Donnerstag, 29. Mai 2014

GLORIA Typ Pi 6 Bj. 1961

Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN TROCKEN 6
Typ: Pi 6

Baujahr: 1961
Bauart: P 6 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibmittelpatrone
Inhalt: 6 kg BC-Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: 11 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1959 - 1963

Geschichte

In diesem Beitrag darf ich Euch ein ganz besonders schönen GLORIA Typ Pi 6 aus dem Jahre 1961 im Originalzustand präsentieren. Prägend für Geräte aus dieser frühen Zeit ist neben dem bekannten goldenen Schriftbild die Zughebelarmatur aus Hammerschlag, welche noch keine ergonomischen Vertiefungen aufweist und seitlich mit einem einfachen Splint gesichert wird. 1961 dürfte auch der letzte Jahrgang sein, in welchem die Löscher des Typs Pi mit einer Hammerschlag-Armatur ausgestattet worden sind. Selbst die Kunststofflasche, welche den Splint gegen ein "Verschüttgehen" sichert, ist noch vorhanden. Sensationell ist der originale, blassrote Schlauch, welcher überlicherweise mit den Jahren durch Witterungseinflüsse einfach zerbröselte und dann im Zuge turnusmäßiger Wartungen durch einen schwarzen Schlauch ausgetauscht wurde. Nicht so bei diesem Gerät und der Schlauch ist - äußerlich betrachtet zumindest - noch gut in Schuß. Mit 18 bar Druck würde ich diesen hier aber besser nicht mehr belasten...
Obwohl der Typ Pi generell auch In den frühen 1960ern aufgrund der revolutionären Technik schon sehr verbreitet war, so war der Typ Pi 6 im speziellen mit einer einfachen BC-Pulverfüllung - so wie dieser hier - im Gegensatz zum Allrounder Pi 6 G recht selten. Einfach deshalb, da der Pi 6 nach dem großen Durchbruch des ABC-Pulvers aufgrund seiner BC-Pulverfüllung für die meisten Anwendungszwecke nicht geeignet war, da er Brände von Feststoffen der Brandklasse A nicht ablöschen konnte. Vorwiegende Anwendungsbereiche blieben auf solche Bereiche beschränkt wo die hauptsächliche Brandgefahr von flüssigen und gasförmigen Stoffen der Brandklassen B und C ausging. Hierzu gehören in erster Linie Tankstellen, Autowerkstätten Lackierereien und entsprechende Industriebetriebe wie etwa Raffinerien und dergleichen.
Der Kenner kann diesen Löscher neben dem fehlenden "G" in der Typenbezeichnung auch daran sofort als BC-Löscher erkennen, weil nämlich unter der bebilderten Bedienung (unter dem Schlauch) der Hinweis zum Vorgehen bei Reifenbränden fehlt.
Als ich diesen Löscher bekam, war in den Ring des Sicherungssplints ein kleiner, vergilbter und ziemlich bröseliger Zettel eines Notizblocks, der beim herausziehen auch sofort in seine Bestandteile zerfiel. Bevor er sich jedoch in seine Einzelteile zerlegt hab, konnte ich jedoch folgendes lesen: "Achtung - BC-Pulver!" Dies ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass dieser Löscher eben nicht für alle Zwecke geeignet war und ich bin sehr stolz, Euch dieses seltene Stück im Original- wie Bestzustand hier zeigen zu können.

© C. Müller   

Dienstag, 13. Mai 2014

MINIMAX Bauart PD 6 Bj. ca. 1955

MINIMAX PD 6 Bj. 1955
Hersteller: MINIMAX
Kohlensäuretrockenlöscher

DIN TROCKEN 6
Typ: / (Bauart PD 6)

Baujahr: ca. 1955
Bauart: P 6 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibmittelpatrone
Inhalt: 6 kg BC-Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: 11 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1955 - 1958

