Montag, 5. Januar 2015

Fettbrandlöscher

Speisefette und -öle sind nicht nur Geschmacksträger sondern auch die Ursache für einige tausend Wohnungsbrände pro Jahr. Das Szenario ist denkbar einfach: Auf dem Herd steht eine Pfanne oder ein Topf, welcher zum Braten bzw. Frittieren mit mehr oder weniger Öl gefüllt ist und erhitzt wird. Passt man nicht auf, heizt sich das Öl über seine Zündtemperatur von ca. 370 - 400 °C auf und fängt Feuer. In so einer Situation muss man schnell und vor allem besonnen reagieren, doch hier passiert dann oft genau das, was bei einem Fettbrand auf keinen Fall passieren darf: Der Koch bzw. die Köchin wird angesichts der Situation nervös, gerät in Panik, greift zum nächstbesten Gefäß, füllt es unter dem Wasserhahn und schüttet den Inhalt anschließend in den brennenden Topf. Was daraus folgt, ist eine gewaltige Fettexplosion, welche innerhalb von Sekundenbruchteilen die gesamte Küche einschließlich der vorm Herd stehenden Person in Brand setzt. Wie kann das passieren?
Brennende Speisefette und -öle reagieren deshalb so explosiv auf Wasser, weil
1.) der Siedepunkt des Wassers mit 100 °C deutlich unter der Zündtemperatur des Öls liegt
2.) das Wasser eine größere Dichte besitzt als das Öl und somit schwerer ist und
3.) Wasser und Öl nicht mischbar sind.
Gießt man Wasser in einen Topf mit brennendem Öl, sinkt dieses sofort unter die Oberfläche und verdampft aufgrund der hohen Temperaturen schlagartig. Angenommen, man gießt nur 200 ml Wasser - was dem Inhalt eines herkömmlichen Trinkglases entspricht - in den Topf, entstehen daraus 335 l Wasserdampf (1 l Wasser = 1673 l Dampf), welche den gesamten Inhalt des Topfes hochschleudern und dabei das Öl fein vernebeln. Die feinen Öltröpfchen entzünden sich an der bereits bestehenden Flamme, was zu einer Kettenreaktion und somit zur Explosion führt.
Ich durfte einmal bei der Vorführung einer Fettexplosion dabeisein und ich sage Euch: das ist echt gewaltig und nicht zu unterschätzen. In dem Versuchsaufbau wurden 1 l Sonnenblumenöl bis zur Entzündung erhitzt und anschließend mit 200 ml Wasser "abgelöscht". Der dabei entstehende Feuerball schoss dabei bestimmt 8 - 10 m in die Höhe und obwohl ich mindestens 20 m weit weg stand, konnte ich die Hitzewelle spüren. Wenn das in Eurer Küche passiert, ist der Ofen aber endgültig aus!


Nachdem wir uns gerade der physikalischen Natur eines Fettbrandes gewidmet haben, kommen wir nun zu der Frage, wie man einen solchen gefährlichen Brand am effektivsten und sichersten bekämpft. Die einfachste Möglichkeit wäre hier natürlich: Deckel drauf und abkühlen lassen. Doch nicht immer liegt der passende Deckel griffbereit neben dem Herd und außerdem besteht dabei auch eine erhebliche Verbrennungsgefahr, weswegen es zwar - wie gesagt die einfachste - aber nicht die sicherste Möglichkeit ist. Außerdem besteht hier auch immer die Gefahr einer Rückzündung, nämlich dann, wenn der Deckel zu früh abgehoben wird. Auch Löschdecken sind nur bedingt geeignet und garantieren keinen Löscherfolg. Gleiches gilt für Kohlendioxidlöscher sowie ABC- oder BC-Pulverlöscher. Sie löschen die Flammen zwar, doch ist hier die Gefahr einer Rückzündung nach Unterbrechen des Löschmittelstrahls sehr hoch, da diese Löschmittel das Öl nicht unter seine Zündtempertaur abkühlen.
Nicht nur ungeeignet sondern sehr gefährlich ist der Einsatz von Wasser- und Schaumlöschern bei einem Fettbrand. Wasserlöscher - klar, denn das Löschmittel ist halt eben Wasser und was passiert, wenn Wasser und brennendes Speiseöl in Kontakt kommen, haben wir ja bereits gelesen. WUMM!
Auch Schaumlöscher erzeugen eine ähnliche Wirkung, obwohl sie durch die Kennzeichnung mit der Brandklasse B ausdrücklich für Brände von Flüssigkeiten geeignet sind. Der Löschschaum bildet normalerweise einen dünnen, luftdichten Film auf der brennenden Flüssigkeit, wodurch die Flammen erstickt und zugleich Rückzündungen verhindert werden. Aber warum klappt das nicht bei einem Fettbrand? Der Grund ist, dass die Schaumlösungen in Schaumfeuerlöschern zum größten Teil aus Wasser bestehen. So bestehen zum Beispiel die 6 l Schaum eines GLORIA SK 6 PRO aus 5,88 l Wasser und genau hierin liegt die Begründung. Durch den hohen Wasseranteil von 98 % ist das Schaummittel schwerer als das brennende Fett, sinkt unter die Oberfläche und verdampft.
Ihr seht also, ein Fettbrand stellt wie ein Metallbrand eine Besonderheit dar, welcher ein spezielles Löschmittel erfordert. Um Brände von Flüssigkeiten der Brandklasse B von Fettbränden eindeutig unterscheiden zu können, wurde im Januar 2005 die Brandklasse F geschaffen, welche durch eine brennende Pfanne symbolisiert wird. Feuerlöscher mit der Brandklassenbezeichnung "A B F" enthalten ein spezielles Flüssiglöschmittel, mit welchem brennende Speiseöle und -fette gefahrlos sowie schnell abgelöscht werden können. Ich habe die Wirkung einmal gesehen und es ist wirklich verblüffend - die Löschwirkung erinnert an die der Halone. Ein kleines Spritzerchen genügt und der Pott ist aus. Doch um eine Rückzündung zu verhindern, muss der Löscher weiter entleert werden (steht auch drauf). Das Löschmittel nutzt den Effekt der Verseifung und geht auf dem heißen Öl auf wie ein Kuchen (sieht auch so aus). Diese Schicht muss recht dick sein, weswegen der Löscher leergemacht werden muss.

Fettbrandlöscher sind neben der Brandklasse F durch noch durch folgenden Aufdruck gekennzeichnet:


"Geeignet zum Löschen von brennendem Speiseöl oder -fett."

Die Kennzeichnungen eines Fettbrandlöschers habe ich im Bild nochmals mit Pfeilen verdeutlicht; darauf müsst Ihr achten, wenn Ihr einen Fettbrandlöscher kaufen wollt.
Angeboten werden sie mit 3 l und 6 l Inhalt, aber in Bezug auf das Rating für die Brandklasse F erzielen beide die gleiche Leistung (75 F) - wenn Ihr also nicht gleich eine Großküche oder ne Fritteuse im Poolformat betreibt, dann reicht auf jeden Fall der kleine 3-Liter-Löscher.

© PhoenixFeuerschutz 2015

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