Montag, 25. Mai 2015

Sicheres Arbeiten mit dem Gasbrenner

Im Frühjahr und Sommer wird traditionell viel im Garten gearbeitet; Hecken und Büsche werden zurückgeschnitten, Beete gejätet und auch Terrassen, Wege und dergleichen sollen wieder in neuem Glanz erstrahlen. Größtes Ärgernis ist hierbei das in den Fugen wuchernde Moos und Unkraut, welches aus Gründen der Bequemlichkeit auch gern mit einem Brenner beseitigt wird. Auch anderweitig werden solche Brenner wohl gern eingesetzt und dabei passieren dann die dollsten Dinge. Im Netz las ich vor einiger Zeit, dass jemand beim Säubern seines Kaninchenstalls diesen in Brand gesetzt und komplett abgefackelt hat. Anstelle die Kaninchenköttel per Hand mit der Schaufel zu entsorgen, wurde stattdessen schnell der Propangasbrenner aus dem Schuppen geholt und die Reinigung thermisch angegangen... und dann war die Kacke buchstäblich am Dampfen! Bei der Reinigungsaktion hat sich das Feuer vermutlich durch Hitzestrahlung unbemerkt ausgebreitet und auf einmal stand der ganze Schuppen in Flammen. Dieser ist dann auch - leider noch mit ein paar Kaninchen drin - bis auf das Fundament abgebrannt.

Solch eine Aktion ist natürlich der pure Leichtsinn, denn so ein Propangasbrenner hat echt Dampf! Ich besitze selbst solch einen Brenner (Rothenberger 72 KW), mit welchem ich Terrassen und Wege von Unkraut befreie oder den Grill anmache. Da man in den Bedienungsanleitungen oder im Netz nicht wirklich etwas über den sicheren Umgang mit solchen Geräten lesen kann, möchte ich hier auf meinen eigenen Erfahrungen beruhend mal ein paar Dinge Aufzählen, welche man unbedingt beachten sollte.

Der Kauf eines Brenners
Propangasbrenner werden von zahlreichen Herstellern angeboten und bei der Anschaffung sollte nicht nur auf den Preis geschaut werden. Einerseits sind teurere Geräte qualitativ hochwertiger und halten dementsprechend lange. So ist zum Beispiel der Feuertopf am Ende mit einem Kragen versehen, sodass er nicht nach dreimaliger Benutzung durchglüht. Auch die Regulierung arbeitet bei hochwertigen Brennern auch zuverlässiger. Bei billigen Geräten könnte es passieren, dass Ihr den Gas- / Luftstrom nicht mehr regeln könnt, weil der Hebel ausgenudelt ist. Zudem besitzen die hochwertigen Brenner einen Flammenstabilisator, sodass Euch das Ding nicht bei jedem Windhauch ausgeht. Ich möchte jetzt hier keine Werbung machen, aber wenn Ihr Euch einen Brenner kaufen wollt, dann kann man die Marken Grün, GOK, Lorch und Rothenberger wohl empfehlen, da diese auch bei Dachdeckern im Dauereinsatz sind. Bevor ich mir meinen Brenner geholt habe, hatte ich auch keine Ahnung und habe extra mit einem Dachdecker gesprochen, welcher mir dann diese Marken genannt hat - und das kann ich ja hier so weitergeben. Preislich liegen solche Geräte dann, je nach Ausführung natürlich, so zwischen 50 und 100 Euro.

Lasst auf jeden Fall die Finger von billigem Flohmarktschrott! Ich habe mal an einem Stand ein Dreierset für 15 Euro aus Polen gesehen und das ist garantiert nix! Ihr müsst bedenken, dass Ihr mit einem Druck von 2,5 - 4,0 bar sowie hochexplosivem Gas hantiert und wenn Euch da irgendein Teil abpfeift, möchte ich nicht in der Nähe sein! Also, auch aus Gründen der Sicherheit bitte nicht zum günstigsten Modell greifen und achtet immer auf TÜV- oder sonstige Gütesiegel anerkannter Prüforganisationen!

Der Anschluss
Das wichtigste gleich vorweg: Ein Propangasbrenner darf niemals ohne Druckminderer und nur mit einem nach DIN 4815 zugelassenem Schlauch betrieben werden! Die Anschlüsse sind zwar alle so ausgeführt, dass der Brenner nur mit passendem Schlauch und auch nur mit Druckminderer angeschlossen werden kann, aber wer weiß, was sich findige Leute so alles einfallen lassen. Also fangt bloß nicht an, mit irgendwelchen Gartenschläuchen rumzufummeln, die nicht geeignet und zugelassen sind und versucht niemals, solch einen Brenner ohne Druckminderer betreiben zu wollen. Auf der Gasflasche sind 11 bar Druck und wenn Ihr ihn ohne Druckminderer anschließen und anbekommen solltet, dann ist die Hölle los - und seid Ihr mittendrin!
Der Druckminderer muss fest auf das Ventil der Flasche geschraubt werden (Linksgewinde!) und damit meine ich nicht bloß handfest. Zieht die Mutter mit einem geeigneten Maulschlüssel oder einer Wasserpumpenzange nach, aber nicht so fest, dass es knirscht oder die Messingspäne fliegen. Wenn Ihr Schlauchlängen von mehr als 5 m verwendet oder auf einem unebenen Gelände mit scharfkantigen Steinen etc. arbeitet, dann solltet Ihr zusätzlich eine Schlauchbruchsicherung nachrüsten. Die wird direkt hinter den Druckminderer geschraubt und misst den Gasdurchfluss. Sollte dieser durch ein Leck im Schlauch unnatürlich hoch sein, wird die Gaszufuhr sofort gestoppt. Für den gewerblichen Einsatz sind solche Schlauchbruchsicherungen übrigens gesetzlich vorgeschrieben.
Auch die von Euch verwendete Gasflasche sollte allen Normen entsprechen und einen Prüfstempel der zuständigen Überwachungsstelle besitzen. Holt Euch am besten eine Pfandflasche (Pfand ca. 25 - 30 Euro), denn die gebt Ihr einfach ab wenn sie leer ist und erhaltet dafür im Austausch wieder eine ordnungsgemäß geprüfte Flasche. Nicht geprüfte oder ausgesonderte Uraltflaschen dürfen unter keinen Umständen wieder befüllt werden! Die Propangasflaschen gibt es mit 5, 11 und 33 kg Inhalt und ich würde Euch hier eine 11er Flasche empfehlen. Die ist noch zu bewegen und auch nicht sofort leer.

