Freitag, 18. April 2014

Pulverlöscher

Pulverlöscher enthalten ein Trockenlöschmittel in Pulverform und waren früher sowohl im gewerblichen, als auch im privaten Bereich am häufigsten anzutreffen. Mittlerweile geht der Trend immer mehr zu Schaum- und Wasserlöschern, da diese im Vergleich zu Pulver wesentlich geringere Löschmittelschäden anrichten und aufgrund ihres geringeren Betriebsdrucks sowie der damit zusammenhängenden längeren Betriebsdauer auch für Laien besser handhabbar sind. Dennoch sind sie nach wie vor weit verbreitet.
Das Löschpulver wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden, doch konnte es sich Anfangs noch nicht durchsetzen. Das Pulver war grob, ungleichmäßig vermahlen und zog viel Wasser aus der Umgebungsluft, weswegen frühe Pulverlöscher oft verstopft und im Ernstfall nicht zu gebrauchen waren. Der Durchbruch der Pulverlöscher erfolgte erst in den 1930er Jahren und der endgültige Siegeszug Mitte der 1950er. Das Löschpulver kann die unterschiedlichsten Farben aufweisen – von weiß über Pastelltöne (gelb, hellblau, rosa) bis hin zu tiefem blauviolett. Diese Farben lassen jedoch keine Rückschlüsse auf den generellen Typ des Löschpulvers zu, also man kann keine Regel aufstellen, die besagt: “ABC-Pulver ist weiß und BC-Pulver hellblau”. Es handelt sich hierbei lediglich um ein herstellerinternes Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Produkte.

ABC-Pulver
Heutzutage kommt  in den Pulverlöschern fast ausschließlich ABC-Pulver zum Einsatz, da es sich, wie der Name schon sagt, für Brände von Stoffen der Brandklassen ABC eignet und somit im Vergleich zu allen anderen Löschmitteln (außer Fettbrandlöscher) den größten Anwendungsbereich hat. Holz, Kohle, Stroh oder Papier können ebensogut abgelöscht werden wie brennendes Benzin oder flüssig werdende Kunststoffe. Selbst Fettbrände lassen sich mit einem ABC-Pulverlöscher gefahrlos eindämmen. Das auch als Glutbrandpulver bezeichnete Trockenlöschmittel wurde 1955 auf Basis von Ammoniumphosphat und Ammoniumsulfat (Düngemittelzusatz) entwickelt und kommt wie bereits erwähnt heute in  nahezu allen Pulverlöschern zum Einsatz.
Die Löschwirkung des ABC-Löschpulvers beruht bei Flammenbränden (Brandklassen B und C) auf dem Antikatalytischen Löscheffekt, wobei die in der Brandhitze freiwerdenden Radikale den zur Verbrennung notwendigen Sauerstoff binden. Bei Glutbränden der Brandklasse A schmilzt das Löschpulver zudem auf dem heißen Brandgut und die dabei entstehende glasartige Sinterschicht erstickt die Glut. ABC-Feuerlöscher werden überall dort eingesetzt, wo Brandrisiken von Stoffen der Brandklasse A, B, und C bestehen – also eigentlich überall, auch zu Hause. Feuerlöscher mit ABC-Pulverfüllung werden mit einem Inhalt von 1 kg, 2 kg, 4 kg, 6 kg, 9 kg und 12 kg angeboten. Die kleinen Löscher bis 6 kg Inhalt kommen ausschließlich als Dauerdrucklöscher in den Handel und die großen ab 6 kg Inhalt gibt es zudem auch als Aufladelöscher. 12 kg-Aufladelöscher erzielen ein Rating von 55A und 233 B, was sie zu den leistungsstärksten Löschern auf dem Markt macht. Der Einsatz von Löschpulver ist bei sachgemäßer Anwendung gesundheitlich unbedenklich.

BC-Pulver 
BC-Löschpulver ist das ursprüngliche Löschpulver auf Basis von Natriumhydrogencarbonat (Bullrich-Salz) und wird auch als Standardlöschpulver bezeichnet. Neben diesem gibt es noch eines auf Basis von Kaliumsulfat (Dünger) und ein Hochleistungslöschpulver auf Basis von Natriumhydrogenkarbonat (Backpulver). Die Löschwirkung von BC-Pulver beruht ausschließlich auf dem Antikatalytischen-Löscheffekt, da die schmelzenden Bestandteile fehlen. Daher wurden BC-Pulverlöscher vornehmlich nur dort eingesetzt, wo besondere Risiken der Brandklassen B (brennbare Flüssigkeiten) und C (brennbare Gase) bestehen – wie z.B. in der petrochemischen Industrie (Raffinerien), in Lackierereien und an Tankstellen. In den 1960er und 1970er Jahren wurden BC-Pulverlöscher auch in großer Zahl an Hausbesitzer mit Ölheizung verkauft. Heute sind BC-Pulverlöscher nahezu gänzlich verschwunden, da sie Feststoffbrände der Brandklasse A nicht ablöschen können und daher in den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens und der Privatwohnung wirkungslos sind. Dennoch wurden bis etwa zur Mitte der 1980er Jahre noch große Mengen Feuerlöscher mit einer BC-Pulverfüllung in den Handel gebracht, von denen heute aufgrund ihres Alters jedoch keiner mehr im Umlauf sein dürfte. Angeboten wurden die BC-Pulverlöscher mit einem Inhalt von 6 kg und 12 kg. Die letzte Auflage von etwa 1978 bis 1984 gab es zumindest bei GLORIA nur noch als 12 kg-Aufladelöscher, wogegen sie vor allem in den 1960ern meistens als 6 kg-Dauerdrucklöscher abgegeben wurden.

