Sonntag, 23. März 2014

Feuerlöscher

Pulverlöscher 1986
Jeder kennt sie, jeder weiß wie sie aussehen und wofür sie da sind, diese roten Kübel unterschiedlicher Größe, welche in allen Bereichen des öffentlichen Lebens hängen und gottlob oftmals vergeblich darauf warten, benutzt zu werden – richtig, es geht um Feuerlöscher. Doch Feuerlöscher ist nicht gleich Feuerlöscher. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Größe, sondern auch durch Löschmittel und Bedienungsweise. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, werde ich das Mysterium Feuerlöscher im Folgenden etwas erläutern. Die Beispielbilder und Beschreibungen beziehen sich der Übersichtlichkeit halber ausschließlich auf GLORIA-Feuerlöscher. Naja, vielleicht schwingt auch so ein kleines bisschen Lokalpatriotismus mit, da der ehemalige Produktionsstandort der GLORIA-WERKE (Wadersloh i.W.) nicht allzu weit von meinem Heimatort entfernt liegt und mir die GLORIA-Feuerlöscher in meiner Sammlung auch die Liebsten sind.


Nach der Definition ist ein Feuerlöscher ein tragbares Kleinlöschgerät mit einem Gesamtgewicht von maximal 20 kg – damit auch Nicht-Schwarzeneggers den Feuerlöscher ohne Hebebühne und Sackkarre von seinem Standort zum Brandherd befördern können. Das Gesamtgewicht ergibt sich jedoch nicht ausschließlich aus dem Löschmittelinhalt, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, sondern selbstverständlich auch aus Behälter, Treibgas sowie sämtlichen Anbauteilen wie Gaspatronen (wenn vorhanden), Armaturen, Schlauch oder Schneerohr. So wiegt ein 6kg ABC-Pulverlöscher daher nicht 6kg, sondern je nach Hersteller, Bauart und Alter bis zu 10kg.
Ein Feuerlöscher dient dem Ablöschen von Klein- und Entstehungsbränden. Größere Brände wie z.B. ein Zimmerbrand sind mit einem Feuerlöscher nicht mehr zu bekämpfen. Feuerlöscher enthalten Löschmittel, welches entweder durch gespeicherten Druck oder bei Inbetriebnahme erzeugten Druck ausgestoßen wird. Seit Mitte 1992 werden tragbare Feuerlöscher in Deutschland nach der Norm DIN EN 3 zugelassen. Feuerlöscher nach der alten Norm DIN 14406 bleiben aber weiterhin in Deutschland zugelassen.
Feuerlöscher gibt es in vielen unterschiedlichen Größen. Zu den gängigen bzw. heute zugelassenen Größen in Deutschland zählen:

  • Pulverlöscher mit 1kg, 1,3kg, 2kg, 4kg, 6kg, 9kg und 12kg ABC- und auf Wunsch auch mit BC-Pulver
  • Kohlendioxidlöscher mit 1,5kg*, 2kg, 5kg und 6kg* Kohlendioxid
  • Wasserlöscher mit 6 l, 9 l und 10 l* Wasser
  • Schaumlöscher mit 2 l, 6 l, 9 l und 10 l* Schaum (überwiegend Light Water AFFF)
  • Fettbrandlöscher mit 3 l und 6 l wässriger Lösung
Weiterhin gibt es in Deutschland noch 50kg Pulver- und Schaumlöscher sowie 10kg-, 20kg-, 30kg-, 50kg- und 60kg-Kohlendioxidlöscher. Da diese Gerätschaften aufgrund ihres enormen Gewichts auf Rollen bewegt werden müssen (ein 50kg-Pulverlöscher wiegt immerhin stolze 100kg) zählen sie nicht mehr zu den Kleinlöschgeräten und sind somit auch nur in Anlehnung an die DIN EN 3 bzw. DIN 14406 zugelassen.

* Diese Löschergrößen sind aus verschiedenen Gründen veraltet und werden nicht mehr produziert. Sie bleiben aber zugelassen und können bis zur altersbedingten Aussonderung weiter geprüft und vorgehalten werden.

