Sonntag, 4. November 2018

Report aus dem Museum: Auf großer Fahrt nach Leonberg

Wie üblich durchstreifte ich das Internet, um zu schauen, ob es in Sachen "alte GLORIA Feuerlöscher" etwas neues gab. Ich schaue zwar regelmäßig, aber ich habe natürlich nicht immer die Absicht, etwas zu kaufen. Geht ja auch gar nicht, denn man kann ja schließlich nicht jeden Tag einen Feuerlöscher kaufen. Irgendwann ist das Budget dann auch mal ausgeschöpft und wenn man keine Kohle hat, dann kann man auch nix kaufen. So einfach ist das. Deshalb hoffe ich manchmal auch, dass bloß nix interessantes dabei sein würde. Auch an jenem Tage war ich einfach nur neugierig und wollte nur schauen. Nur gucken, nicht anfassen, obwohl ich noch Budget hatte. Tja - aber es kam dann völlig anders, als ich dachte und schon nach nur kurzem Scrollen hatte ich etwas entdeckt, was mich so per se mal noch viel neugieriger machte: "Reste einer Feuerwehrsammlung zu verkaufen" las ich in der Überschrift und auf den gut 15 angefügten Bildern des Inserats waren neben zahlreichen anderen Gegenständen auch immer wieder uralte GLORIA-Geräte zu sehen. Einige waren vollständig abgelichtet, bei anderen konnte man nur erahnen, was es sein könnte. Sämtliche an mich selbst gerichtete Ermahnungen verhallten ungehört in meinem Kopf und wie von selbst begannen meine Finger, eine Nachricht an den Verkäufer zu schreiben. Ich fragte, was alles von GLORIA dabei wäre und bat um ein paar weitere Bilder, wenn es denn welche gäbe. Als ich die Nachricht abgeschickt hatte, konnte ich den Erfolg meiner Anfrage noch nicht einmal erahnen.

Der Verkäufer schrieb mir schon nach kurzer Zeit zurück. Alles müsse weg und er wisse nicht genau, was sich alles in diesem Konvolut verberge, da es sich um die Sammlung seines Vaters handelte. Er wusste aber, dass sich mehr Feuerlöscher von GLORIA darunter befanden, als die Bilder zeigten. Ich habe ihm daraufhin von meinem GLORIA-Museum erzählt und er hat sich am darauf folgenden Wochenende die Mühe gemacht, für mich alles zu sichten und zu fotografieren, wo dieser gewisse Schriftzug mit den sechs Buchstaben draufstand. Hierfür nochmals vielen herzlichen Dank!
Tja, irgendwann hatte er dann alles fertig fotografiert und er schickte mir die Bilder... was ich dort sah... ich dachte wirklich für einen kurzen Moment, dass ich träume und gleich irgendwer ankommt, um mich aus der Falle zu treten. Doch es kam keiner, es machte auch nicht poff und pling und alles war weg sondern es war wahr, es war wirklich wahr, was ich dort sah... ein wahrgewordener Traum!

Ich überlegte fieberhaft, welche der abgebildeten Kostbarkeiten ich nehmen wollte bzw. wie viele von den Löschern ich wohl auf dem Versandweg zu mir bekäme. Es war aussichtslos... das war zu viel und ich war mir sicher, dass der Verkäufer die Klamotten möglichst schnell und ohne großen Verpackungsaufwand loswerden wollte. Auf etwas verzichten... nein, das ging auch nicht!
Ich musste alles haben und das bedeutete einerseits, dass das nicht billig werden würde und andererseits, dass ich natürlich hinfahren musste. Für das, was mir in Aussicht gestellt wurde, war es diesen finanziellen und zeitlichen Aufwand allemal wert! Klar - für irgendeinen Haufen stinkenden Müll wäre ich auch nicht quer durch Deutschland gefahren. Das war wirklich ein Volltreffer für einen Sammler wie mich, für mein GLORIA-Museum und meine Absicht, die Modellgeschichte umfassend darzustellen. Eine einmalige Gelegenheit, die so nie nie nie wiederkommen würde und welche ich einfach nutzen musste!

Der Verkäufer und ich sprachen dieselbe Sprache und wir einigten uns schnell auf einen für beide Seiten fairen Preis. Der Deal zwischen uns war folgender: Ich sollte alles von GLORIA bekommen. Alles! Feuerlöscher, Werbematerial... einfach alles, wo GLORIA draufstand - und zwar nicht nur alles, was auf den Bildern zu sehen war sondern auch das, was im Zuge der weiteren Aufräumerei noch auftauchen würde. Ein echter MEGA-DEAL! Das Zeug sollte allerdings schnell weg - so wie ich vermutet hatte - doch war es ein weiter Weg für mich und ich konnte noch nicht genau einschätzen, wann ich diesen Ritt zeitlich mal schaffen würde. Nach einer Anzahlung hätte ich Dank des entgegenkommenden Verkäufers alles bei ihm bzw. seiner Mutter bis Dezember stehenlassen können, doch wollte ich die Kostbarkeiten ja auch schnell hier haben. Dann tat sich im August ein eigentlich längst schon verplantes Zeitfenster auf und ich konnte meinen Plan zeitnah in die Tat umsetzen.

