Sonntag, 27. April 2014

Phosphor an der Ostsee

Die deutschen Ostseeküsten gehören mit zu den beliebtesten Reisezielen und ziehen vor allem Bernsteinliebhaber in ihren Bann, da sie diesen nur aus dem Spülsaum fischen müssen. In der Vergangenheit ist es jedoch immer wieder vorgekommen, dass sich Strandbesucher beim Bernsteinsammeln an der Ostsee schwere Verbrennungen zugezogen haben. Wie kann das das sein, mögen sich jetzt manche Fragen und die Erklärung ist einfach: Das, was die Schatzsucher für Bernstein - den beliebten fossilen Baumharz - hielten, entpuppte sich in Wirklichkeit als gefährliche Hinterlassenschaft aus dem Zweiten Weltkrieg... Phosphor!



Wie kommt der Phosphor an den Strand?
Die Phosphorstückchen stammen aus Brandbomben, welche im Zweiten Weltkrieg abgeworfen und daneben - d.h. ins Wasser - gegangen oder nach Kriegsende unweit der Küstenregionen im Rahmen von Munitionsbeseitigungsaktionen einfach versenkt worden sind. Der Großteil der Bomben, die fehlgeleitet in die Ostsee fielen, haben den Meeresboden intakt erreicht, da die Aufschlagzünder nicht für einen Aufschlag auf Wasser konzipiert waren und deshalb nicht zündeten. Auch die versenkten Brandbomben sind zum Großteil in einem Stück auf den Grund gesunken, da der Meeresboden weich und die Aufprallgeschwindigkeit durch das Wasser zu stark abgebremst worden ist.
Es befinden sich also riesige Mengen an nicht detonierten Phosphorbomben auf dem Grund der Ostsee, deren ohnehin nur dünne Stahlummantelung nach nun fast 70 Jahren allmählich durchgerostet ist. So gelangt die noch intakte Brandmasse ins Wasser, wo sie durch die Strömung vom Grund langsam an den Strand getragen wird und sich dann im Spülsaum zwischen Muscheln, Steinen und tatsächlichem Bernstein wiederfindet.

Weißer Phosphor
Phosphor kommt in mehreren Varianten vor und in den Phosphor-Brandbomben des Zweiten Weltkriegs wurde die gefährlichste Art, der weiße Phosphor, verwendet. Weißer Phosphor ist ein chemisches Element mit dem Symbol P und ein wahres Teufelszeug - dass er im Dunkeln leuchtet, ist noch die harmloseste seiner Eigenschaften. Weißer Phosphor kommt wegen seiner außerordentlichen Reaktionsfreudigkeit in der Natur nicht im freien Zustand, sondern nur in Form von Derivaten der Phosphorsäure, in Mineralien sowie organisch gebunden vor. In Reinform bildet weißer Phosphor wachs- bzw. butterartige, weitgehend farblose, durchscheinende Massen und kommt meistens in Form von Stangen in den Handel, welche sich mit einem Messer schneiden lassen. In Wasser ist weißer Phosphor nahezu unlöslich, wenig löslich in Alkohol und Äther, dagegen jedoch gut löslich in Schwefelkohlenstoff, Fetten und vielen fettreichen Ölen. Wegen seiner großen Reaktionsfreudigkeit entzündet sich weißer Phosphor bei Kontakt mit Luftsauerstoff von selbst und verbrennt mit einer Temperatur von rund 1.300 °C. Weißer Phosphor ist jedoch nicht nur selbstentzündlich, sondern auch hochgiftig und schon 0,05 - 0,5 g wirken bereits tödlich. Zudem ist weißer Phosphor stark ätzend. Als einzig sichere Aufbewahrung für weißen Phosphor gilt die Lagerung unter Wasser.
Auf der Haut hinterlässt weißer Phosphor aufgrund der hohen Brandtemperaturen und der Ätzwirkung sehr tiefe, äußerst schmerzhafte und nur schlecht heilende Wunden, unter denen Betroffene oft ihr Leben lang zu leiden haben.
  
Phosphor als Brandsatz
Im Zweiten Weltkrieg gab es hauptsächlich zwei Arten von Brandbomben, mit welchen ab 1943 zunehmend auch zivile Ziele angegriffen worden sind. Überwiegend kamen dabei Elektronthermitbrandbomben mit Gewichten von 0,9 - 1,8 kg zum Einsatz, welche im Folgenden kurz beschrieben werden.
Die kleinen Sechskantstäbe erwiesen sich bei massenhaftem Abwurf in Verbindung mit Luftminen als sehr effektiv, da sie eine hohe Durchschlagskraft besaßen und ca. 15 - 20 Minuten weißglühend mit sehr heißen Temperaturen von rund 2.200 °C unlöschbar abbrannten. Gefüllt waren sie Elektronstäbe (Elektron = Legierung aus Magnesium / Aluminium) mit Thermit, einer trockenen Masse aus Eisenoxiduloxid (Magnetit), Bariumnitrat und Aluminium.
In wesentlich geringeren Stückzahlen kamen im Vergleich dazu die Flüssigkeitsbrandbomben an Bord der alliierten Bomber und zu diesen gehören neben Benzol-Kautschuk-Bomben auch die Phosphorbomben. Diese lassen sich in zweit Typen unterscheiden:

1. Phosphorbomben
Die Phosphorbomben besaßen eine zylindrische Form, waren mit einem Leitwerk ausgestattet und mit einem Aufschlagzünder versehen. Diese Brandbomben waren mit rund 14 kg Brandmasse gefüllt, einem zähklebrigen, gelblichgrünen Gemisch aus Leichtbenzin, Rohkautschuk und in Schwefelkohlenstoff gelöstem, weißen Phosphor.
Die Wirkung, die sie entfalteten, war verheerend und heimtückisch. Durch den Aufschlagzünder detonierte die Bombe, wobei im Umkreis von ungefähr 40 m brennende, klebrige Flatschen der Brandmasse umherflogen, sich an Gegenstände hefteten und diese in Brand setzten. Jeder, der schonmal einen Pizzateig selbstgemacht und dabei zu früh, d.h. noch mit drehendem Rührwerk den Mixer aus der Schüssel gezogen hat, kann sich das Szenario klebender Flatschen an Wänden und Gegenständen in etwa so vorstellen...
Die Klebwirkung der Brandmasse war selbstverständlich weitaus stärker, als die von Pizzateig und das heimtückische an diesem Gemisch war, dass es sich durch die Phosphorbeimischung nach dem Ablöschen durch den Luftsauerstoff immer wieder von selbst entzündete. Bei der Verbrennung entsteht zudem giftiges und ätzendes Phosphorpentoxid, welches in dichten, phosphorsäuregetränkten Schwaden umherzog und die Löscharbeiten zusätzlich erheblich erschwerte.

2. Phosphorkanister
Im Gegensatz zu den Phosphorbomben besaßen die Phosphorkanister kein Leitwerk und ähnelten in ihrer Form einem Benzinkanister. Die rechteckigen Behälter bestanden aus gelötetem Weißblech und waren mit rund 23 kg Brandmasse gefüllt, welche aus Benzin bzw. Benzol, in Schwefelkohlenstoff gelöstem Phosphor sowie Latex zur Verdickung bestand. Größtenteils waren sie nicht mit einem Zünder versehen und platzten einfach beim Aufprall. Sie waren den Phosphorbomben in bezug auf Durchschlagskraft und Brandradius zwar deutlich unterlegen, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Dort, wo solch ein Kanister runterkam, setzte er ebenso alles in Brand.

Funde an der Ostsee
Wie eingangs bereits geschildert, setzten die am Meeresgrund befindlichen und langsam verrottenden Brandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg allmählich ihren gefährlichen Inhalt frei, welcher in kieselstein- bis tennisballgroßen Klumpen von der Strömung an den Strand getragen wird und dort im Spülsaum liegen bleibt. Da weder weißer Phosphor, noch die anderen Bestandteile der Brandmasse in Wasser löslich sind oder mit diesem reagieren, ist das Phosphorgemisch noch intakt, d.h. es ist noch zündfähig und beginnt bei Kontakt mit Luftsauerstoff zu brennen. Lediglich der Kautschuk bzw. das Latex, welches zur Verdickung der Masse zugegeben wurde, ist mit der Zeit ausgehärtet. Das Tückische ist, dass die Phosphorbrocken durch die ausgehärteten Verdickungsmittel tatsächlich eine feste Konsistenz haben und durch die ohnehin schon gelbliche Färbung wie Bernstein aussehen. Wie sämtliches andere Treibgut im Spülsaum werden diese Brocken durch das stetig anbrandende Meerwasser permanent feucht gehalten, sodass sie sich nicht entzünden - das tun sie erst, wenn sie an der Luft abtrocken und dieser Prozess findet leider allzu oft in Hosen- oder Jackentaschen von Strandbesuchern statt.

Vorsichtsmaßnahmen beim Sammeln von Bernstein
Am besten schützt man sich vor Phosphorverbrennungen, wenn bei der Bernsteinsuche die Fundstücke mit einer Pinzette oder Zange aufgenommen und in einem verschließbaren, nicht brennbaren mit Wasser gefüllten Gefäß (z.B. Marmeladen- oder Senfglas) gesammelt werden, welches am besten in einer separaten Tasche verstaut wird. Hierfür eignet sich am besten ein guter alter Einkaufsbeutel aus Jute, da man hier im Gegensatz zu einem auf dem Rücken getragenen Rucksack sofort mitbekommt, wenn es anfängt zu qualmen, man diesen nicht direkt am Körper hat und sich diesem durch Wegwerfen einfach und vor allem schnell entledigen kann. Zudem solltet Ihr nicht barfuß im Spülsaum herumstaken, damit Ihr nicht in einen solchen Klumpen hineintretet. Die Schuhe, welche beim Gang durch den Spülsaum getragen worden sind, sollten sicherheitshalber auch erst nach vollständiger Abtrocknung der Sohlen im Auto oder der Ferienwohnung verstaut werden.