Geschichte

Hier haben wir ein weiteres, heute sehr sehr seltenes Modell aus dem Hause MINIMAX, welches sozusagen als Prototyp des klassischen MINIMAX-Feuerlöschers der Nachkriegszeit gesehen werden kann. Die klassischen MINIMAX-Löscher tragen als besonderes Merkmal die markante Armatur mit dem rund nach oben geschwungenen, roten Druckhebel, welchen auch Geräte neuester Bauart noch aufweisen. Dieser Feuerlöscher besitzt die erste Version dieser legendären Druckhebelarmatur, welche noch etwas flacher und auch spitzer daherkommt, da der rote Druckhebel noch nicht seine runde Form und der Hammerschlag-Trageriff noch spitz nach außen zuläuft. Wer genau hinschaut, bemerkt im hinteren Drittel ein kleines Loch, in welchem bei dieser Ausführung der Sicherungssplint steckt. Auch der Schlauch ist hier noch schwarz und nicht rot.
Dieser Feuerlöscher dürfte eines der ersten Modelle überhaupt sein, welche in den 1950ern nach der Produktionseinstellung der "Feuerlöscher alter Bauart" gefertigt worden ist. Als Relikt dieses alten Musters trägt dieses Modell noch den Zusatz "Kohlensäuretrockenlöscher" unter dem bekannten MINIMAX-Schriftzug. Ganz kurios ist die Bezeichnung "Bauart PD 6" in dem rot hinterlegten Feld in der Mitte des Siebdrucks. Normalerweise müsste hier "Type PD 6", da es sich bei diesem Löscher um den klassischen, ab 1957 auch so Bezeichneten Typen PD 6 handelt. Typ PD 6 deutet auf eine BC-Pulverfüllung hin, was durch die schwarze Banderole an der Behälteroberseite bestätigt wird. Seltsam ist ebenfalls, dass auf dem Behälter nirgendwo ein Baujahr eingeschlagen ist, weswegen mir die Einordnung dieses Modells etwas schwer fällt. Mit dem Wissen, dass dieser Typ Löscher etwa zur Mitte der 1950er Jahre eingeführt worden ist und 1957er Modelle die Bezeichnung "TYPE PD 6" anstatt "BAUART PD 6" tragen, habe ich diesen Löscher mal auf 1955 geschätzt. Kann auch von 1954 oder 1956 sein, genauer weiß ich es momentan leider nicht.
Geräte dieser Art sind vor allem mit der originalen Armatur heute derart selten, dass es fast schon an ein Wunder grenzt, solch ein Gerät überhaupt einmal zu Gesicht zu bekommen. An der Oberseite hat er mal einen gewaltigen Düll mitgekriegt und auch der goldene Siebdruck ist wahrscheinlich beim Ablösen eines alten Prüfaufklebers beschädigt worden, aber dennoch befindet er sich in einem guten Erhaltungszustand, sodass ich stolz bin, Euch dieses seltene Gerät hier präsentieren zu können.

© C. Müller   

Montag, 12. Mai 2014

MINIMAX Typ PU 12 Bj. 1959 - Sonderedition weiß

MINIMAX PU 12 Bj. 1959
Hersteller: MINIMAX
Kohlensäuretrockenlöscher

DIN TROCKEN 12
Typ: PU 12

Baujahr: 1959
Bauart: P 12 H - Aufladelöscher mit außenliegender Druckgasflasche
Inhalt: 12 kg ABC-Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: 18 kg

Bauzeit nach diesem Muster: ca. 1957 - 1960

Geschichte

Hier haben wir ein ganz besonders schönes Stück Brandschutzgeschichte - einen MINIMAX Typ PU 12 aus dem Jahre 1959! Das besondere an diesem Löscher ist, dass er noch nicht über die von MINIMAX ebenfalls in den 1950er Jahren eingeführte Druckhebelarmatur verfügt, welche gleichzeitig Auflade- und Auslöseeinrichtung ist. Dieser Frühe Typ PU besitzt noch über außenliegende Druckgasflasche, welche es bei MINIMAX bereits seit den 1960er Jahren nicht mehr gegeben hat. Um 1959/60 herum wurde eben die gerade schon erwähnte und für MINIMAX charakteristische Druckhebelarmatur eingeführt und von da an verschwanden solcherart Außenflaschen-Feuerlöscher vollständig aus dem Produktionsprogramm - bis heute! Auch der an der Rückseite des Behälters entlanggeführte Schlauch bleibt einzig diesem Typ vorbehalten.
Der goldene Aufdruck zeigt mit dem Signet (Mann mit Spitztüte) und der noch an die "Feuerlöscher alter Bauart" angelehnte Bezeichnung "Kohlensäure-Trocken-Feuerlöscher" sowie dem Hinweis, wie nach Gebrauch mit dem Feuerlöscher zu verfahren ist, deutliche Merkmale der 1950er Jahre. Dass es sich bei diesem Löscher um einen Glutbrandlöscher mit ABC-Pulverfüllung handelt, sehen nur Experten, denn in der Typenbezeichnung tauchen keine Hinweise auf - eine Bezeichnung der Bauart, in welcher die ABC-Pulverfüllung mit einem "G" gekennzeichnet worden wäre, ist ebenfalls nicht vorhanden - geschweige denn irgendwelche Hinweise auf die Brandklassen. Der einzige Hinweis auf das Glutbrandpulver verbirgt sich in der blau hinterlegten Typenbezeichnung. Die Farbe blau deutete früher auch bei anderen Herstellern wie z.B. TOTAL auf eine ABC-Pulverfüllung hin, doch verschwand diese Anfang der 1960er aus den MINIMAX-Aufdrucken und wurde fortan für kurze Zeit als blauer Ring an der Behälteroberseite fortgeführt.

