Mittwoch, 24. September 2014

Alte Feuerlöscher als Deko

Nicht nur bei Oldtimerfreunden erfreuen sich alte Feuerlöscher als zeitgenössisches Ausstattungsmerkmal ihres Klassikers einer großen Beliebtheit, sondern mittlerweile hegen auch andere Leute verstärkt ein Interesse daran, mit einem alten Feuerlöscher ihre Wohnung zu verschönern. Das finde ich natürlich hervorragend und solch ein Vorhaben werde ich auch gerne unterstützen. Da ich in letzter Zeit als Experte für alte Feuerlöscher mehrere Anfragen zu diesem Thema erhalten und natürlich selbst auch alte Feuerlöscher zur Dekoration in den Wohnräumen aufgehängt habe - sogar mit Einverständnis der Leid geplagten Frau - möchte ich Euch hier einige Ratschläge zu dem Thema "Feuerlöscher als Dekorationsobjekt" an die Hand geben.

Feuerlöscher sind Druckgeräte und stellen vor allem nach Überschreiten ihrer Aussonderungsfrist von maximal 20 - 25 Jahren (2014 älter als Baujahr 1989) aufgrund von eventuell auftretenden Materialveränderungen eine erhöhte Gefahr dar. Die meisten Löscher, die als Dekorationsobjekt genommen werden, sind allerdings beträchtlich älter als 25 Jahre - einfach aus dem Grund, da sich ein Feuerlöscher von 1989 im Prinzip nur unwesentlich von einem neuen unterscheidet und somit in den Augen der meisten Leute nicht unbedingt als dekoratives Objekt angesehen wird. Daher werden vielfach Geräte genommen, die zwischen 50 und 100 Jahre alt sind und hier ist es - wie jedem hoffentlich einleuchten wird - ganz besonders wichtig, dass diese der Sicherheit wegen zwingendst drucklos gemacht und entleert werden müssen. Bleibt der Feuerlöscher voll, holt man sich unter Umständen giftige und ätzende Chemikalien in die Bude (z.B. Tetrachlorkohlenstoff, CB, andere Halone, organische Schaummittel) oder man riskiert ein plötzliches Zerbersten des Behälters, weil er in der Sonne hängt, von der Wand fällt oder einer (Kinder!!) dranrumfummelt. Dass Ihr dann die Bude weiß oder Nass habt, ist in so einem Falle noch das geringste Übel, denn das Zerbersten eines Feuerlöschers kann zu schweren oder gar tödlichen Verletzungen führen.
Also merkt Euch: Wollt Ihr einen alten Feuerlöscher zu Dekorationszwecken aufhängen, muss sämtlicher Inhalt raus! Selbst solltet Ihr da allerdings nicht rangehen, es sei denn, Ihr habt die erforderliche Sachkunde, passendes Werkzeug und eine Möglichkeit, den Inhalt fachgerecht zu entsorgen. Ist dies nicht der Fall, dann wird Euch die örtliche Feuerwehr oder ein ansässiges Brandschutzunternehmen für einen ganz kleinen Obolus helfend zur Seite stehen.


Hier ein Beispiel, wie ich die alten Pulverlöscher aus meiner privaten Sammlung entleere. Neben den passenden Werkzeugen habe ich mir eine 240 l Mülltonne besorgt und einen Aufsatz mit Loch gebastelt, wo die Öffnung von Pulverlöschern exakt hineinpasst. Unter der Platte befindet sich ein 100er HT-Rohr, welches das aus dem Löscher rieselnde Pulver in ein Weithalsfass für ABC- oder BC-Pulver leitet. Ist dieses voll, wird der Inhalt nach Abfallschlüsselnummer entsorgt. Feine Sache, da durch durch die dicht schließende Platte das Ganze völlig staubfrei abläuft. Wie auf dem Bild zu sehen ist, kann beim Aufsetzen des Löschers mal ein Schlückchen Pulver daneben gehen - das passiert, doch durch die große Platte kommt nix auf den Boden. Im Anschluss sauge ich die Reste mit einem HEPA-13+-Staubsauger einfach weg. Die Druckpatronen werden separat entsorgt bzw. der Wieder- und Weiterverwendung zugeführt. Aufgrund der Sperrigkeit der Mülltonne entleere ich die Feuerlöscher im Garten - übrigens eine prima Möglichkeit, gutes Wetter zu genießen.