Verhalten bei Phosphorfunden
Sollte sich einer der gefundenen Bernsteinklumpen als Phosphorbrocken entpuppen, erkennt man es daran, dass er beim langsamen Abtrocknen zunächst zu Rauchen beginnt. Geschieht dies in dem (nicht mit Wasser gefüllten) Behälter mit dem gesammelten Bernstein, dann versucht auf keinen Fall, den Phosphorklumpen mit den Fingern oder sonst womit dort heraus zu polken! Durch die Erwärmung wird die ausgehärtete Kautschukmasse wieder zähflüssig und Ihr würdet ihn nur verteilen. Lasst den Klumpen wo er ist und werft das Glas bzw. die ganze Tasche sofort weg - idealerweise dorthin, wo sich das Feuer nicht ausbreiten kann, denn durch die enorme Hitze wird das Glas mit Sicherheit zerspringen. Bewacht die Stelle (haltet Euch aber von den Dämpfen fern!) und verständigt die Polizei oder Feuerwehr. Aus Sicherheitsgründen solltet ihr den Bernstein, der mit in dem Glas gewesen ist, nach Abbrand des Phosphors nicht wieder aufsammeln.
Habt Ihr es mit Eurem Bernsteinglas bis nach Hause bzw. in die Ferienwohnung geschafft, solltet Ihr das Wasser durch ein Sieb abschütten und den gefundenen Bernstein auf einer nicht brennbaren Unterlage zum Trocknen ausbreiten. Legt die Stücke weit auseinander und fasst sie noch nicht mit der Hand an. Das Ganze macht Ihr am besten im Freien. Lasst die Funde unbedingt an der Luft trocknen und nehmt kein Tuch oder ähnliches, denn wenn ihr Phosphor dabei erwischt, dann würde dieser sofort beginnen zu brennen. Beobachtet den Bernsteinfund beim Abtrocknen und sollte sich bei einem oder gar mehreren Klumpen eine Rauchentwicklung zeigen, dann habt Ihr Phosphor dabei. Lasst den Klumpen dort wo er ist und bedeckt ihn mit reichlich Sand, welchen Ihr idealerweise vom Strand mitgebracht habt. Durch das Abdecken mit Sand wird der Phosphor vom Luftsauerstoff abgeschnitten und die Reaktion stoppt. Lasst den Klumpen bedeckt und ruft ebenfalls die offiziellen Stellen zur Hilfe.

Verhalten bei Kontakt
Solltet Ihr oder Eure Kleidung trotz aller Vorsicht bzw. doch aus Unachtsamkeit mit Phosphor in Kontakt kommen, gibt es im Falle der Klamotten nur eine Möglichkeit: Sofort runter damit! Versucht auf keinen Fall, den Phosphor mit den Händen oder Ärmeln abzustreifen! Aus mit dem Zeug und brennen lassen ist hier die einzig richtige Vorgehensweise.
Auch wenn es sprichwörtlich so manch einer tut, fährt praktisch gesehen niemand aus seiner Haut, wodurch ein Ausziehen bei Kontakt mit Phosphor nicht möglich ist. Die beste Möglichkeit, die Verletzung möglichst klein zu halten ist, den Phosphor mit geeigneten Mitteln zu entfernen, d.h. abzustreifen. Dies sollte jedoch auf keinen Fall mit bloßen Händen erfolgen! Danach: Sofort zum Arzt!

Also, passt auf, wenn Ihr an die Ostsee fahrt und Bernstein sammelt. Behaltet vor allem Eure Kinder im Auge und haltet sie davon ab, selbst im Spülsaum herumzustochern. Auch wenn sie noch so gerne wollen. Auch das Buddeln nahe des Spülsaums kann gefährlich sein!

© Menzel 2015

Mittwoch, 23. April 2014

Schaumlöscher

Schaumlöscher sind - nachdem sie von etwa 1963 bis 1974 vollständig verschwunden und bis Mitte der 1990er nur äußerst selten vertreten waren - seit den letzten Jahren vor allem in Handel und Privathaushalten auf dem Vormarsch und haben die sonst in diesen Bereichen fast ausschließlich verwendeten Pulverlöscher größtenteils verdrängt. Moderne Schaumlöscher enthalten neben herkömmlichem Wasser ein synthetisches, wasserfilmbildendes Schaummittel (Light Water, AFFF bzw. A3F) auf Basis von perfluorierten Tensiden, welches im Gegenssatz zu älteren fluoriereten Schaummitteln kein Perfluoroctansulfonat (PFOS) mehr enthält, sodass sie in toxischer Hinsicht als unbedenklich gelten. Auch die Infektionsgefahr durch Eiweißverbindungen entfällt gänzlich. Dies dürfte neben den wesentlich geringeren Löschmittelschäden als bei Verwendung der Trockenlöschmittel ABC- und BC-Pulver mit der Hauptgrund für die heute nun massenhafte Verbreitung sein.
Neben diesen positiven Eigenschaften in Bezug auf die geringen Löschmittelschäden und die gesundheitliche Unbedenklichkeit bieten Schaumlöscher weiterhin den Vorteil, als dass sie vor allem für Laien im Löscheinsatz wesentlich einfacher zu handhaben sind als Pulverlöscher. Der Grund hierfür ist der deutlich geringere Betriebsdruck, welcher zum einen dafür sorgt, dass das Löschmittel gezielt und ganz ruhig auf den Brandherd aufgebracht werden kann und zum anderen die Funktionsdauer eines solchen Geräts auch wesentlich länger ist. Beim Auslösen eines Pulverlöschers zischt es hingegen kurz, alles und jeder verschwindet in einer dichten Pulverwolke und das Ding ist nach gut 10 - 15 Sekunden leer...
Schaumlöscher lassen sich - wie die altbekannten Pulverlöscher - ebenfalls in Auflade- und Dauerdruckgeräte unterteilen. Die Schaum-Dauerdrucklöscher bieten als einzigen Vorteil einen geringeren Anschaffungspreis, wogegen die Aufladegeräte gleich mit mehreren Vorteilen aufwarten können. Einerseits erzielen sie ein höheres Rating und sind somit ergiebiger und andererseits sind sie in der Wartung deutlich günstiger. Ein alle paar Jahre notwendiger Löschmittelwechsel ist vor allem bei den Schaumkolbenkartuschenlöschern bedeutend günstiger, da nur wenige 100 ml Schaumkonzetrat ausgewechselt werden müssen und nicht gleich 6 oder 9 l fertige Lösung. Zudem greifen Fertiglösungen über die Jahre die Dichtungen des Löschers an, sodass ein solcher bei vernachlässigter Wartung undicht werden und auslaufen kann.

© C. Müller

Freitag, 18. April 2014

Wasserlöscher

Wasser ist das älteste Löschmittel und es ist seit der Entdeckung des Feuers auch als solches bekannt. Die Löschwirkung des Wassers beruht nicht auf  reinem “Nass-machen” des Feuers, sondern in erster Linie auf Abkühlung des Brandguts. Das Verdampfen des Wassers auf der brennenden Oberfläche entzieht dem Feuer soviel Energie, dass das Brandgut schnell unter seinen Flammpunk abgekühlt wird und sich nicht so rasch wieder entzünden kann (Rückzündung). Aufgrund der abkühlenden Wirkung ist Wasser nur für die Brandklasse A, also Feststoffe als Löschmittel geeignet. In der Regel werden dem Löschwasser Salze zugesetzt, um die Löschwirkung zu erhöhen.
Wie funktioniert das? Durch den Zusatz von Salzen erhöht sich einerseits die Siedetemperatur, wodurch das Wasser nicht so schnell verdampft. Hierdurch wird dem Feuer wesentlich mehr Energie entzogen. Andererseits wird durch die Zugabe von Salz die Oberflächenspannung des Wassers herabgesetzt, wodurch es in der Lage ist, tiefer in das brennende Material einzudringen. Manche Wasserlöscher enthalten zusätzlich noch einen Schluck Frostschutzmittel, wodurch ein solcher Löscher auch bei Temperaturen von unter von 0°C einsatzfähig bleibt. Doch wie gesagt: Der Frostschutz ist nicht bei allen Wasserlöschern vorhanden. Wasser-Feuerlöscher gibt es als Auflade- und Dauerdrucklöscher und werden heutzutage fast ausschließlich per Druckhebelarmatur betätigt. Ältere Modelle aus 14406-Zeiten gibt es ausschließlich mit 10 l Inhalt, die neuen nach der DIN EN 3 gibt es mit Meines Wissens gibt es Wasserlöscher mit 6 Liter, 6 und 9 l Füllung.

Einsatz und Sicherheitshinweise 
Die meisten Wasserlöscher erzeugen keinen harten Wasserstrahl, sondern eher einen weichen Sprüstrahl mit dem das brennende Objekt weich und großflächig eingenebelt werden kann. Wasser greift im Gegensatz zu Pulver oder CO2 nicht auf chemischer Ebene in den Brand ein -  es kühlt das Brandgut in erster Linie unter den Flammpunkt ab. Daher ist bei Wasserlöschern die Menge an Löschmittel, welche auf das brennende Objekt gepustet wird, entscheident. Soll heißen: Draufhalten ohne den Löschmittelstrahl zu unterbrechen und dabei auch ruhig recht nah ans Feuer herangehen! Nur viel Wasser kann dem Feuer genug Energie entziehen um es zu löschen. Stoßweises Löschen führt nicht zum Löscherfolg – das Wasser würde nur wirkungslos verdampfen. Bei dieser Vorgehensweise ist genaues zielen natürlich wichtig, denn nach spätestens 30 Sekunden ist ein 6 Liter Wasser-Feuerlöscher leer. Sonst gibt es eigentlich nicht viel zu beachten beim Umgang mit Wasserlöschern. Das Löschmittel ist ungiftig, kann in elektrischen Anlagen eingesetzt werden (Sicherheitsabstand beachten) und verdreckt nicht die ganze Umgebung. Nach dem Löschen aufwischen – fertig. Ein Wasserlöscher ist für den privaten Haushalt geeignet, ABER: Niemals einen Wasserlöscher bei einem Fettbrand einsetzen (Fettexplosion).

