Sonntag, 23. März 2014

Gefährliche Zeitbomben - alte Feuerlöscher

Feuerlöscher sind, wenn sie ordentlich und regelmäßig gewartet werden, 100% sichere und zuverlässige Brandschutzeinrichtungen, die Leben retten. Solche Feuerlöscher, die jedoch Jahre oder gar Jahrzehnte vernachlässigt worden sind, können das genaue Gegenteil, nämlich lebensbedrohend sein.
So begibt man sich beispielsweise schon in eine unter Umständen lebensbedrohliche Situation, wenn man mit einem überalterten Feuerlöscher zu einem Brandherd eilt und dann unangenehm überrascht feststellt, dass nix rauskommt. Das solche alten Feuerlöscher nicht nur im Ernstfall versagen, sondern noch ganz andere Gefahren bergen, darüber machen sich wahrscheinlich die wenigsten Leute Gedanken. An dieser Stelle sei schonmal gesagt, dass alte Feuerlöscher keinen wirksamen Schutz vor Feuer darstellen und schon gar kein Spielzeug sind! Was alles passieren kann und welche Verhaltensregeln es im Umgang mit alten Feuerlöschern zu beachten gibt, soll im Folgenden erläutert werden.

Besondere Gefahren durch "vergessene Feuerlöscher"
Als “vergessene Feuerlöscher” werden Feuerlöscher bezeichnet, die Jahre oder gar Jahrzehnte unbeachtet und ungeprüft irgendwo hängen und vor sich hingammeln. Man findet sie überall, z.B. in Privathaushalten, in alten Industrieruinen oder teilweise auch an öffentlich zugänglichen Orten – oft widerrechtlich dort abgeladen. Die Abbildung links zeigt so einen vergessenen Feuerlöscher, welcher im Sommer 2014 zu mit kam und bis dato seit 1975 keinen Prüfer mehr gesehen hat. Das Resultat sehen wir hier! Der GLORIA Typ P 12 von 1967 ist schwer mitgenommen. Der gesamte Behälter ist ausgeblichen die Oberseite sogar total verrostet. Auch die Druckgasflasche ist durch Rost arg in Mitleidenschaft gezogen worden , der Schlauch porös und bröselig.
Was würde wohl passieren, wenn man nun die noch gefüllte seitliche Flasche aufdreht? Das dort enthaltene Kohlendioxid würde mit 60 bar in den Löschmittelbehälter strömen und diesen innerhalb weniger Sekunden unter einen Druck von 18 bar setzen. Diesem Druckanstieg würde der stark geschwächte Stahlblechbehälter ohne Zweifel nicht standhalten und bersten.
Prinzipiell neigen nicht alle alten Feuerlöscher zum bersten und welches Gefahrenpotential tatsächlich von ihnen ausgeht, hängt maßgeblich von ihrer Bauart ab. Allgemein kann gesagt werden, dass alte Aufladelöscher zerknallen können, alte Dauerdrucklöscher nicht.

Alte Dauerdrucklöscher (Bauart z.B. P 6 L)
Alter Dauerdrucklöscher 1968
Dauerdrucklöscher stehen, wie der Name schon sagt, permanent unter Druck und speichern das Druckgas (Luft oder Stickstoff) zusammen mit dem Löschmittel im Löschmittelbehälter. Das Bild zeigt einen solchen alten Dauerdrucklöscher der GLORIA-WERKE vom Typ P 6 H aus dem Jahre 1968 (eigene Sammlung). Dauerdrucklöscher können bei Auslösung nicht explodieren, da ein solcher Feuerlöscher sich selbst überlassen den Druck allmählich durch porös werdende Dichtungen verliert. Eine Gefahr geht von ihnen jedoch bei Stürzen, mechanischer Gewalteinwirkung und starker Erwärmung aus. Diese Einflüsse schwächen den Behälter und  könnten ihn bersten lassen.
Diese potentielle Gefahr bleibt lange bestehen, denn bis der Druck vollständig entwichen ist, kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern. Ich selbst habe mittels eines Prüfmanometers für Dauerdrucklöscher einige ältere Exemplare einer Druckprüfung unterzogen und erstaunt festgestellt, dass 30-35 Jahre alte und noch nie gewartete Dauerdrucklöscher teilweise immer noch einen Druck von 8-12 bar aufgewiesen haben, also fast den vollständigen Betriebsdruck von 14-16 bar.

