Mittwoch, 26. November 2014

GLORIA Typ Pi 12 M Bj. 1995 (Metallbrandlöscher)

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN Feuerlöscher
Typ: Pi 12 M (Metallbrandlöscher)
Baujahr: 1995
Bauart: PM 12 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibgaspatrone
Inhalt: 12 kg D-Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: 21 kg
Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1984 - 2003




Geschichte:
Tja, was ich Euch hier präsentiere, dürftet Ihr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch niemals gesehen haben - außer, Ihr arbeitet in einem Betrieb, in welchem hin und wieder mal brennende Metalle gelöscht werden müssen! Hier haben wir einen extrem seltenen Metallbrandlöscher vom Typ Pi 12 M aus dem Jahre 1995, doch bevor wir näher auf den Löscher eingehen, wollen wir uns zum Verständnis erst einmal mit dem Sonderfall "Metallbrand" beschäftigen.

Metallbrände
Bei Metallbränden handelt es sich zumeist weniger um ein Feuer bzw. einen Brand im herkömmlichen Sinne mit Flammenbildung, sondern vielmehr um eine glühende Schmelze von Temperaturen von bis zu 3000 °C - je nachdem, was für ein Metall da gerade so in Brand geraten ist. Grundsätzlich können alle Metalle schmelzen, doch einige von ihnen sind besonders gefährlich und dazu gehören Aluminium, Magnesium, Kalium, Natrium, Lithium, Natriumhydrid, Aluminiumtriaethyl, Kaliummethylat, Bor, Zirconium sowie auch angereichertes Uran. Um Metallbrände gefahrlos ablöschen zu können, bedarf es einerseits des richtigen Löschmittels und andererseits der richtigen Aufbringung desselben. Da Metalle mit sehr hohen Temperaturen brennen, setzt sich das einzig für die Brandklasse D zugelassene Löschmittel aus reinen Salzen zusammen, welche sehr temperaturbeständig und reaktionsträge sind. Salz schmilzt einfach und bildet auf dem Brandgut eine Sinterschicht, welche die Zufuhr von verbrennungsnotwendigem Sauerstoff unterbindet und den Brand so letztendlich erstickt.


Pulver, Wasser, Schaum und Kohlendioxid sind wirkungslos gegen Metallbrände!

ABC- und BC- Löschpulver würden einfach mit verbrennen, wogegen wässrige Lösungen (Wasser, Schaum) und Kohlendioxid sogar zu schweren Explosionen führen können! Der Grund hierfür ist, dass sich diese bei den extremen Temperaturen in ihre chemischen Bestandteile zersetzen und dabei brennbarer Wasserstoff (Wasser, Schaum) und brandförderndem Sauerstoff entsteht. Das knallt gewaltig, wie die Explosion der Feuerwerksfabrik S.E. Fireworks im niederländischen Enschede am 13. Mai 2000 gezeigt hat. Auf dem Gelände sind ohne Kenntnis der Behörden gefährliche Explosivstoffe sowie metallische Brennstoffe in Pulverform zur Herstellung von Feuewerk gelagert worden, sodass mit Sicherheit Stoffe wie Magnesium, Magnesium-Aluminium-Legierungen, Aluminium, Titan, Zirkonium und Bor sowie verschiedene Metallhydride auf dem Gelände anzutreffen waren. Irgendwas ist schiefgelaufen an diesem heißen und sonnigen Samstag im Mai, sodass einige dieser Substanzen - begünstigt durch eine teilweise sachwidrige Unterbringung in Überseecontainern - in Brand geraten sind.
Die Feuerwehr wusste nichts von der Anwesenheit dieser Stoffe und hat versucht, den Brand mit Wasser einzudämmen, was dann schließlich gegen 15:40 Uhr Ortszeit zum großen Knall geführt hat, in dem der gesamte Stadtteil Rombeek in Schutt und Asche versunken ist
Metallbrände lassen sich behelfsmäßig auch mit Sand oder Graugussspänen ablöschen, doch führen diese "Löschmittel" nicht unbedingt zum Erfolg, sodass auf sie wirklich nur dann zurückgegriffen werden sollte, wenn kein Metallbrandlöscher zur Hand ist.
Damit die glühende Metallschmelze möglichst an einer Stelle bleibt und ganz abgedeckt werden kann, muss die Aufbringung des Löschmittels ganz sanft und fast drucklos erfolgen. Für diesen Zweck sind Metallbrandlöscher mit einer Pulverbrause - im Fachjargon "Metallbrand-Appliktor" gennant, ausgestattet. Diese bremst den Druck des Löschmittelstrahls und sorgt durch das am Ende angebrachte Sieb dafür, dass das Löschpulver so sanft wie der Puderzucker auf Eure Waffel aufgebracht wird.
Generell rate ich Euch aber: Wenn Ihr einen sich entwickelnden Metallbrand entdeckt und nicht wirklich Euer Leben oder das anderer Personen in Gefahr ist, dann lasst die Löscherei sein und seht zu, dass Ihr möglichst schnell möglichst weit wegkommt! Brände oben genannter Metalle sind extrem gefährlich und können von jetzt auf gleich explosionsartig ablaufen! Gleiches gilt besonders für einen Brand von angereichertem Uran! Die Brandgase sind derart giftig, dass Euch ein einiger Atemzug tötet... nehmt die Beine in die Hand und seht zu, dass Ihr Land gewinnt!