Technische Daten (Gloria-Wasser-Feuerlöscher DIN EN 3, Dauerdruck)
Die Angaben entstammen Aufladelöschern der GLORIA-WERKE aus dem Jahre 1996 und dürften heute auch noch aktuell sein.

6l: Gewicht: 11kg; Löschmittelmenge: 6l Wasser + 150g Netzmittel; Wurfweite: 4m; Temperaturfunktionsbereich: 0°C bis + 60°C; Funkionsdauer: 30 sek.
Rating: 13A

9l: Gewicht: 15,9kg; Löschmittelmenge: 9l Wasser + 150g Netzmittel: 4m; Temperaturfunktionsbereich: 0°C bis + 60°C; Funkionsdauer: 45 sek.
Rating: 13A

Kohlendioxidlöscher

Kohlendioxidlöscher (CO2) enthalten teils gasförmiges und teils verflüssigtes Kohlendioxid als Löschmittel.
CO2 ist ein farb- und geruchloses Gas, welches mit einer Konzentration von 0,04% ein natürlicher Bestandteil der Luft ist. Die feuerlöschende Wirkung von Kohlendioxid war schon früh bekannt, doch stellte die Lagerung von verflüssigtem CO2 ein großes Problem dar – es ließ sich einfach kein Behälter finden, der dem enormen Druck standhalten konnte. 1882 wurde das Problem durch die Entwicklung geschmiedeter Stahlflaschen gelöst und bis heute hat sich das Aussehen von Kohlendioxidlöschern nur wenig geändert. Die Löschwirkung von CO2 wird durch die Verdrängung des Luftsauerstoffes erreicht – es erstickt das Feuer. Diese erstickende Wirkung macht Kohlendioxid besonders wirksam gegen Brände von Flüssigkeiten (Brandklasse B). Gegen Brände von Stoffen der Brandklassen A ist es völlig ungeeignet, da nur die Flammen an der Oberfläche bekämpft werden können, nicht aber die Glut. Gegen Brände von Stoffen der Brandklasse C (Brände von gasförmigen Stoffen) ist CO2 nur als spezieller Gaslöscher mit Hochdruckdüse einsetzbar. Bei brennenden Metallen (Brandklasse D) verstärkt es das Feuer sogar, indem es sich in der Brandhitze in Kohlenstoff und Sauerstoff zersetzt.
Da Kohlendioxid völlig rückstandsfrei löscht, eignet es sich hervorragend für Brände in elektrischen Anlagen.

Löschtaktik
Beim Löschen von brennenden Flüssigkeiten ist es wichtig, das Feuer von unten her anzugreifen. Man muss versuchen, den Löschmittelstrahl zwischen die brennende Oberfläche und die Flammen zu bekommen – nur so kann das Kohlendioxid den zur Verbrennung benötigten Luftsauerstoff verdrängen. Hält man das Schneerohr wahllos in die Flammen, wird das CO2 durch die Hitze des Feuers nach oben gerissen und verteilt sich wirkungslos im Raum. Kohlendioxid zeigt sich am wirkungsvollsten bei Bränden in geschlossenen Räumen, da beim Löschen von bränden im Freien die Löschwolke durch eventuellen Wind leicht davongetragen und wirkungslos werden kann. Beim Löschen muss jedoch bedacht werden, dass das Löschmittel auch für den Bedienenden gefährlich werden kann, da es den Sauerstoff verdrängt. Kohlendioxid führt ab einer Konzentration von 5% Vol. zu Schwindel und Müdigkeit und ist ab einer Konzetration von 8% Vol. tödlich. Deshalb steht auf jedem Kohlendioxidlöscher:

Vorsicht bei Verwendung in engen, schlecht belüfteten Räumen
(gesundheitsschädliche Gase).
Doch keine Angst, der Raum muss schon sehr klein sein, um sich mit einem Kohlendioxidlöscher in ernsthafte Lebensgefahr zu bringen.

Sicherer Umgang mit Kohlendioxidlöschern
Kohlendioxidlöscher sind nichts anderes als Hochdruck-Gasflaschen und deshalb mit Vorsicht zu behandeln. Sie stehen unter hohem Druck, welcher bei 20 °C in etwa 60 bar beträgt und sich mit steigender Temperatur erhöht. Der Prüfdruck der Flaschen beträgt heutzutage 250 bar. Wegen des hohen Drucks stehen die Behälter unter Spannung, sodass die bei Stürzen unter Umständen entstehenden Risse zum Versagen des Behälters führen. Der Zerknall eines solchen Feuerlöschers ist sehr gefährlich, da einen die Druckwelle förmlich in Stücke reißen kann. Bei einem Sturz kann auch das Ventil abbrechen und in so einem Falle würde der Behälter wie eine Rakete abzischen. Die Wucht reicht, dass er Wände, Decken und Dächer durchschlagen kann.
Daher sollten CO2 -Löscher stets gegen Umfallen gesichert werden und auch der Wandhalter ist auf festen Halt zu überprüfen! Auch sollten Kohlendioxidlöscher keinen Temperaturen von über +60 °C oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden! Bei Löschern ab ca. 1965 ist dies zwar relativ ungefährlich, da sie über eine Berstscheibensicherung verfügen. Diese Sicherheitseinrichtung ist ein kleines, in die Auslöseeinrichtung integriertes Ventil (grüne oder gelbe Kappe) welches den Inhalt bei einem Druckanstieg gefahrlos abbläst. Allerdings kann diese Sicherheitseinrichtung in seltenen Fällen auch versagen, wie ein Ereignis aus gar nicht allzu ferner Vergangenheit zeigt. Hier war ein 5 kg Kohlendioxidlöscher in einer Tchibofiliale zerknallt und hat dabei das ganze Ladenlokal verwüstet. Eine Mitarbeiterin wurde dabei verletzt. Der Grund für dieses Unglück war ein Materialfehler, der den Behälter des in der Sonne hängenden Löschers vor Ansprechen der Berstscheibensicherung versagen ließ.
Das Löschgas tritt unter einem Druck von etwa 58 bar aus und hat dabei eine Temperatur von ca. -70 °C. Auch hier besteht die Gefahr mechanischer Verletzungen und Verbrennungen.

Technische Daten (GLORIA Kohlendioxidlöscher DIN EN 3, Produktkatalog 1996)
2kg: Gewicht: 5,4kg (Aluminium); Löschmittelmenge: 2kg; Wurfweite: 3m; Temperaturfunktionsbereich: -30°C bis + 60°C; Funkionsdauer: 8 sek. – 34B

5kg: Gewicht: 14,7kg (Aluminium); Löschmittelmenge: 5kg Wurfweite: 4-5m; Temperaturfunktionsbereich: -30°C bis + 60°C; Funkionsdauer: 13 sek. – 89B

© Menzel

Pulverlöscher

Pulverlöscher enthalten ein Trockenlöschmittel in Pulverform und waren früher sowohl im gewerblichen, als auch im privaten Bereich am häufigsten anzutreffen. Mittlerweile geht der Trend immer mehr zu Schaum- und Wasserlöschern, da diese im Vergleich zu Pulver wesentlich geringere Löschmittelschäden anrichten und aufgrund ihres geringeren Betriebsdrucks sowie der damit zusammenhängenden längeren Betriebsdauer auch für Laien besser handhabbar sind. Dennoch sind sie nach wie vor weit verbreitet.
Das Löschpulver wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden, doch konnte es sich Anfangs noch nicht durchsetzen. Das Pulver war grob, ungleichmäßig vermahlen und zog viel Wasser aus der Umgebungsluft, weswegen frühe Pulverlöscher oft verstopft und im Ernstfall nicht zu gebrauchen waren. Der Durchbruch der Pulverlöscher erfolgte erst in den 1930er Jahren und der endgültige Siegeszug Mitte der 1950er. Das Löschpulver kann die unterschiedlichsten Farben aufweisen – von weiß über Pastelltöne (gelb, hellblau, rosa) bis hin zu tiefem blauviolett. Diese Farben lassen jedoch keine Rückschlüsse auf den generellen Typ des Löschpulvers zu, also man kann keine Regel aufstellen, die besagt: “ABC-Pulver ist weiß und BC-Pulver hellblau”. Es handelt sich hierbei lediglich um ein herstellerinternes Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Produkte.

ABC-Pulver
Heutzutage kommt  in den Pulverlöschern fast ausschließlich ABC-Pulver zum Einsatz, da es sich, wie der Name schon sagt, für Brände von Stoffen der Brandklassen ABC eignet und somit im Vergleich zu allen anderen Löschmitteln (außer Fettbrandlöscher) den größten Anwendungsbereich hat. Holz, Kohle, Stroh oder Papier können ebensogut abgelöscht werden wie brennendes Benzin oder flüssig werdende Kunststoffe. Selbst Fettbrände lassen sich mit einem ABC-Pulverlöscher gefahrlos eindämmen. Das auch als Glutbrandpulver bezeichnete Trockenlöschmittel wurde 1955 auf Basis von Ammoniumphosphat und Ammoniumsulfat (Düngemittelzusatz) entwickelt und kommt wie bereits erwähnt heute in  nahezu allen Pulverlöschern zum Einsatz.
Die Löschwirkung des ABC-Löschpulvers beruht bei Flammenbränden (Brandklassen B und C) auf dem Antikatalytischen Löscheffekt, wobei die in der Brandhitze freiwerdenden Radikale den zur Verbrennung notwendigen Sauerstoff binden. Bei Glutbränden der Brandklasse A schmilzt das Löschpulver zudem auf dem heißen Brandgut und die dabei entstehende glasartige Sinterschicht erstickt die Glut. ABC-Feuerlöscher werden überall dort eingesetzt, wo Brandrisiken von Stoffen der Brandklasse A, B, und C bestehen – also eigentlich überall, auch zu Hause. Feuerlöscher mit ABC-Pulverfüllung werden mit einem Inhalt von 1 kg, 2 kg, 4 kg, 6 kg, 9 kg und 12 kg angeboten. Die kleinen Löscher bis 6 kg Inhalt kommen ausschließlich als Dauerdrucklöscher in den Handel und die großen ab 6 kg Inhalt gibt es zudem auch als Aufladelöscher. 12 kg-Aufladelöscher erzielen ein Rating von 55A und 233 B, was sie zu den leistungsstärksten Löschern auf dem Markt macht. Der Einsatz von Löschpulver ist bei sachgemäßer Anwendung gesundheitlich unbedenklich.

