Mittwoch, 28. August 2013

GLORIA Typ Pn 6 G Bj. 1974

GLORIA Pn 6 G 1974
Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN PULVER 6
Typ: Pn 6 G
Bauart: PG 6 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibmittelpatrone
Baujahr: 1974
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: 10 kg


Geschichte
Unscheinbar wirkt dieser Löscher, welchen so mancher wohl noch von seinem Arbeitsplatz, aus dem Supermarkt oder aus dem heimischen Keller kennt. Doch: In Wirklichkeit haben wir hier etwas ganz besonderes, denn dieses Modell ist eines der ersten, welches nach neuen Richtlinien produziert und gestaltet wurde. Technisch ändert sich nichts im Vergleich zu seinen Vorgängern - der Pn wird nach wie vor über einen roten Schlagknopf ausgelöst, welcher wahlweise auf einem Kunststoff- oder Metallventil sitzt.
Am deutlichsten treten die Neuerungen im Bereich des Siebdrucks hervor, weswegen wir hiermit auch beginnen. 

Siebdruck GLORIA 1974
Hier links haben wir das neu gestaltete Siebdruckbild - oben die Piktogramme zur Bedienung, unten die Brandklasseneignung. Diese Elemente treten am deutlichsten hervor und sind das, was man neben dem großen, nun auch vom Rest des Aufdrucks abgesetzten GLORIA-Schriftzug als erstes wahrnimmt; auch aus größerer Entfernung.
Die frühere Bebilderung zur Inbetriebsetzng und Bedienung war weniger in einzelne Schritte unterteilt, als vielmehr eine fließende Bewegung, welche sich zumindest bei den Geräten von GLORIA auch bis in die Mitte des Aufdrucks erstreckte. Links neben diesen fließenden Bewegungen war dann noch einmal die Bedienung in Wort und Schrift aufgedruckt - zwar mit einer Nummerierung, aber dennoch erinnerte das Ganze auch eher an einen Fließtext.
Hier wurde kräftig aufgeräumt und umstrukturiert: Die Fließbewegung wurde in einzelne Schritte unterteilt, welche sich nun klar in "Entsichern", "Aufladen" und "Auslösen" gliedern. Auch ist nun bei jedem Schritt die schriftliche Erklärung direkt unter dem Piktogramm zu finden (dies wurde jedoch ab 1975 wieder abgeändert).
Während die Brandklasseneignung bei den Vorgängergeräten im Kleingedruckten verschwand und nur bei genauem Hinsehen auszumachen war, wird diese nun erstmals ganz deutlich hervorgehoben. So können nun auch Laien genau erkennen, was für einen Löscher sie vor sich haben, bzw. welche Brände er damit löschen kann. Feuerlöscher mit BC-Pulver unterschieden sich bis dahin vom rein Äußerlichen her nämlich nicht wirklich von solchen mit ABC-Pulverfüllung und nur der Kenner konnte es an einigen Merkmalen ausmachen - meistens direkt an der Typbeschreibung, welche zur Kennzeichnung eines ABC-Pulverlöschers immer ein "G" trug. Richtiges Fachwissen war fortan nicht mehr nötig, denn dafür gabs ja jetzt die Piktogramme. Übrigens die schönsten aller Zeiten wie ich finde, denn früher konnten die Hersteller noch individuelle Piktogramme für die Brandklassen erstellen. So verwendete GLORIA andere als MINIMAX, die wiederum andere als WINTRICH hatten und so weiter. Am besten finde ich hier die Brandklasse E... Phantastisch!
Ebenfalls neu ist das aufgedruckte Baujahr (Monat - Jahr) mit der Bezeichnung "Werksendkontrolle 68". Das gab es vorher auch nicht. Wer bei den Vorgängermodellen wissen wollte, wie alt diese sind, musste am unteren Behälterrand nach dem in den Behälter eingeschlagenen Baujahr suchen.

Armatur und Sicherung
Neben dem Siebdruck änderten sich auch die Anbauteile ein wenig. Fangen wir oben an. Die verchromte Überwurfmutter war nicht mehr einfach nur rund, sondern wurde wieder mit Zapfen versehen. Diesmal nicht mehr mit vier kleinen Zapfen wie bei den Modellen von 1959 - ca. 1967, sondern mit drei breiteren. Der Ventilkörper wurde hingegen auch bei dieser Modellreihe entweder aus Kunststoff (wie bei diesem Modell) oder aus Metall gefertigt. Die Sicherung des Schlagknopfes per Plexiglasstift und Abreißlasche blieb wie bei den Vorgängermodellen bestehen. Hier änderte sich außer der Farbe der Lasche nichts. Kunststoffsicherungen waren bei GLORIA nämlich fortan einheitlich gelb. Vorher waren diese noch rot und - wen wunderts - im Kontrast zu einem ebenfalls roten Behälter nicht ganz so gut zu sehen.




Standnocken ab 1974
Auch im unteren Bereich wurden einige Neuerungen vorgenommen. Anstelle des nach Innen gewölbten Sternbodens, wölbte sich der Behälter nun nach außen und wurde mit drei Standnocken versehen, welche nur in den Jahren 1973/74 schwarz waren. Nachfolgende 6 kg-Modelle wurden bis 1978 mit drei roten Standnocken versehen. Eine ziemlich kippelige Angelegenheit, denn schon beim kleinsten Rempler fallen diese Löscher um. Hier wurde dann 1978 nachgebessert und die Zahl auf standsichere fünf Nocken erhöht. Auch die Halterung für die Löschpistole bestand nun nicht mehr aus einem einfachen Becher, sondern aus einer exakt an die Behälterrundung angepasste Aufnahme aus Kunststoff.
Der Stutzen, auf welchen der Schlauch aufgeschraubt wurde, befand sich fortan auch nicht mehr exakt an der Seite des Löschmittelbehälters, sondern rückte ein wenig nach hinten. Deutlich wird dies auf dem Einstiegsbild, wo dieser nämlich nicht zu sehen ist.


So umgestaltet verkörperten nun auch die Feuerlöscher die nüchterne Rationalität der 1970er Jahre und fügten sich gut in die damals neu gestaltete Architektur ein. Feuerlöscher des Typs Pn waren quasi das Konkurrenzmodell zur sehr erfolgreichen Pi-Serie, doch fanden sie meines Erachtens keine so große Verbreitung. Dennoch wurden sie massenhaft aufgehängt und fanden sich in jeglichen Bereichen des Lebens wieder.
Ein schönes und top erhaltenes Modell dieser seltenen ersten Baureihe nach neuen Gesichtspunkten, welches heute natürlich nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht und aufgrund seines Alters von immerhin fast 40 Jahren längst aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Der Ventilkörper ist bei diesem Feuerlöscher übrigens "verkehrt" eingesetzt worden, denn der Bügel lässt sich seitlich anklappen. Falsch ist das nicht, aber normalerweise sind die Tragbügel der GLORIA Pn-Typen nach vorn oder hinten zu klappen. Vielleicht bringe ich den Bügel in die richtige Stellung, vielleicht lass ich ihn aber auch so - mal sehen.

Zum Feuerlöschermuseum

© C. Müller 




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