Am 18.08.2018 war es dann schließlich soweit: Um exakt 05:46 startete ich den Motor unseres bis unters Dach mit leeren Kartons gefüllten Autos und trat die knapp 430 km lange Strecke nach Leonberg an. Für alle, die das jetzt geographisch nicht sofort einordnen können: Leonberg liegt bei Stuttgart in Baden-Württemberg und vom Ruhrgebiet aus erreicht man dieses Ziel am besten über die Autobahnen A1, A45, A5 und die A8. Wenn man Pech hat, kann man da überall richtig dick in der Scheiße landen und sich im Stau die Reifen plattstehen. Das hätte natürlich überhaupt nicht in meinen sehr engen Zeitplan gepasst, denn ich musste wegen eines Anschlusstermins um spätestens 16:00 Uhr wieder zu Hause sein - sonst hätte es Ärger mit der Regierung gegeben.

Außer einem kurzen Tankstopp auf dem Rückweg war eine Rast aus Zeitgründen nicht wirklich geplant und ich hatte mich bzw. meine liebe Frau hatte mich für die Reise mit Schnitzelbrötchen, Obst sowie diversen leckeren Getränken bestens ausgerüstet.
Kurz hinter Bad Nauheim musste ich die Fahrt allerdings dann doch unterbrechen. Schuld waren die drei Tassen Kaffee, die ich mir vor der Abfahrt noch schnell reingeschüttet hatte... Naja, immerhin hatte ich die A45 schon hinter mir und lag gut in der Zeit, sodass ich mir doch kurz die Füße vertrat und mir dabei genüsslich eines der Schnitzelbrötchen reinschraubte. Natürlich kleckerte ich und war froh, dass ich Ketchup, Panade und Salat nur von meinem Poloshirt und nicht auch noch vom Autositz kratzen musste.

Der Rest der Fahrt verlief ohne nennenswerte Störungen und ich erreichte mein Ziel um 09:46 - eine Viertelstunde eher, als ich geplant hatte. Naja - ich war wirklich gut durchgekommen und mit unserem PKW unterwegs, sodass ich gerade in Baustellen, von denen es nicht nur auf der A45 mehr als reichlich gibt, nicht auf der rechten Spur rumschleichen musste sondern auch die auf 2,10 m verengte Überholspur zurückgreifen konnte! Außerdem war die Zielstraße derartig eng, dass ich mit dem Crafter da richtig richtig Theater bekommen hätte. Das war mit dem Auto schon verdammt eng und ich war noch nicht mal mit meinem roten Bomber (BMW 525i) unterwegs. Das wäre auch eine sehr schöne Ausfahrt gewesen, aber da hätte ich vermutlich nicht alles reinbekommen. Außerdem wäre der Verbrauch mit durchschnittlich 14 l Super auf 100 km fast doppelt so hoch gewesen und ich hätte trotz 90 l Tank bestimmt einen zweiten Tankstopp machen müssen.

Ich stieg aus, klingelte und wurde von einer sehr netten Dame - der Mutter des Verkäufers - begrüßt, die schon auf mich gewartet hatte. An ihrer Seite war ein winziger, kugeliger und unglaublich süßer Hund, den ich am liebsten mit eingepackt hätte. Der kleine Kerl war allerdings nicht Bestandteil unseres Deals und ich glaube, dass das Frauchen auch sehr traurig gewesen wäre. Nachdem mir der kleine Hund "Grüß Gott" gesagt hatte, trollte er sich zurück in sein Körbchen und ich ging mit ihr zur Garage, wo die Sachen mittlerweile für mich eingelagert worden sind. Das Tor öffnete sich und ich  erblickte die herrlichen Kostbarkeiten, die ich gekauft hatte. Es war alles, was auf den Bildern zu sehen war und der Verkäufer hatte noch einige weitere Geräte in OVP aus den 1970ern dazugestellt... Phantastisch. Jetzt hatte ich allerdings etwas Sorge, ob das denn auch ins Auto passt, doch nachdem ich etwa eine gute Stunde lang alles nach bester Tetris-Manier überall hingezirkelt hatte, stellte ich erfreut fest, dass alles passte, die Türen zugingen und ich nichts zurücklassen musste. Für ein paar Spinnen hatte der Platz sogar auch noch gereicht, wie ich zum Glück erst abends beim Ausladen entdeckt hatte.