Welchen Feuerlöscher Ihr Euch als Deko in die Wohnung hängt, bleibt allein Euch überlassen. Im Prinzip eignet sich jeder Feuerlöscher dazu - sei es ein riesiger KS 6 Kohlensäure-Schneelöscher oder ein kleiner Autolöscher - erlaubt ist was gefällt. Meistens sind es jedoch kleine Feuerlöscher, die als Deko dienen und auf irgendwelchen Speichern, in alten Schuppen, Kellern und Garagen gefunden oder auf dem Flohmarkt gekauft werden. Aber hier ist Vorsicht geboten, denn oft handelt es sich gerade bei diesen kleinen Feuerlöschern um giftige TETRA- oder CB-Löscher, welche ihren gefährlichen Inhalt noch in sich haben. Sie sind deshalb so beliebt, weil sie einerseits eben klein und handlich sind und damit nicht so viel Platz in Anspruch nehmen und andererseits aufgrund ihres schlichten Aufbaus mit einfachem Handrad sowie ihren tollen bunten Aufdrucken besonders schön aussehen. Ich kann hier an dieser Stelle jedem nur davon abraten, sich einen gefüllten TETRA- oder CB-Löscher in die Wohnung zu holen, denn diese Substanzen haben es echt in sich. Zwar sind die Löscher in der Regel dicht, aber dennoch: Zu Eurer eigenen Sicherheit solltet Ihr so ein Zeug tunlichst aus den Wohn- und Schlafräumen fernhalten!
Auch ist die Entsorgung des Inhalts solcher Löscher äußerst schwierig, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, denn niemand will die Giftbrühe haben. Lasst also die Finger davon!
Leere Tetra- und CB-Löscher stellen hingegen keine Gefahr dar. Ich schraube jedoch zur Sicherheit immer noch eine passende Hutmutter (meistens passt M6) auf das Gewinde der Löschmitteldüse.


Wollt Ihr einen alten Feuerlöscher als Deko in Euren Geschäftsräumen (z.B. Büro, Café, Kneipe, Werkstatt etc.) oder auf Ausstellungen zur Schau stellen, dann gelten strenge Vorschriften. Zum einen muss das gezeigte Gerät eine sog. Unbedenklichkeitsbescheinigung besitzen, welche es nur erhält, wenn es drucklos und entleert ist. Stellt Ihr gefüllte Geräte zur Schau und es passiert was, dann siehts ziemlich schnell ziemlich düster aus, denn in solchen Fällen klingelt die Staatsanwaltschaft an Eurer Tür und je nachdem, was passiert ist, kann Euch das Haus und Hof kosten! Also auch hier gilt - und zwar im Besonderen: Nur leere und drucklose Feuerlöscher ausstellen! Weiterhin müsst Ihr beachten, das ein reiner Dekolöscher ohne Funktion nach DIN 14406-4 und EN-3 entsprechend als solcher gekennzeichnet werden muss - ganz einfach deshalb, dass im Brandfalle niemand damit zum Brandherd stürmt und denkt, er hätte ein funktionstüchtiges Gerät in der Hand. Wie eine solche Kennzeichnung auszusehen hat, seht Ihr auf dem Bild dieses Absatzes.


Interview mit Constanze Köpp
Alle sicherheitsrelevanten Informationen zum Thema "alte Feuerlöscher als Dekorationsobjekt" konnte ich Euch geben und da bin ich auch immer der richtige Ansprechpartner. Wenn es jedoch darum geht, wo Ihr einen alten Feuerlöscher am besten in Euren Wohnräumen als Dekorationsobjekt platzieren könnt, tja, das weiß ich nicht. Ich habe immer den Blick als Sachkundiger und dort, wo ein Feuerlöscher benötigt wird, kommt er auch hin - egal, ob er da nun hinpasst oder nicht. Da ich Euch jedoch auch in diesem Punkt nützliche Tipps zur Verfügung stellen möchte, habe ich eine Expertin um Rat gebeten, welche sich auch sofort bereit erklärt hat, mir in dieser Frage zu helfen. Wenn es um gemütliches Wohnen und stilvolles Dekorieren geht, ist die Hamburger Wohnkosmetikerin (www.wohnkosmetik.de) und Buchautorin Constanze Köpp die erste Adresse und ich bin ganz besonders stolz, Euch nun ein Interview, welches ich mit Ihr führen durfte, hier präsentieren zu können.