BC-Pulver 
BC-Löschpulver ist das ursprüngliche Löschpulver auf Basis von Natriumhydrogencarbonat (Bullrich-Salz) und wird auch als Standardlöschpulver bezeichnet. Neben diesem gibt es noch eines auf Basis von Kaliumsulfat (Dünger) und ein Hochleistungslöschpulver auf Basis von Natriumhydrogenkarbonat (Backpulver). Die Löschwirkung von BC-Pulver beruht ausschließlich auf dem Antikatalytischen-Löscheffekt, da die schmelzenden Bestandteile fehlen. Daher wurden BC-Pulverlöscher vornehmlich nur dort eingesetzt, wo besondere Risiken der Brandklassen B (brennbare Flüssigkeiten) und C (brennbare Gase) bestehen – wie z.B. in der petrochemischen Industrie (Raffinerien), in Lackierereien und an Tankstellen. In den 1960er und 1970er Jahren wurden BC-Pulverlöscher auch in großer Zahl an Hausbesitzer mit Ölheizung verkauft. Heute sind BC-Pulverlöscher nahezu gänzlich verschwunden, da sie Feststoffbrände der Brandklasse A nicht ablöschen können und daher in den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens und der Privatwohnung wirkungslos sind. Dennoch wurden bis etwa zur Mitte der 1980er Jahre noch große Mengen Feuerlöscher mit einer BC-Pulverfüllung in den Handel gebracht, von denen heute aufgrund ihres Alters jedoch keiner mehr im Umlauf sein dürfte. Angeboten wurden die BC-Pulverlöscher mit einem Inhalt von 6 kg und 12 kg. Die letzte Auflage von etwa 1978 bis 1984 gab es zumindest bei GLORIA nur noch als 12 kg-Aufladelöscher, wogegen sie vor allem in den 1960ern meistens als 6 kg-Dauerdrucklöscher abgegeben wurden.

D-Pulver
D-Löschpulver (Metallbrandpulver, M-Pulver) stellt eine Sonderform dar und ist das einzig genormte Löschmittel für Brände der Brandklasse D (Metalle). Es besteht in der Regel hauptsächlich aus feinst vermahlenen Alkalichloriden wie Natriumchlorid (Kochsalz) und zeichnet sich durch eine hohe Reaktions- und Temperaturstabilität aus. Die Ausbringung des Pulvers erfolgt bei den Metallbrandlöschern sehr weich und fast drucklos mit einer speziellen Pulverbrause, um die ggf. vorhandene Metallschmelze vorsichtig mit einer luftdichten Schicht abdecken zu können. D-Pulverlöscher sind aufgrund der Beschränkung für die Brandklasse D die seltensten unter den Pulverlöschern. Die allermeisten Personen werden in ihrem Leben wahrscheinlich niemals einen zu Gesicht bekommen, da er eben für die meisten Bereiche völlig ungeeignet ist. Angeboten werden diese Feuerlöscher ausschließlich als Aufladelöscher mit 12 kg Inhalt.

Löschtaktik
Um zum gewünschten Löscherfolg zu kommen, müssen je nach Brandklasse unterschiedliche Löschtaktiken angewendet werden – einfach draufhalten, bis alles in einer Pulverwolke verschwindet, ist nicht immer richtig. Brände der Brandklasse A sind am wirkungsvollsten löschen, wenn eine geschlossene Pulverschicht über das brennende Objekt gelegt wird. Hierzu am besten in kurzen Stößen das Löschpulver möglichst weich aufbringen. Hält man einfach nur drauf entsteht keine Pulverschicht, sondern eine Pulverwolke. Diese würde durch die heißen Brandgase einfach davonschweben und die angrenzenden Räume versauen. Die Pulverschwarte auf dem Brandgut ist deshalb so wichtig, damit das Löschpulver schmilzen und so auch die Glut ersticken kann.
Bei reinen Flammenbränden der Brandklassen B und C sieht das schon ganz anders, nämlich genau gegenteilig. Solche Brände erfordern eine solche Pulverwolke, da die Flammen regelrecht mit Pulver durchmischt werden müssen. Wer bei B-Bränden mit weichen Pulverstößen hantiert, wird feststellen, dass das Feuer immer wieder durchzündet und so nicht zu löschen ist. Also: Ein paar Schritte zurücktreten, Sicherung ziehen und Pulver Marsch - da muss richtig was kommen! Aber Achtung: Pulver kühlt die Flüssigkeit nicht ab! Wenn Flüssigkeiten nach dem Ablöschen noch heiß genug sind, fangen sie wieder Feuer. Deshalb empfiehlt es sich gerade beim Ablöschen brennender Flüssigkeiten so sparsam wie irgend Möglich mit dem Löschmittel umzugehen und eine Reserve zurückzubehalten. Das ist allerdings bei größeren Objekten schwierig bis unmöglich, da wirklich jeder Krümel Pulver gebraucht wird.
Man merke sich also: Feststoffe mit weichen Pulverstößen ablöschen, Flüssigkeiten und Gase mit einer durchgängigen Wolke. Vor allem bei Flüssigkeiten Rückzündung beachten. Bei elektrischen Anlagen bis 1000 Volt ist ein Mindestabstand von 1 m einzuhalten und von Anlagen mit höheren Spannungen lasst ihr bitte die Finger!

Schäden durch Löschpulver
Löschpulver löscht richtig angewendet sehr schnell, doch können Pulverlöscher unglaubliche Schweinereien anrichten, weswegen Experten oft von so einem Gerät für zu Hause abraten. Löschpulver ist so fein vermahlen, dass 1 cm3 aus rund 4 Mio. Teilchen besteht. Wenn es mit hohem Druck ausgestoßen wird, dann findet es den Weg auch in die hinterletzten Winkel. Löschpulver besitzt weiterhin die unangenehme Eigenschaft, Luftfeuchtigkeit zu binden und dadurch steinhart zu werden. Solche betonartigen Verkrustungen sind nur sehr schwer wieder zu entfernen. Durch die Verbindung von Löschpulver und Luftfeuchtigkeit kann es nicht zuletzt auch zu starken Korrosionsschäden kommen.

© C. Müller

Halonlöscher

Als Halonlöscher werden diejenigen Feuerlöscher bezeichnet, in welchen halogenierte Kohlenwasserstoffe als Löschmittel zum Einsatz kamen. Im Laufe ihres 80-jährigen Bestehens von 1914 bis 1994 änderten sich die Halongemische, sodass ziemlich genau nacheinander Tetra (Halon 1400), Bromchlormethan (Halon 1011) und Bromchlordifluormethan (Halon 1211) als Löschmittel zum Einsatz kamen. Bromtrifluormethan (Halon 1301) wurde ebenfalls als Feuerlöschmittel eingesetzt, jedoch nur in stationären Anlagen und nicht in Handfeuerlöschern, weswegen wir dieses hier an dieser Stelle erst einmal außen vorlassen. Die Angaben beziehen sich zudem ausschließlich auf Feuerlöscher aus Westdeutschland, da in der DDR andere Halone wie z.B. Mischungen mit Methylbromid oder Dibromtetrafluorethan (Halon 2402) in Verbindung mit Kohlendioxid in sog. Kolon-Löschern verwendet wurden. Auf die Besonderheiten der DDR-Halonlöscher wird an anderer Stelle noch einmal gesondert eingegangen werden.
Eigentlich bezeichnet man nur die mit Halon 1211 befüllten Feuerlöscher als Halonlöscher. Die mit Tetrachlorkohlenstoff befüllten Feuerlöscher werden in der Regel als Tetralöscher und die mit Bromchlormethan befüllten als CB- oder (fälschlicherweise) Bromid-Löscher bezeichnet. 

Das Löschmittel Halon
Als halogenierte Kohlenwasserstoffe oder Halogenkohlenwasserstoffe werden Kohlenwasserstoffe bezeichnet, bei denen mindestens ein Wasserstoffatom durch eines der Halogene Fluor, Chlor, Brom oder Iod ersetzt wurde.
Es gibt unterschiedliche Gruppen von Halogenkohlenwasserstoffen, von denen für unsere Zwecke lediglich die aliphatischen Halogenkohlenwasserstoffe von Bedeutung sind. Sie lassen sich in Halogenalkane, Halogenalkene und Halogenaromaten einteilen. In Bezug auf ihre Verwendung als Löschmittel sind von diesen drei Untergruppen nur die Halogenalkane von Belang. Bekannte Halogenalkane sind zum Beispiel Chloroform (Narkosemittel), Hexachlorcyclohexan (Insektizid Lindan) sowie eben auch die Löschmittel Tetrachlorkohlenstoff, Bromchlormethan, Bromchlordifluormethan und Bromtrifluormethan. Anhand der Tatsache, dass ein starkes Narkosemittel, ein hochgiftiges Insektizit und die Feuerlöschmittel alle aus der gleichen Stoffgruppe kommen, lässt sich bereits erahnen, dass die Halone selbst sowie auch ihre Anwendung alles andere als gesund war, zumal sie sich durch ihre hohe Stabilität und ihren lipophilen Charakter in der Fettschicht von Mensch und Tier anreichern. Doch dazu später mehr.
Da vor allem das zuletzt verwendete Halon 1211 im hohen Maße die Ozonschicht angreift, sind Bereitstellung, Produktion, Vertrieb und Wartung von Halonlöschern in Deutschland seit dem 1. Januar 1994 verboten. Für teilhalogenierte Fluor-Brom-Kohlenwasserstoffe (HFBKW) war das Ausstiegsdatum der 1. Januar 1996. Seit dem Jahr 2000 dürfen in ganz Europa Halone nur in solchen Anwendungsbereichen verwendet werden, die im Anhang VII der Verordnung (EG) Nr. 2037/2000 bzw. (EG) 1005/2009 als kritische Verwendungszwecke aufgelistet und damit zugelassen sind. Ein Beispiel wäre die zivile und militärische Luftfahrt, wo Halone in stationären Anlagen an den Triebwerken und in Handfeuerlöschern im Inneraum mitgeführt werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist damit aber auch spätestens 2040 Schluss.

