die Löschpistole kann beim Einsatz leicht aus der Halterung genommen und sowohl mit der rechten, als auch der linken Hand benutzt werden.
Woher ich das weiß? Richtig... ausprobieren...
Damit der Schlauch beim Hantieren nicht abknickt, ist er vom Armaturanschluss ausgehend mit einer Spiralfeder geschützt.
Die Rückentrage ist natürlich auch nicht von irgendeinem Rucksack aus dem Discounter... sie ist wirklich exorbitant bequem und bietet allerhöchsten Tragekomfort in jeder Lage für Personen von allen denkbaren und vermutlich auch undenkbaren Formaten.

Zum Einsatz kommt der P 6 GT hauptsächlich bei Feuerwehren und der Polizei zur Brandbekämpfung von Entstehungsbränden an schwer zugänglichen Einsatzorten und in besonderen Einsatzlagen. Kurz und klein: Überall dort, wo es aufgrund der gegebenen Umstände nicht möglich ist, einen Feuerlöscher am langen Arm mit sich herumzutragen und diesen zu bedienen. Ich könnte mir vorstellen, dass Beamte der Polizei solche Geräte verwenden, um Blockaden aus brennenden Autoreifen abzulöschen, während sie mit Steinen beworfen werden und diese mit Hilfe eines Schutzschilds abwehren müssen. Einen solchen Einsatz kann man sich dann so vorstellen, wie auf der Abbildung* links. Da fehlt dann für den Gebrauch eines herkömmlichen Feuerlöschers ein Arm. Die Feuerwehr könnte solche Geräte bei der Brandbekämpfung bei Wald und Flurbränden in unwegsamem Gelände einsetzen - MINIMAX hatte vor gut 70 Jahren z.B. sogenannte "Waldbrandlöscher", die man sich auch auf den Rücken setzen konnte.
Das Modell, welches ich besitze, stammt von der Bereitschaftspolizei und ist über einige Umwege bei mir gelandet. Es wurde benutzt und da der Feuerlöscher mit Baujahr 1999 seine Altersgrenze erreicht hatte, wurde er durch einen neuen ersetzt. Eine kostspielige Angelegenheit, denn allein für die Rückentrage werden einige grüne Scheinchen fällig.

*Mit freundlicher Genehmigung der GLORIA GmbH

©. Menzel 2019

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