Montag, 23. Mai 2016

GLORIA Typ Wi 10 N Bj. 1977

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN WASSER 10
Typ: Wi 10 N

Baujahr: 1977
Bauart: W 6 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibgaspatrone
Inhalt: 10 l Wasser + Netzmittel
Gewicht des gefüllten Geräts: ca. 16,5 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1976-1978




Geschichte:

Hier haben wir einen sehr seltenen Wasserlöscher vom Typ Wi 10 N von 1977 und schon zu seiner Zeit war er eine echte Rarität! Auch in den 1970er Jahren dominierten die Pulverlöscher und drängten die erst 1973 wiedereingeführten Wasserlöscher weit an den Rand. Nur sehr, sehr vereinzelt sah man damals mal einen solchen Wasserlöscher und ich kann mich nur an einen einzigen erinnern, den ich in freier Wildbahn bewundern durfte. Das war damals bei uns im real,- in Lippstadt - dort hing genau ein solcher Wi 10 N vorne links in der CD-Abteilung direkt unter einer Grabbelkiste mit "Hits für´n Euro", wenn Ihr versteht was ich meine.
Jedes, aber auch wirklich jedes mal, wenn ich in den real,- ging, bin ich zu dem Wasserlöscher gepilgert und habe ihn bewundert und mir natürlich insgeheim gewünscht, einen solchen auch mal besitzen zu können. Das jähe Ende meines Vergnügens endete abrupt im Jahre 2004, denn mit der radikalen Umgestaltung meines geliebten real,- verschwand der Wi 10 N und ist wahrscheinlich postwendend in der Tonne gelandet.

Das große Problem dieser alten Wasserlöscher ist, dass sie ganz furchtbar gammeln - trotz Innenbeschichtung! Als ich diesen hier öffnete, um ihn zu entschärfen, zeigte sich mir ein verheerendes Bild. Überall Gammel und Rost, Rost, Rost! Das Gewinde war derartig angegriffen,dass der Löscher nicht mehr abdichtete und während des Versands fast komplett ausgelaufen ist. Die Druckpatrone war derartig festgegammelt, dass ich die gesamte Ventilarmatur fast eine Woche in WD 40 gebadet habe und sie nur mit dem beherzten Eingreifen meines Nachbarn vom Ventilkopf lösen konnte.
Das Gefährliche: Die Patrone war noch 100% gefüllt, d.h. sie hatte noch genug Dampf, um den Löscher unter vollen Betriebsdruck zu setzen. Diesem hätte der innerlich marode Behälter allerdings mit Sicherheit nicht standgehalten! Der Löscher wäre geborsten - wahrscheinlich sogar irgendwann von selbst, da auch die Platzfolie, welche die Patrone abdichtet und beim Aufladen durchstochen wird, bereits angegriffen war. Früher oder später hätte sie den Druck von 60 bar nicht mehr halten können und der Löscher hätte sich quasi selbst unter Druck gesetzt! BUMMS!
Deswegen: Vorsicht bei alten Wasserlöschern! Von Außen sehen sie noch aus wie neu, innerlich aber total verrottet! Hierzu werde ich auch noch einmal einen gesonderten Artikel schreiben, denn ich habe genau hierfür tolles Bildmaterial bekommen!

Äußerlich ist auch dieser Wi 10 N in einem guten Zustand - als ich ihn bekam, fehlten ein Standfuß sowie die Schlauchhalterung - doch nach einem gezielten Griff in mein gut sortiertes Ersatzteillager ist er nun wieder komplett. Der Aufdruck ist gut erhalten und zeigt die typischen Merkmale der späten 1970er Jahre. Die Typenbezeichnung "Wi 10 N" bedeutet übrigens "Wasser - innenliegende Druckpatrone - 10 l - Normal". Es gibt einen baugleichen Typ Wi 10 F, welcher frostsicher bis -30 Grad ist (das "F" steht für "Frostsicher").

Ein sehr schönes und sehr seltenes Stück, was heute und wahrscheinlich auch schon vor 20 Jahren nur schwierig zu bekommen ist und ich freue mich, Euch dieses seltene Stück hier präsentieren zu können.

©. Menzel 2016

Montag, 16. Mai 2016

GLORIA Typ PN 6 Bj. 1961

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN TROCKEN
Typ: Pn 6

Baujahr: 1961
Bauart: P 6 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibgaspatrone
Inhalt: 6 kg BC- Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: ca. 10,5 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1960-1962




Geschichte:

Dieser Feuerlöscher vom Typ Pn 6 aus dem Hause GLORIA erfreute sich schon kurz nach seiner Zulassung im Jahre 1960 einer großen Verbreitung, doch auch, wenn diese Löscher in großen Stückzahlen auf den Markt kamen, dürfte dieses Modell hier eine ganz besonders seltene Ausführung sein.
Vom Aufdruck her weist dieser Feuerlöscher allen Typischen Merkmale und spiegelt mit seinen warmen Farben sowie den geschwungenen Formen den Charme längst vergangener Zeiten wieder. Der gelbe Tragbügel aus Kunststoff sowie der Kunststoff-Ventilkörper sind bei diesem Modell auch nicht weiter ungewöhnlich sondern Standard. Wenn man mal genau hinschaut, besteht die Flügel-Überwurfmutter nicht aus massivem Messing, sondern ebenfalls aus gelbem Kunststoff und das ist eine echte Sensation! Das habe selbst ich als GLORIA-Experte noch nie gesehen!

