Donnerstag, 24. Juli 2014

Pfusch bei der Instandhaltung von Feuerlöschern

Feuerlöscher sind ruhende Brandschutzeinrichtungen, welche - wenn alles gut läuft - niemals zum Einsatz kommen. Dennoch müssen sie für den Ernstfall einsatzbereit sein und damit ein Feuerlöscher im Laufe seiner 20 - 25 jährigen Bereitschaft auch tatsächlich funktioniert, muss er von speziell ausgebildeten Sachkundigen in wiederkehrenden Zeiträumen, spätestens jedoch alle zwei Jahre, auf Schäden sowie seine Einsatzbereitschaft hin kontrolliert werden. Überlässt man einen Feuerlöscher sich selbst, kann dies zu hohen Sachschäden oder gefährlichen Unfällen mit tödlichen Verletzungen führen und genau deshalb ist es wichtig, dass eine Instandhaltung verantwortungsbewusst, sorgfältig und gewissenhaft durchgeführt wird.

Doch gerade bei Geräten, die selten oder gar nicht benutzt werden, ist es einfach, Pfusch zu betreiben, da dieser oft gar nicht bemerkt wird. Wenn Ihr Euer Auto mit durchgepfiffen Bremsen zur Reparatur in die Werkstatt bringt, fällt eine nicht fachgerecht durchgeführte bzw. nur abgerechnete Instandsetzung wegen der häufigen, oft täglichen Nutzung des Autos sehr schnell auf-  nämlich dann, wenn Ihr eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit aufgrund versagender Bremsanlage irgendwo reinsemmelt. Anders ist es bei einem Feuerlöscher: Wenn da klumpiges Pulver oder zersetztes Schaummittel, eine halbleere Druckpatrone oder ein verstopftes Steigrohr drin ist, merkt das so schnell erstmal niemand. Erst wenn es brennt und das Ding versagt oder dem Benutzer um die Ohren fliegt, fällt eine nicht fachgerecht durchgeführte Instandhaltung auf... und dann ist was los!

Weil also ein Feuerlöscher im normalen Alltag nicht benutzt wird, fühlen sich einige "Sachkundige" dazu animiert, ihre Aufgaben aus Faulheit oder Geldgier nicht sorgfältig auszuführen - merkt doch eh keiner. In vielen Fällen wird sich das Öffnen des Behälters mit anschließender Innenkontrolle - die zeitaufwendigste Aufgabe - geklemmt und stattdessen der Instandhaltungsnachweis nach einfachem Abstauben auf das Gerät geklebt. Solche Leute nennt man dann auch "Staublappenprüfer", da sie wirklich nichts anderes tun. Dass das, was sie da tun der Gipfel der Verantwortungslosigkeit ist und das hieraus ganz erhebliche Konsequenzen folgen können, das wissen die meisten dieser schwarzen Schafe in der Branche nicht - manche gehen dieses Risiko allerdings bewusst ein und das muss man sich mal vorstellen...

Woran erkenne ich Pfusch bei der Instandhaltung?
Ob eine Instandhaltung fachgerecht durchgeführt worden ist, kann der Auftraggeber oft nicht beurteilen bzw. nachverfolgen, ganz klar. Wenn ich mein Auto in die Inspektion gebe, dann nehme ich es anschließend in der Garage auch nicht noch mal ausnander um zu kontrollieren, ob auch wirklich alles gemacht worden ist. Nein, hier muss man dem KFZ-Mechaniker wie auch dem Sachkundigen vertrauen; geht nicht anders.
Es gibt jedoch Hinweise auf Schlampereien, die Euch auf eine nicht fachgerecht durchgeführte Instandhaltung hinweisen, ohne dass Ihr viel Ahnung von Feuerlöschern habt und natürlich auch ohne, dass Ihr diesen aufschrauben müsst.
Im Folgenden will ich Euch mal ein paar Sachverhalte näher bringen, welche Euch stutzig werden lassen sollten und ein Beispiel sehen wir hier links auf dem Bild. Bei dem abgebildeten Feuerlöscher handelt es sich um einen GLORIA-Aufladelöscher vom Typ PE 6 G aus dem Jahre 1985. Gut zu erkennen ist die gelbe Siegelmarke, welche die Ventilarmatur mit der Überwurfmutter verbindet und beim Öffnen des Behälters unweigerlich zerstört wird. Auf der Siegelmarke ist ganz deutlich "Werks-Siegel" zu lesen, was bedeutet, dass dieser Löscher, seit dem er das Werk in Wadersloh verlassen hat, noch niemals geöffnet worden und von Innen begutachtet worden ist. Als ich diesen Löscher hier bekam, trug er jedoch einen Instandhaltungsnachweis von 2013... Häääääää - wie geht denn das? Tja, ein ganz eindeutiger Fall von Faulheit und Pfuscherei! Wäre der Behälter, wie es sich gehört, geöffnet worden, hätte eine neue Siegelmarke aufgeklebt werden müssen, welche dann jedoch mit der Aufschrift "Prüf-Siegel" versehen ist, denn Werks-Siegelmarken trägt kein Sachkundiger in der Tasche; die gibt es wirklich nur im Werk! Dies ist jetzt ein GLORIA-spezifisches Beispiel, aber andere Hersteller haben gleiche oder ähnliche Methoden. Außerdem: Dieser Feuerlöscher hätte im Jahre 2013 gar nicht mehr instand gehalten werden dürfen, da er seine maximale Lebensdauer von 20 Jahren längst überschritten hat!

