Montag, 6. April 2015

Vorsicht beim Einsatz von Kohlendioxidlöschern

Kohlendioxid wird oft als das sauberste Löschmittel gelobt, da es nach dem Einsatz rückstandslos verfliegt und somit keine Löschmittelschäden entstehen. Verwendung findet es daher vornehmlich in EDV-Zentralen und anderen Bereichen mit empfindlicher Elektronik. Kohlendioxid entfaltet eine schlagartige Löschwirkung, da es den Sauerstoff rund um den Brandherd verdrängt. Genau das kann aber auch für den Löschenden gefährlich werden! Kohlendioxid ist wegen seiner hohen Dichte schwerer als Luft, wodurch es schnell zu Boden sinkt und eine Schichtung der Raumatmosphäre bewirkt. Die noch atembare Luft befindet sich dabei im oberen Bereich, wogegen in Bodennähe und in den darüber liegenden Schichten die Kohlendioxidkonzentration stetig steigt. Ein 5 kg-Kohlendioxidlöscher setzt bei vollständiger Entleerung rund 2725 l gasförmiges Kohlendioxid frei, welches ab einer Konzentration von 8 - 10 Vol.% in der Raumluft tödlich wirkt. Durch das Abblasen eines einzigen 5 kg-Kohlendioxidlöschers kann somit in einem Raum mit einem Volumen von 33 meine lebensbedrohliche Atmosphäre erzeugt werden, was bei einer angenommenen Standard-Deckenhöhe von 2,30 m einem Raum mit einer Größe von etwa 15 mentspricht. Das ist gar nicht mal so klein! 

Das Rechenbeispiel bezieht sich jetzt allerdings auf einen Raum, in welchem nur Ihr mit dem Feuerlöscher seid. Im Ernstfall sieht das Ganze natürlich anders aus, denn neben Euch und Eurem Löscher befindet sich ja auch noch ein Brand im Raum. Kohlendioxidlöscher werden - wie eingangs bereits erwähnt - vornehmlich bei Bränden in elektrischen Anlagen eingesetzt und gerade solche Brände verursachen eine Menge giftige Abgase. Die aus Gummi, Polyvenylchlorid, Polyethylen und Polyurethan bestehende Kabelisolierung setzt beim Verbrennen unter anderem Kohlenmonoxid, Ruß, Salzsäure, Blausäure, Schwefeldioxid und Ammoniak frei, wodurch ein Atmen in einem mit diesen giftigen Rauchgasen gefüllten Raum ohnehin kaum noch möglich sein dürfte. Neben den giftigen Abgasen verbraucht das Feuer natürlich auch Sauerstoff und wenn Ihr dann noch mit Eurem Kohlendioxidlöscher ankommt und weiteren Sauerstoff verdrängt, kann das ganz schnell ganz gefährlich werden. Oben im Raum giftiger Qualm, unten am Boden Kohlendioxid und Ihr mittendrin - keine Gute Konstellation!

Damit Ihr Euch nicht in eine lebensbedrohliche Situation begebt, solltet Ihr beim Einsatz eines Kohlendioxidlöschers folgende Punkte beachten:

  • Auch mit einem riesig wirkenden 5- oder sogar 6 kg-Kohlendioxidlöscher (ja, ein paar gibts noch) können nur Entstehungsbrände gelöscht werden!
  • Schnell und effizient mit maximalem Löschmitteleinsatz arbeiten, denn bereits nach wenigen Minuten können die giftigen Rauchgase allein eine tödliche Gefahr darstellen!
  • Bei einsetzenden Atembeschwerden und / oder Sinnestrübugen sofort den Rückzug antreten!
  • Kohlendioxidlöscher niemals unter Erdgleiche einsetzen, wenn sich dort noch Menschen aufhalten. Gleiches gilt für Bereiche, in welchen das Gas durch Öffnungen in tieferliegende Räume gelangen kann.
  • Kohlendioxidlöscher niemals in kleinen, engen oder schlecht belüftbaren Räumen einsetzen. Brände in kleinen Räumen möglichst von Außerhalb bekämpfen
Alle, die einen Kohlendioxidlöscher nur mal so zum Spaß abblasen wollen, sollten dies nur bei ausreichender Belüftung, also im Freien tun! Wundert Euch nicht, dass Ihr dabei ständig einen gefegt bekommt, denn das schnell austretende Gas lädt sich elektrostatisch auf. Von Uraltmodellen oder solchen Löschern, mit offensichtlichen Beschädigungen solltet Ihr aber grundsätzlich die Finger lassen!

Zur reinen Information folgen jetzt noch ein paar Darstellungen zur Kohlendioxidkonzentration in der Umgebungsluft sowie Symptome einer Kohlendioxidvergiftung.

Kohlendioxidkonzentrationen in der Umgebungsluft
  • 0,040 Vol.%: Frischluft in freier Natur
  • 0,07 Vol.%: Stadtluft
  • 0,14 Vol.%: Grenzwert in Büroräumen
  • 0,5 Vol.%: Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK)
  • 0,7 Vol.%: Maximaler Wert in Kinos nach der Vorstellung
  • 2,0 Vol.%: Physiologisch unbedenklicher Maximalwert bei kurzzeitiger Exposition
Symptome einer Kohlendioxidvergiftung
  • > 1,0 - 2,0 Vol.%: Schläfrigkeit
  • > 2,0 - 4,0 Vol.%: gesteigerter Puls, erhöhter Blutdruck, verstärkte Atmung, vermindertes Hörvermögen, leichte Narkose
  • > 4,0 - 6,0 Vol.%: Kurzatmigkeit, Schwindel, Verwirrung, Kopfschmerzen, Brechreiz
  • > 6,0 - 8,0 Vol.%: getrübte Sicht, Zittern, Schwitzen, Lähmungserscheinungen, Ohnmacht
  • > 8,0 - 10,0 Vol.%: Krämpfe, schnelle und tiefe Bewusstlosigkeit, Tod in 30 - 60 min.
  • > 20,0 Vol.%: Tod innerhalb weniger Sekunden

©. Menzel 2015


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