Sonntag, 11. Mai 2014

Entwicklung des modernen Pulverlöschers

Wenn wir an einen Feuerlöscher denken, haben die meisten Menschen das Bild eines roten, zylindrischen Behälters mit schwarzem Schlauch und irgendeiner Art von Griff oder Hebel an der Oberseite des Behälters vor Augen, doch dass Feuerlöscher auch einmal anders ausgesehen haben, wissen nur die wenigsten. Während die Tetra- und Bromidlöscher bis zu ihrem Verschwinden in den 1960er und 1970er Jahren ebenso wie die Kohlendioxidlöscher im Prinzip keine oder nur marginale bauliche Veränderungen durchlebt haben, änderten insbesondere die Pulverlöscher ihr Erscheinungsbild radikal.


Feuerlöscher alter Bauart

Der Urtyp des Feuerlöschers "alter Bauart", welcher auch als Vorläufer des modernen Feuerlöschers gesehen werden kann, wurde im Jahre 1912 von der Firma TOTAL patentiert und er war meines Wissens der erste Trockenfeuerlöscher, welcher das Löschmittel ähnlich wie die MINIMAX-Spitztüten erfolgreich unter Überdruck ausgestoßen hat. Der entscheidende Unterschied zur MINIMAX-Spitztüte war jedoch, dass die Druckerzeugung nicht auf chemischem Wege durch das Vermischen zweier bei der Reaktion gasbildender Chemikalien (Schwefelsäure + Natron) erfolgte, sondern der nötige Betriebsdruck (Kohlendioxid) in einer separaten Druckflasche gespeichert wurde. Auf dem Gebiet der Trockenlöscher war diese Entwicklung revolutionär, da Trockenlöscher bis dahin lediglich als einfache und drucklose Schleuder-Feuerlöscher existierten (z.B. THEO-LÖSCHFACKEL).
Basierend auf diesem ersten und zukunftsweisenden TROCKEN-TOTAL entstanden die Kohlensäure-Trocken-Feuerlöscher, welche in den 1920er Jahren ihre endgültige Form erhielten.
Feuerlöscher alter Bauart unterscheiden sich von den heutigen Feuerlöschern wie schon angedeutet vor allem in ihrem äußeren Erscheinungsbild und damit meine ich nicht die seitlich am Behälter angebrachte Druckgasflasche, denn die gibt es bei modernen Feuerlöschern auch noch. Nein, am markantesten sticht bei Feuerlöschern alter Bauart wohl ohne Zweifel die am Behälterboden befindliche und trichterförmig ausgestaltete Pulverdüse hervor, welche dem ganzen Gerät etwas altertümliches verleiht.
Im Gegensatz zu den heutigen Löschern waren die Feuerlöscher alter Bauart wesentlich schwerer zu handhaben. Man konnte sie nirgends richtig anfassen und sie mussten im Ernstfall wie ein Baby im Arm gehalten werden. Nachdem man sie von der Wand genommen hatte, musste man sie zudem noch einmal etwas "zurechtdrehen", um die Druckflasche aufzudrehen und das Löschmittel gezielt auf den Brandherd zu bringen, da die Pulverdüse bei fast allen Modellen zur rechten Seite zeigte. Die einzige mir bekannte Ausnahme sind die Modelle aus dem Hause MINIMAX. Hier zeigte die Düse zur Rückseite des Behälters und sie lagen nach dem Abnehmen von der Wand direkt richtig in der Hand. Das gezielte ausbringen des Löschmittels war unabhängig hiervon auch so eine Sache und alles andere als einfach, denn zum Schwenken des Löschmittelstrahls musste der gesamte Löscher hin und herbewegt werden und da dieser direkt am Körper gehalten wurde, war der Aktionsradius doch arg einschränkt. Vor allem die großen Typen mit 9 kg-Pulverfüllung (wie z.B. der TOTAL J 9, von welchem ich auch ein 1957er Exemplar besitze) waren sehr schwer und zudem auch ziemlich lang, was sie insgesamt noch unhandlicher machte. Ein dosiertes Ausbringen des Pulvers war überhaupt nicht möglich, da diese Löscher nach Aufdrehen der Druckgasflasche so lange Pulver ausgestoßen haben, bis sie leer waren.
Trotz dieser aus heutiger Sicht unangenehmen Eigenschaften, waren die Kohlensäure-Trocken-Feuerlöscher alter Bauart etwas revolutionär neues und sie fanden in den 1930er Jahren eine weite Verbreitung vor allem dort, wo andere Löschmittel wie Kohlendioxid, Schaum, Tetra oder Wasser nicht angewendet werden konnten. Erhältlich waren die Feuerlöscher alter Bauart ausschließlich mit einer BC-Pulverfüllung von 5 kg, 7 kg und 9 kg. Im Jahre 1957 wurde die Produktion der Feuerlöscher alter Bauart in den gerade genannten Größen eingestellt.

Neuzeitliche Feuerlöscher

Nachdem die Feuerlöscher alter Bauart etwa 30 Jahre lang in unveränderter Form gebaut worden sind, kamen ab 1954/55 im Zuge des technischen Fortschritts erstmalig die sog. "neuzeitlichen Feuerlöscher" auf, welche im Vergleich zum altbekannten Baumuster entscheidende Veränderungen aufwiesen. Als wichtigste Änderung wurde bei diesen Geräten der am Behälterboden befindliche Pulvertrichter durch einen flexiblen Schlauch mit abstellbarer Löschpistole bzw. eine eine einfache Pulverdüse an der Behälteroberseite ersetzt. Durch den nun ebenen Behälterboden konnten die neuzeitlichen Feuerlöscher nun auch hingestellt werden. Eine weitere, wenn auch einfache aber für den Handhabungskomfort sehr wichtige Neuerung war die Ausstattung dieser Geräte mit einem starren oder anklappbaren Handgriff. Neben den technischen Neuerungen, welche die Handhabung deutlich verbesserten, diente die Einführung der neuzeitlichen Feuerlöscher auch einer Typenbereinigung und folgte somit auch gewissen Rationaslisierungs- und Normungsmaßnahmen. Anstelle von vorher drei möglichen Größen waren Pulverlöscher fortan mit einer Füllmenge von 6 kg und 12 kg erhältlich.

Obwohl die meisten Feuerlöscher, die wir heute in Geschäften oder am Arbeitsplatz zu sehen bekommen, rein äußerlich nun auch nicht mehr viel mit denen hier als neuzeitliche Feuerlöscher vorgestellten Geräten zu tun haben, basieren sie jedoch auf dem gleichen Prinzip. Der meines Wissens einzige Hersteller, welcher noch Feuerlöscher nach dem hier vorgestellten Muster mit starrem Handgriff und einem an der Behälteroberseite entspringenden Schlauch produziert, ist die Firma WEBER aus Düsseldorf. Feuerlöscher dieser Art sind unter anderem in vielen Aldi-Nord-Filialen zu bewundern.

© C. Müller

1 Kommentar:

  1. Hallo,
    Die Firma Neuruppin produziert ebenfalls noch ein einziges (besonderes) Modell in der Bauart nach dem von dir genannten Muster mit starrem, am Behälter angeschweißten Griff und mit einem Schlauch, der oben am Behälter herausgeführt wird:
    Siehe http://katalog.fln-neuruppin.de/de/products/10943/ - Modell P 6 Hi mit BC Pulver.

    Aber ansonsten ist diese Variante nicht mehr im Sortiment der großen Hersteller; Bavaria hatte diesen Typ noch bis vor wenigen Jahren im Programm.

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