PhoenixFeuerschutz: Müssen Wohnräume / das Zuhause bestimmte Kriterien für ein extravagantes und auffälliges Dekorationsstück erfüllen oder eignet sich jeder Raum dafür?

Constanze Köpp: Auffällige und außergewöhnliche Objekte brauchen einen bestimmten Rahmen. Wer lieber mit rustikalen Einbauschränken lebt, der wird sich eher schwer tun, hier eine Brücke zur Extravaganz zu bauen. In der Schlichtheit liegt der Zauber, denn Extravaganzen wollen gesehen und beachtet werden, stechen gern und bewusst ins Auge. Jeder Raum besticht durch seine eigenes Thema und deren Umsetzung mithilfe der Einrichtung. Selbst Stilbrüche haben ihren Reiz, aber es will gekonnt sein, unterschiedliche Stile auch harmonisch miteinander zu verbinden, damit alles gemeinsam wirkt, statt sich im Weg zu stehen. Aber generell kann ich aus Erfahrung sagen: Natürlich schreit jeder Raum nach besonderen Stücken, selbst ein Gäste-Klo hat seinen Stolz und will zum Staunen einladen.

PhoenixFeuerschutz: Allein durch seine Farbgebung fällt ein Feuerlöscher sofort ins Auge und passt von der Form bzw. vom Aussehen her nicht unbedingt zum vorhandenen Erscheinungsbild des Raumes. Wie lässt sich ein solch auffälliges Dekorationsstück am besten in die Einrichtung integrieren, damit es seine volle Wirkung entfaltet, ohne störend zu wirken?


Conni Köpp: Mittlerweile entdecken Menschen einen gewissen Reiz auch in ausgedienten Feuerlöschern. Künstler gestalten die Oberfläche, wiederum andere werden mit einem  Sandstrahler den Lack herunter holen. In meinen Einsätzen entdeckte ich Feuerlöscher sowohl versteckt hinter einem Holzkörper bzw. eigens dafür angefertigten Schränkchen, andere wiederum hatten ihn nahe Treppenaufgang aufgestellt. So sehr das Rot wohl Vorschrift ist, so wenig harmonierte es mit dem Interieur. Aber Gesundheit geht natürlich vor – ich bin nicht sicher, ob Menschen bei Feuerlöschern wirklich aus einer großen Farbpalette wählen sollten. Oder doch? Je mehr ich drüber nachdenke.....

PhoenixFeuerschutz bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich für das Interview.

So jetzt wisst Ihr, dass es nicht unbedingt einfach ist, einen Feuerlöscher im Original, d.h. also in rot, als Dekorationsobjekt gekonnt in das vorhandene Interieur zu integrieren, doch ist es grundsätzlich möglich. Versucht es doch einfach mal.
Wenn Ihr weiterhin Fragen zu gemütlichem Wohnen habt oder es bei Euch aussieht, wie bei Hempels unterm Sofa, dann besucht Constanze Köpp auf www.wohnkosmetik.de und vereinbart einen Termin mit ihr - sie kann Euch beraten und helfend zur Seite stehen.
Und jetzt: Viel Spaß beim Dekorieren!

© PhoenixFeuerschutz 2014





Montag, 22. September 2014

Tetralöscher - Vorsicht! Gift

Über Tetralöscher ist hier auf dieser Seite schon einiges geschrieben worden und über die Google-Suche sind die Einträge erfreulicherweise auch schnell zu finden. Dennoch verbergen sich die Informationen über diese brisanten Feuerlöscher meistens in Artikeln, wo es auch um das wesentlich weniger gefährlichere Halon 1211 geht. Da ich vor allem auch in der letzten Zeit wieder einmal wirklich haarsträubende Dinge im Zusammenhang mit Tetralöschern gelesen und auch gehört habe, scheint mir die Gefährlichkeit dieses Löschmittels noch nicht hinreichend verdeutlicht zu sein. Tetralöscher bzw. das in ihnen enthaltene Löschmittel Tetrachlorkohlenstoff ist außerordentlich gefährlich und um das wirklich noch einmal jedem zu verdeutlichen - vor allem denjenigen, die vermutlich aus Unwissenheit drauf und dran sind, einen mitunter tödlichen Fehler zu begehen - gibt es zu diesem Thema jetzt einen gesonderten Artikel.