Dieser Typ PU ist von vornherein schon sehr selten, da er nur relativ kurze Zeit produziert worden ist. Diese Ausführung in weiß ist noch seltener, da solcherart Löscher in damals nur in Krankenhäusern eingesetzt worden sind und ihre Stückzahl daher schon stark begrenzt war. Das heute noch nach 55 Jahren ein solches Exemplar in diesem Erhaltungszustand und mit originaler Druckflasche mit altem Ventilrad und ohne Berstscheibensicherung sowie dem originalen Schlauch existiert, grenzt beinahe schon an eine Wunder und ich bin ganz besonders glücklich darüber, dieses Exemplar zu besitzen und Euch in meinem Museum präsentieren zu dürfen. Toll!

P.S.: Ein solches Exemplar in rot kann als Ausstellungsstück im Schloss Wocklum besichtigt werden.

© C. Müller  

Sonntag, 11. Mai 2014

Entwicklung des modernen Pulverlöschers

Wenn wir an einen Feuerlöscher denken, haben die meisten Menschen das Bild eines roten, zylindrischen Behälters mit schwarzem Schlauch und irgendeiner Art von Griff oder Hebel an der Oberseite des Behälters vor Augen, doch dass Feuerlöscher auch einmal anders ausgesehen haben, wissen nur die wenigsten. Während die Tetra- und Bromidlöscher bis zu ihrem Verschwinden in den 1960er und 1970er Jahren ebenso wie die Kohlendioxidlöscher im Prinzip keine oder nur marginale bauliche Veränderungen durchlebt haben, änderten insbesondere die Pulverlöscher ihr Erscheinungsbild radikal.


