Samstag, 19. November 2016

GLORIA TROCKENLÖSCHER DIN TROCKEN 9 alter Bauart Bj. 1953

Hersteller: H. SCHULTE-FRANKENFELD (GLORIA)
DIN TROCKEN 9
Typ: -
Baujahr: 1953
Bauart: P 9 H - Aufladelöscher mit außenliegender Treibgasflasche
Inhalt: 9 kg BC-Pulver
Treibmittel: 600 g Kohlendioxid
Gewicht des gefüllten Geräts: 14,0 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1952 - 53


Geschichte:
Mit dem GLORIA DIN TROCKEN 9 Bj. 1953 haben wir hier einen sehr, sehr seltenen Feuerlöscher, welcher nicht nur zu den seltensten Modellen aus dem Hause GLORIA, sondern auch zu einem der seltensten Feuerlöscher überhaupt zählen dürfte.
Der GLORIA DIN TROCKEN 9 ist ein Feuerlöscher alter Bauart, welcher die Pulverdüse in Form eines Trichters noch am Behälterboden besitzt.
Feuerlöscher dieser Größe und Bauart* sind gerade von GLORIA besonders selten, da diese Modelle an sich typische Vorkriegsgeräte nach der 1941 in Kraft getretenen DIN 14032 sind. Die heutige GLORIA GmbH wurde jedoch erst im August 1945 gegründet und ließ diesen Typ Löscher im Jahre 1952 unter der damals erst seit kurzem bestehenden DIN 14406 Teil 1 quasi nochmal neu zu (P1 - 17/52 und P1 - 18/52).

*Übliche Baumustergrößen der Vorkriegszeit sahen nach der DIN 14032 Feuerlöscher mit 4 kg, 5 kg, 7 kg und eben 9 kg vor.

Ich habe immer vermutet, dass es diesen Typen gegeben haben könnte, doch da ich in 30 Jahren noch niemals einen gesehen hatte - weder im Original, noch im Prospekt - war ich mir über die tatsächliche Existenz eines solchen Gerätes doch nicht so ganz einig. Das "muss ja" ging über die Jahre und Jahrzehnte von einem "könnte" zu einem sicheren "vielleicht" über, sodass man irgendwann selbst nicht mehr dran geglaubt hat, ein solches Modell mal irgendwie irgendwo zu finden. 
Doch hier ist nun der leibhaftige Beweis im Original und das ist SENSATIONELL!

Die Beschriftung erscheint ganz im klassischen GLORIA-Stil der frühen 1950er Jahre mit einem rot-weiß umrandeten Aufdruck von blass- bzw. hellgrüner Grundfarbe. Das berühmte GLORIA-Signet mit der Inschrift "Für jeden Brand - GLORIA - Handfeuerlöscher" befindet sich mittig an der Spitze des Aufdrucks. Unter diesem erscheint in übergroßer, weißer, mit schwarzen Schlagschatten versehenen Buchstaben die Bezeichnung "TROCKENLÖSCHER".
Das rechteckige Feld mit abgerundeten Kanten darunter enthält noch nicht die Typenbezeichnung wie bei den Nachfolgermodellen, sondern die Bauartbezeichnung. DIN TROCKEN 9.
Die Bedienungsanleitung wird mit Ausnahme der Überschrift "An der Brandstelle" in schwarz dargestellt, die Herstellerangaben erscheinen hingegeben wieder in weiß. Die bildliche Darstellung des Löschvorgangs ist detailgetreu und zeitgenössisch im Gesamtkonzept integriert.
"GLORIA" war 1952/53 noch keine eingetragene Wortmarke, weswegen in den Herstellerangaben noch "H. SCHULTE-FRANKENFELD - Spezialfabrik für Feuerlöschtechnik" angegeben wird und nicht das allseits bekannte GLORIA-WERK bzw. die GLORIA-WERKE.

Jetzt kommt das, was mein Herz als GLORIA-Fan, -Fanatiker und -Sammler wirklich höher schlagen lässt und mir doch glatt die eine oder andere Freudenträne ins Auge treibt: "GÜTERSLOH i. W."!

Ja, ganz richtig! Der Firmensitz wird nicht mit Wadersloh angegeben, sondern mit Gütersloh!
Die heutige GLORIA GmbH wurde im Augtust 1945 in Gütersloh gegründet und dort ist natürlich auch die ersten Jahre ab 1949 produziert worden. Die Standortverlagerung an den heutigen Hauptsitz in der Diestedder Str. 39 in Wadersloh erfolgte erst 1952.
Dieser Behälter wurde sehr wahrscheinlich noch in den alten Produktionsstätten gefertigt und ist dann mit in die neuen Räumlichkeiten nach Wadersloh umgezogen, von wo aus er dann im Oktober 1953 seinen Weg in die weite Welt (Köln) angetreten hat.
Heute noch GLORIA-Löscher aus Gütersloher Fertigung zu bekommen, ist nahezu unmöglich!