In meinem Lehrgang zum Sachkundigen nach DIN 14406-4 habe ich gelernt, dass bei der Unterdrucksetzung eines Aufladelöschers ein Gewicht von etwas mehr als einer halben Tonne von Innen gegen die Ventilarmatur drückt, welche eben von der Überwurfmutter am Behälter festgehalten wird. Unglaublich, dass die enorme Kraft auch von einer Überwurfmutter aus Kunststoff gebändigt werden konnte - doch das war vor 55 Jahren!

Ich vermute mal, dass einem heute bei der Unterdrucksetzung dieses Löschers die gesamte Armatur samt Überwurfmutter weggeplatzt und um die Ohren fliegen würde. Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben nämlich gezeigt, dass der Kunststoff brüchig und spröde wird, wenn sich die Weichmacher verflüchtigt haben. Mehrfach ist es auch schon zu Unfällen gekommen, bei denen der versprödete Kunststoff-Ventilkörper geplatzt oder wie ein Geschoss weggeflogen ist. Da ich mich beim Lösen der Flügel-Überwurfmutter sehr bemühen musste, diese nicht zu zerbröseln kann ich also mit Sicherheit sagen, dass auch dieser Kunststoff mittlerweile versprödet ist und den Belastungen einer Unterdrucksetzung nicht standgehalten hätte. Ich weiß von dieser Gefahr, der normale Verbraucher allerdings nicht und daher nochmal die Warnung: Alte Feuerlöscher sind kein Spielzeug und können sehr gefährlich werden, weswegen man sie unter keinen Umständen auslösen sollte!

Da es 1960 noch keine preiswerten Dauerdrucklöscher gab, war gerade der Typ Pn mit BC-Pulverfüllung oft in Privathaushalten anzutreffen, in welchen die gute Stube mittels einer Ölheizung auf behagliche Temperaturen gebracht worden ist. Nach der neu erlassenen FeuVO musste bei der Lagerung von Heizöl ab einer Menge von 1000 l ein geeigneter Feuerlöscher in der Nähe des Lagerraums angebracht werden und das war bis etwa Mitte der 1970er Jahre ein BC-Pulverlöscher (danach ABC).
Der Typ Pn war aufgrund seiner Schlagknopfarmatur etwas günstiger als das Topmodell Pi mit Halbautomatik-Aufladung, weswegen eben gerne zu diesem Modell gegriffen wurde. Im Gegensatz zum noch etwas günstigeren Typ Pn 6 S besitzt der Typ Pn 6 eine abstellbare Löschpistole - ein Ausstattungsmerkmal, auf welches auch ich nicht hätte verzichten wollen.
In Gewerbe und Industrie war dieser Feuerlöscher jedoch ebenfalls anzutreffen, allerdings nur in solchen Betrieben, bei denen Brandgefahren durch Stoffe der Brandklassen B und C bestanden. Für Brände von Feststoffen der Brandklasse A war dieser Löscher nämlich ungeeignet. Entsprechende Betriebe dürften daher KFZ-Werkstätten, Garagenanlagen, Tankstellen, Lackierereien, petrochemische Anlagen und dergleichen gewesen sein. Mit Blick auf die verarbeiteten Lösungsmittel könnten solche Löscher allerdings an bestimmten Stellen in der Möbelindustrie vorgekommen sein.

Ein sehr schönes, hervorragend erhaltenes und mit seiner Flügelüberwurfmutter aus Kunststoff ein wirklich seltenes Modell, welches heute nahezu nicht mehr zu bekommen sein dürfte.

©. Menzel 2016

Samstag, 14. Mai 2016

GLORIA Vergaserbrand-Löscher Typ CB 0,2 Bj. 1963

Hersteller: GLORIA-WERKE
VERGASERBRAND-LÖSCHER
Typ: CB 0,2

Baujahr: 1963
Bauart: CB 0,2 L - Dauerdrucklöscher
Inhalt: 0,2 l Bromchlormethan
Gewicht des gefüllten Geräts: 0,6 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1963-64




Geschichte:
Hier haben wir - allein von der Bezeichnung her - ein echtes Relikt aus vergangenen Zeiten: Einen GLORIA Vergaserbrand-Löscher vom Typ CB 0,2 aus dem Jahre 1963.