Löschwirkung der Halone
Die Löschwirkung der Halone beruht auf dem Antikatalytischen Löscheffekt, d.h., die Verbrennungsreaktion wird auf chemischem Wege gestört. Unter Hitzeeinwirkung spalten die Halone freie Radikale ab, welche sich anstelle des zur Verbrennung nötigen Sauerstoffs an das Brandgut anheften und so die Reaktion schlagartig zum Erliegen bringen.

Tetralöscher
In Tetralöschern kam Tetrachlorkohlenstoff (chem. CCL4 – auch Tetra, Tetrachlormethan, Kohlenstofftetrachlorid) als Löschmittel zum Einsatz. Tertrachlorkohlenstoff ist eine chemische Verbindung aus der Reihe der Chlorkohlenwasserstoffe, bei der alle Wasserstoffatome (H) des Methans (CH4) durch Chloratome (Cl) substituiert, also ersetzt worden sind.
Tetrachlorkohlenstoff ist eine farblose, stark lichtbrechende, süßlich riechende, nicht brennbare, hochgiftige Flüssigkeit mit einem Schmelzpunkt von −23 °C und einem Siedepunkt von 76,7 °C. Es ist nicht mit Wasser mischbar, dafür aber sehr gut mit Ethanol, Ether oder Benzin. Da es hervorragend Fette, Öle und Harze löst, kam es früher auch in großen Mengen in chemischen Reinigungen zum Einsatz.
Die Firma MINIMAX hatte im Jahre 1914 in Zusammenarbeit mit den Firmen Hoechst und Junkers einen 2-Liter und ein 6-Liter Löscher erfolgreich testen lassen und daher gilt das Jahr 1914 als Geburtsstunde der Tetralöscher in Deutschland. Unter Druck gesetzt wurden diese frühen Exemplare nach dem gleichen Prinzip wie MINIMAX´ berühmte Spitztüten, indem sie mit einem unten am Löscher angebrachten Schlagknopf auf den Boden gestoßen wurden. Hierbei zerstörte ein Druckstift eine im Behälterinneren befindliche Glastube mit Schwefelsäure und Natron. Das Vermischen der beiden Chemikalien erzeugte dann den nötigen Betriebsdruck. Durch Betätigen des Drehventils konnte das Löschmittel dann ausgestoßen werden.
Die ersten Tetra-Löscher mit einem Druckluftpolster (Dauerdrucklöscher) wurden ca. 1925 von der Firma WINTRICH entwickelt. Bis Mitte der 1920er Jahre wurden bereits knapp 1 Mio Tetralöscher in Umlauf gebracht, obwohl die außerordentliche Giftigkeit des Löschmittels von vorn herein bekannt war. Auslöser für diesen Boom war die schnell wachsende Motorisierung und die daraus resultierenden, immer häufiger werdenden Benzinbrände. Regelmäßig gingen Werkstätten, Tankstellen sowie natürlich auch Autos in Flammen auf und es gab damals kein besseres und günstigeres Löschmittel als Tetra. Doch so gut diese Löscher auch löschten – sie waren tödlich giftig. Die Wirkung der Tetra-Dämpfe in Reinform auf den Menschen hängt von der Konzentration ab. Niedrige Konzentrationen führen zu Unwohlsein, Schwindel und Sinnesstörungen sowie bei häufigerer Exposition zu Organschäden, welche in der Regel tödlich enden. Hohe Konzentrationen führen dagegen sofort zu Bewusstlosigkeit, Koma und Tod. Bei sachgemäßer Benutzung der Tetralöscher zum Ablöschen eines Brandes entstehen weitere giftige Gase. Unter Hitzeeinwirkung zersetzt sich Tetrachlorkohlenstoff unter anderem zu Phosgen, ein Giftgas, welches im Ersten Weltkrieg traurige Berühmtheit erlangte. Vorbote des Giftgases ist Salzsäuregas, welches einen starken Hustenreiz auslöst. Dieses stark reizende, ätzende und ebenfalls giftige Pyrolysegas zwang den Löschenden zum Verlassen des Brandherdes - meistens vor dem Einatmen einer tödlichen Menge Phosgen. Es gab jedoch viele Todesfälle bei der unsachgemäßen Benutzung der Tetralöscher, z. B. zu Reinigungszwecken oder zur Vernichtung von Ungeziefer. Auch sonst ist Tetrachlorkohlenstoff hochgradig umweltschädigend und wirkt tödlich auf alle Lebewesen (Menschen, Tiere, Pflanzen). Zudem steht es seit längerer Zeit unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Von der krebserregenden Wirkung wusste man damals noch nicht, von der Giftigkeit aber wie gesagt schon. Der erste Schritt zur Sicherheit erfolgte 1923 durch einen sogenannten “Tetra-Ausschuss”. Dieser legte fest, dass die Maximalgröße der Tetralöscher auf immer noch unglaubliche 6 Liter Inhalt pro Gerät beschränkt bleiben muss – eine Giftmenge, mit der man zig Menschen hätte töten können. Die gängisten Größen der Tetra-Löscher waren fortan Geräte mit 0,5 l, 0,8 l, 1 l, 2 l, 4 l und 6 l Inhalt. Das Aussehen der Tetralöscher hat sich bis zu ihrem endgültigen Verbot im Jahre 1964* nur wenig verändert. Nach der Einführung des Druckluftpolsters 1925 verschwand in den 1930er Jahren lediglich der Schlagknopf an der Unterseite. Da die Tetralöscher seit nunmehr 50 Jahren vom Markt verschwunden sind, sind sie sehr rar geworden. In der Öffentlichkeit sieht man sie gar nicht mehr, aber dafür vereinzelt in Auktionshäusern (eBay) oder bei der Entrümpelung alter Gebäude. Gewarnt seien an dieser Stelle alle diejenigen, die einen Tetralöscher zu Dekozwecken erwerben möchten! Vor allem bei ebay sieht man immer wieder Anbieter, die gefüllte Geräte verkaufen – meistens nichts wissend über den gefährlichen Inhalt. Hin und wieder liest man auch “Ich hab den Löscher entleert…” oder “Ich habe den Löscher ausprobiert und er geht noch…”. Ein Albtraum! Aufgrund der Giftigkeit des Tetras ist in jedem Falle davon abzuraten, einen solchen Löscher im gefüllten Zustand zu erwerben! Wer einen solchen Löscher verkauft macht sich übrigens strafbar, da der Handel bzw. das Inverkehrbringen von Tetrachlorkohlenstoff verboten ist! Tauchen solche Geräte bei Entrümpelungen oder in alten Gebäuden auf, sind sie in der Regel noch gefüllt und sollten daher nur mit größter Vorsicht behandelt und schon gar nicht ausprobiert werden! Wenn sie als Dekoration dienen sollen, dann müssen sie in jedem Falle fachgerecht entleert werden. Wenn nicht, müssen sie als Sondermüll entsorgt werden, was unter Umständen eine Gebühr kostet (pauschal pro Liter oder pro Gerät).

*Hersteller wie z.B. TOTAL haben die Produktion von Tetralöschern bereits 1957 eingestellt. 
  
Bromchlormethanlöscher
Beim Bromchlormethan (CH2BrCl, auch Chlorbrommethan, CB oder fälschlich Bromid) wurden im Gegensatz zum Tetrachlorkohlenstoff nur zwei der vier Wasserstoffatome des Methans substituiert - eines durch Brom und das andere durch Chlor. Bereits Ende der 1930er Jahre wurde die Substanz erfolgreich als Feuerlöschmittel für Marine und Luftwaffe getestet und anstelle von Tetra in die gleichen Behälter mit Druckluftpolster und Drehventil gefüllt. Das in den CB-Löschern verwendete Bromchlormethan bot gegenüber den Tetralöschern den Vorteil, dass es weit weniger toxisch war als Tetra und dadurch viel sicherer in der Anwendung für die Besatzungen von Flugzeugen und Schiffen, deren Ausweichmöglichkeiten doch sehr beschränkt waren. Dennoch barg es Gefahren für Mensch und Umwelt. Auf Mensch und Tier hat Bromchlormethan in Reinform eine narkotische Wirkung, die bei hohen Konzentrationen auch zum Tod führen kann. Außerdem steht Bromchlormethan ebenso wie Tetrachlorkohlenstoff in Verdacht, krebserregend zu sein. Im Löscheinsatz (ab 400°C) zersetzt es sich unter anderem in die giftigen Gase Chlorwasserstoff und Bromwasserstoff und stellte somit immer noch eine Gefährdung für den Löschenden dar. Zum Schluss ist noch die stark ozonschädigende Wirkung zu nennen.
Die CB-Löscher verschwanden in der ersten Hälfte der 1970er Jahre ebenfalls aufgrund ihrer Giftigkeit und Umweltschädlichkeit vom Markt. Heutzutage tauchen die CB-Löscher aus westdeutscher Produktion (GLORIA, MINIMAX, BAVARIA etc.) nur als kleine Vergaserbrand-Löscher mit 0,2l Inhalt auf. Dies lässt die Vermutung zu, dass es sie in gar keinen anderen Größen mehr gegeben hat - ob aus Umweltschutzgründen oder anderen Umständen bleibt dabei Spekulation. Wenn jemand mit so einem Objekt liebäugelt, z.B. zur originalgetreuen  Ausstattung seines Oldtimers (bei vielen VW gehörten die Löscher zur Ausstattungund), der sei auch hier vor gefüllten Geräten gewarnt. CB ist nicht so giftig wie Tetra, aber es reicht dennoch für ernste Gesundheits- und Umweltschäden. Gefüllte Geräte fachgerecht entleeren lassen und nicht ausprobieren. Das Mitführen solcher gefüllten Löscher in Fahrzeugen ist übrigens auch verboten und kostet Strafe.