Vom Aussehen her erinnern Tetralöscher entfernt an eine alte Ölkanne und typische Merkmale sind ihr einfaches Handrad sowie der charakteristische Handgriff bei den 2-l-Geräten. Ganz alte Modelle von vor 1930 besitzen an der Unterseite noch einen Schlagknopf. Tetralöscher erhielten Ihre Zulassung bereits 1914 und gehören somit neben den berühmten MINIMAX-Spitztüten zu den ältesten Feuerlöschern überhaupt. In der damaligen Zeit boomte die Elektrifizierung und auch die Motorisierung an Land und in der Luft kam langsam in Schwung; es musste daher schnell ein Löschmittel auf den Tisch, mit welchem sich sowohl Brände in elektrischen Anlagen, als auch solche von Benzin sicher, wirksam und schnell bekämpfen ließen. Da bot sich eine chemische Verbindung namens Tetrachlorkohlenstoff geradezu perfekt an, weil es - abgesehen von der Giftigkeit - ganz erhebliche Vorteile bot. Von der Wirkungsweise her war es wie gewünscht elektrisch nichtleitend und äußerst effektiv gegen Brände von Flüssigkeiten. Weiterhin konnte es unter einem nur geringen Druck von etwa 7 - 10 bar in einfachen, anfangs noch mit Blei ausgeschlagenen Stahlblechbehältern bereitgestellt werden.
Das einzige Löschmittel, welches ähnliche Eigenschaften in Bezug auf die elektrische Leitfähigkeit und im weit entfernteren Sinne auch ähnliche Resultate beim Löschen von Flüssigkeitsbränden erzielte, war das Kohlendioxid, welches lange Zeit (Bis Ende der 1970er Jahre) fälschlicherweise als Kohlensäure bezeichnet worden ist. Wegen seines hohen Dampfdrucks, welcher bei 20 °C ca. 57 bar, beträgt und mit steigender Temperatur rapide in die Höhe schnellt (bei 40°C sind es schon rund 180 bar!), musste Kohlendioxid jedoch in massiven, schweren sowie sperrigen Stahlflaschen bereitgestellt werden und die Löschwirksamkeit verpuffte außerhalb geschlossener Räume im Nichts, wodurch sie zumindest zum Mitführen in Fahrzeugen und Flugzeugen völlig ungeeignet waren.
Hier schlug dann die große Stunde der Tetralöscher, die hervorragend in Fahrzeugen und Flugzeuge passten. Zudem waren sie durch Zugabe eines Schlückchens Trichlorethylen (ebenfalls giftig) bis zu einer Temperatur von -35 °C frostsicher. Die Giftigkeit des Tetrachlorkohlenstoffs war zwar hinlänglich bekannt, doch begnügte man sich damit, durch einen im Jahre 1923 einberufenen "Tetra-Ausschuss"die Löscher auf eine Größe von 6 Litern (!) zu beschränken. Dies führte dazu, dass sich die Tetralöscher bis zu ihrem Verbot 1964 millionen- und abermillionfach verkauften.