Bauarten von Feuerlöschern

Es gibt mit Auflade-, Dauerdruck- und Gaslöschern drei Bauarten von Feuerlöschern. Genauere Informationen hierzu können in dem Artikel "Bauarten von Feuerlöschern" nachgelesen werden.

Löschmittel und Brandklassen
Es ist nun schon mehrfach der Begriff Löschmittel gefallen – doch was sind die verwendeten Löschmittel? In heutigen Feuerlöschern kommen Wasser, wässrige Lösungen, Schaum, Kohlendioxid und Pulver zum Einsatz. Diese Löschmittel besitzen unterschiedliche Löschwirkungen und sind daher für verschiedene Arten von Bränden geeignet. Die Arten von Bränden, d.h. die brennbaren Stoffe sind in die Brandklassen A, B, C, D, (E), und F eingeteilt. Was dieses Alphabet im einzelnen zu bedeuten hat, kann in dem Artikel "Brandklassen nach DIN EN 2" nachgelesen werden.


Nur der Einsatz des richtigen Löschers ermöglicht einen Löscherfolg
Wie wir bei den Brandklassen gelernt haben, hängt der Löscherfolg im Wesentlichen von der Wahl des richtigen Löschmittels ab. Ein Wasserlöscher an der Tankstelle wäre ebenso Fehl am Platze wie ein Kohlendioxidlöscher in einem Möbellager. Was geschieht jedoch, wenn ein nicht geeignetes Löschmittel verwendet wird? Nun, im günstigsten Fall geht das Feuer schlicht und ergreifend nicht aus. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn man brennende Stoffe der Brandklasse A (Feststoffe) mit einem CO2-Feuerlöscher versucht zu löschen. Da Brände der Brandklasse A, wie z.B. ein Sofa, sowohl glut- als auch flammenbildend verlaufen, ist hier ein Löschmittel notwendig, was auch in die Tiefe des brennenden Sofas eindringen kann. CO2 kann lediglich die Flammen an der Oberfläche ersticken, die Glut jedoch nicht. Im Klartext heißt das: Sobald man aufhört mit dem CO2-Löscher aufs Sofa zu halten, fängt dieses durch die nicht abgelöschte Glut sofort wieder Feuer. Wasser und Schaum hingegen durchdringen das Sofa und kühlen die Glut ab. ABC-Löschpulver schmilzt durch die Hitze und versiegelt so die Oberfläche luftdicht, was die Glut letztendlich erstickt.
Doch wie heißt es so schön: "Schlimmer geht immer" – z.B dann wenn man brennendes Fett mit Wasser zu löschen versucht. In diesem Falle verwandelt sich der Topf mit dem brennenden Fett im Bruchteil einer Sekunde in einen riesigen Feuerball. Warum? Wasser ist schwerer als Fett oder Öl und versinkt in dem Topf. Da brennendes Fett auch unter der Oberfläche eine Temperatur von ca. 400°C hat, verdampft das Wasser schlagartig und schleudert das brennende Fett aus dem Topf. Der Topf brennt zwar nun nicht mehr, dafür aber die ganze Küche und man selbst meistens auch. Hier sind am Besten Spezial-Fettbrandlöscher, Kohlendioxid, Pulver oder einfach der passende Topfdeckel. Nicht ganz so verheerend aber ähnlich verhalten sich Flüssigkeitsbrände wie z.B. ein brennender Lackeimer. Auch hier ist das Wasser schwerer und sinkt unter die brennende Oberfläche. Da hier der Flammpunkt, wie bei fast allen brennenden Flüssigkeiten (außer Fett eben) sehr niedrig liegt, reicht die Temperatur jedoch nicht aus, um das Wasser schlagartig verdampfen zu lassen. Es sinkt wie gesagt unter die brennende Oberfläche und sorgt dafür, dass der brennende Lackeimer überläuft und der Brand sich dadurch erheblich ausweitet. Auch hier helfen Pulver, Kohlendioxid und Schaum am Besten.
Im gewerblichen und öffentlichen Bereich achtet aber der Gestzgeber schon darauf, dass die richtigen Feuerlöscher an die Wand kommen. Wer z.B. in einer Großküche arbeitet, wird dort niemals einen Wasserlöscher finden. Wer sich jedoch privat für einen Feuerlöscher interessiert und nicht so recht weiß, was er da jetzt nehmen soll, der findet ein paar hilfreiche Informationen in dem Artikel "Der richtige Feuerlöscher für zu Hause". Außerdem sind die Brandklassen ab 1973 gut sichtbar als Piktogramm im Schriftbild eines jeden Feuerlöschers aufgeführt. Wo wir grad bei der Beschriftung sind: Was steht da eigentlich so alles auf so einem Feuerlöscher drauf?