Halonlöscher
Anfang der 1970er Jahre kam ein neues Löschmittel auf Basis von halogenierten Kohlenwasserstoffen auf den Markt – das Halon 1211 (CBrClF2 – Bromchlordifluormethan), welches unter anderem auch als Kältemittel Freon 12B1 in Kühlschränken zum Einsatz kam. Hier wurden ebenfalls die vier Wasserstoffatome des Methans ersetzt, und zwar durch jeweils ein Brom- und ein Chloratom sowie durch zwei Fluoratome. Halon 1211 stellte eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu den CB-Löschern dar, denn es war nochmals um einiges weniger toxisch als sein Vorgänger und durch die sich leicht abspaltenden Brom- und Fluoratome auch wesentlich löschwirksamer. Die Löschgase waren zwar immer noch giftig, jedoch war es mit diesen Löschern um einiges schwerer, sich damit aus Versehen in ernsthafte Lebensgafahr zu bringen. Die Halonlöscher waren nach wie vor Dauerdrucklöscher, doch änderte sich ihr Aussehen und sie wurden auch wieder mit verschiedenen Füllmengen angeboten. Bis zum Ende der 1970er ähnelten die kleinen Geräte den 1,5 kg- bzw. ab 1977 den 2kg Kohlensäure-Gaslöschern mit Pistolengriff und Zughebelarmatur - Ab 1978 waren diese Geräte dann überwiegend als Autolöscher mit Druckhebelarmatur, ähnlich dem GLORIA PG 2 SPX ausgebildet. Ab etwa 1980 gab es auch wieder Geräte mit 6 kg Füllmenge, welche mit einer schweren Druckhebelarmatur ausgerüstet waren und über einen Schlauch mit einer charakteristischen Düse verfügten. Diese unterschied sie stets und auf den ersten Blick von teilweise gleich aussehenden Pulverlöschern (z.B. GLORIA HA 6 V vs. GLORIA PA 6 GD). Die gängisten Größen waren Löscher mit 2kg, 4kg und 6kg Halon 1211. Obwohl die Anwendung von Halon 1211 für den Löschenden wesentlich sicherer war als die von Tetra und Halon 1011, blieb die extreme Umweltgefährlichkeit bestehen. Halon 1211 hatte eine derart schädliche Wirkung auf die Ozonschicht, dass es schnell als Ozon-Killer in Verruf kam. Im Jahre 1994 wurden im Zuge der am 01.08.1991 in Kraft getretenenFCKW-Halon-Verbotsordnung die Herstellung, der Vertrieb sowie die weitere Instandhaltung von Halon-Feuerlöschern deutschlandweit verboten. Hierauf verschwanden sie wegen groß angelegter Einziehungsmaßnahmen fast schlagartig und komplett vom Markt. Auch bei ebay sind sie nur sehr sehr selten anzutreffen. Die wenigen Exemplare, die hin und wieder auftauchen sind heiß begehrt und werden dementsprechend teuer gehandelt. Zum einen sind es wieder Autoliebhaber, die ihren Mercedes (W124 und W126 - die Vorgänger /8, W123 und W116 hatten stets MINIMAX PU 1 an Bord) oder BMW (E32, W34, E36) wieder originalgetreu herrichten wollen, andererseits auch viele Freizeit-Kapitäne, die so einen Feuerlöscher gern auf ihrem Boot hätten. Aber Vorsicht: In Deutschland sind das Mitführen gefüllter Halonlöscher und auch deren Verwendung im Ernstfall (!) verboten. Wer damit erwischt wird, zahlt unter Umständen dicke Strafen.

Fest steht, dass die halogenierten Kohlenwasserstoffe in Form von Tetra, CB und Halon 1211 die besten und wirkungsvollsten Löschmittel gegen reine Flammenbrände der Brandklassen B und C waren. Bis heute konnte kein würdiger Ersatz gefunden werden, welcher auch nur annähernd so effektiv löscht. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass die halogenierten Kohlenwasserstoffe aufgrund ihrer Giftigkeit und Umweltschädlichkeit kein fester Bestandteil im breit angelegten Sicherheitsdenken werden konnten und die Belange der Anwendersicherheit und des Umweltschutzes am Ende im Vordergrund standen und diese Löscher nach exakt 80 Jahren aufhörten zu existieren.
Freilich: Das Tetra- und CB-Löscher aufgrund ihrer Giftigkeit verboten worden sind, war eine gute und auch richtige Entscheidung. Etwas kontrovers ist jedoch das Verbot der Halon 1211-Feuerlöscher. Es ist zwar wissenschaftlich eindeutig bewiesen worden, dass sie in hohem Maße die Ozonschicht schädigen - das jedoch nur, wenn sie in Betrieb gesetzt werden und das Löschgas in die Atmosphäre gelangt. Allein an dieser Tatsache gemessen wäre es vielleicht sogar möglich gewesen, diese Geräte weiter für den Brandschutz vorzuhalten, da das Halon 1211 im Prinzip erst dann die Ozonschicht schädigt, wenn es den Behälter verlässt. Es entzieht sich jedoch meiner Kenntnis, wie viel davon beim Produktionsprozess daneben geht und was beim Tausch der Füllung mit der Altfüllung passiert. Das Halon 1211 kann so gesehen selbst nicht schlecht werden, doch da es vor allem in Verbindung mit Wasser (Luftfeuchtigkeit) korrosiv wirkt, wurde bei den Feuerlöschern von Zeit zu Zeit eine Behälterinnenkontrolle nötig, wofür sie entleert werden mussten. Ob das Halon einfach abgeblasen oder aufgefangen wurde, weiß ich wie gesagt nicht. Es wird vermutlich aber dennoch eher an solchen Begleitumständen gelegen haben, dass die Halonlöscher verschwanden und nicht an den Löschern selbst. Außerdem wäre das Halon 1211 - da nun auch keine Kühlschränke mehr damit befüllt wurden - vermutlich so teuer geworden, dass die Bereithaltung von Halonlöschern unwirtschaftlich geworden wäre.

Weitere Informationen speziell zum Halon 1211 findet Ihr in diesem Artikel:
Halon 1211 - vom Wundermittel zum Problemstoff 

© C. Müller

Montag, 14. April 2014

GLORIA Typ Pi 6 G Bj. 1960 Sonderedition weiß

GLORIA Typ Pi 6 G Bj. 1960
Hersteller: GLORIA-WERKE
DIN TROCKEN 6
Typ: Pi 6 G
Bauart: PG 6 H - Aufladelöscher mit innenliegender Treibmittelpatrone
Baujahr: 1960
Inhalt: 6 kg ABC-Pulver
Gewicht des gefüllten Geräts: 11 kg
Bauzeit nach diesem Muster: 1959 - 1963

Geschichte:
Die ersten Feuerlöscher des Typs Pi kamen Ende der 1950er Jahre auf den Markt, vermutlich 1959, da es meines Wissens keinen Pi-Typ mit dem grünen Aufdruck gegeben hat, welcher bis 1958/59 verwendet wurde. Somit gehört dieser Feuerlöscher hier zur ersten Serie - erkennbar auch am nicht ergonomisch geformten Handgriff aus Metall (Hammerschlag), dem Sicherungsstift anstelle der Abzugssicherung und dem typischen, mehrfarbigen grüngoldenen Aufdruck der frühen 1960er Jahre. Alles original.
Es ist zudem auch einer der ersten Pulver-Feuerlöscher der noch jungen GLORIA-WERKE, welcher neben dem ebenfalls zu dieser Zeit eingeführten Typ Pn mit einer innenliegenden Treibgaspatrone ausgerüstet war. Vorher wurden, was Pulverlöscher angeht, in der 6- und 12 kg-Klasse nur die P/PS-Typen mit außenliegender Treibmittelflasche produziert, welche dem Typ P von TOTAL in Aufbau und Funktion gleichten. Die Bauform des Pi mit dem hinten um den Behälter geführten Schlauch war damals revolutionär, weil Feuerlöscher des Typs Pi dadurch viel kompakter waren als die des Typs P/PS und bei ihrer Bereitstellung viel weniger Platz beanspruchten.Um 1960 waren übrigens die GLORIA-WERKE und die MINIMAX AG die einzigen Hersteller, welche Pulver-Aufladelöscher mit innenliegender treibmittelpatrone in großem Maßstab vertrieben, wogegen z.B. die TOTAL KG bis etwa 1970 größtenteils auf die bewährten P-Typen mit außenliegender Druckgasflasche setzte.
Der GLORIA Typ Pi war einer der leistungsstärksten Feuerlöscher aller Zeiten, der ungefähr 50 Jahre in fast unveränderter Weise hergestellt wurde. Dieser Hochleistungslöscher war prädestiniert für Industrie und Gewerbe und könnte sich auch noch mit heutigen Feuerlöschern messen.
Das Auffälligste ist bei diesem Modell die weiße Farbe, was diesen Feuerlöscher zu einer echten Rarität macht. Weiße Feuerlöscher wurden in den 1960ern für Krankenhäuser produziert, um die sterile Atmosphäre zu wahren.
Ein seltenes und schönes Stück in gutem Originalzustand.

Zum GLORIA Museum

© C. Müller
 

Freitag, 11. April 2014

Brandschutz beim Grillen

Für Grillfans beginnt mit dem Sommer die schönste Zeit des Jahres, denn nun erweitert sich die Speisekarte um Nackensteaks, Bauchfleisch, Rostbratwürsten und andere Leckereien von der Fleischtheke. Doch jedes Jahr enden eigentlich als vergnügliche Grillabende geplante Veranstaltungen mit schweren Verbrennungen oder hohen Sachschäden, weil leichtsinnig Spiritus in die glühenden Kohlen gegossen wurde oder sonst irgendetwas schief ging. Damit Euer Grillabend dem Film "Flammendes Inferno" keine Konkurrenz macht, gibt es nun einige Tipps zum sicheren Umgang Holzkohlegrills und Gasgeräten. Elektrogrills bleiben außen vor, da von ihnen eine wesentlich geringere Brandgefahr ausgeht.