Autos mit Vergaser anstelle einer Einspritzanlage gehörten in den 1960er Jahren zum Straßenbild wie das Amen! in der Kirche und im Gegensatz zu seinem großen Konkurrenten, der "Caramba-Löschdose", bot der Vergaserbrand-Löscher einige entscheidende Vorteile. Zunächst einmal war er als Feuerlöscher amtlich zugelassen, was die Lösch-Dose nicht war. Über das Handrad war der Vergaserbrand-Löscher zudem abstellbar, wodurch das Löschmittel dosiert und äußerst effektiv auf den Brandherd aufgetragen werden konnte. Die Lösch-Dose wurde im Gegensatz dazu lediglich aufgerissen wie eine Büchse Bockwürstchen und stieß das Löschmittel unkontrolliert aus, bis es alle war. Zu Guter Letzt war der Vergaserbrand-Löscher auch wiederbefüllbar, sodass er nach erfolgtem Einsatz nicht unbedingt weggeworfen und durch einen neuen ersetzt werden musste.
Auch mit Blick auf die Umwelt war es ein großer Vorteil, dass nur soviel freigesetzt werden musste, wie unbedingt nötig war. Chlorbrommethan ist offen gesprochen ein ziemliches Sauzeug; giftig, ätzend und absolut schädlich für alle Lebewesen!

Der Aufdruck zeigt die typischen Merkmale der GLORIA-Feuerlöscher aus der Zeit von 1963-64 und wirkt, auch in dieser kleinen Version, ungewohnt nüchtern. Auch bei diesem Modell sind die warmen, goldenen Farben des Vorgängers verschwunden und 1 zu 1 durch steriles weiß ersetzt worden. Das Handrad ist bei diesem Modell - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - nicht mehr aus Metall sondern aus weißem Kunststoff. Interessant ist der Hinweis "Vorsicht bei Verwendung in engen, schlecht belüftbaren Rühmen! Gesundheitsschädliche Gase!" Dieser Hinweis ist nämlich weder auf dem Vorgänger- noch auf dem Nachfolgermodell zu finden.

Aufgrund des geringen Inhalts fanden Feuerlöscher dieses Typs ausschließlich in PKW Verwendung, doch können sie keiner bestimmten Automarke zugeschrieben werden. Sie waren im Prinzip in allen Modellen aus der Zeit zu finden, am häufigsten jedoch bei VW - ob diese hier serienmäßig zur Ausstattung hinzugedacht werden konnten, weiß ich allerdings nicht.
Doch aufgepasst: Wer solch einen Löscher gern als zeitgenössisches Accessoire mitführen möchte, sollte tunlichst zusehen, dass er einen leeren Feuerlöscher an Bord hat. Das Mitführen gefüllter CB-Löscher verstößt unter anderem gegen das Chemikaliengesetz und kann mit hohen Strafen belegt werden!
Ein sehr schönes und seltenes Stück, welches in dieser Ausführung nur noch selten zu bekommen ist. An dieser Stelle möchte ich meinem Freund, Berufs- und Sammlerkollegen Patrick ganz herzlich für diesen tollen und seltenen Feuerlöscher danken!

©. Menzel 2016

Dienstag, 29. März 2016

Der Dauerdrucklöscher - das (unangenehme) Überraschungsei

Hier links sehen wir einen typischen und hochwertigen Dauerdrucklöscher der späten 1980er Jahre (GLORIA Typ PD 6 G) und einige von Euch kennen dieses Modell bestimmt noch - ich kenne es z.B. aus unserem damaligen ALDI.
Das Beispiel zeigt, dass Dauerdrucklöscher nicht nur für den Privatmann zu Hause gern genommen worden sind, sondern auch in Handel und Gewerbe häufig anzutreffen waren. Heute ist es noch genauso, denn eine beträchtliche Anzahl von Einzelhandelsunternehmen hält wie eben auch die meisten Privatpersonen solche Dauerdrucklöscher vor.
Oft findet man sie dort, wo kein Brandschutz-Fachbetrieb die Beratung und Ausstattung übernommen hat, sondern der Inhaber des Geschäfts bzw. des Hauses auf eigene Faust losgezogen ist, um sich einen Feuerlöscher zu kaufen. Auch wenn man vielleicht schonmal bei einem Fachbetrieb angerufen und sich informiert hat, ist der Gang zum nächsten Baumarkt trotz Abraten des Fachmanns sehr verlockend. Grund: Der schnöde Mammon!
Dauerdrucklöscher werden in der Pulvervariante dort schon zu 20,00 € rausgehauen und sind deutlich günstiger als besser geeignete und vom Fachmann empfohlene Schaum-Aufladelöscher.

Der enorme Preisunterschied ist in erster Linie konstruktions- und qualitätsbedingt. Dauerdrucklöscher sind wesentlich einfacher in ihrem Aufbau, als Aufladelöscher, denn sie speichern Lösch- und Treibmittel in einem Behälter, welcher permanent unter Druck steht und über ein einfaches Hebelventil entleert werden kann.
Aufladelöscher hingegen speichern Lösch- und Treibmittel zwei separaten Behältern. Der Löschmittelbehälter ist generell erstmal drucklos und wird erst unmittelbar vor dem Einsatz durch Anstechen einer CO2-Patrone unter Druck gesetzt. Das erfordert schon bessere Qualität, mehr Technik und das ist dementsprechend teurer.
Zudem ist das Löschmittel Schaum generell teurer als herkömmliches ABC-Pulver. Ein Schaum-Dauerdrucklöscher kostet auch im Baumarkt um die 50,00 €, doch habt Ihr trotzdem nix gescheites.