Kommen wir nu zu den technischen Raffinessen dieses Typs. Befeuert wurde der DIN TROCKEN 9 mit der heute unglaublichen Menge von 600 g Kohlendioxid und die Entladung erfolgte nach dem sog. Injektorprinzip - einer Funktionsweise, die sich ganz erheblich von jener der neuzeitlichen Feuerlöscher unterscheidet.
Wie auf dem Bild links zu sehen ist, besitzt das bis zum Behälterboden geführte Blasrohr zahlreiche eingelötete Lanzen, über welche das Kohlendioxid an verschiedenen Stellen in den Löschmittelbehälter geblasen wurde und so für einen langsamen und vor allem gleichmäßigen Druckaufbau sorgte
Die Düse am Pulvertrichter war mit einer lackversiegelten Platzscheibe verschlossen, welche bei erreichtem Betriebsdruck fliegen ging und so das Löschmittel freigab. Den exakten Betriebsdruck weiß ich nicht genau, doch ich vermute, dass er mindestens 10 - 15 bar betragen haben muss und sich dem der heutigen Pulverlöscher annähert.
Die zahlreichen Lanzen am Blasrohr gewährleisteten, dass das Pulver gänzlich aufgelockert wurde, und dass das Druckpolster stets über dem Pulverspiegel lag, sodass ein konstanter Pulverausstoß gewährleistet werden konnte. Um den Betriebsdruck aufrecht zu erhalten, wurde das Kohlendioxid nicht nur beim Aufladen, sondern während des gesamten Löschvorgangs (ca. 25 - 30 sek.) in den Behälter geleitet.
Zum Vergleich: Moderne 9 kg-Pulverlöscher kommen mit lediglich 210 g Kohlendioxid aus. 

Auch das enthaltene Pulver unterscheidet sich wesentlich von den heutigen Löschpulvern.
Während die Löschpulver ab Anfang der 1960er Jahre aus Millionen feinst vermahlenen Partikeln pro Kubikzentimeter wirklich staubartig daherkommen und schon beim bloßen anschauen mülmen, als gäb's kein Morgen, hat das in diesem Gerät noch verwendete Löschpulver die Konsistenz von eher feinkörnigem Salz und bleibt bei Freisetzung völlig ohne Staubentwicklung.

Sowohl der Behälter des großen DIN TROCKEN 9 sowie der des kleineren DIN TROCKEN 6 ist nahtlos geschweißt bzw. gezogen und besitzt als einzige Modellreihe aus dem Hause GLORIA ein im Behälter integriertes Überdruckventil. 
Die Handhabung der Feuerlöscher alter Bauart sowie in Sonderheit die der 9 kg-Modelle war äußerst schwierig. Ein Griff zum festhalten ist nirgends zu finden und man musste diesen Typ Löscher quasi wie ein 12 kg schweres Baby im Arm halten. Ein gezieltes Bekämpfen des Brandherdes war oft erst dann möglich, nachdem die Hälfte des Löschmittels beim Aufdrehen und Zielen verbraten wurde.

Zu finden gewesen sein dürften diese Geräte sowohl in Handel, Industrie und Gewerbe sowie in Privathaushalten - zumeist mit Ölheizung und Vorratstanks jenseits der 10.000 Liter Fassungsvermögen. Meiner persönlichen Einschätzung nach und auch nach der Meinung anderer Experten dürften jedoch gerade die 9 kg-Geräte nur äußerst selten anzutreffen gewesen sein. 

Die Ära der Feuerlöscher alter Bauart endete bei GLORIA spätestens 1958 mit der Einstellung der Produktion des DIN TROCKEN 6. Der DIN TROCKEN 9 verschwand sehr wahrscheinlich schon 1954 mit nahender Einführung der neuen 12 kg-Modelle mit Schlauch.
Ich persönlich vermute jedoch, dass der DIN TROCKEN 9 nur in den Jahren 1952 und 1953 produziert worden ist und ich bezweifle, dass es ein Modell aus Wadersloher Fertigung gibt. Der DIN TROCKEN 9 wurde sozusagen in einer Übergangszeit zugelassen und produziert, in welcher die Baugröße DIN TROCKEN 9 schon langsam in Fortfall geriet. Die produzierten Stückzahlen dürften sich auf nur wenige hundert Geräte belaufen, von denen heute nur noch ein Bruchteil existent sein dürfte.
Ein wirklich sehr schönes und zudem überaus seltenes Stück Brandschutzgeschichte, welches entweder gar nicht mehr oder zumindest in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr zu bekommen sein dürfte.
Dieser Feuerlöscher hing 63 Jahre in einem Kölner Keller und hat die lange Zeit nahezu unbeschadet überstanden - allein das grenzt schon ein Wunder. Dass ich ihn - zwischenzeitlich schon längst verloren geglaubt - dann doch noch nach langem Bangen und Zittern durch einen wirklich tiefen Griff in die Tasche erwerben konnte, grenzt ebenfalls an ein Wunder!

©. Menzel 2016
Überarbeitet ©. Menzel 2017

Sämtliche Texte und Bilder unterliegen dem Urheberrecht und jegliche Verwendung ohne meine ausdrückliche Zustimmung wird hiermit untersagt. Zuwiderhandlungen werden verfolgt!




     

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen