Samstag, 8. Dezember 2018

Elektrische Signalhupen

Neben Feuerlöschern der Marke GLORIA kreist mein Interesse schon seit einigen Jahren um akustische Schall- und Signalgeber und ganz besonders fasziniert bin ich dabei von elektrischen, bzw. elektromechanischen Signalhupen mit Schalltrichter.
Diese Geräte dienen vornehmlich zum Warnen und Rufen und man findet sie insbesondere dort, wo es extrem laut ist oder wo weite Strecken zu überbrücken sind. So werden Signalhupen z.B. im Umfeld einer Kraftwerksturbine installiert und mit verschiedensten Überwachungsinstrumenten gekoppelt. Wird dann irgendwas zu heiß, zu schnell oder was weiß ich was, gibt die Hupe einen durchdringenden Ton von sich, welcher dazu in der Lage ist, die laufende Turbine zu übertönen bzw. deren betriebsbedingten Lärm zu durchdringen. Ebenso kann eine solche Hupe über spezielle Relais mit einem Telefon oder einer Klingel verbunden sein. Mit Hilfe einer solchen Signalhupe hört man dann nicht nur in sehr lauten, sondern auch in sehr weitläufigen Betriebsteilen, wenn das Telefon schellt oder einer am Tor steht und die Klingel drückt.
Korrekt bezeichnet wird ein solches Gerät als Signalhupe, doch was ich bei meiner Suche schon alles gelesen habe... Signalhorn, Fabrikhupe, Fabrikhorn, Fabriksirene, Hallenhorn, Schulhofhorn, Pausenhorn, Pausenhupe, Trichterhupe, Fabriktröte, Elektrohupe... zum Schießen!


Die Signalhupe besteht aus einem Korpus, welcher die Technik beherbergt und einem nach unten abgehenden Schalltrichter, welcher im Laufe der Dekaden Form und Länge änderte. Der Ton wird mit einem ungepolten Elektromagneten erzeugt, dessen Stößel eine Schallmembrane bis zu 120 mal pro Sekunde anstößt. Eine Signalhupe generiert demnach keinen auf- und abgehenden Heulten, sodass die Bezeichnung eines solchen Gerätes als Sirene sachlich falsch ist. Vielmehr wird ein monotoner Dauerton erzeugt, welcher lautmalerisch am besten mit einem tiefen "BRÖÖÖÖÖÖÖÖH" zu umschreiben ist. Der Schalltrichter sorgt nicht nur für eine zielgerichtete Lenkung des Schalls, sondern beeinflusst durch seine Ausführung auch die Tonlage. Bei frühen Modellen konnte man sagen: Je größer der Schalltrichter, desto tiefer der Ton. Ich meine, dass die Lautstärke auch beeinflusst wird, dass kann aber auch subjektiv sein. Müsste man mal genauer unter die Lupe nehmen. Heute sind die Signalhupen im Gegensatz zu früher relativ einheitlich und große Modelle wie die HPW 11 von FHF erreichen eine Lautstärke von gut 110 dB(A).


Seit wann genau es die Signalhupen gibt, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau zu sagen - man findet auf Anhieb einfach nichts darüber. Klar - man könnte die Hersteller anschreiben, in Archiven entsprechende Dokumente sichten, aber das ist relativ zeitaufwändig. Vielleicht mache ich das irgendwann mal - hab ich ja schließlich gelernt, doch im Augenblick und auch in den nächsten Jahren habe ich keine Zeit für sowas.
Also reime ich mir wie so oft meine eigenen Theorien anhand originaler Exponate und dem Fachwissen von Freunden zusammen, denen ich große Bedeutung beimesse. Das älteste Modell, welches ich besitze, ist eine Signalhupe der Firma Mix & Genest, deren Alter dem originalen Anschlusskabel aus Stoff etwa auf die 1930er Jahre zu datieren ist. Die riesigen Abmessungen von gut 50 cm in der Länge passen ebenfalls zu dieser Vermutung.
Auf einigen Bildern habe ich jedoch auch schon Signalhupen aus einfachem Trompetenblech gesehen, welche mehr an ein Blechspielzeug, als an ein technisches Gerät erinnert haben. Experten für Elektrogeräte aller Art, denen ich dieses Bild zeigte, datierten diese Modelle in die Gründerzeit, also um 1900. Daher gehe ich persönlich davon aus, dass dieses auch die ersten Modelle waren, denn wenn man mal so schaut, gründeten sich die heute größtenteils ehemaligen Hersteller in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und fingen mit Telefonen und anderen Kommunikationsgeräten an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Elektrifizierung und Mechanisierung dann schon soweit vorangeschritten, sodass das Geschäftsfeld um die Signalhupen erweitert wurde. Aber wie gesagt: Das ist bis jetzt nur eine grobe, wenn auch schon recht fundierte Einordnung meinerseits und wenn jemand noch was genaueres weiß, kann er gerne seinen Teil dazu beisteuern - mit belegbaren Quellen natürlich.