Ich habe sowohl beruflich, als auch von meiner Sammelei her ständig mit Dauerdrucklöschern zu tun und dabei macht man so gewisse Erfahrungen, welche ich hier einmal zum Besten geben möchte. Wie die Überschrift des Artikels schon verrät, waren das nicht immer nur gute Erfahrungen.

Unbequeme und mitunter teure Instandhaltung
Das Theater mit den Dauerdrucklöschern fängt schon bei der Instandhaltung an. Sind die Dauerdrücker nämlich zur Behälterinnenkontrolle fällig, muss der Druck abgelassen werden, damit er einem beim Aufschrauben nicht um die Ohren fliegt. Um den Druck abzulassen, hat der Sachkundige zwei Möglichkeiten:
Entweder kann er den Löscher über das Prüfventil abblasen lassen, was allerdings 6 - 8 Stunden dauert und wobei man sich nie sicher sein kann, dass der Druck auch wirklich komplett abgebaut wird. Vor dem Ventil befindet sich ein Sintereinsatz, welcher durch den ausströmenden Stickstoff im Behälter aufgewirbeltes Pulver zurückhalten soll. Das tut er auch, doch kann er sich mit Pulver zusetzen. Man kommt dann also am nächsten Tag fröhlich in die Werkstatt, setzt den Schlüssel an, es knallt und alles ist weiß. Tja - dann war der Behälter wohl doch nicht ganz drucklos. Man kann es über ein Prüfmanometer noch nicht einmal kontrollieren, denn wenn der Sintereinsatz verstopft ist, dann zeigt das Manometer logischerweise 0 bar an. Die einzige Möglichkeit, um sicher zu gehen ist, die Armatur zu betätigen - am besten vorsichtshalber mit dem Schlauch in der laufenden Saugmaschine.
Bei Schaum-Dauerdrucklöschern sifft trotz Sintereinsatz immer etwas Schaummitel mit durch das Ventil, was einem erstmal den Arbeitsplatz versaut und was trotz akribischer Reinigungsarbeiten das Ventil im Laufe der nächsten Jahre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zerstört.
Als Alternative hierzu kann der Löscher mitsamt Inhalt in die Saugmaschine geblasen werden, was natürlich nur bei Pulver-Dauerdrucklöschern funktioniert. So, das geht zwar fix, aber dann ist der ganze Ventilkegel versaut, man muss alles aufwändig reinigen und wenn man Pech hat, bekommt man den Löscher hinterher nicht mehr dicht. Das kostet alles viel Zeit und zudem kommt - egal für welche Möglichkeit sich der Sachkundige entscheidet - immer noch die Position "Stickstoff" mit auf die Rechnung, da der Löscher ja schließlich wieder unter Druck gesetzt werden muss.
Alles in Allem lohnt sich der ganze Käse sowieso nicht, wenn man den Schrott für 20,00 € im Baumarkt neu kaufen kann!

Schleichender Druckverlust
Das größte Problem, mit dem Dauerdrucklöscher zu kämpfen haben, ist ein schleichender Druckverlust. Der Behälter steht permanent unter einem Druck von 15 bar Stickstoff* und das ist schon eine enorme Belastung für Ventilarmatur und Dichtung. Die abzudichtende Fläche ist bei einem Dauerdrucklöscher verhältnismäßig groß und bietet eine dementsprechend große Angriffsfläche. Vor allem Geräte, die wechselnden Witterungsverhältnissen, Temperaturschwankungen und mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, sind an dieser Stelle besonders anfällig. Die Gummidichtung arbeitet oder wird spröde und schon ist der Behälter nicht mehr dicht. Das heimtückische ist, dass man es unter Umständen erst dann merkt, wenn man den Löscher benutzen muss und dann unangenehm überrascht feststellt, das nix rauskommt.
Neben der Dichtung ist auch das Prüfventil störanfällig, welches im Prinzip nichts anderes ist, als ein einfaches Fahrradventil. Durch den permanent anstehenden Innendruck von 15 bar* kann es plötzlich den Geist aufgeben und abblasen. Das Blöde ist: Auch hier merkt man es nicht.
So einem Manometer wie auf dem Bild, darf man übrigens auch nie ganz vertrauen! Mit zunehmendem Alter des Löschers oder durch ungünstige Witterungseinflüsse kann es festgammeln und zeigt immer grün - auch wenn der Löscher schon längst keinen Druck mehr hat. Ich habe mal bei einem alten Dauerdrucklöscher aus meiner Sammlung das Manometer abgeschraubt und es stand im grünen Bereich, obwohl es abgeschraubt neben dem Löscher lag... soviel dazu! Das Manometer dient zur Selbstkontrolle, aber es ersetzt keinesfalls die Notwendigkeit eines Sachkundigen!

* Schaumlöscher arbeiten mit 7 bar Betriebsdruck.