Umgang mit Tetralöschern
Obwohl die Tetralöscher seit 50 Jahren vom Markt und aus der Öffentlichkeit verschwunden sind, tauchen sie im Vergleich zu anderen Feuerlöschern aus dieser Zeit überproportional häufig bei Ebay und Ebay-Kleinanzeigen auf und das gefährliche ist: 99 % dieser dort angebotenen Geräte sind noch gefüllt. Wie kommt das, mögen einige sich jetzt sicherlich fragen, doch er Grund hierfür ist einfach und plausibel: Alle Tetralöscher, die auf den einschlägigen Verkaufsplattformen auftauchen, stammen samt und sonders aus Privathaushalten und da die Geräte speziell als Auto- und Garagenlöscher beworben wurden, kamen eben in vielen Privathaushalten die kleinen 0,8 und 2,0 l-Tetralöscher an die Wand bzw. in den Wagen. Da Feuerlöscher in Privathaushalten damals wie heute keinerlei gesetzlichen Instandhaltungsfristen unterliegen, blieben viele der Löscher nach ihrem Verbot 1964 dort, wo sie waren. Der Eigentümer hat ihn nicht rausgerückt, da er vermutlich gar nichts von dem Verbot mitbekommen hat und Sachkundige, welche die gefährlichen Löscher aus dem Verkehr gezogen haben, betraten damals nur selten die privaten Wohnstuben. Im Laufe der Jahrzehnte wechselten dann schließlich viele Immobilien den Besitzer und der neue Eigentümer räumt dann erstmal Opas Garage auf und genau bei solchen Aktionen kommen dann die alten Tetralöscher wieder zum Vorschein, die entweder immer noch dort an der Wand hängen oder im Regal eingemottet worden sind.
Oft kann der neue Besitzer dann nix damit anfangen und stellt das gute Stück - meistens nichts über den gefährlichen Inhalt wissend (obwohl es groß und breit überall steht!) - einfach zum Verkauf ins Internet oder neben den Trödeltisch auf dem Flohmarkt (hab ich letztens gesehen!!! Wintrich TETRA XT 2 au den 1940ern für 10 Euro!). Auch wenn der Löscher noch so schön aussieht kann ich nur eindringlich davor warnen, einen Tetralöscher zu kaufen, von dem Ihr nicht wisst, ob er noch voll ist!
Wenn Ihr beim Entrümpeln auf einen Tetralöscher stoßt, dann merkt Ihr schon am Gewicht, ob er voll ist oder nicht. Außerdem schwappert der Inhalt hin und her - wie in einer Wasserflasche. Ist der Löscher voll, dann lasst ihn am besten dort, wo er ist. Nehmt ihn nicht mit in die Bude und lasst vor allem die Finger von dem Handrad! Auch wenn der Löscher schon 50, 60 oder 70 Jahre alt ist, steht er meistens noch unter Druck. Würdet Ihr an dem Rad drehen, verteilt ihr die giftige Brühe überall und durch den fein vernebelten Strahl würdet ihr eine ganze Menge abbekommen - vielleicht zu viel! Versucht auch auf keinen Fall, den Löscher über die unten am Behälter befindliche Ablassschraube selbst irgendwie zu entleeren! Leer wird er zwar, aber den Großteil des Tetras hättet Ihr dann im Gesicht - und das wäre tödlich so sicher wie das Amen! in der Kirche!
Nachdem was ich erst neulich in einem Gespräch über die Gefährlichkeit und die schwierige Entsorgung von TETRA gehört habe - es fielen von meinem Gesprächspartner die Worte "Wald", "Aufdrehen" und "keine Skrupel" - bitte ich Euch: Denkt an meine Worte und macht keinen Blödsinn! Erwischt Euch jemand bei solch einer Aktion, seid Ihr dran, aber richtig und was noch viel schlimmer ist: Ihr riskiert erhebliche Gesundheitsschäden und setzt Euer Leben aufs Spiel, wenn Ihr mit einem Tetralöscher hantiert und das Zeug irgendwie abbekommt. Tetralöscher sind ein schöne Dekostücke, ohne Frage, doch bergen Sie, sofern sie noch gefüllt sind, erhebliche Gefahren.
Lagert den Tetralöscher auf jeden Fall außerhalb der Wohnräume und entsorgt ihn schnellstmöglichst. Verpackt ihn hierfür luftdicht und bringt ihn zur nächsten Annahmestelle für Sondermüll. Wenn Ihr ihn doch behalten wollt, dann kann ich Euch nur nochmal dringendst davon abraten, diesen gefüllt irgendwo als Deko zu platzieren. Wenn der Tetralöscher in die Wohnräume soll, dann muss er entleert werden!

Wer jetzt meint, ich würde hier übertreiben, der wird beim Lesen des nächsten Abschnitts sehen, dass ich hier nicht umsonst die Pferde scheu mache.