D-Pulver
D-Löschpulver (Metallbrandpulver, M-Pulver) stellt eine Sonderform dar und ist das einzig genormte Löschmittel für Brände der Brandklasse D (Metalle). Es besteht in der Regel hauptsächlich aus feinst vermahlenen Alkalichloriden wie Natriumchlorid (Kochsalz) und zeichnet sich durch eine hohe Reaktions- und Temperaturstabilität aus. Die Ausbringung des Pulvers erfolgt bei den Metallbrandlöschern sehr weich und fast drucklos mit einer speziellen Pulverbrause, um die ggf. vorhandene Metallschmelze vorsichtig mit einer luftdichten Schicht abdecken zu können. D-Pulverlöscher sind aufgrund der Beschränkung für die Brandklasse D die seltensten unter den Pulverlöschern. Die allermeisten Personen werden in ihrem Leben wahrscheinlich niemals einen zu Gesicht bekommen, da er eben für die meisten Bereiche völlig ungeeignet ist. Angeboten werden diese Feuerlöscher ausschließlich als Aufladelöscher mit 12 kg Inhalt.

Löschtaktik
Um zum gewünschten Löscherfolg zu kommen, müssen je nach Brandklasse unterschiedliche Löschtaktiken angewendet werden – einfach draufhalten, bis alles in einer Pulverwolke verschwindet, ist nicht immer richtig. Brände der Brandklasse A sind am wirkungsvollsten löschen, wenn eine geschlossene Pulverschicht über das brennende Objekt gelegt wird. Hierzu am besten in kurzen Stößen das Löschpulver möglichst weich aufbringen. Hält man einfach nur drauf entsteht keine Pulverschicht, sondern eine Pulverwolke. Diese würde durch die heißen Brandgase einfach davonschweben und die angrenzenden Räume versauen. Die Pulverschwarte auf dem Brandgut ist deshalb so wichtig, damit das Löschpulver schmilzen und so auch die Glut ersticken kann.
Bei reinen Flammenbränden der Brandklassen B und C sieht das schon ganz anders, nämlich genau gegenteilig. Solche Brände erfordern eine solche Pulverwolke, da die Flammen regelrecht mit Pulver durchmischt werden müssen. Wer bei B-Bränden mit weichen Pulverstößen hantiert, wird feststellen, dass das Feuer immer wieder durchzündet und so nicht zu löschen ist. Also: Ein paar Schritte zurücktreten, Sicherung ziehen und Pulver Marsch - da muss richtig was kommen! Aber Achtung: Pulver kühlt die Flüssigkeit nicht ab! Wenn Flüssigkeiten nach dem Ablöschen noch heiß genug sind, fangen sie wieder Feuer. Deshalb empfiehlt es sich gerade beim Ablöschen brennender Flüssigkeiten so sparsam wie irgend Möglich mit dem Löschmittel umzugehen und eine Reserve zurückzubehalten. Das ist allerdings bei größeren Objekten schwierig bis unmöglich, da wirklich jeder Krümel Pulver gebraucht wird.
Man merke sich also: Feststoffe mit weichen Pulverstößen ablöschen, Flüssigkeiten und Gase mit einer durchgängigen Wolke. Vor allem bei Flüssigkeiten Rückzündung beachten. Bei elektrischen Anlagen bis 1000 Volt ist ein Mindestabstand von 1 m einzuhalten und von Anlagen mit höheren Spannungen lasst ihr bitte die Finger!

Schäden durch Löschpulver
Löschpulver löscht richtig angewendet sehr schnell, doch können Pulverlöscher unglaubliche Schweinereien anrichten, weswegen Experten oft von so einem Gerät für zu Hause abraten. Löschpulver ist so fein vermahlen, dass 1 cm3 aus rund 4 Mio. Teilchen besteht. Wenn es mit hohem Druck ausgestoßen wird, dann findet es den Weg auch in die hinterletzten Winkel. Löschpulver besitzt weiterhin die unangenehme Eigenschaft, Luftfeuchtigkeit zu binden und dadurch steinhart zu werden. Solche betonartigen Verkrustungen sind nur sehr schwer wieder zu entfernen. Durch die Verbindung von Löschpulver und Luftfeuchtigkeit kann es nicht zuletzt auch zu starken Korrosionsschäden kommen.

© C. Müller

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