Mittwoch, 4. November 2015

MINIMAX Typ KR 10 Bj. 1966

Hersteller: MINIMAX
DIN NASS 10
Typ: KR 10

Baujahr: 1966
Bauart: W 10 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibgaspatrone
Inhalt: 10 l Wasser + Netzmittel
Gewicht des gefüllten Geräts: 16,0 kg

Bauzeit nach diesem Muster: 1962 - 1969



Geschichte
Jaha, hier haben wir etwas ganz besonderes - einen Wasserlöscher aus dem Jahre 1966 vom Typ KR 10 aus dem Hause MINIMAX! Warum ist der Löscher besonders? Naja, es ist der einzige mir bekannte Wasserlöscher, welcher Mitte der 1960er Jahre produziert worden ist! Bei den GLORIA-WERKEN in Wadersoh lief der letzte Wasserlöscher 1963 vom Band, ehe er stark verändert zehn Jahre später im Gewand des bekannten Pi-Pulverlöschers seine Reinkarnation erlebte. Man kann sagen, dass Wasserlöscher von ungefähr 1963 bis zum Anfang der 1970er Jahre herstellerweit aus der Produktpalette verschwunden waren - außer eben bei MINIMAX.
Warum? Nun, Armin und Christoph würden bei der "Sendung mit der Maus" jetzt erklären:
Gerade zum Anfang der 1960er Jahre boomten die Pulverlöscher und erlebten ihren großen Durchbruch, was letztendlich dazu führte, dass sie sowohl die Wasser-, als auch die frühen Schaumlöscher vollständig vom Markt verdrängten. Der Vorteil der Pulverlöscher lag natürlich klar auf der Hand: Brauchte man zum Beispiel in den 1950er Jahren zum umfassenden Brandschutz einer Scheune einen Wasserlöscher für Brände von Stoffen der Brandklasse A und einen Tetralöscher für Brände von Stoffen der Brandklasse B, kam man nun mit den verbesserten Löschpulvern nur mit einem Gerät für alles aus - sensationell! Dass man mit dem Pulver alles bis in die letzte Ritze versaut hat, war damals noch schietegal.

Aber kommen wir mal zu MINIMAX zurück: Eine mögliche Erklärung, warum MINIMAX im Gegensatz zu so doch ziemlich allen anderen Herstellern ihre Wasserlöscher auch in den 1960er Jahren noch im Programm hatte, mag daran liegen, dass der Erfolg der Firma MINIMAX eben auf einem Wasserlöscher begründet ist - auf der legendären Spitztüte nämlich, welche Gründer Wilhelm Graaff im Jahre 1902 patentieren ließ. Die Spitztüte wurde bis 1960 gebaut und hiernach folgte direkt der Typ KR 10, durch welchen die Spitztüte in etwas veränderter Form weiterlebte.

Der MINIMAX Typ KR 10 folgte konstruktionsbedingt natürlich nicht mehr dem technischen Standard der Jahrhundertwende und besaß einen Schlagknopf für Handauslösung - er musste nicht mehr auf den Boden geschlagen werden, um aktiviert zu werden. Jedoch wie sein legendärer Vorgänger war auch dieses Gerät weder abstellbar, noch mit einem Schlauch ausgerüstet und auch der seitliche Handgriff erinnert noch an die Spitztüte. Diese Ausstattungsmerkmale sind nach neuesten Maßstäben natürlich völlig unhaltbar und auch längst nicht mehr zugelassen, aber für die 1960er-Jahre waren sie durchaus üblich bzw. standard. 

Obwohl dieser Löscher zum regulären Produktprogramm gehörte, muss er doch nur sehr sehr selten geordert worden sein. Ich selbst habe lediglich einmal ein solches Gerät in freier Wildbahn sehen dürfen und zwar war das damals in der alten Woolworth in Lippstadt. Das letzte Mal, dass ich dieses Gerät dort sah, muss etwa 1993 gewesen sein, denn kurz danach wurde die Woolworth-Filiale renoviert und mit der braunen Wandvertäfelung sowie dem Mister-Minit-Schlüsseldienst verschwanden auch die ganzen alten Feuerlöscher. Die ganze Filiale war mit Pulverlöschern vom Typ PU 6 gleichen Baujahres ausgestattet - lediglich an einem Pfeiler der Klamottenabteilung - und zwar bei den Herrenjacken - hing der MINIMAX Typ KR 10. Ich war damals fasziniert von diesem Feuerlöscher, denn so ein komisches Ding hatte ich bis damals noch nie gesehen.
Sonst könnte ich mir vorstellen, dass dieser Löscher in Verwaltungen, Büros, Krankenhäusern (in weiß natürlich!) und vielleicht auch in manchen Geschäften anzutreffen gewesen sein könnte, aber wie gesagt: nur sehr sehr selten!

Ein sehr schönes, uriges und auch seltenes Stück Brandschutzgeschichte, welches mich auch an meine Kindheit erinnert. Ich bin sehr froh, nun ein solches Modell mein Eigen nennen zu können und bin natürlich auch sehr stolz, es Euch hier zu präsentieren. Das es so ein Modell überhaupt noch gibt, ist fast schon ein kleines Wunder. Danke Peter!

©. Menzel 2015

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