Nachdem ich alles eingepackt hatte, bezahlte ich den Rest der vereinbarten Summe und verabschiedete mich. Es war ein wirklich sehr schöner Besuch gewesen und die Dame war sehr froh, dass die alten Sachen nun in gute Hände kamen. Es war nicht einfach nur ein Sammelsurium von irgendwelchen GLORIA-Sachen, die irgendwer irgendwie mal gesammelt hat, sondern bei den Sachen handelte es sich um die Reste des Stuttgarter GLORIA Werkslagers und Verkaufsbüros St. Florian. Das waren alles Sachen, die gezielt von ihrem Mann aufgehoben worden sind und die man sonst nirgendwo mehr bekommt. Neben Feuerlöschern waren auch zahlreiche Werbeartikel dabei - Erfrischungstücher aus dem Jahre 1974, Wandplakate mit Explosionszeichnungen zu diversen Feuerlöschern, Kartenspiele, Feuerzeuge, Streichholzbriefchen, Flaschenöffner, Kugelschreiber, Zettelboxen, Kaffeetassen, Pappaufsteller, Lineale, Fotografien und viele viele sonstige Unterlagen. Das war wirklich ein ganz besonderer Glücksgriff, den ich da getätigt hatte.

Ich setzte mich wieder hinters Lenkrad und ich musste auch wirklich weiter, denn mittlerweile war es 11:00 Uhr durch. Irgendwas war natürlich gesperrt, sodass ich vom Navi ziemlich lange über Land geschickt worden bin - landschaftlich sehr reizvoll und schön anzusehen, aber für mich zum Wohnen wär dieses rauf und runter ja nix ehrlich gesagt. Gut - einer, der auf der Schwäbischen Alb großgeworden ist, kann mit unserem schönen Ruhrpott wahrscheinlich auch nicht allzu viel anfangen. Ich erreichte die nächste Auffahrt zur A8 und fuhr direkt in den Stau... na super! Tanken musste ich auch noch und da ich eh schon stand, quälte ich mich bis zur Tank- und Rastanlage Niefern / Öschelbronn (Enzkreis) durch und machte den Tank erstmal wieder voll. Schließlich lagen noch über 400 km Fahrt vor mir und ich wusste nicht, was noch alles auf mich zukommen würde. Zurück im Stau verputzte ich ein weiteres Schnitzelbrötchen - diesmal tatsächlich ohne zu kleckern - leerte zwei Flaschen leckere Limonade und biss herzhaft in meinen Apfel. Bei diesem einen Bissen blieb es allerdings, denn der Apfel rutschte mir beim Schalten leider in den Fußraum auf der Beifahrerseite - da war natürlich auch alles vollgestopft und nochmal anhalten, um den Apfel da raus zu polken... nein! Keine Zeit! Auch das Radio rauschte und knisterte in einer Tour und begann langsam aber sicher, mir auf den Zünder zu gehen und so langsam war ich es auch leid, ständig den Sender neu einzustellen. Da ich auch ein großer Hörspielfan der Serie "Die drei ???" bin, legte ich eines meiner Lieblingshörspiele auf und alles war gut. Auch der Stau lichtete sich und nun hieß es wieder: Volle Fahrt voraus! Das war auch gut so, denn die Zeit saß mir wirklich im Nacken.

Der Rest der Fahrt verlief sehr sehr gut und ich kam ohne weitere Verzögerungen nach insgesamt knapp 8,5 Stunden Fahrt und 843 gefahrenen Kilometern um 15:20 zu Hause an. Puuuh - pünktlich geschafft! Da wir wie gesagt noch einen weiteren Termin hatten, blieb mir vorerst keine Zeit, die ganzen Kostbarkeiten auszupacken. Das machte ich dann später am Abend und es war wirklich überwältigend, was ich da alles tolles abgesahnt hatte. Mehr als 30 Feuerlöscher und ohne Ende Werbematerial. Der Zustand der Geräte war durchweg gut bis sehr gut - es waren ja auch zahlreiche Sachen in OVP dabei - und ich war überglücklich, dass ich mich nicht davor gescheut hatte, dieses Abenteuer zu bestreiten und das alles so reibungslos von Statten ging. Da hatte ich wirklich Glück und einen fairen Verhandlungspartner gehabt - das ist leider nicht mehr selbstverständlich heute und deshalb möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken.
Mal sehen, welches Abenteuer als nächstes kommt...

©. Menzel 2018

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