Alte Aufladelöscher (z.B. Bauart PG 12 H)
Alter Aufladelöscher 1964
Aufladelöscher können beim Betätigen bersten und die Gefahr bei diesen Geräten geht von dem seperat gespeicherten Druckgas aus (Kohlendioxid). Bei Aufladefeuerlöschern befinden sich Löschmittel und Treibgas in zwei seperaten Behältern. Die Treibgaspatrone oder -Flasche befindet sich entweder außen sichtbar am Löschmittelbehälter oder unsichtbar im Inneren. Die Bilder zeigen einen GLORIA-Feuerlöscher vom Typ Pi 6 G mit innenliegneder Treibmittelpatrone von 1964 (Bild 1, eigene Sammlung) und einen GLORIA-Feuerlöscher vom Typ P 12 G mit außenliegender Treibgasflasche von 1966 (Bild 2, eigene Sammlung). Diese Feuerlöscher sind in Ruhestellung drucklos und werden erst unmittelbar vor dem Löscheinsatz durch Betätigen der Aufladevorrichtung mit dem nötigen Betriebsdruck von 15-20 bar aufgeladen. Der Löschmittelbehälter kann dabei wie bei dem eingangs gezeigten Feuerlöscher durch äußere Einflüsse derart in Mitleidenschaft gezogen und geschwächt worden sein, dass er der plötzlichen Drucksteigerung nicht standhält und der gesamte Löscher zerknallt. Auch von außen nicht sichtbare Schäden wie innere Anrostungen oder feine Risse können zu einem Zerknall führen. Die in diesem Abschnitt abgebildeten Feuerlöscher sehen von außen tadellos aus, doch wie sie innen aussehen oder wie es um die Materialbeschaffenheit steht, weiß niemand.
Alter Aufladelöscher 1966
Wenn der Behälter dem Druck standhalten sollte ist der Schlauch die nächste Gefahrenquelle. Die Schläuche bestehen bei Feuerlöschern aus druckfestem Gummi, welches jedoch mit den Jahren porös, rissig und instabil wird – ähnlich wie die Türdichtungen am Auto. Die meisetn Aufladelöscher sind mit einer dicht schließenden Löschpistole am Ende des Schlauches versehen, womit der Löschmittelstrahl dosiert und unterbrochen werden kann. Setzt man den Löscher unter Druck und der Behälter fliegt nicht auseinander, drückt das Treibgas das Löschmittel über das Steigrohr in den Schlauch bis vorne zur Löschpistole. Da diese in der Regel intakt und dicht schließend ist, steht nun auch der Schlauch unter hohem Druck. Poröse und rissige Schläuche halten einem solchen Druck nicht stand und können platzen oder abreißen und anschließend wie ein Geschoss durch die Gegend fliegen bzw. wie eine Peitsche um sich schlagen. Weitere Gefahren gehen von den Aufladeeinrichtungen aus. Am “ungefährlichsten” sind außenliegende Treimittelflaschen, da sie durch aufdrehen entlastet werden. Alle anderen arbeiten nach dem Prinzip, dass eine Hohlnadel durch den Verschluss der innenliegenden Treibmittelflasche gestoßen wird, wodurch das Treibgas über feine Kanäle in der Armatur in das Blasrohr und schließlich in den Löschmittelbehälter strömt. Die Hohlnadel könnte beschädigt, verrostet oder verbogen sein oder die feinen Kanäle, die zum Blasrohr führen, könnten sich durch Korrosion und andere Einwirkungen zugesetzt haben. In solchen Fällen könnte die Armatur “falsch” belastet werden, abreißen und einem mit dem ganzen Innenleben des Feuerlöschers entgegenkommen. In ungewöhnlichen Fällen könnte es bei innenliegenden Treibmittelpatronen auch vorkommen, das diese durch Korrosion platzen und sich der Feuerlöscher von selbst auflädt und dabei möglicherweise zerknallt.

Eine weitere Ursache für die Gefährlichkeit von alten Aufladelöschern ist die unterschiedliche Materialbeschaffenheit und -qualität der Bauteile, aus denen sie bestehen. Der Löschmittelbehälter besteht in der Regel aus dünnem, geschweißten Stahlblech, welcher einem maximalen Druck von 30-35 bar standhält. Die Druckpatronen und Treibmittelflaschen bestehen dagegen aus massivem Stahl oder Hochdruckaluminium, welche, je nach Alter, einem Prüfdruck von 190-250 bar standhalten. Diese unterschiedliche Belastbarkeit ergibt sich aus der Dicke des Materials – je dicker, desto belastbarer. Das trifft auch auf witterungsbedinge Einflüsse wie Rost zu. Der Löschmittelbehälter wird durch Rost wesentlich schneller geschwächt als eine Druckpatrone. Noch dazu halten die Druckpatronen und Treibgasflaschen den Druck aufgrund der sehr kleinen abzudichtenden Fläche sehr sehr lange, vor allem, wenn sie vor Witterungseinflüssen geschützt im Löschmittelbehälter angebracht sind.