Ein anderes Indiz für Schlamperei und Staublappenprüfung ist die Zeit, welche der Sachkundige aufbringt, um eine Instandhaltung vorzunehmen. Wenn Ihr beispielsweise 6 Feuerlöscher habt und den Sachkundigen fragt, wie lange er denn dafür bräuchte und er Euch darauf antwortet "die hängen in 20 Minuten wieder an der Wand", dann ist das nicht etwa ein besonders fleißiger Sachkundiger mit flinken Händen, sondern eine verantwortungslose wie faule Sau, welche ihre Arbeit nicht richtig macht und Euch über den Leisten zieht, weil der sogenannte Sachkundige Leistungen in Rechnung stellt, die er gar nicht erbringt - und was noch viel Schlimmer ist: Im Ernstfall setzt so ein Quacksalber Euer Leben aufs Spiel, da Ihr dann mit einem vermeintlich funktionstüchtigen Feuerlöscher am Brandherd steht und dieser versagt oder sogar hochgeht! Pfusch hoch 3 kann bei so etwas nur rauskommen und deshalb solltet Ihr einen, der Euch so einen Mist erzählt, sofort vom Hof jagen. Unter Beachtung aller Vorgaben des Herstellers und sorgfältiger Arbeitsweise würde er in 20 Minuten nämlich gerade mal einen einzigen Feuerlöscher schaffen und nicht 6.

Ebenfalls verdächtig sind zu günstige Preise. Wenn einer ankommt und Euch eine fachgerechte Instandhaltung für 9,90 Euro anbietet, dann kann er nur etwas daran verdienen, wenn er wichtige Arbeiten unter den Tisch fallen lässt. Eine ordentliche Instandhaltung kostet z.B. für einen Aufladelöscher nämlich so zwischen 15,00 und 25,00 Euro - meistens kommen hier dann aber noch eine Anfahrtsgebühr drauf und Teile, die ersetzt werden müssen (Löschmittel, Schlauch, Treibgaspatrone etc.) gehen sowieso extra. Die Preise variieren natürlich, das ist ganz klar, aber wenns einer für unter 10,00 Euro machen will, dann passt da was nicht. Wo wir gerade bei dem Thema Geld sind: Wenn ein Sachkundiger an einem oder mehreren Eurer Feuerlöscher Mängel feststellt und Euch schonend versucht beizubringen, dass der Kauf eines neuen Feuerlöschers günstiger käme, als eine Instandsetzung des vorhandenen, dann hat er damit in der Regel Recht - zumindest dann, wenn es sich um Schäden am Behälter handelt. Er will Euch dann nicht auf Biegen und Brechen ein neues Gerät aufschwatzen.

Tja, ansonsten könnt Ihr einen Sachkundigen auch gern mal bei seiner Arbeit beobachten oder ihn fragen, was er denn da so macht. Sachkundige, die keine Ahnung von dem haben, was sie da tun, fallen dadurch auf, dass sie unsicher wirken, herumstümpern, mit ungeeignetem Werkzeug an dem Gerät herumwürgen und einfach nur Mist bauen. Die gewieften Falschspieler, die wissen wie es richtig geht, aber aus Gründen der Zeitersparnis ihre Arbeit nicht sorgfältig machen, die erkennt man an ihrer auffällig schnellen Arbeitsweise. Denkt daran: Ein Feuerlöscher (außer CO2) muss geöffnet werden und wenn er das nicht macht, dann macht er was falsch. Solchen Experten sollte man dann auch schnellstmöglich einen Platzverweis erteilen.

Viele Klopper und Pfuschereien kommen allerdings erst bei einer erneuten Kontrolle ans Licht, aber das hier sind zumindest einige hinweise, die auf groben Pfusch hindeuten. Die allermeisten Sachkundigen arbeiten allerdings gewissenhaft und erbringen die von ihnen geforderten Leistungen zu fairen Preisen; das muss ich hier an dieser Stelle auch mal sagen - schon deshalb, weil sie mit ihrem guten Namen für ihre Arbeit unterschreiben und im Falle eines Versagens oder Unfalls auch mutterseelenallein alle rechtlichen Konsequenzen dafür tragen. Schwarze Schafe gibt es wenige, aber es gibt sie. Fallt nicht auf sie herein. 

© C. Müller


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