Die Beschriftung
Schriftbild nach DIN EN 3 - 2005
Jeder Feuerlöscher trägt eine Beschriftung, welche nach DIN EN 3 fünf Schriftfelder mit folgendem Inhalt aufweisen muss:

Das erste Schriftfeld enthält das Wort “Feuerlöscher”, die Art des Löschmittels und die Löschmittelmenge sowie das Löschvermögen des Feuerlöschers.

Das zweite Schriftfeld enthält eine Bedienungsanleitung i Wort und Bild sowie die Brandklassen, für welche der Feuerlöscher geeignet ist.

Das dritte Schriftfeld enthält den obligatorischen Warnhinweis für den Gebrauch bei elektrischen Anlagen. Bei Kohlendioxid-Feuerlöschern wird an dieser Stelle zusätzlich noch vor dem Gebrauch in engen, schlecht belüfteten Räumen gewarnt.

Das vierte Schriftfeld enthält die Beschreibung des Löschmittels, den Temperaturfunktionsbereich (°C), die Nummer der Anerkennung und den Löscher-Typ.

Das fünfte und Schriftfeld enthält Angaben zum Hersteller, also Name, Anschrift, Telefon und so weiter.
Schriftbild nach DIN 14406 - 1962
Aber egal ob alt oder neu, DIN 14406 oder EN 3: Die Beschriftung hat immer die wichtigsten Angaben zum Feuerlöscher bereit gehalten – Bedienung, Löschmittel, Brandklassen, Warnhinweise und  Herstellerangaben. Zum Vergleich eine typische Beschriftung aus den frühen 1960er Jahren:
Die Feuerlöscher nach DIN 14406 tragen noch Kurzkennzeichen zu Löschmittel und  Art der Druckerzeugung im Schriftbild, die Geräte nach DIN EN 3 nicht mehr. Dafür enthalten sie Angaben zum Löschvermögen.






Das Löschvermögen
Das Löschvermögen ist für die Brandklassen A und B genormt und wird auf dem Feuerlöscher (1. Feld) z.B. mit 89B abgekürzt.

Laut Norm existieren für die Brandklasse A die Prüfobjekte
  • 3A, 5A, 8A, 13A, 21A, 27A, 34A, 43A, 55A
und für die Brandklasse B die Prüfobjekte
  • 8B, 13B, 21B, 34B, 55B, 70B, 89B, 113B, 144B, 183B, 233B
Für die Brandklasse C gibt es keine Staffelung des Löschvermögens – hier wird lediglich geprüft, ob der Feuerlöscher in der Lage ist, brennendes Gas abzulöschen, welches am Ende eines Rohres austritt.
Um eine ungefähre Vorstellung von der Löschleistung eines Feuerlöschers zu geben hier eine kurze Erklärung der Zahlen-Buchstabenkombination.
Die eben schon erwähnten Prüfobjekte sind Normfeuer einer ganz bestimmten Größe. Für die Brandklasse A ist dies ein brennender Holzstapel – aber nicht irgendein Holzhaufen sondern ein fein säuberlich durchgenormter Stapel aus aus 14 Lagen gleichförmig übereinander geschichteten Holzstäben mit einem Querschnitt von 40mm x 40mm, einem Abstand von 60mm zueinander, einer Höhe von 560mm und einer Tiefe von 500mm. Die Länge dieses Stapels kann variiert werden, und genau dies sagen die Zahlen von 3A bis 55A aus. Wenn ein Feuerlöscher nun z.B. 27A ablöschen kann bedeutet dies: Ein vollständig brenneder Holzstapel von 560mm Höhe, 500mm Tiefe und 2700mm (2,70m) Länge kann von diesem Löscher maximal abgelöscht werden.
Beim Normbrand für die Brandklasse B ist es nicht ganz so kompliziert, ihr könnt Taschenrechner und Geodreieck wieder wegpacken. Hier wird eine zylindrische Stahlwanne mit einer brennbaren Flüssigkeit (Benzin oder Benzol) und Wasser im Verhältnis 2:1 gefüllt, wobei die Höhe der Wassersäule 10cm beträgt und die der brennbaren Flüssigkeit 20cm. Der Durchmesser des Behälters kann dem geforderten Löschvermögen des Feuerlöschers angepasst werden. Die eingefüllte Gemischmenge in Litern entspricht der Zahl des erreichten Löschvermögens des Feuerlöschers, sofern dieser das Objekt vollständig abgelöscht hat. So bedeutet das Kürzel 34B, dass der Feuerlöscher in der Lage ist 34 Liter Brennstoff 20cm hoch eingefüllt abzulöschen. Ein 6kg Dauerdruck-ABC-Pulverlöscher vom Typ PD6GA der GLORIA-WERKE, der sich prima für zu Hause eignet, hat ein Rating von 34A und 183B. C kann er auch, ist aber wie gesagt nicht gestaffelt.