Die Arbeitsfläche
Vor allem beim Säubern von Terrassen und Wegen sticht einem vermutlich nur das in den Fugen wuchernde Unkraut ins Auge - also Brenner an und los gehts! Aber einfach drauflosbrennen kann gefährlich werden, wenn die Arbeitsfläche nicht vorher von allem anderen brennbarem bzw. leicht entzündlichem Material befreit wird. Hierzu gehört in erster Linie Kleinzeug wie größere Ansammlungen von Tannennadeln, Blättern, Holzsplittern (siehe Bild) und dergleichen. Viele werden sich jetzt denken, warum sie sich vorher die Arbeit machen und fegen sollen, wo sich doch mit dem Abbrennen des Unkrauts auch die anderen auf der Arbeitsfläche befindlichen und unerwünschten Dinge ebenfalls in Rauch auflösen. Nun, der Grund ist einfach: Die Pflanzen sitzen fest in den Fugen, d.h. wenn Ihr da mit dem Brenner draufhaltet, brennen diese einfach weg, ohne dabei ihre Position zu verändern. Anders sieht es bei den gerade von mir aufgezählten Gegenständen aus; diese sind leicht, liegen nur lose auf dem Boden auf und wenn Ihr da mit dem Brenner rangeht, dann fliegen diese Dinge einfach weg - glühend versteht sich. Wenn der Druckregler 2,5 oder 4,0 ausgibt, dann kommt natürlich vorne an der Düse auch ein Großteil davon an und so hat die Flamme schon ordentlich Druck. Brennbares Kleinzeug wird angesengt und fliegt unkontrolliert umher, wodurch selbstverständlich schnell ein Feuer ausbrechen kann. Ich habe es selbst ausprobiert und kann Euch sagen, dass dieses Zeug überraschend weit fliegt; deshalb: brennbares Kleinzeug vorher wegfegen!

Sicheres Arbeiten
Das, was Ihr Euch unbedingt merken müsst, ist: Gearbeitet wird immer vom Körper weg und die Gasflasche steht dabei immer hinter Euch! Fangt bloß nicht an, um die Flasche herumzufackeln, weil Ihr zu faul seid, diese aus dem Weg zu räumen! Seht ebenfalls zu, dass auch der Schlauch nicht im Arbeitsbereich liegt. Wo wir grad beim Schlauch sind: Legt ihn möglichst gerade ohne Knicke oder gar Knoten aus, achtet auf scharfe Kanten (Schlauchbruchsicherung) und werft bei Arbeiten immer mal einen Blick hinter Euch, ob Ihr noch genug Schlauch habt; sonst machts "PÖNG" und die Flasche liegt da, was natürlich auch gefährlich werden kann. Gerade das Ventil ist empfindlich und bricht bei Schlägen schnell ab oder der Mantel kann durch den Sturz einen Haarriss bekommen und dann "WUMM". Weiterhin solltet Ihr bei der Arbeit geeignete und vor allem geschlossene Schuhe tragen... sonst wird's warm an den Füßen.

Strahlungshitze
Kommen wir nochmal auf die Strahlungshitze zurück, durch welche besagter Kaninchenstall abgebrannt ist. Also die Hitzestrahlung ist echt nicht zu unterschätzen. Hier im Bild könnt Ihr sehen, was ich meine. In der Fuge verglüht direkt unter der Flamme das Unkraut wie gewünscht, doch rund 60 cm weiter weg fängt ein dort noch herumliegender Tannenzapfen plötzlich Feuer. Die Zündtemperatur eines Tannenzapfens liegt zwischen 280 und 340 °C was bedeutet, dass die am Boden befindliche Luft im Umkreis von etwa 60 cm um die 300 °C beträgt - mit abnehmender Entfernung zum Feuertopf dann auch über 500 °C. Das bedeutet: Abstand halten zu allen brennbaren Materialien!


Das Arbeiten mit einem Brenner macht Spaß und ist nebenbei auch ganz effizient, doch sollte  vorsichtig und vor allem umsichtig zu Werke gegangen werden. Um nicht aus Versehen Haus und Hof niederzubrennen, solltet Ihr:
  • Nur geprüfte und zugelassene Brenner, Flaschen und Schläuche verwenden!
  • Einen Abstand von 1 m zu allen brennbaren und leicht entzündlichen Materialien nicht unterschreiten!
  • Gasflasche und Zuleitung stets außerhalb des Arbeitsbereiches unterbringen!
  • Den Arbeitsbereich vorher von brennbarem Kleinzeug befreien!
  • Niemals in geschlossenen Räumen bzw. im Innenbereich arbeiten!
  • Geeignetes Löschgerät für den Fall der Fälle vorhalten (z.B. eine Kübelspritze)!
Dann: Feuer frei und frohes Schaffen!

©. Menzel 2015

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