Stoßempfindlich und klemmende Ventile
Ja - was wir hier links im Bild sehen, ist vielmehr eine ausgewachsene Katastrophe, als ein kleines Malheur. Dieses Foto hat mir eine Leserin meiner Seite geschickt mit der bangen Frage, ob das Löschpulver giftig sei. Ich konnte Sie beruhigen, denn das Löschmittel ist nicht giftig. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlich für die Erlaubnis bedanken, das Bild hier nutzen zu dürfen!
Giftig hin oder her - die Sauerei ist komplett und es bedurfte keiner groß angelegten Aktion, um sie zu verursachen. Der Löscher stand in der Ecke des gezeigten Raumes und ist durch einen leichten Rempler umgekippt - dummerweise auf die Armatur. Die Sicherung ist dabei weggeknickt, der Druckhebel wurde betätigt und Zack! - alles weiß. Obendrein muss sich der Dichtkegel im Ventil verklemmt haben, sodass der Feuerlöscher nicht nur einen Stoß, sondern seinen ganzen Inhalt von 6 kg feinstem ABC-Pulver ausgeblasen und überall verteilt hat.
Dieses Beispiel zeigt, dass Dauerdrucklöscher verhältnismäßig empfindlich sind und bei der kleinsten, unachtsamen Berührung losgehen können; verklemmt sich dann auch noch das Ventil, blasen sie unkontrolliert ab, bis sie leer sind und verursachen dabei neben der Sauerei oft auch einen immensen Schaden. Dazu gehören nicht nur hartnäckige Verkrustungen auf sämtlichen Oberflächen und unbrauchbar gewordene Textilien, sondern auch nach und nach kurzschließende Elektrogeräte.
Genau genommen war dieser gezeigte Fall hier ein doppeltes Unglück, denn bei einem rund 40 Jahre alten Dauerdrücker wie diesem hier kann man in der Regel davon ausgehen, dass er platt, sprich längst drucklos ist. Tja... dieser hier hatte ganz offensichtlich zumindest noch genug Restdruck, um alles einzusauen. Das beweist wieder einmal, dass man bei Dauerdrucklöschern nie so ganz genau weiß, woran man eigentlich ist.
Auch bei Transporten im Auto gehen die Dinger gerne mal los. Wenn sie liegen, kann die Sicherung durchrutschen und bei der nächsten Bremsaktion wird's staubig im Auto.

Fazit
Ich will die Dauerdrucklöscher jetzt nicht krampfhaft schlechtreden und es steht außer Frage, dass auch sie einem im Ernstfall helfen können. Allerdings kann man sich niemals so wirklich sicher sein, ob sie im Ernstfall auch zuverlässig funktionieren. Dauerdrucklöscher sind vergleichbar mit einem Überraschungsei und man muss sich eigentlich die Frage stellen, was passiert, wenn man den Druckhebel betätigt? Kommt überhaupt etwas raus, kommt genug raus oder alles? Hinzu kommt die Tatsache, dass sie recht empfindlich sind und teils ungerechtfertigt hohe Kosten bei der Instandhaltung verursachen.
Lasst Euch deshalb nicht von günstigen Baumarkt-, Internet- und Großhandelsangeboten verlocken, denn einerseits ist die Sicherheit nicht unbedingt garantiert und unterm Strich zahlt Ihr auch noch drauf, da Dauerdrucklöscher in den meisten Fällen trotz regelmäßiger Instandhaltung keine 20 Jahre durchhalten.
Kauft lieber einen hochwertigen Aufladelöscher im Fachhandel, denn da habt ihr ein solides und robustes Gerät, was auch mal einen Rempler verträgt, ohne gleich loszugehen. Zudem ist ein schleichender Druckverlust bei Aufladelöschern nahezu ausgeschlossen und die Instandhaltungskosten sind überschau- sowie vor allem auch kalkulierbar. Hinzu kommen eine kompetente Beratung sowie ein umfassender Service. Obwohl er im Moment der Anschaffung teurer erscheint - auf die nächsten 20 Jahre gerechnet ist es die kostengünstigere und vor allem auch sicherere Wahl!
Viele argumentieren dann: "Dann kauf ich mir alle zwei Jahre eben einen neuen und trete den alten in die Tonne." Bevor Ihr auch dieser argumentationsweise verfallt, stellt Euch doch mal die Frage, wie es sein kann, dass ein nagelneuer Löscher günstiger ist, als eine standardmäßige Wartung bzw. Instandhaltung?
Das wäre ungefähr so, als ob Ihr Euch bei einem anstehenden Batteriewechsel Eurer Uhr aus Kostengründen ein zwar neues, qualitativ aber doch eher fragwürdiges Zeiteisen aus dem Kaugummiautomaten zieht. Denkt mal darüber nach...