Tetrachlorkohlenstoff
Tetrachlorkohlenstoff (Tetrachlormethan, CCl4) ist eine farblose oder durch technische Verunreinigungen leicht gelbliche, stark lichtbrechende, nicht brennbare, giftige Flüssigkeit von unangenehm süßlichen Geruch und gehört zu den Verbindungen aus der Reihe der Chlorkohlenwasserstoffe. Die Dämpfe sind schwerer als Luft und es ist unlöslich in Wasser, dafür jedoch mit organischen Lösungsmitteln wie Alkohol, Äther, Benzin, Benzol und Chloroform beliebig mischbar. Tetrachlorkohlenstoff ist ein hervorragendes Extraktionsmittel für Fette, Harze, Lacke, Öle, Kautschuk und dergleichen, sodass es in großem Stil als Putzmittel für Maschinen und Fleckenreinigungsmittel in chemischen Reinigungen zum Einsatz kam. Neben seiner bereits erwähnten Verwendung als Feuerlöschmittel fand es weiterhin auch Anwendung in Insektiziden (!) und als Desinfektionsmittel.
Da es beim Umgang mit Tetrachlorkohlenstoff immer wieder zu schweren Vergiftungen mit oft tödlichem Ausgang kam, wurde seine Verwendung als Fleckenreinigungsmittel bereits zu Beginn der 1960er Jahre als gesundheitlich bedenklich eingestuft und weitgehend abgeschafft. So - und hier müssen bei jedem die Alarmglocken schrillen. In den 1960er Jahren lief bei Boehringer in Hamburg die HCH-Produktion auf Hochtouren und neben Lindan wurden auch DDT sowie E-605 ohne irgendeine Art von Sicherheitsvorschriften munter auf Äcker und in private Nutzgärten gepulvert. Gebäude wurden mit Asbest gedämmt, Fußböden mit giftigen Klebern verlegt und aus zig Millionen Möbeln gasten toxische Lösungsmittel aus. In Zeiten also, wo der Umwelt-, Arbeits- und Verbraucherschutz im Vergleich zu heute noch weitestgehend in den Kinderschuhen steckte, wurde Tetrachlorkohlenstoff also bereits als bedenklich eingestuft - und das ist schon eine Ansage.

Die Giftwirkung von Tetrachlorkohlenstoff ist äußerst heimtückisch und es ist giftig beim Einatmen, beim Verschlucken und auch bei Berührung mit der Haut. Für eine erwachsene Person wirken bei oraler Aufnahme bereits 2 - 4 g tödlich. Eingeatmet wirkt Tetrachlorkohlenstoff stark narkotisch, doch auch Mengen, die nur einen geringen narkotischen Effekt erzeugen, können verhängnisvoll sein. Erste Anzeichen einer Vergiftung sind Schwindel, Kopfschmerzen, Rauschszustände, Sinnesstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bewusstlosigkeit. Die Beschwerden klingen nach kurzer Zeit wieder ab, doch treten oft nach Wochen der Scheinbesserung erneut schwere Vergiftungserscheinungen auf, welche schließlich zu Leber- sowie Nierenversagen und damit zum Tod führen. In hohen Konzentrationen wirkt TETRA akut tödlich - Koma und Tod treten oft wenige Minuten nach der Exposition ein.
Nicht nur bei der industriellen und gewerblichen Nutzung kam es zu Unfällen, sondern auch bei der Benutzung von Tetralöschern kam es in der Geschichte wiederholt zu tödlichen Vergiftungen, da die Geräte vielfach zweckentfremdet worden sind - etwa zur Vernichtung von Insekten und anderen Schädlingen. Besonders in ländlichen Regionen kam es häufig zu Unfällen solcher Art. Bei Löscheinsätzen traten auch Vergiftungen auf, bei welchen die Gefahr jedoch nicht nur von dem TETRA in Reinform ausging.
Tetrachlorkohlenstoff hat die weitere unangenehme Eigenschaft, sich unter Hitzeeinwirkung in teilweise sehr giftige Folgeprodukte zu zersetzen. Spritzt man TETRA beim Löscheinsatz in ein herkömmliches Feuer mit einer Flammentemperatur von 300 bis 700 °C, entstehen unter anderem Phosgen und Salzäuregas. Phosgen ist weitaus giftiger als Tetrachlorkohlenstoff selbst und dürfte den meisten von Euch ein Begriff aus dem Ersten Weltkrieg sein, wo es als Giftgas Angst und Schrecken in den Schützengräben verbreitete. Beim Löschen schützte den Anwender oft nur das ebenfalls entstehende Salzsäuregas, welches durch seine ätzende Wirkung einen starken Hustenreiz auslöste und zum Verlassen des Brandherdes zwang, bevor eine tödliche Menge Phosgen eingeatmet wurde.

Aufgrund ihrer Giftigkeit kamen Tetralöscher nach und nach in Verruf und einige Hersteller stellten die Produktion schon Ende der 1950er Jahre ein. Im Jahre 1964 wurde Tetrachlorkohlenstoff als Feuerlöschmittel verboten und die Löscher verschwanden exakt 50 Jahre nach ihrer Zulassung vom Markt.
Heute hat Tetrachlorkohlenstoff praktisch überhaupt keine Bedeutung mehr.


© PhoenixFeuerschutz 2014