Mittwoch, 23. Januar 2019

Report aus dem Museum: Der GLORIA P 6 K

Die GLORIA-WERKE hatten neben einigen nicht abstellbaren Aufladelöschern kurzzeitig auch einen nicht abstellbaren Dauerdrucklöscher vom Typ P 6 K im Programm, welchen wir uns in diesem Beitrag einmal genauer anschauen wollen. Ich habe diesen Löscher das erste Mal im Sommer 2003 bei einem Landmaschinenhandel in Wadersloh gesehen. Ich war damals Praktikant und bin losgeschickt worden, um irgendein Ersatzteil oder sowas zu besorgen und da stand er - als Türstopper.
Ich habe ihn zunächst für einen kaputten P 6 H oder P 6 D/GD gehalten, da es keinen Druckhebel gab. Gut dachte ich, den haben sie hier irgendwie kaputt gekriegt und wollen ihn noch sinnvoll weiterverwenden - warum nicht. Der Löscher war aber trotzdem merkwürdig und je länger ich hinsah, desto mehr kam ich zu dem Schluss, dass da nie ein Druckhebel drangehört hatte! Jetzt war ich doch in erheblichem Maße neugierig und da noch niemand im Raum war, um mich zu bedienen, ging ich mal näher ran. Ich machte einen halben Schritt hinter den Tresen und begutachtete die Armatur. Jetzt war es sicher - der Löscher war nicht kaputt sondern gehörte so! Mehr konnte ich aber nicht recherchieren, denn es kam jemand und wenn der Kunde schon hinterm Tresen steht, kommt das meistens nicht so gut.

Etwas verwirrt gab ich dann meine Bestellung auf und fragte im gleichen Atemzug, ob ich den Löscher da hinten denn wohl haben könnte - ich zeigte dabei unverhohlen in Richtung des Türstopper-Feuerlöschers. Ich erklärte, dass das eine alte Gurke sei, die nicht mehr unbedingt zum Löschen taugt, aber ich genau solche alten Feuerlöscher sammle. Ich garnierte meine Ausführung mit der Aussicht auf eine kleine Summe Bargeld, die ich dafür sofort aus meiner Tasche ziehen würde. Daraus wurde dann aber leider nix, was ich aber irgendwie schon geahnt hatte. Naja fragen kostet nix und wer nicht fragt, hat von vorn herein keine Chance auf Erfolg. Der Verkäufer wird mit Sicherheit gedacht haben "Was war das denn für ein Spinner???", was ich ihm nicht mal übel genommen hätte.
So machte ich mich wieder auf den auf den Weg, aber der neuartige Feuerlöscher ließ mich nicht los - was war das bloß für ein Ding und wie funktionierte der? Dass es ein Dauerdrucklöscher war, hatte ich sofort erkannt, aber dass er nicht abstellbar war, ahnte ich damals noch nicht. Dies war auch der Grund, warum mir das Funktionsprinzip auch noch nicht wirklich einleuchtete.
Eifrig machte ich mich daran, so einen Löscher aufzutreiben, doch es war vollkommen aussichtslos. Es gab ihn einfach nicht und obendrein wusste ich zu dem Zeitpunkt ja nichtmal die Typenbezeichnung. Ganze zehn Jahre hat es im Endeffekt gedauert, bis ich meinen ersten 1968er Typ P 6 K erwerben konnte! Zwischendurch hatte ich mit Hilfe der richtigen Freunde die Typenbezeichnung und auch die Funktionsweise in Erfahrung gebracht - ich sag es ja immer wieder: Gute Freunde und Sammlerkollegen sind unverzichtbar!

Damit auch Ihr versteht, wie der P 6 K funktioniert, habe ich diese faszinierende Konstruktion mal im Detail fotografiert. Das beste ist, dass ich ihn hierfür nicht einmal aufsägen musste... das wärs auch noch.. nene... auf gar keinen Fall! So einen PD kann man wohl mal durchsägen, aber nicht den P 6 K!
Zurück zum Text: Der komplette Armaturkopf besteht aus einem gepressten Stück Kunststoff, welcher über ein Messinggewinde mit dem Behälter verschraubt ist. Im Inneren befindet sich ein Steigrohr, welches vom Behälterboden hinauf führt und in diesem kleinen Nippel endet, den Ihr in der Mitte des Rahmens seht. Der Rahmen ringsherum sollte ihn vor mechanischen Beschädigungen schützen und den Pulverstrahl etwas lenken, aber zur Zielgenauigkeit kommen wir gleich noch.
Der Feuerlöscher wird nach dem Entsichern durch ein ruckartiges Hochziehen des Handgriffs betätigt. Der Griff ist hinten mit einer scharfen Schneide ausgestattet, welche beim Anheben niedergeht und den Plastiknippel wie eine Guillotine den Kopf des Delinquenten einfach abschneidet. Damit ist der unter Druck stehende Behälter geöffnet und das Pulver strömt über das Blasrohr aus. Nicht abstellbar bedeutet tatsächlich nicht abstellbar im Sinne von nicht abstellbar, denn eine Vorrichtung, um das Ganze zu unterbrechen, gibt es nämlich nicht. Einmal aktiviert spuckte er die ganzen 6 kg BC-Pulver aus und man konnte nichts weiter tun, als hilflos dabei zuzuschauen, wie alles um einen herum innerhalb von Sekunden in einer riesigen Pulverwolke verschwand. Verrückt, aber so war das damals!