©. Menzel 2016

Freitag, 12. Februar 2016

Kohlensäure-Gaslöscher - Die schöne und das Biest

Neben den heute bekannten Kohlendioxidlöschern gab es früher auch sogenannte Kohlensäure-Gaslöscher, welchen die Zulassung vermutlich mit Einführung der DIN EN3 im Jahre 1992 entzogen worden ist. Spätestens 2002 endete die Übergangsfrist und ab da wurden diese Geräte endgültig aus dem Verkehr gezogen. Obwohl Kohlensäure-Gaslöscher nicht als Sonderlöscher zugelassen worden sind, müssten sie mit Blick auf ihren besonderen Anwendungsbereich jedoch eigentlich als solche betrachtet werden. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kohlensäure-Schneelöscher bzw. dem heutigen Kohlendioxidlöscher fehlt dem Kohlensäure-Gaslöscher, wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, nämlich das markante Schneerohr. Stattdessen ist er mit einer Gasdüse ausgestattet, welche das Kohlendioxid (früher fälschlicherweise als Kohlensäure bezeichnet) mit vollem Flaschendruck ausströmen lässt. Der Gasstrahl tritt in der Regel mit einem Druck von 60 bis 150 bar aus und ist so in der Lage, auch Brände von unter Druck austretenden Gasen zu löschen. Daher waren Kohlensäure-Gaslöscher neben den Brandklassen B und E zusätzlich auch für die Brandklasse C zugelassen.
Kohlensäure-Gaslöscher waren aufgrund ihres speziellen Einsatzzwecks von Natur aus schon sehr selten und viele haben mit Sicherheit noch niemals einen gesehen, geschweige denn benutzt - und das ist ein echtes Erlebnis, von welchem ich hier gern mal etwas berichten möchte!

Einsatzbericht
Als ich die letzten Tage in meinem Museumskeller etwas gerödelt hatte, fiel mir der 1974er GLORIA KS 6 SG aus einer der hinteren Ecken in die Hände - noch komplett gefüllt. Normalerweise kommen die teilweise 60 Jahre alten Feuerlöscher schon leer bei mir an oder ich entleere sie aus Sicherheitsgründen fachgerecht und zeitnah nach Erhalt. Bei meinem 6 kg-Kohlensäure-Gaslöscher hatte ich das irgendwie verschlampt und so stand er seit knapp zwei Jahren unberührt im Keller. Da der Löscher mittlerweile nun auch schon gut 42 Jahre auf der Uhr hat, wurde es höchste Zeit, ihn zu entschärfen!
Vorsorglich zog ich mir dicke Handschuhe an, denn die berühmte Schnabelarmatur ist tückisch, auch wenn sie in Kombination mit dem fast 1 m hohen, schlanken Feuerlöscher das schönste ist, was es jemals gegeben hat! Im Inneren drückt vereinfacht ausgedrückt eine kleine Feder die Spindel herunter, um das Ventil zu öffnen und diese kleine Feder bricht gerne mal, wenn sie in die Jahre kommt. Dann strömt einem rund -70 °C kaltes Kohlendioxid über die Hand und das ist nicht gerade angenehm. Ist mir schon mehrfach passiert und deshalb begegne ich dieser Armatur nur noch mit dicken Handschuhen!

Perfekt ausgerüstet ging ich dann also in den Garten zu meinem üblichen "Abschussplatz" und es lag eine (noch) recht idyllische Atmosphäre in der Luft. Die Blätter raschelten leise im Wind, einige Vögel blökten in den Bäumen herum und alles wirkte friedlich - doch das sollte sich schlagartig ändern.
Von meiner beruflichen Tätigkeit und auch von meiner Sammelleidenschaft her kenne ich mich gut aus und ich weiß bei Gott, was in so einem Kohlendioxidlöscher steckt. Doch das, was mich in wenigen Augenblicken erwarten würde, sollte meine bisherigen Erfahrungen in den Schatten stellen.

Als ich die Sicherung zog und das Hebelventil betätigte, brach die Hölle über die ach so friedliche Idylle herein, denn das leise Rauschen der Blätter sowie auch das Gequake der Vögel gingen völlig in dem fast schön bösartigen Donnern unter, welches der Kohlensäure-Gaslöscher plötzlich von sich gab. Obwohl ich annähernd ahnte, was mich erwartet, war ich dennoch überrascht von dieser Urgewalt, die ich da entfesselt hatte! Mit jedem Druck auf das Hebelventil stellte sich der Löscher schräg nach hinten und da ich gleichzeitig den fast unbändigen Hochdruckschlauch gut festhalten musste, hatte ich schon einige Mühe, das Gerät sicher unter Kontrolle zu halten. Vorne an der Düse war lediglich ein ganz leichter, bläulicher Gaskegel zu sehen, welcher im Nachgang mit einer unglaublichen Kraft alles wegpustete, was ihm in die Quere kam.
Nach etwa 5 Sekunden Vollgas bildete sich eine dicke Eisschicht vorne an der Düse, welche den Querschnitt soweit verengte, dass sich in das unheimliche Grollen ein schrilles und ohrenbetäubendes Pfeifen mischte.
Weitere 15 Sekunden später gab es plötzlich einen Ruck und der massive Gasstrom reduzierte sich etwas. Der gesamte Feuerlöscher fing an zu dampfen und fror vom Fußring bis zum Ventil von einer Sekunde auf die andere komplett ein. Sogar der sonst sehr flexible Schlauch war steinhart eingefroren und behielt die waagerechte S-Form, in der ich ihn gehalten hatte. Hab ich vorher noch nie erlebt!