Feuerlöscher alter Bauart

Der Urtyp des Feuerlöschers "alter Bauart", welcher auch als Vorläufer des modernen Feuerlöschers gesehen werden kann, wurde im Jahre 1912 von der Firma TOTAL patentiert und er war meines Wissens der erste Trockenfeuerlöscher, welcher das Löschmittel ähnlich wie die MINIMAX-Spitztüten erfolgreich unter Überdruck ausgestoßen hat. Der entscheidende Unterschied zur MINIMAX-Spitztüte war jedoch, dass die Druckerzeugung nicht auf chemischem Wege durch das Vermischen zweier bei der Reaktion gasbildender Chemikalien (Schwefelsäure + Natron) erfolgte, sondern der nötige Betriebsdruck (Kohlendioxid) in einer separaten Druckflasche gespeichert wurde. Auf dem Gebiet der Trockenlöscher war diese Entwicklung revolutionär, da Trockenlöscher bis dahin lediglich als einfache und drucklose Schleuder-Feuerlöscher existierten (z.B. THEO-LÖSCHFACKEL).
Basierend auf diesem ersten und zukunftsweisenden TROCKEN-TOTAL entstanden die Kohlensäure-Trocken-Feuerlöscher, welche in den 1920er Jahren ihre endgültige Form erhielten.
Feuerlöscher alter Bauart unterscheiden sich von den heutigen Feuerlöschern wie schon angedeutet vor allem in ihrem äußeren Erscheinungsbild und damit meine ich nicht die seitlich am Behälter angebrachte Druckgasflasche, denn die gibt es bei modernen Feuerlöschern auch noch. Nein, am markantesten sticht bei Feuerlöschern alter Bauart wohl ohne Zweifel die am Behälterboden befindliche und trichterförmig ausgestaltete Pulverdüse hervor, welche dem ganzen Gerät etwas altertümliches verleiht.
Im Gegensatz zu den heutigen Löschern waren die Feuerlöscher alter Bauart wesentlich schwerer zu handhaben. Man konnte sie nirgends richtig anfassen und sie mussten im Ernstfall wie ein Baby im Arm gehalten werden. Nachdem man sie von der Wand genommen hatte, musste man sie zudem noch einmal etwas "zurechtdrehen", um die Druckflasche aufzudrehen und das Löschmittel gezielt auf den Brandherd zu bringen, da die Pulverdüse bei fast allen Modellen zur rechten Seite zeigte. Die einzige mir bekannte Ausnahme sind die Modelle aus dem Hause MINIMAX. Hier zeigte die Düse zur Rückseite des Behälters und sie lagen nach dem Abnehmen von der Wand direkt richtig in der Hand. Das gezielte ausbringen des Löschmittels war unabhängig hiervon auch so eine Sache und alles andere als einfach, denn zum Schwenken des Löschmittelstrahls musste der gesamte Löscher hin und herbewegt werden und da dieser direkt am Körper gehalten wurde, war der Aktionsradius doch arg einschränkt. Vor allem die großen Typen mit 9 kg-Pulverfüllung (wie z.B. der TOTAL J 9, von welchem ich auch ein 1957er Exemplar besitze) waren sehr schwer und zudem auch ziemlich lang, was sie insgesamt noch unhandlicher machte. Ein dosiertes Ausbringen des Pulvers war überhaupt nicht möglich, da diese Löscher nach Aufdrehen der Druckgasflasche so lange Pulver ausgestoßen haben, bis sie leer waren.
Trotz dieser aus heutiger Sicht unangenehmen Eigenschaften, waren die Kohlensäure-Trocken-Feuerlöscher alter Bauart etwas revolutionär neues und sie fanden in den 1930er Jahren eine weite Verbreitung vor allem dort, wo andere Löschmittel wie Kohlendioxid, Schaum, Tetra oder Wasser nicht angewendet werden konnten. Erhältlich waren die Feuerlöscher alter Bauart ausschließlich mit einer BC-Pulverfüllung von 5 kg, 7 kg und 9 kg. Im Jahre 1957 wurde die Produktion der Feuerlöscher alter Bauart in den gerade genannten Größen eingestellt.

Neuzeitliche Feuerlöscher

Nachdem die Feuerlöscher alter Bauart etwa 30 Jahre lang in unveränderter Form gebaut worden sind, kamen ab 1954/55 im Zuge des technischen Fortschritts erstmalig die sog. "neuzeitlichen Feuerlöscher" auf, welche im Vergleich zum altbekannten Baumuster entscheidende Veränderungen aufwiesen. Als wichtigste Änderung wurde bei diesen Geräten der am Behälterboden befindliche Pulvertrichter durch einen flexiblen Schlauch mit abstellbarer Löschpistole bzw. eine eine einfache Pulverdüse an der Behälteroberseite ersetzt. Durch den nun ebenen Behälterboden konnten die neuzeitlichen Feuerlöscher nun auch hingestellt werden. Eine weitere, wenn auch einfache aber für den Handhabungskomfort sehr wichtige Neuerung war die Ausstattung dieser Geräte mit einem starren oder anklappbaren Handgriff. Neben den technischen Neuerungen, welche die Handhabung deutlich verbesserten, diente die Einführung der neuzeitlichen Feuerlöscher auch einer Typenbereinigung und folgte somit auch gewissen Rationaslisierungs- und Normungsmaßnahmen. Anstelle von vorher drei möglichen Größen waren Pulverlöscher fortan mit einer Füllmenge von 6 kg und 12 kg erhältlich.

Obwohl die meisten Feuerlöscher, die wir heute in Geschäften oder am Arbeitsplatz zu sehen bekommen, rein äußerlich nun auch nicht mehr viel mit denen hier als neuzeitliche Feuerlöscher vorgestellten Geräten zu tun haben, basieren sie jedoch auf dem gleichen Prinzip. Der meines Wissens einzige Hersteller, welcher noch Feuerlöscher nach dem hier vorgestellten Muster mit starrem Handgriff und einem an der Behälteroberseite entspringenden Schlauch produziert, ist die Firma WEBER aus Düsseldorf. Feuerlöscher dieser Art sind unter anderem in vielen Aldi-Nord-Filialen zu bewundern.

© C. Müller