Ganz sicher ist allerdings, dass die Signalhupen im Laufe der Zeit immer kleiner und einheitlicher wurden. Zur Anfangszeit wurde einfaches Blech und danach Druckguss-Aluminium benutzt - später bis in die 1950er Jahre hinein dann massives Gusseisen auch bei nicht EX-geschützen Geräten. Das Bild links zeigt eine Signalhupe von Funke + Huster aus massivem Gusseisen und diese stammt in etwa aus den frühen 1940er Jahren. Das kann ich ziemlich genau sagen, denn ich habe mal bei eBay ein altes Prospekt aus dem Jahre 1940 von Funke + Huster gesehen, wo genau dieses hier links abgebildete Modell in dieser Form beworben worden ist. Die Gesamtlänge der Hupe beträgt nun anstatt 50 cm nur noch etwa 40 cm.

Ebenso ist es bei einem Modell des ehemaligen Herstellers "Fernsprech- und Signalbaugesellschaft Schüler & Vershoven, Essen-Kupferdreh" - später kurz "Fernsig Essen" genannt und heute zu Funke + Huster als "FHF" (Funke-Huster-Fernsig) gehörig. Dieses ist am Typenschild eindeutig belegbar aus dem Jahre 1948 und weist ebenfalls exakt die länge von 40 cm auf. Die Form des Schalltrichters ist auch nicht mehr so geschwungen, sondern schon mehr gerade nach unten gerichtet.
Vom Vorbesitzer weiß ich, dass diese Hupe in einem alten Scheiben-Gasbehälter (Gasometer) hing und mit verschiedenen Messinstrumenten gekoppelt war. Glücklicherweise wurde sie vor dem Abriss abmontiert und ist so erhalten geblieben.


Spätestens ab den 1960ern waren die Gehäuse dann aus Bakelite, spätestens ab den 1970er Jahren aus Kunststoff. Der Schalltrichter ging von nun an gerade nach unten weg mit einer schräg nach vorn angeordneten Schallöffnung, so wie wir es hier links auf dem Bild von einem 1960er Modell der Firma BEKO sehen. Lediglich im Bergbau und anderen speziellen Bereichen blieb man zumeist bei der schweren Ausführung aus Gusseisen. Im Bergbau des Explosionsschutzes und der Robustheit wegen und auch im Umfeld eines Hochofens musste was stabiles, temperaturbeständiges auf den Tisch. So eine "Plastikhupe" könnte man da buchstäblich nach nur kurzem Einsatz in den Schornstein schreiben.



Größtenteils dienen meine Signalhupen reinen Anschauungszwecken, d.h. sie sind nicht unbedingt funktionstüchtig. Manche gehen, das habe ich ausprobiert, einige belasse ich allerdings so, wie sie sind, ohne sie anzuschließen. Eines meiner Modelle von Mix & Genest (links) muss in einer Kokerei gehangen haben oder so etwas... die stank durch und durch nach Teer, Benzol und was weiß ich was - nach der Oberflächenreinigung ging es dann. So ein Gerät schließe ich natürlich nicht an, da es erst einmal auch von innen kontrolliert werden müsste. Beim Öffnen des Gehäuses würde ich schon die Dichtung zerstören und wenn die fehlt, bleibt da logischerweise ein Spalt und irgendwo eine Dichtung für eine 60 oder 70 Jahre alte Signalhupe einer Firma aufzutreiben, die es selbst seit 1954 nicht mehr gibt... unmöglich! Die Technik darunter ist wahrscheinlich ebenso versaut wie das Gehäuse und müsste vor einem Einsatz erst aufwändig instandbesetzt bzw. erneuert werden. Bevor ich also was kaputt mache oder anschließe, was mir vielleicht um die Ohren fliegt, Fummel ich gar nicht erst übermäßig dran rum. Dann bleibt das 15 kg schwere Monster mit einer Schallöffnung, wo man fast seinen Kopf reinstecken kann, lieber stumm - die Nachbarschaft wird es mir vermutlich danken.


Neben den betagten, teilweise nicht funktionstüchtigen Signalhupen besitze ich allerdings auch Neuware die funktioniert und welche ich auch anschließe. Mehrere Kleinhupen von Friedland - teilweise in Kombination mit einem Grothe Läutewerk (OVP von 1991!), welches als Feueralarm in einer Schule gedacht war - sind schon in der Werkstatt und anderen Bereichen meines Imperiums montiert. Sie müssen nur noch verkabelt und angeschlossen werden, und für die neuwertige FHF HPW 11, die wir hier links sehen, finde ich irgendwann bestimmt auch noch eine Verwendung.
Die eben gezeigte BEKO-Hupe von 1960 ist funktionstüchtig und diese hatte ich lange Jahre in meinem alten Jugendzimmer im Einsatz. So ein Ding ist echt tierisch laut und für herkömmliche Wohnräume eher ungeeignet. Wenn man bedenkt, dass ich mein Telefon damals mit einer solchen Signalhupe koppeln wollte... Du lieber Gott! Gut, dass das aufgrund fehlender Relais und einer guten Portion Unwissenheit meinerseits nicht funktioniert hat. Damals gabs noch nix mit WhatsApp und Handy und sowas... da wurde noch schön über Festnetz telefoniert und das wäre anstrengend für den Straßenzug geworden...

Neben den Signalhupen besitze ich auch einige Läutewerke, doch dazu erfahrt Ihr in einem gesonderten Artikel mehr.

©. Menzel 2018


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