Donnerstag, 30. Mai 2013

Giftige Bromid-Löscher aus der DDR

DDR Bromid 1
Auch wenn die Markenvielfalt der-DDR Feuerlöscher nicht so üppig war, wie die in Westdeutschland und sich im Prinzip nur auf die Hersteller "VEB Apolda" und "VEB Neuruppin" beschränkte, so waren die  Löschmittel doch ähnlich vielfältig wie in der Bundesrepublik. Nach der Wende verschwanden die meisten Feuerlöscher aus DDR-Produktion nach und nach aus der Öffentlichkeit, da sie nicht mehr der den gültigen Normen entsprachen. Das Verschwinden trifft jedoch hauptsächlich nur auf die Pulver-, Wasser-, Schaum- und Kohlendioxidlöscher zu, denn man sieht sie heute doch relativ selten bei eBay oder sonstigen Verkaufsbörsen. Was dort jedoch überproportional häufig auftaucht sind alte Bromid-Löscher, teilweise sogar noch aus den 1960er Jahren.
Der Grund hierfür ist recht einfach zu erklären, denn während Pulverlöscher und die übrigen eben aufgezählten hauptsächlich in Betrieben, Kaufhäusern und in sonstigen öffentlichen Bereichen anzutreffen waren, wurden sie dementsprechend auch einkassiert und verschrottet. Bromid-Löscher hingegen waren überwiegend in privater Hand und wurden in Autos und Garagen montiert. Hier waren sie natürlich vor der Einziehung gut geschützt und nach dem Motto "Was man hat, das hat man" wurden sie von den damaligen Besitzern auch nur selten hergegeben. Nun tauchen sie alle wieder auf und werden beim Entrümpeln von Garagen und Kellern gefunden und gern als "Ostalgie" angepriesen bzw. gekauft. Auch bei Trabi- und Wartburfreunden sind sie als zeitgenössisches Ausstattungsstück für ihren Oldie heiß begehrt. Doch... die meisten sind noch gefüllt und das Löschmittel hat es in sich...

Gefahren des Löschmittels
Das in der DDR verwendete Bromid war ähnlich dem Halon 1011, welches in Feuerlöschern aus Westdeutscher Produktion eingesetzt wurde. Die süßlich riechende und stark narkotisch wirkende Flüssigkeit fand erstmalig etwa Mitte der 1950er Jahre in Feuerlöschern Verwendung und setzte sich überwiegend aus einer Mischung von Bromchlormethan, Dichlormethan und Methylenbromid zusammen. Allein schon die Bezeichnungen lassen eindeutige Rückschlüsse darauf zu, dass diese Mischung ein giftiger  Chemiecocktail ist, welcher zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zum Tod führen kann. Folgende Beschreibungen beziehen sich auf reines Bromchlormethan, doch dürfte die Wirkungsweise in der genannten Mischung ähnlich sein.
Die Hauptaufnahme des beim Löschen zerstäubten Bromids findet über die Atemwege sowie die Haut statt und die Wirkungsweise besteht in einer Reizwirkung auf Augen, Haut und Atemwegen.
Bei sehr hohen Konzentrationen, wie sie durchaus auch beim Löschen eingeatmet werden können, besteht die Gefahr von erheblichen Lungenschäden und ernsten Störungen im Zentralnervensystem.
In drei voneinander unabhängig aufgetretenen Vergiftungsfällen bei Feuerwehrmännern nach kurzer aber sehr hoher Exposition des Löschmittels traten Orientierungsstörungen, starker Kopfschmerz, Übelkeit, Brennen im Magen, Magenkrämpfe, Augenreizungen, Rötung der Nasen- und Rachenschleimhäute, Sensibilitätsstörungen in den Extremitäten, Muskelzuckungen und Krämpfe, Bewusstlosigkeit und Atemnot auf. Es wurde weiterhin über Gewichtsverlust und teils nur langsame Genesung berichtet.
Bei inhalativer Exposition zeigen sich ab Konzentrationen von 1500 ppm nach 15 min Überempfindlichkeit, Reizbarkeit, Gleichgewichtstörung und Tremor. Bei 5000 ppm kommt es zu Apathie und leichter Narkose, ab 10000 ppm zu Narkose und Todesfällen durch Atemdepression. Insgesamt ist die narkotische Wirkung mäßig, aber im Vergleich zum Tetrachlormethan und Dichlormethan länger anhaltend. Noch höhere Konzentrationen wirken in kurzer Zeit lungenschädigend. Als IDLH-Wert (immediately dangerous to life or health) gelten schätzungsweise 2000 ppm (10600 mg/m³).
Hinzu kommt gerade bei dem DDR-Bromid die Tatsache, dass das verwendete Bromid nicht nur die aufgeführten Stoffe enthält, sondern in Form von Verunreinigungen auch immer einen gewissen Bestandteil X.

Umgang mit solchen Löschern
Wie eingangs schon erwähnt tauchen diese Löscher oft bei eBay und ähnlichen Seiten auf und werden verkauft. In der Regel sind sie noch gefüllt.
Doch Vorsicht! Ich kann nur jedem willigen Käufer davon abraten, sich einen gefüllten Bromid-Löscher zuzulegen! Wie aus der Wirkungsweise eindeutig hervorgeht, ist die Füllung giftig und hat weder etwas in Wohnräumen, noch im Auto zu suchen! Als Deko oder zeitgenössisches Zubehör zum Auto nur im entleerten Zustand!
Wenn Ihr einen solchen Löscher findet, solltet Ihr Ihn am Besten sofort einer Entsorgung zuführen! In der Regel könnt Ihr solche Löscher bei Eurem örtlichen Sondermüllentsorger abgeben - vielfach sogar kostenlos oder gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr. Für den Transport solltet Ihr den Löscher vorsichtig in eine Tüte geben, welche Ihr dann mit Klebeband umwickelt und abdichtet. Solltet Ihr den Löscher warum auch immer nicht sofort entsorgen können, empfehle ich Folgendes:
Besorgt Euch eine Kunststoffkiste mit Deckel (die von IKEA sind sehr gut geeignet) und füllt diese zur Hälfte mit Katzenstreu. Legt dann den Löscher in Folie oder eine Tüte verpackt in die Kiste, füllt sie bis oben auf und verschließt sie mit einem Deckel. Das ist zwar auch keine fachgerechte Lösung, doch sollte etwas von dem Bromid auslaufen oder ausgasen, dann wird es durch das Katzenstreu gebunden.


!!! Probiert einen Bromid-Löscher niemals aus !!!

© C. Müller 
Informationen zur Wirkungsweise und Stoffzusammensetzung: IFA und dtv-Atlas zur Chemie Bde. 1 u. 2.
  

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