Aufbau und Standort

Ein Grill wird in den seltensten Fällen schon betriebsfertig geliefert, was bedeutet, dass er in der Regel zunächst einmal auf- bzw. zusammengebaut werden muss. Dabei müssen alle Teile passend zusammengesetzt und so verschraubt oder befestigt werden, dass nichts wackelt, nichts fehlt und auch nichts übrig bleibt. Der Grill sollte nach dem Aufbau schon so aussehen, wie auf der Verpackung und in der Aufbauanleitung, denn ansonsten riskiert Ihr, das er während der Benutzung in sich zusammenfällt oder umkippt.
Ist der Grill ordnungsgemäß zusammengebaut, muss als nächstes ein geeigneter Standort gefunden werden. Holzkohle- und Gasgrills werden während des Betriebes sehr heiß (je nach Grill und Bedienungsweise zwischen 500 °C und 1.000 °C) und daher sollte mindestens 1 m Abstand zu brennbaren Materialien wie Gartenmöbeln, Hecken, Büschen und dergleichen eingehalten werden. Vergrößert bei einem Holzkohlegrill den Abstand lieber auf 2 m. Auch sollte nichts Brennbares direkt neben den Grill gestellt werden, wie z.B. der Sack Holzkohle, der Anzünder oder Servietten. Des Weiteren solltet Ihr darauf achten, dass der Grill sicher und fest ohne wackeln oder kippeln auf einem nicht brennbaren Untergrund steht.

Holzkohlegrill

Der Holzkohlegrill ist wohl der beliebteste und am weitesten verbreitete Grill, bei dem das Grillen zu einem regelrechten Ritual wird. Bevor es jedoch losgehen kann, muss Holzkohle besorgt werden. Aber welche? Ich selbst besitze auch einen schönen WEBER-Holzkohlegrill und verwende immer die brikettierte Holzkohle, da diese in der Handhabung wesentlich sicherer ist. Die ungepresste Holzkohle sprüht Funken, die mehrere Meter weit fliegen und noch nachglühen und durch eben diese Funken könnten trotz Sicherheitsabstand in der Nähe befindliche Gegenstände (Gartenpolster, trockenes Gras) in Brand geraten. Auch für den Grillmeister ist der Funkenflug nicht ungefährlich. Auf nackter Haut gibt es Brandblasen und wird die Kleidung getroffen, brennen sich entweder viele schöne kleine Löcher hinein oder sie wird angesengt – in jedem Fall ist sie ruiniert. Die Holzkohlenbriketts glimmen im Gegensatz zur “reinen Holzkohle” gleichmäßig und platzen nicht auseinander, was sie wesentlich sicherer macht. Außerdem halten sie wesentlich länger. Sie sind zwar etwas teurer, aber mit Blick auf die Brand- und Verletzungsgefahr eindeutig die bessere Wahl. Dies ist jedoch meine persönliche Meinung und Ihr könnt selbstverständlich auch die andere Holzkohle verwenden.
Nun kann die Grillkohle vorbereitet, also angezündet werden, doch Vorsicht: Genau bei diesem Schritt kommt es zu den meisten Unfällen. Seht auf jeden Fall von der Benutzung flüssiger Brandbeschleuniger wie Spiritus, Benzin, Aceton (Nagellackentferner) und dergleichen ab! Viele Leute wissen nicht, dass sich nicht die brennbaren Flüssigkeiten selbst, sondern deren Dämpfe entzünden! Brennbare Flüssigkeiten sind in der Regel sehr flüchtig, was bedeutet, dass sie schon bei Raumtemperatur verdampfen und zündfähige Dampf-Luft-Gemische bilden. Verteilt man z.B. Brennspiritus auf der Grillkohle, verdunstet dieser und während man die Flasche zudreht und beiseite Stellt, bildet sich eine Aerosolwolke, welche einen vollständig einhüllen kann. Wird dann ein Streichholz oder ein Feuerzeug gezündet, kommt es zu einer Verpuffung, welche schwere Verbrennungen verursacht und je nach Ausdehnung der Gemischwolke auch in der Nähe befindliche Gegenstände entzünden kann – Benzin ist wegen seines höheren Heizwertes und der größeren Ausdehnung noch viel gefährlicher als Spiritus. Es werden trotz aller Warnungen immer wieder flüssige Brandbeschleuniger eingesetzt und es wird sich dann mit hausgemachten Sicherheitsratschlägen wie “dann geh ich etwas weiter weg” oder “ich nehm nur ganz wenig” in eine trügerische und vor allem falsche Sicherheit gewogen. Hier muss ganz klar gesagt werden: Jeder Einsatz eines flüssigen Brandbeschleunigers führt unweigerlich zu einer Verpuffung und diese ist immer unberechenbar. Ihre Stärke variiert zwar je nach Menge und Art der brennbaren Flüssigkeit, aber sie ist unkontrollierbar und stellt somit ein äußerst hohes Risiko dar! Daher kann ich nur nochmals vor flüssigen Brandbeschleunigern warnen und eindringlich von einer Benutzung als Grillanzünder abraten!
Noch größere Gefahren birgt die Verwendung von flüssigen Brandbeschleunigern zur Wiederentzündung eines vermeintlich erloschenen Grills. Oft glimmt die Kohle noch im Verborgenen und wenn in so einem Fall Spiritus oder ähnliches zugeführt wird, kommt es sofort zu einer Verpuffung, die ungemein heftig ausfällt. Vielfach kommt es in so einem Fall auch zu einer Rückzündung, d.h. die Flamme wandert den Flüssigkeitsstrahl hinauf und zündet die Flasche oder den Kanister. Dieser fliegt dann entweder wie eine Rakete davon oder er platzt. Was dann passiert, brauche ich ja wohl nicht extra aufführen. Flüssige Brandbeschleuniger sind lebensgefährlich und von einer Benutzung als Grillanzünder ist dringend abzuraten! Wesentlich sicherer und für diese Zwecke geeignet sind feste Paraffin-Anzünder (Wachsblöcke), Holzfaser-Anzünder oder Sicherheits-Brennpasten. Diese bilden keine zündfähigen Aerosole und sind somit vollkommen sicher. Ebenso sicher und geeignet sind elektrische Anzünder. 
Der Grill darf während des Betriebes nicht umgesetzt und nicht aus den Augen gelassen werden. Kinder und Tiere vom Grill fernhalten.

Nach dem Grillen muss die Asche vollständig abgekühlt sein, bevor sie entsorgt werden kann. Heiße Asche oder noch glimmende Kohlenreste können die Mülltonne und unter Umständen die Garage oder das Haus in Brand setzen. Natürlich sollte auch der Grill selbst ausreichend abgekühlt sein, bevor er weggeräumt wird. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der gießt einfach einen Schluck Wasser über die Kohlenreste.
Achtung! Dieser tödliche Fehler wird jedes Jahr aufs Neue begangen: Ein noch glimmender Grill darf unter keinen Umständen zu Heizzwecken in geschlossenen Räumen wie Wohnzimmer, Gartenlaube und dergleichen weiterverwendet werden! Holzkohle setzt beim Verglimmen giftige Gase frei, insbesondere das Atemgift Kohlenmonoxid (CO). Kohlenmonoxid gelangt über die Lunge in den Blutkreislauf und blockiert den Sauerstofftransport. Da es farb- und geruchlos ist, tritt der Tod durch Ersticken schonm nach kurzer Zeit ein.

Gasgrill


Ein Gasgrill wird auch von vielen Leuten favorisiert, da das Fleisch ebenfalls über offenem Feuer gegart wird und im Gegensatz zum Holzkohlegrill die langwierige Vorbereitung, der Rauch und der Dreck wegfallen. Wer schnell und sauber, aber dennoch über richtigem Feuer richtig will, der benutzt ein solchges Gasgerät.
Ein Gasgrill wird mit Flüssiggas betrieben und kann je nach Hersteller und Ausführung entweder von einer Gasflasche oder einer Gaskartusche gespeist werden. Der Anschluss der Gasflsche bzw. Gaskartusche muss mit besonderer Sorgfalt erfolgen, da bei diesem Punkt die größte Gefahr besteht. Wird der Grill mit einer Gasflasche betrieben, sollte aus Sicherheitsgründen ein möglichst kleines Gebinde verwendet werden. Das sehr häufig verwendete Propangas wird meistens in 3 kg, 5 kg, 11 kg und 33 kg-Flaschen angeboten. Für einen normalen Grillbetrieb ist eine 5 kg-Flasche vollkommen ausreichend und birgt im Falle eines Unfalls (dem Austritt von Gas mit anschließender Explosion) aufgrund der geringeren Menge auch ein wesentlich geringeres Risiko. Es ist schon ein Unterschied, ob einem eine 5 kg- oder eine 33 kg-Propangasflasche um die Ohren fliegt. Je weniger Gas, desto mehr Sicherheit lautet hier die Devise.
Am wichtigsten ist, dass die Gasflasche nur mit einem Druckminderer (50 mbar) an den Grill angeschlossen werden darf. Ohne Druckminderer würde viel zuviel Gas ausströmen und man würde sich mitsamt seinem Grill in die Umlaufbahn schießen. Desweiteren muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Verbindungsschlauch nicht porös oder beschädigt und wirklich fest verschraubt ist. Andernfalls könnte Gas durch undichte Stellen austreten und sich entzünden. Beim Zusammenbau die Dichtheit am besten mit einer Seifenlösung überprüfen – wie bei der Lochsuche am Fahrradschlauch. Bilden sich Blasen, strömt Gas aus und es muss nachgebessert werden. Der Verbindungsschlauch sollte außerdem so lang sein, dass die Gasflasche nicht direkt neben dem Grill steht. Weiterhin dürfen nur DIN-geprüfte Schläuche verwendet werden, die ausdrücklich für solche Zwecke zugelassen und geeignet sind. Auf keinen Fall selbst mit einem Stück  Gartenschlauch und Schlauchschellen experimentieren – das ist gefährlich und kann nach hinten losgehen. Die Gasflasche sollte während und außerhalb des Betriebes keiner direkten Sonneneinstrahlung oder sonstigen Wärmequellen ausgesetzt werden. Gaskartuschen werden in der Regel an geeigneter Stelle direkt an den Grill geschraubt. Hier ist auch auf eine feste Verschraubung und Dichtheit zu achten. 
Auch das Anfeuern gestaltet sich bei einem Gasgrill viel einfacher als bei einem Holzkohlegrill. Einfach das Gas aufdrehen, Zündquelle an den Brenner und schon kann gegrillt werden. Weitere Anzündhilfen und Vorbereitungen sind hier nicht nötig. Doch Achtung: Auch hier besteht je nach Ausführung und Alter des Grills die Möglichkeit einer Verpuffung bzw. einer Explosion. Sobald die Gasflasche geöffnet wird, strömt bei manchen Modellen ohne weitere Unterbrechungseinrichtung (Herstellerangaben beachten) das Gas sofort aus dem Brenner. Wartet man zu lange mit dem entzünden, bildet sich ein explosionsfähiges Gas-Luftgemisch. Zum Anzünden sollte ein möglichst langes Streichholz oder ähnliches verwendet werden, um Verbrennungen vorzubeugen. Des Weiteren ist noch zu beachten, das Gasflaschen immer ein Rechtsgewinde haben! Rechts herum wird aufgedreht, links herum wird zugedreht. Diese Tatsache muss vor allem dann beachtet werden, wenn das Ventil nicht ganz geöffnet wurde. Jemand, der diese Tatsache nicht kennt oder wieder vergessen hat, schließt nach dem Grillen das Ventil nicht sondern öffnet es ganz. Hierdurch kann es zu Explosionen und Gesundheitschäden durch austretendes Gas kommen. Um solch gefährliche Verwechselungen von vornherein auszuschließen, sollte das Ventil immer erst ganz geöffnet und dann wieder eine halbe Umdrehung zurückgedreht werden. Ganz öffnen und dann wieder ein kleines Stück zurück? Was soll das denn? Nun, es ist ganz einfach: Ist das Ventil voll aufgedreht, können sich die Materialien durch Temperatureinflüsse (Gas ist kalt, wenn es ausströmt) und Belastungen unterschiedlich ausdehnen und  verkeilen. In diesem Falle bekäme man die Gasflasche nicht wieder zugedreht. Deshalb: Ein kleines Stück wieder zurückdrehen. Dann kann das Gas nach dem Grillen in jedem Fall abgestellt werden und die Richtung, in welcher sich das Ventil schließt (links!), ist auch immer noch klar zu erkennen. Gasflaschen am besten aufrecht stehend betreiben.