So, nach diesem kleinen Exkurs widmen wir uns nun dem herrlichen Pi 12 M. Vom äußeren Erscheinungsbild her gleicht der Pi 12 M im Prinzip einem herkömmlichen Pi 12 G mit ABC-Pulverfüllung, doch dass es sich um einen Metallbrandlöscher handelt, zeigt eindeutig die auf die Löschpistole aufgeschraubte Pulverbrause, welche für das weiche Aufbringen des Löschmittels benötigt wird. So wie alle anderen Auflader arbeiten auch Metallbrandlöscher - in diesem Falle durch das Einblasen von 300 g Kohlendioxid - mit einem Betriebsdruck von 18 bar und jeder, der schonmal einen Pulver-Aufladelöscher bedient hat weiß, was los ist, wenn dann der Löschpistolenhebel gedrückt wird. Das Pulver schießt mit 18 bar Druck in einem scharfen Strahl aus der Düse und das, was bei einem Feststoff- Flüssigkeits- oder Gasbrand den Löscherfolg sichert, führt bei einem Metallbrand schnell zum Verhängnis, denn wenn die glühende Masse von diesem scharfen Strahl getroffen wird, spritzt sie umher und setzt durch ihre enorme Hitze alles in Brand, was von ihr getroffen wird. Metallbrandlöscher gibt es nur in der schweren 12 kg-Ausführung und dieses Gerät enthält das GLORIA-spezifische Allinex M, welches aus feinst vermahlenen Natriumsalzen besteht.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal für einen Metallbrandlöscher ist natürlich das Siebdruckbild. Das "M" in der Typenbezeichnung steht für Metallbrandpulver und der Zusatz "Metallbrand" steht auch noch mal ganz fett darunter. Zusätzlich trägt es nur das Piktogramm einer einzigen Brandklasse, nämlich das der Brandklasse D, welches durch ein in Flammen stehendes Zahnrad den Metallbrand symbolisiert. Die gibt es bei keinem anderen Löscher und auch nicht in Kombination mit den Piktogrammen der Brandklassen A, B oder C. Auch der Hinweis für Brände in elektrischen Anlagen fehlt, was bedeutet, dass dieser Feuerlöscher nicht für solche geeignet und zugelassen ist. Sehr interessant ist auch das Baujahr. Dieses weist als Herstellungsjahr 1995 aus, doch dieser Feuerlöscher ist noch nach der alten DIN 14406 produziert, d.h. der Typ Pi 12 M ist niemals unter der ab 1992 gültigen DIN EN 3 zugelassen worden. Dies erfolgte erst nach der kompletten Abschaffung der Pi-Serie mit der kompletten Umstellung auf die P/PS-Serie. Vielleicht liegt es daran, dass der Pi 12 M stolze 21 kg auf die Waage bringt und das zulässige Einsatzgewicht eines Feuerlöschers nach der DIN EN 3 die 20-kg-Marke nicht überschreiten darf. Da muss ich aber nochmal nachhaken...
Metallbrandlöscher sind also aufgrund ihres sehr eingeschränkten Anwendungsbereichs extrem selten anzutreffen, sodass viele von Euch wahrscheinlich noch nie einen gesehen haben und außer diesem hier vermutlich auch nie wieder einen zu Gesicht bekommen werden. Eingesetzt werden sie in Betrieben, in denen oben aufgeführte Metalle verarbeitet und vorgehalten werden - also z.B. in Feuerwerksfabriken oder in Teilen der Metallverarbeitenden und chemischen Industrie.
Ein Glanzstück in sehr gutem zustand, auf das ich sehr stolz bin!

© PhoenixFeuerschutz 2014

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