Das ganze Spektakel ging ungefähr noch ganze drei Minuten weiter, bis der Gasstrom versiegte. Leer war der Feuerlöscher aber noch nicht! Als Taragewicht steht 9,89 kg auf der Flasche eingeschlagen und die Waage zeigte noch knapp 12,8 kg an! Spannband mit Tragegeriff und Schneerohr überschlagsweise Pi mal Daumen abgezogen, hatte der Löscher noch ungefähr knapp 2 kg Kohlendioxid drauf. Wie kann das sein?
Durch die starke Abkühlung des Löschers hatte sich der Dampfdruck des Kohlendioxids so weit vermindert, dass ohne Steigrohr - welches ein Kohlensäure-Gaslöscher nämlich nicht besitzt - kein Gas mehr entnommen werden kann - trotz Restfüllmenge. Hierin ist sehr wahrscheinlich auch die unglaublich lange Funktionsdauer von 3 Minuten begründet. Herkömmliche 6 kg Kohlendioxidlöscher sind nach spätestens 15 Sekunden leer! Die restlichen 2 kg Kohlendioxid konnte ich dann nach mehreren Auftauphasen im Laufe von insgesamt 12 Stunden restlos abblasen, womit "das Biest" dann endgültig bezwungen war.

Fazit
Hätte man mit einem Kohlensäure-Gaslöscher tatsächlich einen Gasbrand der Brandklasse C löschen können? Ja, mit der Power auf jeden Fall - selbst eine brennende Bohrinsel hätte man mit einem einzigen Kohlensäure-Gaslöscher wahrscheinlich aus-, um- und wegpusten können! Auch Brände in elektrischen Anlagen der ehemaligen Brandklasse E wären kein Problem für diesen Löscher, da man vermutlich den ganzen Sicherungskasten oder was auch immer von der Wand gefegt und in alle Winde verteilt hätte.
Doch mal ganz ehrlich - einen Gasbrand auf andere Art und Weise zu löschen, als durch Abdrehen des Gashahns ist der pure Wahnsinn und da die meisten Menschen, die in einer Notsituation einen Feuerlöscher benutzen müssen, unerfahren sind, wäre es ein ebensolcher Wahnsinn, ihnen ein solches Monster in die Hand zu drücken!

Die Eignung für die Brandklassen C und von mir aus auch E ist OK, wohingegen die für die Brandklasse B etwas fragwürdig ist. Der Gasstrahl ist meines Erachtens zu scharf, um brennende Flüssigkeiten sicher löschen zu können. Herkömmliche Kohlendioxid- bzw. Kohlensäure-Schneelöscher bringen auch durch die Hand einer unerfahrenen Person das Löschmittel weich auf die brennende Oberfläche auf, wodurch der Sauerstoff verdrängt und der Brand sicher abgelöscht wird. Haut man hingegen mit einem 60 bar Gasstrahl punktförmig in die brennende Flüssigkeit, wie es einer unerfahrenen Person passieren könnte, spritzt alles durch die Gegend und der Brand würde sich ausbreiten.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Kohlensäure-Gaslöscher ihrem vorrangigen Gegner - brennendes, unter hohem Druck austretendes Gas - eine brachiale Gewalt entgegenbrachten und diesen auch erfolgreich schlagen konnten. Allerdings sind die enorme Kraft, der erhebliche Rückstoß und auch die Risiken beim Löschen von Flüssigkeitsbränden der Brandklasse B nicht zu unterschätzen.
Aus heutiger Sicht betrachtet waren Kohlensäure-Gaslöscher für ihren speziellen Zweck zwar äußerst effektive und kraftvolle Löscher - jedoch nicht in den Händen ungeübter und unerfahrener Personen! Mit solch einem Biest waren hier Zwischenfälle mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen so gut wie vorprogrammiert.

©. Menzel 2016

Montag, 1. Februar 2016

Leitfaden für Standard-Einsatz-Regeln zum Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV)

Neuerscheinung bei ecomed Sicherheit:

Leitfaden für Standard-Einsatz-Regeln zum Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV)

Einsätze mit zahlreichen Verletzten oder Erkrankten sind zwar selten, aber sie können, zum Beispiel bei Busunfällen, Großbränden, Massenkarambolagen oder Eisenbahnunglücken, überall und jederzeit eintreten.

Das Kernproblem für die Helfer ist die große Zahl an zu versorgenden Patienten und Betroffenen. Sie müssen gesichtet, erfasst, gemäß dem Schweregrad ihrer Verletzungen in Kategorien eingeteilt und entsprechend „kanalisiert“ werden. Schwerer Verletzte müssen transportfähig gemacht und mit den knappen Rettungsmitteln in ein für sie geeignetes Krankenhaus gebracht werden. Leichtverletzte werden in der Regel vor Ort betreut. Um solche „MANV-Lagen“ meistern zu können und genügend Helfer zu haben, werden oft großflächig die Feuerwehren der Umgebung nachalarmiert. Sind sie vor Ort, brauchen sie klare Konzepte, wo sie anpacken können und was zu tun ist. Und sie brauchen gut ausgearbeitete Standard-Einsatz-Regeln, an die sich alle Einsatzkräfte halten müssen. Das vorliegende Buch liefert die Hintergründe und Bausteine für das Erstellen solcher Standard-Einsatz-Regeln.

