Sonntag, 1. Februar 2015

GLORIA Wasserlöscher DIN NASS 10 Bj. 1955 - 1958

Hersteller: GLORIA-WERKE*
NASS-LÖSCHER
Typ: DIN NASS 10
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 5/55 (N10 Hn)
Zulassungs-Kennzeichen: P1 - 13/55 (N10 Hf-30)
Bauart: N 10 - Aufladelöscher mit innenliegender Treibgaspatrone
Treibmittel: ca. 50 g Kohlendioxid
Inhalt N 10 Hn: 10 l Wasser + Netzmittel
Inhalt N 10 Hf-30: 10 l Wasser + Netzmittel + Frostschutz (-30 °C)
Gewicht des gefüllten Geräts: 15 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1955 - 1958


Konstruktion:
Diese frühen Nasslöscher bestehen aus rostfreiem Stahl und verfügen deshalb über keine Innenbeschichtung. Der zylindrische Behälter scheint aus einem Stück gefertigt zu sein, da außer der Falz an der Rückseite keinerlei Schweißnähte zu erkennen sind. Lediglich der bei diesen Modellen noch verwendete Standfuß ist angeschweißt. Die markantesten Merkmale dieser frühen Generation sind der seitliche Handgriff, der Messing-Ventilkörper mit Flügelmutter und Schlagknopf sowie die an der Behälteroberseite angebrachte Spritzdüse - ebenfalls aus Messing.

Lösch- und Treibmittel:
Als Löschmittel kam bei der Bauart N10 Hn herkömmliches Wasser zum Einsatz, welches zur Herabsetzung der Oberflächenspannung mit einem Netzmittel versehen worden ist. Die Wasserlöscher der Bauart N 10 Hf-30 enthielten zusätzlich ein Frostschutzmittel, welches Schutz bis -30 °C bot.
Als Treibmittel wurde 50 g Kohlendioxid verwendet, welches in einer separaten Stahlpatrone im Behälterinneren untergebracht ist. Die Ladung setzte den Behälter unter einen Betriebsdruck von etwa 7 - 8 bar.

Aufdruck:
Der Aufdruck ist kein Aufdruck im eigentlichen Sinne sondern ein Aufkleber, welcher im Nassklebeverfahren auf den Behälter geklebt worden ist. Die vorherrschende Farbe ist dunkelgrün und die Gestaltung erinnert an eine Urkunde, was durch das oben befindliche Signet mit der Aufschrift "Für jeden Brand - GLORIA - Handfeuerlöscher" bekräftigt wird. Der Aufdruck enthält zwar Angaben zum Inhalt des Feuerlöschers (Nass = Wasser), aber noch keine Typenbezeichnung. Das kleine weiße Feld, in welches bei späteren Modellen die Typenbezeichnung tritt, trägt stattdessen die Inschrift "DIN NASS 10", was einen Hinweis auf die Füllmenge gibt, welche dementsprechend 10 l beträgt. Hinweise zur Bedienung sind in Wort und Bild vorhanden und vor allem die bildliche Darstellung weist eine unglaubliche Detailtreue auf, was typisch für GLORIA ist. Hierunter schließen sich die Angaben zum Hersteller an, welche erkennen lassen, dass "GLORIA" noch nicht der offizielle Firmenname ist. Angaben zur Zulassung und Brandklasse sind noch nicht in diesem Aufdruck vermerkt. Diese befinden sich noch auf einem kleinen, gelben Aufkleber an der Rückseite des Behälters. Die Hinweise "Frostsicher" und "Nicht für elektrische Anlagen" sind ebenfalls noch separat in Form von Banderolen angebracht.

Handhabung und Funktion
Die Inbetriebsetzung dieser alten Wasserlöscher war denkbar einfach. Der Schritt des Entsicherns entfiel gänzlich, da der über die Halterung gesicherte Schlagknopf bei Entnahme aus dem Halter automatisch freigegeben wurde. Beim Einschlagen des Schlagknopfes wurde die Druckpatrone mit einem Durchstoßmesser angestochen und das Kohlendioxid strömte binnen weniger Sekunden in den Löschbehälter. Durch den ansteigenden Druck im Behälterinneren stieg das Wasser in das Steigrohr, welches in der Spritzdüse mündet. War der Druck hoch genug, platze die Versiegelung der Spritzdüse auf und das Wasser schoss bis zu 7 m weit aus dem Behälter. Nachteilig war, dass diese Löscher nicht abstellbar sind. Nach Einschlagen des Knopfes pusteten sie los, bis sie leer waren. Die Handhabung wurde einerseits durch die klobigen Abmessungen und das hohe Gewicht beeinträchtig. Andererseits wurde es mit zunehmender Entleerung des Löschers schwierig, Brände auf kurze Entfernung am Boden zu bekämpfen. Hierfür musste der Löscher weit nach vorne geneigt werden und wurde dabei ein bestimmter Winkel überschritten, schwappte das restliche Wasser zur Behälteroberseite, wodurch das Steigrohr in der Luft hing und kein Wasser mehr ausgestoßen wurde.

Anwendungsbereiche
Durch ihre Eignung allein für Brände von Stoffen der Brandklasse A war der Einsatzbereich der Nasslöscher auf solche Bereiche beschränkt, wo organische Feststoffe in Flammen aufgehen konnten (z.B. Holz, Kohle, Stroh, Papier). Dr Zusatz "Nicht für elektrische Anlagen" schränkte die Verwendung zusätzlich ein. In der Landwirtschaft, der Nahrungs- und Futtermittelindustrie, in Mühlen oder Holzverarbeitung waren diese Löscher besonders häufig anzutreffen. Der Zusatz "Nicht für elektrische Anlagen" schränkte die Verwendung zusätzlich ein. Im Vergleich zu den Pulverlöschern waren sie jedoch wesentlich seltener, da das Löschmittel Wasser in Handfeuerlöschern zur Mitte der 1950er Jahre mehr und mehr aus der Mode kam und aufgrund der beschränkten Anwendungsbereiche zumeist mindestens noch ein weiterer Feuerlöscher mit einem anderen Löschmittel vorgehalten werden musste.
Das Bild zeigt ein Modell aus dem Jahre 1957, welches heute wohl zu einem der letzten noch existenten Exemplare gehört.

*GLORIA war noch nicht der offizielle Firmenname, weswegen als Hersteller "H. Schulte-Frankenfeld - Spezialfabrik für Feuerlöschtechnik" angegeben wird.

© PhoenixFeuerschutz 2015

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