Um heiße Kohlereste und deren Entsorgung muss man sich nach dem Grillen keine Sorgen machen. Nach der Benutzung ist die Gasflasche fest zuzuschrauben und der Grill muss, bevor er weggeräumt oder abgedeckt wird, ausreichend abgekühlt sein. Die Gasflasche muss nicht unbedingt entfernt werden, wenn sie temperatur- und witterungsgeschützt steht. Vor dem nächsten Grillen sollte jedoch die Zuleitung wieder auf Dichtheit geprüft werden. Wird die Gasflasche entfernt, sollte diese an einem kühlen Ort aufbewahrt werden. Das Wohnhaus ist kein geeigneter Platz. Stellt sie lieber in die Garage, wenn es dort nicht zu warm wird. Auch hier muss vor der nächsten Inbetriebnahme des Grills die Zuleitung wieder fest verschraubt und auf Dichtheit geprüft werden. Ein Gasgrill darf ebenso wie ein Holzkohlegrill nicht zu Heizzwecken in geschlossenen Räumen verwendet werden.

Brandschutzmaßnahmen treffen


Vor allem beim Grillen mit Holzkohle und Gas sollten Vorkehrungen für den Fall eines Brandes getroffen werden. Auch wenn alle Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden, besteht beim Umgang mit offenem Feuer immer ein gewisses Restrisiko, d.h. ein Brand kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Um so wichtiger ist es daher, geeignete Maßnahmen zu treffen, um einen Brand schon erfolgreich im Anfangsstadium löschen zu können. Ich habe wie so oft schon in meinen Texten dazu geraten, einen Feuerlöscher bereitzustellen. Manche werden jetzt sicherlich denken, dass die Bereithaltung eines Feuerlöschers vielleicht etwas übertrieben ist, was im Falle eines in Brand geratenen Grills vielleicht auch stimmen mag. Doch es geht in erster Linie darum, einen Brand bekämpfen zu können, welcher sich über den Grill hinaus ausgebreitet hat. Ein brennender Grill ist sicherlich mit einem Eimer Wasser vollständig abzulöschen, doch wenn plötzlich ein Gartenstuhl, ein Busch oder sonst irgendetwas brennt, könnte ein Eimer Wasser schon nicht mehr ausreichen. Die Menge von 10 Litern (ich setze mal einen ganz handelsüblichen 10-l-Putzeimer als Standard-Eimer voraus) ist ausreichend, denn mehr Löschmittel ist in einem tragbaren Feuerlöscher auch nicht enthalten. Das größte Problem beim Eimer ist jedoch die Dosierung des Löschmittels. Um einen Brand mit einem Eimer Wasser zu bekämpfen hat man nur einen Versuch, bei dem das komplette Löschmittel auf einmal zum Einsatz kommt. Hat man den Brandherd nicht richtig getroffen oder ist er schon zu groß für den Wirkungsbereich des Eimers, hat man ein Problem. Bis man dann den Eimer wieder gefüllt hat, reicht dieser längst nicht mehr aus, um den Brand erfolgreich zu bekämpfen. Mit einem Feuerlöscher hingegen kann das Löschmittel dosiert auf den Brandherd aufgebracht werden, wodurch er in der Lage ist, mit gleichviel oder sogar weniger Löschmittelinhalt einen größerern Brand erfolgreich abzulöschen.
Doch welcher Feuerlöscher ist der richtige? Kommen wir erstmal zum Löschmittel: Durch Grillen verursachte Brände beziehen sich in der Regel auf feste Stoffe der Brandklasse A. Diese Stoffe verbrennen unter Flammen- und Glutbildung, was sie von Bränden von flüssigen und gasförmigen Stoffen der Brandklassen B und C unterscheidet. Also sollte ein Löschmittel gewählt werden, welches in der Lage ist, auch brennende Feststoffe abzulöschen. Geeignete Feuerlöscher müssen demnach als Löschmittel entweder Wasser, Schaum oder ABC-Pulver enthalten.  Ich würde, wie ich es schon oft getan habe, zu einem Schaum- oder Pulverlöscher raten, da diese beiden Typen sich auch uneingeschränkt gegen Brände im Wohnbereich eignen. Uneingeschränkt heißt hier in erster Linie, dass mit ihnen auch Fett- und Flüssigkeitsbrände bekämpft werden können. Dieses ist mit einem Wasserlöscher nicht nur nicht möglich, sondern auch höchst gefährlich (Fettexplosion). Der Löschmittelinhalt sollte 6 Liter bzw. 6 kg betragen. Wie gesagt: um einen brennenden Grill zu löschen würden auch kleine 1 kg- und 2 kg-Autolöscher reichen, doch da es nicht primär um einen in Brand geratenen Grill sondern um einen Brand über den Grill hinaus geht, wären solche Löscher unter Umständen zu klein. Wer keinen Feuerlöscher besitzt sollte sich a.) einen kaufen und b.) einen Gartenschlauch griffbereit halten. Dieser eignet sich durch unbegrenzt nachströmendes Löschwasser sehr gut für solche Zwecke und ist überdies auch in jedem Garten zu finden. Die völlig rückstandsfrei löschenden Kohlendioxidlöscher sind völlig ungeeignet, da sie keine Glut ablöschen können. Gaslöscher sind im Allgemeinen eher weniger für den Gebrauch im Freien geeignet, da sich die Löschwolke sehr schnell mit der reichlich vorhandenen Umgebungsluft vermischt und wirkungslos davonschwebt.
Sollte bei einem Gasgrill austretendes Gas in Brand geraten, darf dieses nur durch Unterbrechung der Gaszufuhr gelöscht werden! Ansonsten tritt nach dem Ablöschen der Flammen weiter Gas aus, welches sich an heißen Teilen des Grills oder sonstigen Zünquellen wieder entzünden könnte. Die anschließende Folgeexplosion kann großen Schaden anrichten und zu einer Ausweitung des Brandes führen. Sollte die Gaszufur nicht unterbrochen werden können, alles Brennbare aus dem direkten Umfeld entfernen und brennen lassen!

Fassen wir die wichtigsten Regeln für einen sicheren Umgang mit dem Grill nochmal zusammen:
  1. Auf ordnungsgemäßen Aufbau, sicheren Stand und ausreichend Abstand zu brennbaren Materialien achten!
  2. Den Grill während des Betriebes nicht umsetzten und nicht unbeaufsichtigt lassen! Kinder und Tiere fernhalten!
  3. Beim Grillen mit Holzkohle niemals flüssige Brandbeschleuniger zum an- und wiederentzünden der Kohlen verwenden!
  4. Beim Grillen mit Gas darf die Gasflasche nur mit Druckminderer angeschlossen werden! Auf feste Verschraubung und Dichtheit der DIN-geprüften Zuleitung achten! Rechtsgewinde beachten!
  5. Sollte der Anschluss eines Elektrogrills über eine Kabeltrommel erfolgen, Kabel ganz abrollen!
  6. Holzkohle- und Gasgrills niemals in geschlossenen Räumen betreiben!
  7. Geeignetes Gerät zur Brandbekämpfung bereithalten!

Anmerkung der Redaktion:
Dieser Artikel wird gern gelesen und der Freiwilligen Feuerwehr Jübeck hat er scheinbar so gut gefallen, dass sie ihn 1 zu 1 von meiner alten Seite Brandschutz-Info (welche aufgrund von Schwierigkeiten bei der Domainverlängerung nun als Phoenix Feuerschutz weiterbesteht) kopiert haben. Das "© C. Müller" ist dabei allerdings nicht übernommen worden und ein Link zur entsprechenden Quelle wurde leider auch nicht gesetzt.

Wenn mich jemand fragt, ob er Texte etc. benutzen, kann, dann bin ich wirklich der letzte, der "NEIN" sagt.
Aber bitte vorher fragen und einen entsprechenden Link setzen.


© C. Müller