Sonntag, 28. Dezember 2014

Gefährliche Polenböller

Am 31. Dezember fliegt uns das Jahr 2014 - so wie auch die vergangenen Jahre und Jahrzehnte - mit reichlich Feuerwerk um die Ohren und den letzten Jahreswechsel ließen sich die Deutschen rund 124 Mio. Euro kosten. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen dabei Verbundfeuerwerke, welche mit einmaligem Zünden bis zu 300 Effekte in den hoffentlich sternenklaren Silvesterhimmel feuern.
Das ist schon sehr interessant, denn zu meinen Hochzeiten der Feuerwerkerei wurden fast ausschließlich Böller gekauft - Effektbatterien gab es noch gar nicht. Meine pyrotechnischen Vorlieben äußerten sich dabei in China-Böllern der Kategorien C & D, den Super-Böllern I & II sowie den kubischen Kanonenschlägen, welche dann allesamt gleich schinkenweise rangeschafft wurden. Auch Luftheuler und "Deutsche Kracher" mit Reibekopfzünder gehörten mit zum Arsenal, doch leider sind die beiden letztgenannten Feuerwerksartikel in Deutschland mittlerweile verboten. Heute baller und böller ich immer noch sehr gerne, doch nur mit in Deutschland zugelassenem und BAM-geprüftem Sicherheitsfeuerwerk.

Was sich allerdings wegen des größeren Wumms leider auch einer seit Jahren schon großen Beliebtheit erfreut, sind illegale Böller aus dem Ausland. Häufig stammen diese aus Polen oder Russland, weswegen sie zumeist etwas salopp als "Polenböller" bezeichnet werden. Diese Feuerwerkskörper sind extrem gefährlich, da sie nicht mit relativ harmlosem Schwarzpulver, sondern vielfach mit Mischungen aus Oxidatoren und Metallpulvern - den sogenannten Blitzknallsätzen (BKS) - gefüllt sind. Ein Blitzknallsatz explodiert auch umverdämmt mit einem ohrenbetäubenden Knall unter enormer Energieabgabe und die Reaktionsgeschwindigkeit ist dabei so stark, dass Mengen ab 100 g nach dem Zünden sogar detonieren können. Die hierbei entstehende Druckwelle breitet sich mit Überschallgeschwindigkeit (> 343 m/s bzw. > 1235 km/h) aus, was sie extrem zerstörerisch macht. Polenböller sind also im Vergleich zu den BAM-geprüften Böllern mit starkem Sprengstoff gefüllt, welcher dem Sprengstoffgesetz unterliegt und nur von ausgebildeten Feuerwerkern erworben und gezündet werden darf. In den Händen angetrunkener Partygäste hat dieses Zeug nichts zu suchen, da es bei unsachgemäßer Handhabung zu schweren Zerstörungen und erheblichen Verletzungen führen kann. Eine Vogelschreckpatrone enthält z.B. 1,8 g BKS und sie ist, wenn man sich blöde anstellt, durchaus dazu in der Lage, einem mehrere Finger abzureißen. Einige Polenböller wie z.B. der "Tiger Boom" enthalten irrsinnige 300 g BKS und was damit alles passieren kann, brauch ich ja jetzt nicht extra erklären. Polenböller sind jedoch nicht nur aufgrund ihrer Kraft extrem gefährlich, sondern auch die Zusammensetzung der Blitzknallsätze kann fatal sein. Bei diesen Dingern weiß man nie so genau, was da eigentlich drin ist. Einige Polenböller enthalten als Oxidatoren anstelle der relativ handhabungssicheren Perchlorate höchst instabile und sehr reaktive Chlorate wie z.B. Kaliumchlorat. Mischungen aus Chloraten und Metallpulvern oder fein gepulverten organischen Stoffen sind äußert stoßempfindlich und reagieren auch auf statische Aufladung mit einem lauten Knall. Solche Mischungen sind unberechenbar und können quasi aus heiterem Himmel in die Luft gehen.

Damit das neue Jahr nicht im Krankenhaus oder Leichenwagen beginnt, bitte ich Euch eindringlich:
LASST DIE FINGER VON ILLEGALEN BÖLLERN!!!
Kauft Euer Feuerwerk nur im bekannten Einzelhandel, wozu die Bau- und Supermärkte, Kauf- und Warenhäuser sowie die Discounter der einschlägigen Handelsketten gehören, denn nur hier erhaltet Ihr BAM-geprüftes sowie in Deutschland zugelassenes Sicherheitsfeuerwerk, welches im Umgang recht ungefährlich ist und als unbedenklich eingestuft wird (BAM-P-II; Klassen  1.4. G / 1.4. S).
Lest Euch auch nochmal meinen Artikel "Silvester - Sicherer Umgang mit Feuerwerk" durch, ist nie verkehrt.

Ich möchte diese Gelegenheit auch nutzen, um mich sehr herzlich bei meinen Lesern und das große Interesse an meiner Seite zu bedanken. Vielen Dank! Auch in Sachen Feuerlöschermuseum war das Jahr 2014 mit 76 Neuzugängen sehr erfolgreich.
Ich werde Euch natürlich auch im nächsten Jahr wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Also - lasst es krachen und einen Guten Rutsch! ins Jahr 2015.

Euer Chris

© PhoenixFeuerschutz 2014

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