Was vorgeplant werden kann, sollte auch vorgeplant werden: so z.B. Kommunikationswege, Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Ausbildung oder Übungen. Empfohlen wird die Verwendung vorbereiteter Checklisten für alle Aufgabenbereiche, auf denen im Einsatz nur noch die Erledigung der jeweiligen Aufgabe abgehakt wird. Im Einsatz selbst sind zahlreiche Aufgaben zu organisieren. Dazu zählen: Erkundung der Lage, Aufbau eines Behandlungsplatzes, Patientenablage, Transportorganisation, Strukturierung der Einsatzstelle etc.

In diesem Band finden sich vielfältige Handlungshilfen zur Vorbereitung und Erfüllung aller Einsatzaufgaben in einem MANV-Einsatz. Der Text ist dabei durch zahlreiche Fotos und Grafiken illustriert.
Bei der Abnahme größerer Mengen bietet der Verlag günstige Mengenstaffelpreise an.

Tremmel / Cimolino / Naujoks
Massenanfall von Verletzten und Erkrankten
Reihe: Standard-Einsatz-Regeln
2015, Softcover, 82 Seiten, ecomed SICHERHEIT, ecomed-Storck GmbH
Einzelpreis: EUR 19,99; ISBN 978-3-609-69798-7

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Samstag, 30. Januar 2016

GLORIA Typ HA 6 VN Bj. 1991

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN Feuerlöscher
Typ: HA 6 VN

Baujahr: 1991
Bauart: HA 6 L - Dauerdruck-Gaslöscher
Inhalt: 6 kg Halon 1211
Gewicht des gefüllten Geräts: 11 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1990-1991




Geschichte:
Last but not least: Hier haben wir einen der letzten, wirklich allerletzten Halonlöscher, welcher überhaupt produziert worden ist - einen GLORIA Typ HA 6 VN. Die Markierungen in dem Feld "Werks-Endkontrolle" stehen auf Mai 1991 und das ist wirklich sensationell!

Die FCKW-Halon-Verbotsverordnung wurde am 06. Mai 1991 erlassen und in §10 "Übergangsvorschriften" heißt es in Absatz 5: "Löschmittel nach § 6, die in Geräten und Anlagen der Brandbekämpfung enthalten sind, dürfen bis zum 31. Dezember 1993 verwendet werden, wenn sie vor dem Inkrafttreten des § 6 hergestellt worden sind."

Dieser Feuerlöscher ist also nur 3 Monate vor dem endgültigen Aus des Löschmittels Halon hergestellt worden und somit etwas ganz besonderes! Das nahende Ende des Wunderlöschmittels war schon seit 1990 bekannt, doch dieser Feuerlöscher ist der Beweis dafür, dass Halonlöscher quasi bis 5 vor 12 und auf den letzten Drücker produziert sowie auch in Umlauf gebracht worden sind. Aus einem Fachbericht des Jahres 1986 weiß ich, dass bei GLORIA für die Zukunft stark auf das moderne und sehr leistungsfähige Löschmittel Halon gesetzt worden ist und da war das Verbot natürlich ein Schock - nicht zuletzt deshalb, da Halon in allen Belangen eine teure Angelegenheit war; auch für die Hersteller! Die Füllung eines solchen 6 kg-Löschers kostete 1986 rund 220 DM und in Wadersloh befanden sich neben modernsten Abfüll- und Testanlagen auch Halonbehälter, deren Füllung allein einen Gegenwert von 110.000 DM besaß. Von diesem Halon ist ein beträchtlicher Teil in Forschung und Entwicklung gesteckt worden, denn GLORIA war immer schon vorne mit dabei, wenn es um Innovationen und Optimierungen ging. 

Dem Kenner fällt auf, dass bei diesem letzten Modell das geriffelte Griffstück und die Gasdüse durch eine Sechskantmutter aus Messing miteinander verbunden sind und im Gegensatz zu den Vorgängermodellen keine äußerlich durchgehende Einheit mehr bilden. Zudem besteht die Düse am Ende des Schlauches nicht mehr aus Metall, sondern aus Kunststoff.
Anders als beim Typ HA 6 V besitzt der Typ HA 6 VN ein separates Prüfventil über dem Manometer. Sonst ist bei diesem Gerät alles in bewährter Tradition - von der massiven Handhebelarmatur über den gelben Kunststoffkragen bis hin zum standfesten Fußring 
Die Gasdüse aus Kunststoff sowie das offenliegende Prüfventil waren wohl die letzten Innovationen aus Wadersloh in Sachen Halonlöscher, denn das kurzfristige Ende dieses Geräts war im Prinzip schon bei der Produktion besiegelt.

Und tatsächlich: Am 31.12.1993 endete die Übergangsfrist, sodass dieser Feuerlöscher nur etwa 1,5 Jahren nach seiner Produktion bereits aus dem Verkehr gezogen wurde. Dass er heute überhaupt noch existiert, grenzt an ein Wunder!
Dies ist nicht nur ein überaus seltenes, sondern auch ein wahrhaftig historisches Stück Brandschutzgeschichte, welches die bis heute unschlagbaren Halonlöscher kurz vor ihrem Niedergang zeigt - ein Löscher, der quasi noch auf den letzten Metern der "Green Mile" produziert worden und wie John Coffey in Stephen Kings Bestseller ein paar Schritte später vom Staat gerichtet worden ist.

©. Menzel 2016