Dauerdrucklöscher mit 6 kg Inhalt kamen erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auf und waren ein wahrer Segen für alle Ölheizungsbesitzer. Die Feuerungsverordnungen* der einzelnen Bundesländer schrieben mittlerweile ab einer Menge von 5.000 l Heizöl einen 6 kg-Feuerlöscher** vor und so ein Dauerdrücker war um einiges günstiger, als die bis dahin ausschließlich verfügbaren Aufladelöscher. Zwar hat es mit dem P 6, dem Pn 6 S oder dem Pi 6 S etwas preisgünstigere, ebenfalls nicht abstellbare Geräte vornehmlich für diesen Zweck gegeben, mit dem Preis eines Dauerdrucklöschers konnten sie aber dennoch nicht mithalten - gute 30 bis 40 DM lagen dazwischen.
Von den abstellbaren Typen P 6 D/GD sowie dem P 6 H sind an Privatleute mit Ölheizung Unmengen verkauft worden, wogegen die Verkaufszahlen des P 6 K deutlich geringer gewesen sein müssen, denn sonst wäre er nicht so selten. Überdies scheint es ihn auch nur in den Jahren 1967 und 1968 gegeben zu haben. Etwa Mitte 1967 erfolgte die Zulassung und 1969 taucht er schon in keinem Prospekt mehr auf und ich schätze, dass dies einfach mit der schwierigen Handhabung zu begründen ist.

Hier links seht ihr die aufgedruckte Bedienungsanleitung, nach welcher man 1. die Düse auf den Brandherd richten, 2. den Griff hochreißen und 3. das Feuer von vorn beginnend löschen sollte. Ich habe mittlerweile schon viel Erfahrung im Umgang mit Feuerlöschern und ich schätze, dass diese Vorgehensweise von jemandem, der noch nie einen Feuerlöscher in der Hand hatte, niemals umzusetzen war. Den Griff hochzuklappen, erfordert schon Kraft, denn der Plastiknippel, der hierdurch abgeschnitten wird, besteht logischerweise aus recht dickem Kunststoff; immerhin muss er dem permanent anstehenden Druck von mindestens 15 bar standhalten.
Beim ruckartigen Hochdrücken verreißt man den Löscher schon automatisch und wenn der dann auf einmal loslegt, erschreckt man sich mit großer Wahrscheinlichkeit im ersten Moment etwas, denn der ist recht laut. Dabei verreißt man den Löscher wieder etwas weiter. Der erste, richtig wirkungsvolle Schuss geht schonmal daneben und ein nachträgliches Korrigieren ist sehr wahrscheinlich gar nicht richtig möglich, da man sich mittlerweile inmitten einer dichten Pulverwolke befindet, die einem Sicht, Atem und dadurch sämtliche Orientierung nimmt.
Kurz und klein: Die ganze Bude war vollgepulvert, aber das Feuer unter Umständen gar nicht gelöscht; obwohl: bei einem derartigen Schrotflinteneffekt, wo wirklich die ganze Raumluft durchsetzt wurde mit Pulver, konnte bestimmt in einigen Fällen eine löschwirksame Menge durch den Sog des Feuers zum Brandherd gelangen und diesen löschen, obwohl man gar nicht getroffen hatte. Ist natürlich abhängig von der Größe des Brandherdes usw. und prinzipiell nur so ein Gedanke, aber möglich wäre es. Löschpulver ist echt verblüffend.
Naja - die Handhabung war also nicht ganz ohne und ich vermute, dass der P 6 K aufgrund dessen recht schnell wieder eingestampft wurde. Heute ist er relativ schwierig zu bekommen und es hat noch weitere 5 Jahre gedauert, bis ich auch ein 1967er Modell bekam - makellos und in bestem Zustand. Hing 52 Jahre gut geschützt und nie berührt in einem Keller. Als ich ihn bekam habe ich sofort den Betriebsdruck kontrolliert - volle 15 bar waren noch drauf.
Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, was an dem 67er anders ist als an dem 68er... es ist die Sicherung, sonst nichts.

Ich hoffe, Ihr fandet die Geschichte Interessant und wenn Ihr mal so einen P 6 K bei Euch finden solltet: seid vorsichtig damit! Die sind so dicht und gut gebaut, dass sie auh nach 50 Jahren noch Druck haben können und was passiert, wenn man da aus Jux mit rumspielt, könnt Ihr in diesem Youtube-Video mal sehen... Eine Katastrophe, ehrlich! Der Schaden ist bestimmt immens!

* Seit 2003 ist ein Feuerlöscher bei Ölheizungen nach der Feuerungsverordnung nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Aus Versicherungsgründen und des Selbstschutzes im Falle eines Defekts solltet Ihr jedoch weiterhin einen Feuerlöscher vorhalten. Ruhig weiter einen Pulverlöscher, denn der ist im Falle eines Brandes in der Heizung das richtige Werkzeug. Für die Wohnbereiche empfehle ich allerdings dringend Schaum!

** Spätestens ab 1977 musste ein ABC-Pulverlöscher vorgehalten werden. Damit waren die einfachen BC-Geräte nicht mehr ausreichend und hierin ist bestimmt auch ihr starker Rückgang zum Ende der 1970er Jahre zu sehen.

©. Menzel 2018

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