Funktionsdauer und Löschtaktik
Neben dem richtigen Löschmittel ist auch das richtige Vorgehen beim Ablöschen eines Brandes von entscheidender Bedeutung für den Löscherfolg. Man sollte sich bewusst machen, dass das Löschmittel eines Feuerlöschers sehr begrenzt ist. Man kann also nicht unbegrenzt draufhalten – je kleiner der Löscher, um so schneller ist er leer. Zur Verdeutlichung hier die Funktionsdauer von Pulverlöschern ohne Unterbrechung des Löschmittelstrahls:
  • 2 kg-Löscher: ca. 2-4 Sekunden
  • 6 kg-Löscher: ca. 10 Sekunden
  • 12 kg-Löscher: ca. 18 Sekunden.
Nach wenigen Augenblicken ist ein solch roter Lebensretter also leer - da bleibt keine Zeit, um erst groß herumzuexperimentieren, welche Löschtaktik denn nun die beste ist. Beachtet beim Umgang mit einem Feuerlöscher folgendes:
  1. Brand stets in Windrichtung angreifen.
  2. Flächenbrände von vorn beginnend löschen. Flammen von unten her angreifen und nicht wahllos in die Flammen spritzen.
  3. Tropf- und Fließbrände von oben nach unten beginnend ablöschen.
  4. Bei größeren Bränden mehrere Feuerlöscher gleichzeitig einsetzen (erfordert natürlich mehrere Personen), nicht nacheinander.
  5. Löschmittelreserve für eine eventuelle Rückzündung bereithalten.
  6. Benutzte Feuerlöscher, auch bei nur teilweiser Entleerung, nicht wieder in den Halter hängen sondern neu füllen lassen.

Die Farbgebung
 
Krankenhauslöscher 1966

Wie wir gesehen haben, gibt es zig verschiedene Arten von Feuerlöschern mit unterschiedlichen Löschmitteln, aber eines ist immer gleich: Die Farbe.
In Deutschland sind Feuerlöscher, welche zum Brandschutz vorgehalten werden müssen, feuerrot (RAL 3000) gekleidet. Dies war aber nicht immer so. Es gab jetzt zwar keine rosanen, blauen oder lilafurzgeblümten Feuerlöscher, aber weiße, silberne und zu Kriegszeiten auch olivgrüne, schwarze und blaue. Die weißen Feuerlöscher wurden beispielsweise bis Ende der 1960er Jahre in Krankenhäusern aufgehängt um die “sterile Atmosphäre”, wie ich auf Anfrage bei den GLORIA-WERKEN erfahren habe, nicht zu stören. Diese Regelung, dass für besondere Einsatzzwecke die Feuerlöscher auch eine andere Farbe als rot bekommen konnten, wurde in den 1970er Jahren jedoch abgeschafft. Heutzutage werden von Herstellern wie MINIMAX und anderen jedoch wieder farblich abweichende Design-Feuerlöscher angeboten, welche jedoch ohne eine behördliche Sondergenehmigung ausschließlich für den privaten Bereich bestimmt sind.

Ebenfalls lesenswert: Das Aussondern alter Feuerlöscher

© C. Müller 

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