Alte Gaslöscher (z.B. Bauart K 1,5)
Alter Gaslöscher 1964
Alte Gaslöscher sind im Prinzip nichts anderes wie große Druckpatronen, die ähnlich wie ein Dauerdrucklöscher permanent unter Druck stehen. Bei diesen Geräten ist das Treibmittel zugleich auch das Löschmittel und solange sie gefüllt sind, geht eine Gefahr von ihnen aus. Das Bild zeigt einen solchen alten Gaslöscher aus dem Hause GLORIA vom Typ KS 1,5 SB aus dem Jahre 1964 (eigene Sammlung). Gaslöscher können bei Auslösung ebenso wie die Dauerdrucklöscher in der Regel nicht explodieren. Durch Betätigen des Handrades bzw. des Druck- oder Zughebels strömt das Gas aus dem Löscher und er wird vom Druck entlastet. Doch je nach Zustand des Löschers können bei Betätigung Schäden am Ventil oder am Schlauch auftreten, sodass Teile abreissen und wie Geschosse umherfliegen. Auch das mit rund 60 bar austretende und -75°C bis -90°C kalte Löschmittel kann auf der Haut mechanische Verletzungen und Verbrennungen verursachen.
Alte CO-Löscher sollten generell mit Vorsicht behandelt werden, da sie nichts anderes als Gasflaschen sind. Sie dürfen auf keinen Fall umkippen oder gar irgendwo herunterfallen. Wenn das passiert, könnte der Feuerlöscher zerknallen und eine so gewaltige Kraft freisetzen, die für Umstehende mit großer Wahrscheinlichkeit tödlich ist – sei es durch die Druckwelle, durch umherfliegene Splitter und Anbauteile oder durch den Behälter selbst, der bei einem abgebrochenen Ventil wie eine Rakete abzischt und selbst massive Wände mit Leichtigkeit durchschlägt. 

Was tun mit alten Feuerlöschern? 
Generell sollten alte Feuerlöscher so wenig wie möglich angefasst, bewegt und schon gar nicht ausgelöst werden. Habt Ihr einen alten Löscher im Keller an der Wand hängen, dann lasst ihn am besten hängen, wenn er nicht stört und kümmert Euch um eine zeitnahe Entsorgung durch einen Fachbetrieb (kein fahrender Schrotthändler!). Werden solche Geräte beim Entrümpeln gefunden, bringt Ihr ihn am besten an einen sicheren Ort, wo er nicht im weg steht und kümmert Euch ebenfalls um eine baldige Entsorgung durch einen Fachbetrieb. Wollt Ihr den Lölscher zur Dekoration behalten, solltet Ihr ihn aus Sicherheitsgründen vorher von einem Fachbetrieb oder der Feuerwehr entleeren lassen. Niemals selbst daran herumschrauben!
Wenn Ihr irgendwo anders, z.B. in stillgelegten Industriebetrieben und dergleichen oder irgendwo in den Büschen einen alten Feuerlöscher entdeckt: Finger weg! Erstens gehört Euch das Ding nicht und zweitens sind solche Geräte in der Regel wesentlich stärker durch äußere Einflüsse in Mitleidenschaft gezogen worden, als solche, die einfach nur 40 Jahre im trockenen Keller gehangen haben. Außerdem ist bei solchen Funden die Wahrscheinlichkeit viel höher, einen gefährlichen Aufladelöscher vor sich zu haben. Inwieweit man solche Funde melden muss oder kann, weiß ich nicht, es ist aber jedenfalls nicht Eure Aufgabe, Euch mit dem Gerät zu beschäfigen.

Fassen wir nochmal kurz zusammen: Alte und nicht gewartete Feuerlöscher stellen unter Umständen eine erhebliche Gefahr dar, weshalb von einer Bedienung generell abgeraten werden muss. Sie können im Ernstfall schlichtweg versagen oder gar bersten. Befindet sich ein solches Gerät im privaten Besitz, sollte es gegen Stürze gesichert und alsbald durch einen neuen Feuerlöscher ersetzt werden. Der alte Feuerlöscher kann zwar zur Dekoration behalten werden, sollte aber aus Sicherheitsgründen für diesen Zweck in jedem Falle entleert werden. Gefährlich und unzulässig sind Umbauten aller Art sowie eine Weiterverwendung als Druckbehälter. Wenn man keine Ahnung davon hat, sollten Feuerlöscher auch niemals selbst geöffnet und geleert werden. Alte Feuerlöscher, die außerhalb des privaten Umfeldes gefunden oder entdeckt werden (z.B. verlassene Gebäude, öffentlich zugängliche Orte) sind in jedem Falle dort zu belassen, wo man sie entdeckt hat. Nicht mitnehmen oder daran herumspielen.

In diesem Artikel findet Ihr weitere Informationen zu diesem Thema.
Hier findet Ihr genaue Informationen zum Ausondern alter Feuerlöscher

Weitere Beispiele für überalterte und schadhafte Feuerlöscher, von denen Ihr in jedem Falle die Finger lassen solltet, findet Ihr auf den Seiten des Fachbetriebs Förde-Brandschutz-Kiel.

©. Menzel 2015 

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